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Blackmore's Night - Winter Carols (Cover Artwork)
Fr, 19. November 2021

Blackmore’s Night – Winter Carols

Folk, Folk Rock
30.11.2021
Blackmore's Night - Winter Carols (Cover Artwork)

Aller guten Dinge sind vier!

Pünktlich zur Adventszeit bescheren uns Blackmore’s Night – das US-amerikanische Renaissance-Duo um den ehemaligen Deep-Purple-Gitarristen Ritchie Blackmore und seiner Ehefrau Candice Night – eine Neuauflage ihres erfolgreichen Weihnachtalbums „Winter Carols“, welches erstmals 2006 den Weg in die Plattenläden fand.

Und dann nochmals 2013… und 2017… und zu guter Letzt (für den Moment zumindest) nun dieses Jahr – wobei wir auch gleich mitten im Geschehen beziehungsweise beim Kernpunkt meiner Kritik angelangt wären: Auch wenn sich die Songauswahl auf CD 2 (einzig die Urausgabe lag noch einsam und verloren unterm Weihnachtsbaum) im Vergleich zu den Vorgängern deutlich ins Positive gekehrt hat, so bleibt beim Herzstück der Scheibe – den (klar mehrheitlich) traditionell daherkommenden Weihnachtsliedern aus 400 Jahren Geschichte – nahezu alles beim Alten, sieht man einmal vom neu hinzu gekommenen „Coventry Carol“ ab. Und das Label „Remastered“ ist hierbei halt auch nicht wirklich viel mehr als ein oftmals eingeworfener Marketing-Slogan.

Mit Engelsstimme….

Genug gelästert – denn unter all dem Recycling-Tüll liefern Blackmore’s Night mit „Winter Carols“ eine überaus solide Sammlung gerade im angelsächsischen Raum mehr oder minder bekannter Weihnachtsstücke ab. Ähnlich wie bei „From Spirits And Ghosts (Score For A Dark Christmas)“ von Tarja Turunen (zum Review) wird das hosannische Liedgut in althergebrachter Manier intoniert – egal ob „O Christmas Tree“ oder „O Tannenbaum“ (Tarja), zeitloser Klassiker bleibt nun mal Klassiker. Natürlich kommen im vorliegenden Falle zuweilen auch mittelalterliche Instrumente wie Schalmei oder Flöte im übergeordneten Soundensemble zum Einsatz, doch sind es für mich gerade die ruhigen, simpel ausgelegten Passagen auf dieser Scheibe, welche mich am meisten zu überzeugen vermögen.

Noch mehr als bei ihrem ebenfalls dieses Jahr erschienenen Album „Nature’s Light“ (zur Review) tritt dabei die Stimme von Candice Night in den Vordergrund. Die auf CD Nummer 2 zu findenden Live-Aufnahmen lassen nur ansatzweise erahnen, wie die Ausnahmevokalistin mit ihrem Gesang wohl auch eine ganze Kathedrale auszufüllen vermöchte. Der Saitenzauber ihres Ehemannes spielt sich derweil eher etwas dezent im Hintergrund ab. So ist „Winter (Basse Dance)“ denn auch das einzige Instrumentalstück auf diesem Rundling – ein wunderschön mit Akustikgitarre, Flöten, Streichern und leichter Percussion ausgearbeiteter Track.

… zum Tag der unschuldigen Kinder

Wie bereits eingangs erwähnt, hat mit dem harmonischen, instrumental wunderschön ausbalancierten „Coventry Carol“ (das mich von der Klangfarbe her irgendwie an Gloria Estefans „Hoy“ erinnert) ein neuer Song Einzug in den Grundstock von „Winter Carols“ gehalten. Seinen Ursprung hat dieses Lied in „Pageant of the Shearmen and Tailors“, einem Mysterienspiel aus Coventry aus dem 15. Jahrhundert, welches in der Folge als englischer Weihnachtscantus vertont wurde. Inhaltlich handelt es vom Kindermord durch Herodes (Matthäusevangelium), als dieser nach der Geburt Jesu alle neugeborenen Knaben in Bethlehem töten liess – ihnen wird heute noch am „Tag der unschuldigen Kinder“ (meinem Geburtstag) gedacht.

Alles in allem betrachtet beschenken uns Blackmore’s Night im vorliegenden Falle mit einer gelungenen Zusammenstellung (jedenfalls im englischsprachigen Raum) wohlbekannter Weihnachtslieder, welchen hier und da ein mittelalterliches Gewand übergestülpt, bei denen aber glücklicherweise nie versucht wird, mit fetten Beats oder überbordender Orchestrierung eine unnötig dynamische Note aufzuzwingen. So funktioniert die Scheibe denn sowohl als stille Hintergrundbeschallung beim Weihnachtsschmaus, als Prolog zum Fest der Liebe im Lift einer Einkaufs-Mall, oder auch am Glühweinstand eines Weihnachtsmarktes formidabel. Und wer es etwas rockig-spassiger mag, greift parallel dazu noch zu „Almost Christmas“ von Lee Aaron (zur Review) – „Ds Füfi u ds Weggli“ sozusagen.

Das Fanzit Blackmore’s Night – Winter Carols

Aller guten Dinge sind vier – vorderhand zumindest, schliesslich wissen wir nicht, ob Blackmore’s Night dereinst mit einem fünften Langrillen-Encore den hart umkämpften Weihnachtsliedermarkt aufzumischen gedenken. Klar muss man für ein solches Album in Festtagslaune sein. Und ja, über den Grad an Originalität, alte Weihnachtsweisen in einen mediäválen Umhang zu packen, lässt sich trefflich streiten. Aber als Ergänzung (oder auch Alternative) zu „Last Christmas“ gibt diese Scheibe echt etwas her! Und was man ebenfalls im Hinterkopf behalten sollte (kann als impliziter Warnhinweiskleber verstanden werden): Bei diesem Produkt handelt es sich um ein Weihnachtsalbum – und versprüht denn auch genau diese Stimmung (nicht umsonst kommt das W-Wort in diesem Artikel 13-mal vor)!

Kurzum: Für eingefleischte Fans, welche den US-Amerikanern seit Jahren die Treue halten und somit bereits eines der zyklisch aufgefrischten Winteralben ihr Eigen nennen, ist die einstweilen letzte Auflage von „Winter Carols“ definitiv kein Must Have (es sei denn, man möchte in seiner Sammlung keine Lücke vorfinden). Wer die zweifelsohne wunderschön intonierten X-Mas-Stücke von Blackmore’s Night hingegen noch nicht kennt, traditionelle Festtagslieder nicht verschmäht und sich mit einem kunterbunten Mix aus alten und halbwegs neuzeitlichen Weihnachtssongs anzufreunden vermag, sollte in der Tat mal ein Ohr riskieren. Hätte das Christkind die Platte zum allerersten Mal unter den Weihnachtsbaum gelegt, gäbe es – immer im Kontext eines mehr oder weniger saisonal begrenzt einsetzbaren Produktes – klar eine 8 oder knapp darüber, das Re-Re-Re jedoch sorgt für einen Abzug in der B-Note.

Fun-Fact: Das auf dieser Scheibe vertretene „Hark! The Herald Angels Sing“ wurde in „Ghost Of Christmas Past“ von Majestica im melancholischen Mittelteil auf wunderbar powermetallene Weise eingewoben.

Anspieltipps: Coventry Carol, Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful, We Three Kings, Emmanuel

Reinhören und portofrei bestellen

Trackliste Blackmore’s Night – Winter Carols

CD 1:

  1. Coventry Carol
  2. Deck The Halls
  3. God Rest Ye Merry Gentlemen
  4. O Christmas Tree
  5. Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful
  6. I Saw Three Ships
  7. Winter (Basse Dance)
  8. Ding Dong Merrily On High
  9. Ma-O-Tzur
  10. Good King Wenceslas
  11. Simple Gifts (Lord Of The Dance)
  12. We Three Kings
  13. Wish You Were Here (2021)
  14. Emmanuel
  15. Christmas Eve
  16. We Wish You A Merry Christmas

CD 2:

  1. Crowning Of The King
  2. Here We Come A-Caroling
  3. It Came Upon A Midnight Clear
  4. O Little Town Of Bethlehem
  5. Silent Night
  6. Christmas Eve (2013 Version)
  7. Hark! The Herald Angels Sing / O Come All Ye Faithful (Live From Minstrel Hall)
  8. Emmanuel (Live From Minstrel Hall)
  9. We Three Kings (Live From Minstrel Hall)
  10. Ma-O-Tzur (Live From Minstrel Hall)
  11. Good King Wenceslas (Live From Minstrel Hall)

Line Up – Blackmore’s Night

  • Ritchie Blackmore – Guitar, Mandola, Nyckelharpa, Hurdy-Gurdy, Percussion
  • Candice Night – Vocals, Shawm, Pennywhistle
  • Pat Regan – Production, Arrangements, Keyboards
  • Robert Curiano – Bass
  • Madeline und Nancy Posner – Harmony Vocals
  • David Baranowski – Keyboards
  • Sarah Steiding – Violin
  • Anton Fig – Drums
  • Albert Dannemann – Bagpipes, Backing Vocals
  • Ian Robertson und Jim Manngard – Backing Vocals

 

Video Blackmore’s Night – Christmas Eve


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7.5/10



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30.11.2021
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