Mannried Open Air 2022 - Plakat final
Fr–Sa, 12.–13. August 2022

Mannried Open Air 2022 – Blaze Bayley, Excelsis, Cypecore, u.a.

Burg Mannried (Zweisimmen, CH)
29.08.2022
Mannried Open Air 2022 - Plakat final

Bühnensturm, Spitzensound und Kartoffelsalat

Der Turnplatz soll beben: das Mannried Open Air 2022 erwartet uns nämlich mit einem starken Line-up im grünsten Tal Europas, dem Simmental. Dort wo früher einmal sportlich Aktive daraufhin gearbeitet hatten, ausser Puste zu geraten, wird in den nächsten beiden Tagen wieder geschwitzt wie in alten Tagen. Dass Metalinside keine Anstrengung scheut, um euch vom Festival zu berichten, versteht sich natürlich von selbst.

Die Fahrt nach Zweisimmen ist allerdings vielmehr Vergnügen als Anstrengung, können wir doch strahlenden Sonnenschein geniessen, der uns auch die kommenden zwei Festivaltage ein treuer Begleiter sein wird. Richtig gelesen, den volkstümlichen Donnerstagabend und damit dritten Festivaltag liegt ferientechnisch dieses Jahr leider nicht drin. Auf dem Zeltplatz werden wir dann bereits erwartet von unseren Freunden, die uns einen Platz direkt beim Fluss-Bach-Rinnsal-Dings freigehalten haben. Nach einer kleinen Pause zieht es mich dann pünktlich zur Türöffnung hoch zum Turnplatz.

Tag 1 des Mannried Open Air 2022 (Freitag, 12. August)

Dort erwartet mich bereits der altbekannte Kartoffelsalat, der schon die beiden letzten Jahre für einen glücklichen Magen gesorgt hat. Nicht dass der Aufstieg viel Hunger verursachen würde, liegt doch das Festivalgelände nur gerade ein bis zwei Gehminuten vom Zeltplatz entfernt auf der Anhöhe direkt darüber. Dadurch kriegen auch alle, die sich noch in ihrem Camp befinden die Musik mit und wer die Zeit vergisst, verpasst höchstens das Intro vor der Bühne, wenn er sich aufmacht sobald die ersten Töne erklingen.

Vex

Die ersten Töne des heutigen Tages stammen von Vex. Die Band ist aus Deutschland angereist, genauer aus Hausach im Schwarzwald, wenn meine Recherchen keine falschen Ergebnisse geliefert haben. Voller Elan donnert die Truppe los und kredenzt uns eine äusserst interessante Mischung aus Groove Metal, Metalcore und einem Schuss Hard Rock. Tönt wild? Ist es auch, doch auf eine positive Art. Die verschiedenen musikalischen Ausprägungen fliessen nahtlos ineinander über und je nach Lied tritt mal die eine oder andere Facette in den Vordergrund.

Vex selbst nennen ihr Gebräu kurz Groovecore, eine Bezeichnung die der Musik durchaus gerecht wird. Zudem machen die Jungs einen sehr sympathischen Eindruck, der sich im Laufe ihres Sets weiter festigt und treffen genau die goldene Mitte zwischen aktiver Animation des Publikums und Zurückhaltung infolge mässiger Bewegung vor der Bühne.

Schaue ich so um mich herum, blicke ich aber doch in diverse zufriedene Gesichter, die gemütlich dem Konzert beiwohnen. Das Quartett kommt also nicht nur bei mir gut an. Die klangliche Abmischung unterstützt den Auftritt auch noch mehr als gelungen. Ein grosses Kompliment an die Toncrew. Zusammengefasst ein gelungener Auftritt, der den „harten“ Teil des Mannried Open Air 2022 standesgemäss eröffnet.

Balls Gone Wild

Weiter geht es mit Balls gone wild, die sich musikalische eine Ecke ausgesucht haben, die derjenigen, in der Vex sitzen nicht gerade den Platz streitig macht, aber auch nicht am entgegengesetzten Ende des Infields liegt. Gut, der Turnplatz hier oben ist ja wirklich überschaubar und seine Ecken liegen dementsprechenden nah beinander. Nichtsdestotrotz haben sich die drei Kölner eine ganz eigene klangliche Identität geschaffen. Der Hard Rock Anteil ist um einiges höher, die Versatzstücke aus dem Metalcore lässt die Truppe weg und der groovige Boden ist auch in ihrem Sound vorhanden.

Vince van Roth der sich um den Bass sowie den Gesang kümmert, führt mit viel Schalk und einem grossen Grinsen durch das Programm, was die in beachtlicher Zahl vor der Bühne erschienen Metalheads mit wohlwollendem Zuspruch quittieren. Auch spielerisch glänzt das Trio mit viel Energie, so dass ich am Schluss ein zufriedenstellendes Gesamtfazit ziehen kann. Nicht zuletzt auch, weil der Sound gleich nochmals hervorragend war. Hoffentlich hält das den Abend hindurch weiter an so.

Absolva

Dazu müssen jetzt vier Herren ran, mit denen ich bisher noch nicht das Vergnügen hatte und zwar weder live noch auf Platte oder in sonst irgendeiner Form. Absolva sind also ein vollkommen unbeschriebenes Blatt für mich. Die Band gibt es aber schon seit zehn Jahren, in denen sie sechs reguläre Alben und zwei Liveaufnahmen veröffentlicht hat. Ein beeindruckender Backkatalog, den die Jungs da vorzuweisen haben. Sänger Chris Appleton ist darüber hinaus mit wirklich guten Stimmbändern gesegnet, deren Einsatz das Publikum dazu bringt so richtig abzugehen. Die Briten spielen klassischen Heavy Metal und der trifft scheinbar einen Nerv bei den Anwesenden. Bei mir tut er es auf jeden Fall; spätestens bei „Burning Star“ kann ich meinen Kopf nicht mehr stillhalten. Der Song ist ab dem ersten Ton das Highlight des Konzerts.

„Never a good day to die“ ist genauso wenig von schlechten Eltern, haut er doch ebenfalls voll rein. Neben Sänger Chris, der sich auch noch eine Gitarre umgeschnallt hat, sorgt sein Bruder Luke für coole, kraftvolle Riffs. Auf einem rhythmischen Fundament gebaut von Schlagzeug und Bass solieren sich die beiden im Duelmodus durch diverse Mittelteile und können dabei mit ihren spielerischen Fähigkeiten glänzen. So beispielsweise in „Legion“, das nebenbei noch mit einem mitsingtauglichen Refrain mitzureissen weiss. In Kombination mit dem nach wie vor über Kritik erhabenen Mix sorgen Absolva für einen frühen Höhepunkt im Line-up des Mannried Open Air 2022. Das wird schwer zu toppen sein.

Blaze Bayley

Doch nun betritt ja jemand die Bühne, der schon einige Erfahrung mit Konzerten gesammelt hat. Blaze Bayley ist wahrlich kein Unbekannter in der Metalszene, hatte er doch rund fünf Jahre lang den Gesangsposten inne bei Iron Maiden („der objektiv besten Band der Welt“, wie uns Barchef Danny gleich zweimal mit einem breiten Grinsen versichert). Die ersten beiden Songs, „Ten Seconds“ und „Kill and Destroy“ müssen zu meiner Überraschung allerdings mit etwas dumpferem Sound auskommen als die bisher glasklare Qualität bei den letzten Bands, doch erstens ist der Klang weit davon entfernt schlecht zu sein und zweitens ist bereits bei der dritten Nummer „Watching the Night Sky“ alles wieder wie vom heutigen Tage gewohnt eitel Sonnenschein was den Mix angeht.

Und der Heavy Metal von Blaze Bayley? Der kommt irgendwie noch nicht so richtig in die Gänge. Nach den mitreissenden Melodien von Absolva fehlt es etwas an Hooks, die mich sofort in Bann schlagen. A propos Absolva: die stehen hinter Blaze auf der Bühne und zimmern ihm die musikalische Basis für seinen vollklingenden Gesang. Es handelt sich bei den vier Herren also neben Absolva auch noch um die Instrumentalisten von Blaze Bayley. Sachen gibts. Nach „18 Flights“ kriegt jeder von ihnen – vom Schlagzeug über den Bass bis hin zu den Gitarren – sogar noch die Möglichkeit mit einem ausgedehnten Solo ins Rampenlicht zu treten.

Frontmann Blaze zeigt sich dabei von seiner humorvollen Seite, indem er immer wieder gespielt versucht dem Treiben Einhalt zu gebieten und von den Soli erneut von der Bühne verscheucht wird. Überhaupt gibt sich der Sänger sehr nahbar. So verspricht er nicht nur, am Merchstand zu warten bis jede und jeder die ein Autogramm von ihm wollen bei ihm waren, sondern spricht auch ganz offen über seine Suizidgedanken in der Vergangenheit. Wer auch immer solche Gedanken habe, soll sich an gute Zeiten so wie heute am Open Air Mannried erinnern, in denen er oder sie nicht alleine war. Eine überraschend intime Ansage, die ihm eine Menge Sympathiepunkte einbringt. So ab der Hälfte des Sets zünden schliesslich auch die Songs bei mir, wobei hier vor allem „A Thousand Years“ zu nennen ist, und da brauchts auch gar nicht mal zwingend Maiden Songs wie „The Clansman“, damit ich den Auftritt in guter Erinnerung behalte.

Nachdem der Auftritt bereits eine Weile zu Ende ist, schauen wir dann beim Merchstand vorbei und tatsächlich steht da Blaze Bayley immer noch geduldig bereit für Fotos oder um die Alben, Setlisten und Patches seiner Fans zu signieren. Über das Helferteam erfahre ich, dass der Mann schlussendlich nur zwei Stunden geschlafen hat, bevor er weiterreisen musste. So sieht gelebte Fannähe aus.

The Exiled

Schlaf ist für uns aber noch kein Thema, denn es stehen ja noch The Exiled auf dem Programm. Es hat mittlerweile Tradition, dass die letzte Bands des Abends aus dem extremeren Subgenres stammt und da passt der modern gehaltene Death Metal der Thuner wunderbar ins Bild. Auch The Exiled mischen gerne munter verschiedene Einflüsse in ihren Sound, was sich insbesondere in den Gitarrensoli ausdrückt. Gerne mischen tut auch die Toncrew, denn wenn der ihr Job keinen Spass machen würde, könnte ich mir nicht vorstellen, wie sie es schafft auch um diese Uhrzeit noch Arbeit von allerbester Güte abzuliefern.

Das kommt dem Konzert von The Exiled natürlich sehr entgegen und die Truppe nutzt das voll aus. Ganz neu im Bunde ist übrigens Sänger Michael Stucki auch bekannt als El Mihi von der Band Days of Ruin, der sich zur Feier des Tages gleich mit pinkem Glitzerhut zeigt. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist heute der erste Auftritt der Band mit dem neuen Line-up und The Exiled können mit dieser Premiere sehr zufrieden sein. Auch ich bin zufrieden mit dem heutigen Tag und verziehe mich im Anschluss auf den Campingplatz, um die Batterien für morgen wieder aufzuladen.

Tag 2 des Mannried Open Air 2022 (Samstag, 13. August)

Als der Morgen anbricht, erwartet uns nach der ziemlich kühlen Nacht erneut ein sonniger Tag. Die Temperaturen klettern bald nach oben und einige Wagemutige nehmen ein erfrischendes Bad im „reissenden Strom“ neben unserem Camp, wobei sie froh sein können, dass die Bachrinne breit genug ist, um sich überhaupt reinsetzen zu können. Auf jeden Fall sind Badehosen dieser Tage begehrt. Frühstück ist natürlich ebenfalls ein grosses Thema und alsbald sind wir alle gestärkt für alles, was uns heute so erwartet. Das hat sich kurzfristig noch geändert, denn Thundermother mussten ihren Auftritt leider gesundheitsbedingt absagen. Das OK hat es zum Glück geschafft, in den wenigen Tagen, die noch blieben bis zum Festivalstart mit Cypecore einen Ersatz zu finden. Durch die Umstrukturierung haben sich die Spielzeiten geändert, denn mehrere Band kriegen heute mehr Zeit zur Verfügung. Zum Glück können wir das noch rechtzeitig auf der offiziellen Website nachschlagen vor dem Beginn.

Junkie Rose

So vergeht die Zeit bis zum ersten Auftritt im Nu und schon stehen wir wieder vor der Bühne, die soeben von Junkie Rose eingenommen wird. Wenn wir von jungen Bands sprechen, haben die häufig auch schon das eine oder andere Jahr auf dem Buckel. Junie Rose hingegen sind wirklich taufrisch. Gegründet im November 2020 gibt es die Truppe aus Bern noch nicht einmal zwei Jahre und ihre öffentlichen Gigs lassen sich an zwei Händen abzählen. Dass das Mannried Open Air einer solch jungen Band eine Chance gibt, macht das Festival gleich nochmals sympathischer. Eine grosse Sympathiewelle schwappt auch vom Publikum zu Junkie Rose herüber. Für die frühe Uhrzeit sind definitiv überraschend viele Besucherinnen und Besucher anwesend.

Der schmale Streifen Schatten vor der Bühnen bringt das Publikum ausserdem dazu, auf den üblichen schweizerischen Sicherheitsabstand zu verzichten und sich direkt vor der Stage einzufinden. Zu hören kriegen wir klassischen Heavy Metal, wobei sich die Band eine Mischung aus eigenen Songs und diversen Coverversionen von Klassikern wie „Breaking the Law“ oder „18 and Life“ auf die Fahne geschrieben hat. Die Nervosität ist den Jungs da und dort noch etwas anzumerken, doch alles in allem schlagen sie sich gut und gerade bei den bekannten Songs können sie auf die Unterstützung der anwesenden Festivalgänger zählen, welche nicht nur die Refrains engagiert mitsingen. Einzig die Melodielinien könnten Junkie Rose noch etwas mehr in die natürliche Stimmlage ihres Sängers legen, damit dieser aus seinem Gesang auch das Optimum herausholen kann.

HAK

Etwas länger dabei in der Szene als Junkie Rose sind HAK, die ebenfalls aus Bern stammen. Mit ihrem von berndeutschen Texten untermalten Crossover Sound, dem sie die treffende Bezeichnung Mundartcore verpasst haben, besetzen sie eine ganz eigene Nische in der Musiklandschaft. Gerade durch die Verwendung des Dialekts, entwickelt die Musik eine starke Unmittelbarkeit, welche die Mannrieder vor der Bühne rasch einwickelt und zum Abgehen bringt. Dazu trägt auch das explosive Auftreten der Band mehr als nur ein bisschen bei. Ausnahsmlos alle Akteure sind aktiv, stehen mal hier, mal da und bangen that head that doesn’t bang.

Auch HAK profitieren vom Umstand, dass ihnen der Schatten respektive die Sonne, die Fans praktisch in die Arme treibt. Einen Fotograben sucht ihr hier übrigens vergebens, die Fans können direkt an die Bühne, was viele Personen immer wieder tun. Oder gleich ganz auf die Bühne, denn bei „Bärn City“ fordert die Band alle dazu auf, zu ihnen hochzukommen. Das lässt sich eine ganze Hand voll Leute nicht zweimal sagen und Metalinside stürzt sich natürlich ebenfalls unerschrocken mitten in die Action, um unserer Leserschaft hautnah vom Geschehen berichten zu können. Und weil ich genau zugehört habe, als pam erzählte, was am Hellfest bei The Exploited auf der Bühne passiert ist, weiss ich natürlich, was zu tun ist (falls ihr es nicht wisst: hier ist der entsprechende Bericht zu finden). Den Moshpit direkt um sie herum stecken HAK noch ganz routiniert weg, ob des crowdsurfenden Fans auf der Bühne entgleitet ihnen aber doch ein verschmitztes Grinsen.

Selber schuld, wenn ihr mit Songs wie „Gigu“ und „Hautät mau d’Schnurä“ die Stimmung so angeheizt habt. Zum Abschluss (den ich wieder brav vor der Bühne verfolge) überrascht das Quintett mit einer berndeutschen Coverversion von „Killing In The Name“, die ungewohnt und erfrischend daherkommt. Der laute Applaus als die Berner die Bühne verlassen zeigt deutlich, dass HAK gerade souverän abgeräumt haben.

Emerald

Als nächstes dran sind Emerald aus Düdingen, uns mit Heavy Metal ins Schwitzen zu bringen. Mit ihrer langjährigen Erfahrung gelingt das der Dame und den fünf Herren problemlos. Dass sie auf wirklich starkes Songmaterial zurückgreifen können, ist sicherlich auch nicht gerade hinderlich. „Freakshow“ oder „Digital Slavery“ rocken richtig gut, unmöglich dabei den Kopf stillzuhalten und der Melodientiger in mir, wird vor allem mit „Horns Up“ gesättigt. Das Cover von Iron Maidens „Wasted Years“ bräuchte es da eigentlich gar nicht, auch wenn unser aller Lieblingsbarchef Danny das sicher anders sehen würde.

Mace Mitchell, seines Zeichens Sänger der Band führt sympathisch und gekonnt durch das Programm, während ihm die Instrumentalfraktion einen druckvollen Klangteppich auslegt. Ah und ich habs heute ja gar noch nicht erwähnt, aber der Sound ist seit dem ersten Konzert wieder über jegliche Kritik erhaben. Das zieht wieder viele Personen bis ganz nach vorne zum nicht existierenden Fotograben. Die Fotografen haben dafür die Möglichkeit via Backstagebereich von hinten auf die Bühne zu kommen und so das Geschehen aus einer anderen Perspektive festzuhalten. Festzuhalten von meiner Seite bleibt: Emerald wissen, wie man ein gutes Konzert spielt, sorgen für nickende Köpfe allenthalben und verdienen sich die abschliessenden Beifallsbekundungen mit überzeugenden Songs.

Zeit für Kartoffelsalat würde ich sagen, den wir als Bestandteil des Geheimmenüs Steak Spezial geniessen, das mysteriöserweise auf keiner Karte des Mannried Open Air 2022 zu finden ist. Mehr kann ich darüber leider nicht erzählen, ohne in grosse Schwierigkeiten zu geraten.

Night Laser

Gut gestärkt harren wir der Dinge, die da kommen. Genauer gesagt sind das Night Laser aus Hamburg in unserem nördlichen Nachbarland. Glam Metal hiess es im Internet, doch die Beschreibung ist überflüssig, denn ein Blick zu den vier Herren reicht aus, um sofort erkennen zu können, was uns erwartet. Enge Hosen, Eyeliner, Stirnband – abgesehen von den Leopardenleggins liefern Night Laser optisch das volle Programm des Glam und musikalisch sieht das genau so aus. Die Einflüsse aus den Achtzigern sind unüberhörbar, sei das bei „Keep this Love alive“, „Bread and Circus“ oder „Thin Ice“, die allesamt mit viel Charme von Frontmann Benno Hankers angesagt werden. Überhaupt macht Benno einen so fröhlichen Eindruck, dass es einfach ansteckend ist. Das trifft auch auf seinen Bruder Robert am Bass, ja eigentlich die ganze Band zu.

Leider sind so wenig Leute auf dem Turnplatz, um die Band zu hören wie bei keiner anderen Band. Klar, musikalisch sind Night Laser die am wenigsten harte Truppe hier, aber die Hingabe mit der sie ihr Konzept durchziehen, ist bemerkenswert. Oben erwähnte Outfits beispielsweise von den Bandmitgliedern selbst genäht, wie wir im nachträglichen Gespräch herausfinden. Auch das ganze Auftreten und Posieren während der Songs geht Hand in Hand mit der Musik und als der Sänger uns zum Ende des Gigs hin schliesslich mit dem gleichnamigen Song zu einem „Laserhead“ ernennt, macht das schon Spass, auch wenn die Spannungskurve in der Mitte des Auftritts etwas abgeflacht war.

Excelsis

Nachdem die Anzahl an Excelsis-Shirts auf dem Festivalgelände den ganzen Tag über beständig gestiegen ist, duldet der Auftritt der Emmentaler Folk Metaller keinen Aufschub mehr. Mittlerweile ist die Nacht hereingebrochen und als mit leichter Verspätung das Intro vom roten Mond erzählt, während selbiger hinter der Bühne gerade aufgeht, hätte jegliche noch so ausgeklügelte Bühnendekoration oder Lichtshow keine stimmungsvollere Atmosphäre heraufbeschwören können. „In Taverna“ fügt sich darin perfekt ein als Opener und nimmt gleichzeitig Fahrt auf.

Zum ersten Mal am Mannried Open Air 2022 ist allerdings die Abmischung nicht auf dem gewohnten Niveau. Der Klang ist eher matschig, weiss noch nicht zu überzeugen. Ganz im Gegensatz dazu die neuen Lieder vom Album Bluetmond. Pandemiebedingt haben Excelsis das Album noch nicht betourt und ich bin sehr gespannt, wie sich die Songs im Livegewand machen. „In Taverna“ hat schon mal ganz gut funktioniert, doch als wahrer Kracher entpuppt sich das sogleich folgende „Münnebärg“. Mitsingen fällt leicht, Headbangen ebenso und gemessen an einem Blick um mich herum, scheint das nicht nur mir so zu gehen. Doch es wird noch besser: mit „Gwaihir – The Name of a Bird“ vom Debutalbum. Der Song ist an sich schon grossartig und die Band schafft es, mit der Liveversion immer wieder einen draufzusetzen. Heute scheint Sänger Münggu allerdings nicht unglücklich, dass wir mitsingen und ihm beim ein oder anderen textlichen Holperer unter die Arme greifen. Beim Solo in der Mitte zeigt Neuzugang Oli schliesslich, dass er definitiv so einiges drauf hat an der Gitarre.

Neu ist zudem auch, dass Schlagzeuger Küsu sich um das Bäsechlopfe in „Maimond“ kümmert. Ädu steuert neben den Keyboardklängen derweil wie gewohnt Backgroundgesang bei und Mäk legt mit seinem Bass seelenruhig das Fundament für die anderen. Sei es bei den Klassikern „Uechtland“ und „Wissi Bärge“ oder weiteren neuen Songs der Marke „Drei Brüeder“ respektive „Brueder Tod“, Excelsis zeigen sich abgesehen von einigen technischen Schwierigkeiten zu Beginn heute von ihrer besten Seite. Die Klangmischung hat sich mittlerweile auch eingependelt, so dass Lükus Flöte und Schalmei genauso gut zu hören sind, wie alle anderen Instrumente.

Lüku ist überhaupt ein regelrechter Wirbelwind und steht kaum eine Sekunde still, sondern fegt über die Bühne, dass es eine wahre Freude ist. Das Publikum dankt es ihm und der ganzen Band mit grossem Einsatz, auch wenn das kurz auflebende Ruderfeld nur überschaubare vier Personen beherbergt. Viel zu schnell steht der Abschluss an und für den hat sich das Sextett „Chrieger“ aufgehoben. Diese kraftvollen Hymnen haben Excelsis einfach drauf. Münggu widmet das Lied einer Zuschauerin in der vordersten Reihe, die heute Geburtstag hat, was die Menge noch zu einem spontanen Happy Birthday verleitet. Die Stimmbänder gut geölt singen wir „Chrieger“ lautstark mit und als die Band einer nach dem anderen sein Instrument ablegt und sich verabschiedet, ist das ein wunderbarer Abschluss. Doch die lauten Rufe nach einer Zugabe bewegen Excelsis dann dazu, nochmals zurückzukommen und „The Dragonslayer“ rauszuhauen, bei dem nochmals alle abgehen, bevor die Lichter definitiv ausgehen. Eine gelungene Rückkehr der Ämmitaler Drachetöter!

Cypecore

Damit kommen wir zum heutigen Headliner. Cypecore sind wie bereits erwähnt für Thundermother eingesprungen. Musikalisch sind das aber durchaus zwei verschiedene Welten, spielen die Baden-Würthemberger doch eine mit Industrialelementen durchsetzte Mischung aus Grove Metal und Metalcore. Da die Band darauf verzichtet, Ansagen zu machen und ich keine Setliste erspähe, kann ich leider nicht mit Angaben zu den gespielten Songs dienen. Ohne Worte dennoch auffallend ist aber das futuristische Outfit der vier Bandmitglieder, die alle eine Art dystopischer Rüstung mit glühenden Teilen tragen. Dazu Masken verschiedener Art was insgesamt sehr gut zum kalten technischen Liedgut passt.

Leider ist der Bass zu Beginn massiv zu laut und übertönt so ziemlich alles andere. Dabei tritt die Band – Ironie des Schicksals lässt grüssen – ohne Bassisten auf. Der Klang bessert sich mit der Zeit etwas, doch an das Niveau des restlichen Tages kann er bis zum Schluss des Konzerts nicht anschliessen. Das kann ich von der Band nicht behaupten. Die spielt sich nämlich souverän durch ihre Songs, zwischen denen immer mal wieder eingespielte Samples das Science Fiction-Konzept aufgreifen. Schade, gibt es keine Ansagen. Im Rahmen der gewählten Thematik, hätte das dem Auftritt durchaus nochmals eine interessante Facette verleihen können. So bleiben Cypecore etwas ungreifbar, liefern aber musikalisch solide Kost.

Nach all diesen Erlebnissen beschliesse ich nun den Heimweg anzutreten und die zwei Minuten zum Campingplatz zu laufen, die das hier dauert. In einer Dreiviertelstunde werden hier noch Still Slayer auf der Bühne stehen, aber mit Slayer kann ich nicht so viel anfangen, weshalb ich verzichte und etwas Schlaf bevorzuge.

Das Fanzit zum Mannried Open Air 2022

Kaum begonnen, schon ist es wieder vorbei. Das Mannried Open Air 2022 ist bereits wieder Geschichte und hat den ungefähr 400 Besuchern, die dieses Jahr erschienen sind (viele davon Stammbesucher), einmal mehr ein tolles Programm geboten. Als Highlights werden in unserem Camp Excelsis, Absolva und vor allem Hak genannt, was auch meiner Einschätzung entspricht. Das Mannried Open Air hat sich definitiv mehr als etabliert, die Organisation ist reibungslos, die Abläufe sind eingespielt und der Sound bis auf ganz wenige Ausnahme exzellent. Danke an Sändu und sein Team für die Organisation und dieses Jahr besonders an Claudia, die dafür gesorgt hat, dass wir egal um welche Uhrzeit immer piccobello saubere WCs hatten.


Wie fandet ihr das Festival?

29.08.2022
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