Metalinside.ch - Nanowar of Steel - Musigburg Aarburg 2023 - Foto pam
Sa, 1. April 2023

Nanowar of Steel, Frozen Crown

Musigburg (Aarburg, CH)
/ / / 29.04.2023

Neon, Humor und Power Metal

Spass muss sein oder wie es Nanowar of Steel nennen: die Death to false Tours-Tour macht Halt in der Schweiz. Und das passenderweise am 1. April. Nun denn, spannen wir das Zwerchfell an und machen uns auf den Weg nach Aarburg.

Raphi: In der dortigen Musigburg findet nämlich das Konzert statt. Bereits bei der Anreise steigt die Vorfreude, so wie es eigentlich immer der Fall ist, wenn sich eine Horde schwarzgekleideter Metalheads zum selben Ziel aufmacht. Am Eingang angekommen, klappt mit der Akkreditierung alles bestens, doch die beiden Herren an der Garderobe sind gerade stark unter Druck. Aus irgendeinem nicht näher erfassbaren Grund bewegt sich die Schlange kaum vorwärts und so dauert es eine ganze Weile, bis alle Personen ihre Kleidungsstücke losgeworden sind. Doch es reicht locker, um vor Konzertbeginn noch einen kurzen Schwatz mit pam zu halten. Er ist heute im Einsatz als Fotograf und kümmert sich um die tollen Schnappschüsse. Genau wie mich, interessiert ihn die Vorgruppe sogar noch etwas mehr als der Hauptact.

Frozen Crown

Die nennt sich selbst Frozen Crown und stammt aus unserem südlichen Nachbarland. A propos Nachbar: Metalmitinsider Luke hat sich auch noch unter die Besucher gemischt.

Luke: Aus komplett anderen Gründen wie meine Kollegen Raphi und pam bin ich heute hier. Frozen Crown konnten mich beim Reinhören nicht zu einem frühen Anreisen bewegen, ich bin definitiv wegen der Hauptband hier. Die Vorgruppe scheint aber einiges an Leuten anzuziehen. Die letzte Show von Nanowar Of Steel in derselben Location ist noch nicht so lange her, da war der Zuschauerraum zwar auch etwas gefüllt, aber niemals so vollgestopft wie heute. So beschliessen wir beim Konzert der gefrorenen Krone, welches schon am Laufen ist als wir eintreffen, ein erstes Bier im Foyer und mit mehr Platz zu geniessen. Denn was man von drinnen so hört, animiert mich keineswegs zu Rein-Quetsch-Aktionen…

Raphi: Die Band bringt tatsächlich eine eigenwillige Art von Power Metal mit, die den ein oder anderen Schlenker in Richtung Speed Metal beinhaltet. Mit ihrem grossen Hit „Neverending“ geben die fünf den Kurs vor, um anschliessend im Verlauf ihres Sets auch einige neue, dem Publikum voraussichtlich noch unbekannte Songs zum Besten zu geben. Das aktuelle Album Call of the North hat ja gerade mal drei Wochen auf dem Buckel. Ja, da ist einiges an headbangtauglichem Material darunter, auch wenn Frozen Crown bei der einen oder anderen Nummer noch nicht ganz perfekt eingespielt sind. Die paar Holperer und schiefen Töne im Gesang sind allerdings verschmerzbar im Gesamtkontext. Stärker ins Gewicht fällt, dass der Auftritt etwas hastig wirkt. Besonders gegen Schluss hin, macht die Band den Eindruck, als ob sie Probleme kriegen würde, wenn sie länger als die eingeplante Stunde spielt. Generell haben die Ansagen noch Luft nach oben, damit während des Konzerts die einzelnen Songs zu einem mitreissenden Fluss zusammenwachsen. Heute gelingt das nur teilweise, so dass zwar mehrere Songs Spass machen, der Auftritt als Ganzes aber leider blass bleibt.

Nanowar of Steel

Blass ist hingegen kaum das Adjektiv, dass die Kostüme des nun folgenden Headliners in den Köpfen der Fans hervorrufen dürften. Nanowar of Steel treten in neonfarbenen Kleidern aller möglichen (un-) modischen Richtungen auf, was natürlich bereits optisch ganz laut nach Klamauk schreit. Den bietet natürlich auch die Musik des Quintetts, wobei die fünf Herren in der Vergangenheit immer wieder bewiesen haben, dass sie das Schwert der Parodie geübt zu führen wissen. „Sober“, mit dem Nanowar of Steel genau wie ihr neues Album auch das Konzert eröffnen ist gleich so ein Beispiel für die pointierten Spässe. Es bleibt nicht der einzige neue Song, den uns die Italiener heute mitgebracht haben. „Winterstorm of the Night“, „Disco Metal“ und „Pasadena 1994“ kommen nämlich ebenfalls zum Zug im Verlauf des Abends. Musikalisch ist das meiste davon in den Gefilden von Power Metal, Symphonic Metal und Heavy Metal angesiedelt und das sorgt natürlich für passende gute Laune im Publikum. Zwischen den Songs ziehen sich die Spässe natürlich konsequent weiter, wirken aber im Gesamtpaket nicht mal ganz so abgedreht, wie ich das im Vorfeld bei einer Band wie Nanowar of Steel erwartet hätte und driften nur einmal ins Geschmacklose ab, als sich Bassist Gatto Panceri 666 für seine Ansage zu „Der Fluch des Kapt’n Iglo“ bei Goebbels‘ Sportpalastrede vom Februar 1943 bedient. Ansonsten reisst das Best of aus dem neueren Schaffen der Italiener von „Norwegian Reggaeton“ über „Armpits of Immortals“ und „La Polenta Taragnarock“ bis zum unvermeidlichen Schlusspunkt „Valhalleluja“ das Publikum eineinhalb Stunden lang mit und weiss die Fans zu begeistern. Luke ist beispielsweise einer davon.

Luke: Ich gestehe, ich bin seit Jahren ein grosser Fan von Nanowar Of Steel. Und das, obwohl sie musikalisch gar nicht so ganz in mein Beuteschema passen. Aber ihre Parodien finde ich oft sehr gelungen, das ist für mich meistens auch viel weniger «klamaukig» als zum Beispiel J.B.O. oder andere ähnliche Bands. Deswegen folgt nach Raphis (in jeder Hinsicht korrekter) sachlicher Abhandlung nun noch der Fan-Blick.

Die Piraten-Metal-Parodie «Sober» erweist sich als Klasse Opener, da kommt gleich einmal etwas Stimmung auf in der vollen Hütte. «The Call Of Ctulhu» geht dann eher in eine moderne Richtung mit seinen leichten NuMetal-Anleihen. «Winterstorm In The Night», einer meiner Favoriten vom neuen Album, funktioniert auch ohne weibliche Stimme erstaunlich gut. Eigentlich hatte ich gedacht, diese werden heute von der Frozen Crown-Sängerin übernommen, ist aber nicht so. Die Symphonic-Vibes kommen trotzdem gut rüber.

Natürlich darf die obligatorische «Wall Of Love» nicht fehlen. Wer es noch nie erlebt hat: im Prinzip dasselbe wie eine Wall Of Death, einfach mit Umarmung anstatt Kollision am Schluss. George Michaels «Careless Whisper» wird dafür nicht einfach ab Band abgespielt, sondern effektiv gecovert. Kann man natürlich als Klamauk abtun, ich find die Idee nach wie vor witzig.

Nach der überragenden Ballade «…And The I Noticed That She Was A Gargoyle», einem meiner Lieblingssongs, folgt «Disco Metal». Dies ist eines der Stücke des neuen Albums, das mich irgendwie nicht so richtig überzeugt. Es wirkt fast ein bisschen, als hätte die Band zwanghaft einen Nachfolger zu «Norwegian Reggaeton» schreiben wollen. Nun, da finde ich das Original einiges besser, und dies folgt auch gleich als nächstes.

«Uranus» klingt auch ohne Unterstützung von Michael Starr extrem nach Steel Panther. Und dank dem Intro «Bum Voyage» sollte auch klar sein, dass der Band durchaus bewusst ist wie Platt und ausgelutscht der Witz eigentlich ist. Zum Schluss des regulären Sets kommt das deutsche Doppel. Ich stimme mit Raphi überein, dass das Goebbels-Intro zu «Der Fluch des Kapt’n Iglu» eigentlich nicht geht. Ich bin aber überzeugt, dass es dabei vor allem um die Wirkung der deutschen Sprache geht. Aber klar, es wäre wohl eleganter man würde hier zum Beispiel auf Rammstein zurückgreifen… Das anschliessende «Schwanzwald» ist einer der ältesten Tracks heute in der Setliste, und ziemlich sicher auch der dämlichste. Ich staune immer wieder ab mir selbst, das ich ab solch vorpubertärem Humor lachen kann. Geht irgendwie nur bei Nanowar Of Steel.

Nachdem sich die Gruppe kurz von der Bühne verabschiedet, wird der Zugaben-Teil durch das sackstarke «Pasadena 1994» eröffnet. Ich finde es immer noch sehr geil, das Joakim Broden bei dieser Sabaton-Parodie mitgemacht hat. Live funktioniert der Song aber auch ohne ihn bestens.(Raphi: Wenn mich meine Ohren nicht täuschen, arbeiten Nanowar of Steel hier tatsächlich mit Samples seiner Gesangseinlagen)

Beim abschliessenden «Valhalleluja», einer Metal-Gospel-Nummer über ein bekanntes schwedisches Möbelhaus, wird auf der Bühne noch kurz ein Ikea-Beistelltisch zusammengeschraubt, welcher anschliessend auf Crowdsurfing-Reise geht (Raphi: Stimmt, den Ikea-Tisch habe ich ja ganz vergessen. Dabei hat mich diese Aktion echt zum Lachen gebracht). Und schon erklingt als Outro die Boyband-Verschwörungs-Nummer «Protocols (Of The Elders Of Zion) Of Love» vom neuen Album ab Band.

Wie, schon vorbei? Klar, es wurde eineinhalb Stunden gespielt, aber was ist mit «Hail To Lichtenstein»? Was ist mit «Ironmonger (The Copier Of The Seven Keys)»? Für mich bitte nächstes Mal gerne wieder ohne Vorband, dafür mit längerer Spielzeit für Nanowar Of Steel… Der Auftritt war trotzdem gut, wenn auch nicht die beste Show die ich jemals von den Italienern gesehen habe. Natürlich werde ich beim nächsten Mal trotzdem wieder mit dabei sein!

Raphi: Bei mir sieht das vermutlich anders aus, aber lassen wir doch Metalmitinsider Silas auch noch zu Wort kommen, der wie Luke dem Auftritt als „normaler“ Besucher beigewohnt hat.

Das Fanzit – Nanowar of Steel, Frozen Crown

Silas: Heute bewies sich die Redewendung: «Geschmäcker sind verschieden». Entweder man mag Nanowar of Steel oder eben nicht. Mit einer Performance, die zeitweise, nicht nur optisch, an die Village People erinnerte, machten sie es dem Publikum, oft schwer, hinter dem Klamauk die Parodie zu erkennen. Nicht immer gelang es, die Grenze zur Lächerlichkeit zu ziehen. Vielleicht war dies aber auch beabsichtigt. Für mich war spätestens beim Song «Schwanzwald» (der Name ist Programm) Fasnachtsniveau erreicht. Dieses «Meisterwerk» hätte geradezu gut auch vom Alleinunterhalter im nächstgelegenen Bierzelt stammen können, aber vielleicht habe ich auch irgendeinen genialen zweiten Boden nicht verstanden. Glücklicherweise bewegte sich das Niveau nicht konstant auf diesem Tiefpunkt: Das Publikum wurde angeleitet, seine Arme, angelehnt an den Flügelschlag einer Eule, zum Song «Il Cacciatore della Notte» mitzuschwenken, oder es wurde erklärt, wie eine «Wall of Love» funktioniert (mit viel umarmen). An diesem Konzert konnte/sollte man sich mal wieder wie ein Kind fühlen. Böse Zungen würden es vielleicht auch kindisch nennen. Und doch: Irgendetwas haben diese Nanowar of Steel, das mich zum Merchtisch leitete und mich eine CD kaufen liess. Vielleicht muss man hier einfach mal über seinen Schatten springen und seinen Bezug zu «Quatsch» finden.

Frozen Crown waren sicherlich die leichter verdauliche Kost des Abends, abgesehen von der Bratwurst, die vor der Musigburg verkauft wurde. Eine Band, für die ein Hochsprung über mein Verständnis von Humor nicht nötig war, denn Frozen Crown meinen alles todernst, oder zumindest ernst. Ihr Auftritt war solide, hat überzeugt, nur blieb er mir nicht wirklich im Gedächtnis, könnte aber auch an dem kleinen Schock liegen, den Nanowar of Steel da hinterlassen haben.

Raphi: Ja, Frozen Crown haben einen soliden Auftritt hingelegt. Die Band hat das notwendige Songmaterial, um tolle Konzerte spielen zu können, aber heute hat ihr auf der Bühne die Souveränität gefehlt, damit restlos zu begeistern. Nanowar of Steel auf der anderen Seite haben ihre Show im Griff und zeigen eine routinierte Darbietung mit allerlei Drumherum, welche die Fans zufrieden stellt und für gute Stimmung im Saal sorgt. Für meinen Geschmack hätte die Band allerdings beim ganzen Drumherum zurückschrauben können, die Songs bringen an und für sich ja bereits ausreichend Humor mit.

PS von pam: Raphi hat unsere Genrebezeichnungen in den letzten Wochen aufgeräumt und so darf ich hier jetzt nicht „EAV-Metal“ als Genre eingeben … aber irgendwie haben mich die Italiener an die Österreicher erinnert. Nur find ich das „Original“ um Welten besser. Kurz: Das war heute nicht meins. Nanowar of Steel brauch ich nicht und Frozen of Crown haben leider eher enttäuscht. Instrumental hätten die ganz geile Songs, aber leider ist der Gesang der Schwachpunkt.

Fotos Nanowar of Steel, Frozen Crown – Musigburg 2023 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ / / 29.04.2023
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