The Privateer - Met-Bar Lenzburg 2023
Sa, 27. Mai 2023

The Privateer, Elcano

Met-Bar (Lenzburg, CH)
06.06.2023
The Privateer - Met-Bar Lenzburg 2023

Musikalische Reise durch die Sieben Weltmeere

Seekranke Mägen hatten am Samstagabend in der Lenzburger Met-Bar sinnvollerweise nix zu suchen, denn die beiden Bands Elcano und The Privateer unternahmen mit uns im Geiste wilde Schiffsfahrten auf den stürmischen Ozeanen. Ob am Ende alle wieder einen sicheren Hafen erreichen konnten, wird in den nachfolgenden Zeilen verraten.

Meinen persönlichen Konzert-Abschluss für den Monat Mai zelebriere ich in der von mir stets mit viel Vergnügen frequentierten Honigwein-Schenke, welche am Fusse des Schlosses Lenzburg liegt. Angelockt hat mich ein hemmungsloser Haufen, der auf den Namen The Privateer hört. Die Truppe aus dem gar nicht allzu weit entfernten Freiburg im Breisgau scheint ohnehin ein Saison-Abonnement für diese Location zu besitzen, denn sie sind eigentlich fast jedes Jahr hier zu Gast. An dieser Stelle sei gerne ein Verweis auf die zwei folgenden Artikel gestattet: 2017 und 2019). Beweise dafür, dass sich die deutschen Plünderer in der Met-Bar stets pudelwohl fühlen. Aufgrund dessen darf auch heute mit einer gelungenen Darbietung gerechnet werden.

Die Support-Rolle haben derweil die gänzlich der Nautik verfallenen Musiker von Elcano inne. Über die Akteure aus Olten ist mir noch nicht sonderlich viel bekannt. Auf ihrer Homepage bezeichnen sie sich als «die etwas andere Band» und lassen ferner verlauten, dass es praktisch unmöglich sei, ihren Stil irgendwie in eine Schublade hineinzuzwängen. Somit bin ich schon sehr auf die anstehende Aufführung gespannt.

Aber zuerst will im gemütlichen Aussenbereich des Ladens noch der eine oder andere finnische Gerstensaft konsumiert werden. Die letzten Sonnenstrahlen und sommerliche Temperaturen sorgen für zusätzlichen Genuss. Ähnliche Witterungen wären selbstverständlich auch für die 10-Jahres-Feier des Vereins «Freunde der Met-Bar» absolut wünschenswert. Weitere Informationen dazu findet ihr unter diesem Link. Doch all das wird erst Ende Monat zum Thema. Der heutige Event gehört ganz allein den Seefahrern und Piraten.

Elcano

Punkt 21 Uhr werden wir Teil der Elcano-Crew. Der Bandname steht übrigens in Zusammenhang mit dem portugiesischen Matrosen Ferdinand Magellan, den viele von uns garantiert während der Schulzeit in einem Geschichtsbuch angetroffen haben. Gefeiert wird er darin für die allererste erfolgreiche Weltumseglung, die ihm im 16. Jahrhundert gelungen ist. Allerdings ist dies nicht komplett korrekt, denn Magellan verstarb nach einem Konflikt mit Inselbewohnern auf Mactan, weshalb sein spanischer Gefolgsmann und Schifffahrts-Genie Juan Sebastián Elcano für die weiteren Etappen das Kommando über die Expedition übernahm. Via Kap der Guten Hoffnung kehrte er schliesslich – vollbeladen mit den begehrten Gewürzen von der indonesischen Inselgruppe Molukken – nach Spanien zurück und vollendete damit die erste Erdumrundung (ein gewichtiger Meilenstein in der Seefahrt-Historie).

Damit lassen wir den Geschichts-Exkurs beiseite und legen den Fokus auf die Bühne (die passenderweise wie ein Schiff dekoriert ist – inklusive drehbarem Steuerrad). Die in der Einleitung getätigte Aussage stimmt, jedes Stück unterscheidet sich von der vorangegangenen Nummer. Heavy, Doom, Folk, Symphonic, Death – es  ist wahrlich ein vielseitiges Klangspektrum, welches uns das Sextett hier anbietet. Die Akteure selbst sind zudem in angemessener Kluft unterwegs. Das harte Leben auf See hinterlässt nun einmal Dreck und Spuren.

Der Sound ist fraglos speziell und wird ziemlich theatralisch vorgetragen. Das Konzept der Künstler ist zwar erkennbar, aber meines Erachtens kommt da beinahe ein bisschen zu viel auf die Zuhörerschaft zu (was phasenweise überfordernd wirken kann). Des Weiteren haut mich die Stimme von Sängerin Josy nicht wirklich aus den Socken. Ihr Duett-Compagnon Meli agiert diesbezüglich etwas besser. Die Rolle des Erzählers bekommt ihm ebenfalls gut.

Der Sechser setzt diverse Show-Einlagen ein. Den «Siren Song» zocken mit Ausnahme der Gesangsabteilung alle Protagonisten mit Augenbinde. Verständlich, denn die verführerischen Nymphen haben mit ihrem einlullenden Gesang schon so manchen Seebären ins Verderben gelockt. Gefeiert und getrunken wird ebenfalls, denn die frisch veröffentlichte Debüt-EP «Hewn In Water» muss natürlich standesgemäss getauft werden. Ein glücklicher Herr aus dem Publikum erhält das Ding danach sogar geschenkt (nachdem er zuvor als Ruder-Motivator figuriert hat). Dem Lied «Call Of The Falcons» attestiere ich gerne ein gewisses Hit-Potenzial. Generell ist in Sachen Leistung gegen Ende des Gigs eine Steigerung auszumachen. Allenfalls vermag mich das Gezeigte dann bei einem späteren Wiedersehen in einigen Jahren besser zu packen.

The Privateer

Wie Elcano werden auch The Privateer 60 Minuten gewährt, um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Doch offenbar scheint die Mehrheit der Fans für die seriösen Seefahrer Sympathien zu hegen, denn die Reihen haben sich ein wenig gelichtet. Sind Piraten etwa nicht mehr gefragt respektive definitiv aus der Mode gekommen? Nix da, einige Nasen halten brav weiterhin die Stellung und feiern die freiburgischen Freibeuter brav ab. Schlechte Auftritte habe ich von ihnen sowieso bisher noch nie erlebt.

Der Posten des Kapitäns ist bei dieser Equipe jedoch ein waschechter Schleudersitz. Unglaublich, welchen Verschleiss die Deutschen diesbezüglich haben. Glücklicherweise wurde man in Form von Pascal fündig und darf seit Anfang dieses Jahres wieder als vollständige Mannschaft die Weltmeere unsicher machen. Bleibt zu hoffen, dass der neue Mikrofonhüter allfällige Meutereien abwehren kann und so um ein Rendez-Vous mit den hungrigen Haien herumkommt. Mit witzigen Ansagen sammelt er jedenfalls fleissig Punkte auf der Popularität-Skala. Und auch seine Gesangseinlagen funktionieren problemlos.

The Privateer sind ebenfalls mit neuem Silberling-Material im Gepäck angereist. Das vierte Studioalbum nennt sich «Kingdom Of Exiles» und soll nach der heutigen Show logischerweise rege am Merch-Stand käuflich erworben werden. Die Werbetrommel wird von Anfang an kräftig gerührt. Dazu schickt der Haufen gleich drei frische Hymnen ins Rennen. Das klingt durchaus vielversprechend und – im Vergleich zu den älteren Erzeugnissen – auch nochmals eine Stufe reifer. Mangelnden Einsatz kann man den Musikern eh nicht vorwerfen. Sie zocken ihr Set mit massenhaft Elan und bewegungsfreudigen Aktionen souverän durch. Die Spielfreude ist an allen Ecken und Enden spürbar.

Schwierigkeiten sind kaum auszumachen. Ausser als Basser Eric vor dem alten Track «For What Lurks In The Storm» kurzerhand verschwindet und offenbar eine geheime Kaperfahrt unternimmt. Seine Beute ist allerdings keine gigantische Schatztruhe, sondern schlicht ein unspektakuläres Kabel, welches seinem Instrument neues Leben einhauchen soll. Immer diese elenden Tücken der modernen Technik. Fronter Pascal meint belustigt dazu, dass früher – als Funkgeräte noch aus Holz waren – alles einfacher gewesen sei. Ich habe ja gesagt, dass der Kerl ein genialer Entertainer ist. Liebe Freibeuter, diesen Typen müsst ihr unbedingt behalten! Selbst das alleinige Meistern des Liedes «Ghost Light» bereitet ihm keine Probleme. Die gute Clara setzt leider gezwungenermassen aus, da fiese Erkältungsnachwirkungen ihre Stimme nun endgültig in die Knie zwingen…

Morgen haben die Piraten noch ein Konzert auf dem in Oettingen gelegenen Camping Battleground Festival vor der Brust. Bleibt zu hoffen, dass bis dann alle wieder auf dem Damm sind. Heute Abend darf ohnehin nicht allzu lange gespielt werden, da die Met-Bar bis Mitternacht ihre Pforten schliessen muss. Schuld daran ist – erneut – die Kirche mit ihren Feiertagen (Pfingsten ahoi!). Tja, somit müssen die Merch-Einkäufe und das Vernichten des Feierabendbierchens eben rasch vollzogen werden. Den Göttern sei Dank habe wir auch in diesen Disziplinen bereits ausreichend Übung.

Das Fanzit – The Privateer, Elcano

The Privateer haben abermals gekonnt abgeliefert. Mit ihnen würde ich jederzeit gerne auf grosse Kaperfahrt gehen. Sind sie eigentlich inzwischen schon Ehrenbürger in Lenzburg? Möglicherweise müsste man dieses Traktandum mal noch angehen. Wobei in der Schweiz freilich ausreichend andere coole Lokalitäten vorhanden wären, die sich ebenfalls über ein Gastspiel der freiburgischen Freibeuter freuen würden (nein, ich denke natürlich zum Beispiel auf gar keinen Fall an das Winterthurer Gaswerk *Zwinker*»).

Und Elcano? Da sehe ich zweifelsohne Luft nach oben. Fairerweise sei angemerkt, dass das erst ihr vierter oder fünfter Auftritt war. Deswegen ist anzunehmen, dass bei ihnen noch zahlreiche Segel-Törns und Erfahrungen hinzukommen werden.

Setliste – Elcano

  1. Intro
  2. The Pride Of Iberia
  3. The Tempest
  4. Tierra Del Fuego
  5. Half A World
  6. Tall Tales
  7. Siren Song
  8. Sweet Foreign Lands
  9. Call Of The Falcons
  10. The Raging Calm
  11. 78 Days At Sea
  12. Outro

Setliste – The Privateer

  1. Intro
  2. Madness Is King
  3. Queen Of Fire And Wind
  4. Foretold Story
  5. For What Lurks In The Storm
  6. The Darkest Shadow Of Life
  7. Kingdom Of Exiles
  8. Ember Sea
  9. Ghost Light
  10. The Island, It’s Calling

Wie fandet ihr das Konzert?

06.06.2023
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