Albion – Lakesongs Of Elbid (Cover Artwork)
Sa, 27. Januar 2024

Albion – Lakesongs Of Elbid

Folk Metal, Folk Rock
26.02.2024
Albion – Lakesongs Of Elbid (Cover Artwork)

Auf den Spuren traditioneller Volksmusik

Oder: Eine Erstbegegnung mit Albion.
Folklore scheint in jeder Generation als unerschöpfliche Schatzgrube zu dienen. Auch in der Rockmusik. Mit seinen Ursprüngen in den USA und in Kanada, entwickelt sich Ende der 1960er im Vereinigten Königreich der British Folk Rock.

Fairport Convention und Steeleye Span gelten als Vorreiter für eine Reihe weiterer Bands, die anglo-keltische Folklore rassig in ihre Musik einflechten. So bezeichnet seinerzeit Ian Anderson, Mastermind von Jethro Tull, sein Lebensprojekt als «lauteste Folk-Band der Welt». Eine Generation später hört man die Folk-Einflüsse dezent bei den Metal-Giganten Iron Maiden heraus, bevor die Landsmänner von Dark Forest oder Wytch Hazel das Erbe weiterführen.

Joe Parrish aus dem Osten Englands gehört zu den jüngeren Vertretern dieser Dynastie. Seine Liebe zur Musik erreicht ihn sehr früh. Mit sechs Jahren lernt er bereits Gitarre und ist fasziniert von der Vinyl-Sammlung der Eltern: Steeleye Span, Yes und Deep Purple sowie später Iron Maiden formen und prägen seine musikalische Entwicklung, die im London College of Music gipfelt.

Nach seinem Abschluss arrangiert und komponiert Joe klassische Ensembles und schreibt Musik für kommerzielle Zwecke und Konzerte. Zudem ist er als Gitarrenlehrer sowie als Live- und Studiomusiker tätig. Das erregt die Aufmerksamkeit eines ganz Grossen, der ihm die Dienste in seiner Band anbietet: Joe wird Gitarrist von Jethro Tull.

Albion

Vielversprechenden jungen Musikern eine Chance zu geben und deren Können in die Band einfliessen zu lassen, dafür ist Ian Anderson seit jeher bekannt. Doch Joe Parrishs Talent ist nicht nur auf den letzten beiden Alben von Jethro Tull zu hören. In all den Jahren hat sich genug eigenes Material angehäuft, das förmlich danach verlangt, umgesetzt zu werden. Es entsteht das vierköpfige Projekt Albion.

Bereits der Bandname gibt die Richtung an. So ist Albion ein archaischer Name für Grossbritannien, der von klassischen Gelehrten für jene kalte und feuchte Insel verwendet wird. Die ideale Voraussetzung, um den Geist uralter Volksmusik mit den modernen Klängen von Rock und Metal zu verbinden. Sagenumwobene Geschichten über Schwerter im Stein, Nymphen oder den mythischen Ort Avalon finden aus dem Nebel der Vergangenheit ins Diesseits.

Mit der EP «Pryderi» (2019) widmen sich Joe und seine Mannen der gleichnamigen Figur aus dem Mabinogion, einer Sammlung mittelalterlich walisischer Erzählungen. Musikalisch kommt man hier bereits in den Genuss von Parrishs durchdachten Kompositionen und Arrangements. Gekonnt flicht er traditionelle und archaisch anmutende Melodien in leicht progressive Klänge ein und gibt im richtigen Moment gehörig Strom. British Folk Metal im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Debutalbum 

Vier Jahre nach der überaus gelungenen EP wird das Debutalbum «Lakesongs Of Elbid» aus der Taufe gehoben. Bereits das Cover verrät, worauf man sich einlässt: Rustikal steckt ein Schwert im Stein des Seeufers, an dessen Fusse die Ruine einer Burg vom Nebel umhüllt. Eine Stimmung, die musikalisch durch das akustische Intro ‹The Lake Isle Of Innisfree› und dem nachfolgenden 9-minütigen Instrumentalepos ‹Arthurian Overture› umgesetzt wird. Dabei lässt sich Parrish vom Film Merlin (1998) und vor allem dessen Soundtrack inspirieren. Auf den ersten Hörgenuss mag sich dieser lange und fast ausschliesslich instrumentale Einstieg ins Album müssig anfühlen. Wenn man sich auf die verschiedenen Stimmungen eingelassen hat, wird man feststellen, wie detailverliebt und versiert hier ans Werk gegangen wird.

Die klare, aufgeräumte und dynamisch warme Produktion verschafft ein angenehmes Feeling, sodass man den musikalischen Erzählungen aus vergangenen Tagen gebannt zuhört. Überhaupt entspricht das ganze Album eher einer Suite, denn einer willkürlichen Liedersammlung. ‹Pagan Spirit› ist das erste Stück mit klassischem Aufbau. Alles, was man bisher gehört hat, findet sich hier in erweiterter Form wieder. Mit Akustikgitarre, Querflöte und Gesang erinnert der Anfang umgehend an die folkige Ära von Jethro Tull. Doch mit dem Übergang in den metallisierten Teil nimmt der Song Fahrt auf und entwickelt sich in seine ganz eigene Richtung – auch wenn die Grundstimmung bleibt. ‹The Dream Of Rhonabwy› setzt dem wesentlich beschwingter nach.

Auf das verträumte ‹Llyn Cwm Llwch› folgt das symphonisch rassige ‹Finding Avalon›, bei dem sich der folkige Anteil auf moderne Weise manifestiert. Der Kontrast folgt mit ‹Canens› als traditioneller Jig und stimmt damit in das heitere ‹Barrett’s Privateers› ein, eine Hommage an den kanadischen Folk-Sänger Stan Rogers. Nach dieser festlichen Angelegenheit wird man in die melancholischen Klänge von ‹Black Lake› entführt. Auf die leidenschaftliche Ballade folgt ‹Sister Lake› als instrumental erbauender Ausklang. Dessen progressiver Einschlag wird in ‹Silvaplana Rock› weitergeführt und wächst zu einer folkigen Prog-Rock-Nummer, die an die grossen Vertreter der 1970er erinnert.

Abgerundet wird «Lakesongs Of Elbid» akustisch durch das entrückende ‹Camlann›. Das Album endet wie es beginnt und erwirkt, sich erneut auf dieses musikalische Abenteuer einzulassen …

Das Fanzit Albion – Lakesongs Of Elbid

Ähnlich mysteriös wie das Albumcover ist die Erstbegegnung mit der Musik von Albion. Ohne grosse Vorahnung trifft sie den eigenen folkischen Nerv und man kommt vom betörenden Sound dieser jungen Truppe kaum mehr los. Songwriter, Multiinstrumentalist und Sänger Joe Parrish hat gut damit getan, seiner Materialsammlung musikalisch den vorliegenden Raum zu verschaffen. «Lakesongs Of Elbid» ist ein beeindruckendes, abwechslungsreiches und erstaunlich reifes Debutalbum geworden, das in seiner ausgewogenen Balance zwischen Folk Rock und Folk Metal seinesgleichen sucht.

Ein Muss für alle, die sich in irgendeiner Weise für anglo-keltische Folklore und Rockmusik begeistern!

Trackliste Albion – Lakesongs Of Elbid

  1. The Lake Isle Of Innisfree
  2. Arthurian Overture (Based on themes from Trevor Jones‘ ‚Merlin‘ OST (1998))
  3. Pagan Spirit
  4. The Dream Of Rhonabwy
  5. Llyn Cwm Llwch
  6. Finding Avalon
  7. Canens (Maya)
  8. Barrett’s Privateers – A Tribute to Stan Rogers
  9. Black Lake (Llyn y Fan Fach)
  10. Llyn Y Fan Fawr (Sister Lake)
  11. Silvaplana Rock
  12. Camlann

Line Up

  • Joe Parrish-James – Vocals, Guitar, Flute, Mandolin, Programming
  • Jack Clark – Backing Vocals, Guitar
  • Peter Szypulski – Bass
  • Mikey Ciancio – Drums

Credits

  • Ollie Medlow – Additional Drums on Tracks 4 and 11
  • Rhiannon Parrish-James – Backing Vocals on Track 8
  • Miguel Vargas – Additional Flute on Tracks 3 and 4
  • Alexander Backlund – Mixing (all tracks except 3 and 6)
  • Linus Corneliusson – Mixing (tracks 3 and 6)
  • Tony Lindgren – Mastering
  • Jamie Masters – Drum Engineering
  • Christian Neumann – Artwork

Video Albion – Pagan Spirit


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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Albion
26.02.2024
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