Asgard – Leuchtenstadt (Cover Artwork)
Fr, 10. Dezember 2021

Asgard – Leuchtenstadt

Black Metal
06.01.2022
Asgard – Leuchtenstadt (Cover Artwork)

Schwarzmetall aus der Leuchtenstadt

Die im Kanton Luzern angesiedelte Formation Asgard brachte am 10. Dezember 2021 ihre heiss erwartete Debütplatte «Leuchtenstadt» auf den Markt. Geschmiedet und bearbeitet wurde das Eisen unter anderem in den deutschen Iguana Studios, die im Produktionsbereich der groben Klampfen-Musik durchaus als valable Referenzen einzustufen sind. Aufgrund dessen darf hier zurecht mit Qualitätsware gerechnet werden. Weitere Schleifarbeiten erfolgten zudem in den heimischen Hellvete Studios bei Drummer Abaddon.

Nun sind Asgard also bereit, um die Welt ins Verderben zu stürzen. Auf dem Cover-Artwork ist noch knapp der Wasserturm der berühmten Kapellbrücke erkennbar, welcher gerade vom langen Körper einer hässlichen Seeschlange umwickelt wird. Könnte fraglos einen Verweis auf «Jörmungandr» aus der nordischen Mythologie darstellen. Die aufgepeitschten Wassermassen deuten stürmische Witterungen an. Ausserdem sind sowohl der Leibhaftige als auch ein paar abgetrennte Köpfe zu sehen. All das erweckt den Eindruck, als sei die Stadt am Vierwaldstättersee unausweichlich ihrem Untergang geweiht. Zu diesem Szenario haben die hel(l)vetischen Black Metaller garantiert die passenden Vertonungen in der Hinterhand.

Das Album – «Leuchtenstadt»

Zum Einstieg bekommen unsere Gehörgänge direkt einmal den saftigen Titel-Track vor den Latz geknallt. Reisserische Riffs und donnernde Drums dominieren die Szenerie. Hier wird zweifelsohne ohne Kompromisse agiert. Nach einer Weile gesellen sich die teuflischen Krächz-Angriffe von Fronter Thulus hinzu. Tempovariationen stellen für die Herrschaften ebenfalls kein Problem dar. In Sachen Stil scheint die sogenannte «zweite Welle» des Black Metal, die Anfang der 90er-Jahre aufkam und hauptsächlich von norwegischen Truppen angeführt wurde, als Inspirationsquelle für das musikalische Schaffen von Asgard herzuhalten. Wunderbare Nahrung für sämtliche von Düsternis zerfressenen Seelen. Die Anwendung der deutschen Sprache ist in diesem Genre sowieso stets ein echter Volltreffer. Im letzten Drittel findet man obendrein Zeit, um einen kleinen Abstecher in Post-Gefilde zu unternehmen. Auftakt nach Mass!

Für die nächsten beiden Nummern landen wir erneut bei der linguistischen Thematik. Von Deutschland geht’s rüber an die eisigen Fjorde Norwegens. Mit stoischer Ruhe spricht Thulus die eröffnenden Worte von «Reisen Inn I Lyset» – was übersetzt ungefähr so viel wie «Die Reise ins Licht» bedeutet (sofern mich meine verwendeten Übersetzungs-Tools jetzt nicht linken möchten…). Da läuft’s einem umgehend kalt den Rücken herunter. Bei dieser Komposition werden die Klangwelten von Tsjuder, Marduk und Gaahls Wyrd zusammengeführt. Ein gleichermassen interessanter wie auch abwechslungsreicher Mix. Auf Licht folgt anschliessend Schatten – und zwar in Form von «Skyggen Fra Fortiden». Es ist nicht immer wünschenswert, dass man von der eigenen Vergangenheit eingeholt wird. Dementsprechend hasserfüllt geht’s anfangs zur Sache! Allerdings scheut das Quintett ruhigere Abschnitte keinesfalls und webt diese elegant in die bestehende Songstruktur ein. Auf die Headbanger dürfte genügend Arbeit zukommen, wenngleich die ersten beiden Lieder bei meiner Wenigkeit einen mächtigeren Eindruck hinterlassen haben.

Das nächste Kapitel hört auf den Namen «Blizzard Of War». Dem kriegerischen Schneesturm fehlt irgendwie die letzte Wucht… Viele Parts dröhnen zwar solide aus den Boxen und der Frontmann gräbt dieses Mal für die Schreie besonders tief in seiner Kehle, aber der finale Funke will unglücklicherweise trotzdem nicht herüberspringen. Das löst «Demon» deutlich besser. Die aggressiv vorgetragenen Zeilen landen direkt mehrere Treffer. Selbst die gemässigten Passagen lassen den Hörer erschaudern. Das unermüdliche Trommelfeuerwerk zeigt keine Gnade! Des Weiteren wird teilweise mit zweistimmigen Gesangseinheiten gearbeitet. Ein hinterlistiger Kracher, der die Nackenmuskulatur unbarmherzig attackiert und bei welchem die angestaute, innere Wut optimal kanalisiert werden kann.

Ein grosses Highlight dieses Albums ist glasklar «Face Of Satan», denn diese Hymne verkörpert schlichtweg alles, was Black Metal ausmacht: Rasantes Tempo, verzerrte Saitenäxte, diabolisches Gekrächze und eine geballte Ladung Hass! All das wird im Stil von Gruppen wie Nordjevel oder Taake präsentiert. Lasst dieses Ding ungeniert einmal in der Nähe einer Kirche mit vollaufgedrehter Lautstärke erklingen. Mich würde es nicht überraschen, wenn das Gotteshaus danach sofort in Flammen aufgeht und alle gutgläubigen Christen panisch die Flucht ergreifen. In diesem Sinne: «You Will See The Burning Crosses!» Und der Teufel lacht!

Mit dem variantenreichen «The Beauty In The Rotten Shell» biegen wir langsam auf die Zielgerade des Silberlings ein und werden dabei von Tonfolgen begleitet, die partiell Parallelen zu Immortal aufweisen. Die bitterkalte Brise weht dem Lauschenden gedanklich durch Mark und Bein. Im Anschluss schliesst sich der Kreis mit «Leviathan», da mich dieses Stück erneut zu dem am Anfang diskutierten Platten-Cover führt. Ich hatte ja zuerst die Midgardschlange im Verdacht, aber bei der abgebildeten Bestie könnte es sich möglicherweise auch um das furchteinflössende Seeungeheuer aus der jüdisch-christlichen Mythologie handeln, welches oftmals mit den Schlagwörtern Sünde, Gefahr und Chaos in Verbindung gebracht wird. Asgard bringen diese Zerstörungswut jedenfalls in gekonnter Manier zum Ausdruck und verschwinden mit einem kräftigen «Fuck You All!» in den lodernden Flammen der Hölle.

Das Fanzit Asgard – «Leuchtenstadt»

Der erste Streich der Luzerner Asgard ist ein geglücktes Epos, welches den Jüngern der schwarzmetallischen Klänge zurecht munden wird. «Leuchtenstadt» enthält – mit Ausnahme von ein bis zwei kleineren Hängern – alles, was die Sympathisanten Satans bevorzugt in ihren Ohrmuscheln vernehmen möchten. Raue, frostige, messerscharfe und von Hass durchtränkte Botschaften, die technisch ansprechend dargeboten werden. Das Fundament für weitere, vielversprechende Alben ist mit diesem Debüt freilich gelegt. Ich salutiere den «Hordes Of Asgard»!

Empfehlenswerte Hörproben: «Leuchtenstadt», «Reisen Inn I Lyset», «Face Of Satan»

Tracklist Asgard – «Leuchtenstadt»

  1. Leuchtenstadt
  2. Reisen Inn I Lyset
  3. Skyggen Fra Fortiden
  4. Blizzard Of War
  5. Demon
  6. Face Of Satan
  7. The Beauty In The Rotten Shell
  8. Leviathan

Line Up – Asgard

  • Thulus – Gesang
  • Abaddon – Drums
  • Nero – Gitarre
  • J – Gitarre
  • Wotanskrieger – Bass

 

Full Album Asgard – Leuchtenstadt


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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