Fr–So, 19.–21. Juni 2015

Rock The Ring 2015 – Judas Priest, Alice Cooper, Eluveitie, Nightwish u.m.

Autobahnkreisel Betzholz (Hinwil, CH)
/ 25.06.2015

Rock The Ring zum Zweiten

Der Betzholzkreisel in Hinwil verwandelte sich letztes Wochenende von Freitag bis Sonntag in einen Hexenkessel. Das vielseitige Programm der zweiten Ausgabe des Rock The Ring zog gemäss den Veranstaltern 26‘000 Leute ins Zürcher Oberland. Platz für mehr Besucher hätte es aber noch gehabt.

Der Freitagabend begann schon mal anders als geplant. Hellyeah hat ihre Tournee abgesagt und somit auch den Auftritt am diesjährigen Rock The Ring. Darum gab es die Gewinner des Band Battle The Three Sum, eine Schweizer Pop Punk Band als Erstes auf die Ohren. Die Jungs lieferten einen soliden Auftritt und wirkten nett, was so viel heisst wie: Unspektakulär langweilig. Der Met und der Pita Gyros waren bedeutend spannender und eine sehr gute Wahl aus dem grossen Fress- und Trinkbudenangebot.

Eluveitie – Musikalische Nationalhelden ohne Ansturm

Als nächstes standen bereits unsere musikalischen Nationalhelden Eluveitie auf dem Programm. Wider Erwarten blieb das Publikum ziemlich regungslos. Vielleicht hatte jeder Angst, den hässlichen allgegenwärtigen orangenen Migroshut beim Bangen zum verlieren? Für mich war es unverständlich, denn Elu spielten ihre kurzen 45 Minuten mit viel Herzblut und waren sehr gut drauf. Hinwil durfte trotz Einschlafstimmung zwischen der Schweizer und Englischen Version von The Call of The Mountains auswählen und natürlich wurde wieder Dä Ruef vo de Berge gewünscht. Zum Abschluss spielten sie Inis Mona, was dann doch das eine oder andere Dornrösschen weckte und zum hüpfen und mitsingen animierte.

Schweizer Lufthelden

Während der nächsten Umbauphase gab es einen unterhaltsamen Lückenfüller. Die Schweizer Luftwaffe zeigte am Himmel wahnsinnige Manöver und erntete dadurch viele Aaaah’s und Oooh’s – manchmal auch ein Uiii. Der Moderator nannte einige Hintergrundfakten und die Namen der Akrobatik Kunststücke, welche die roten Flieger der PC-7 am Himmel vorführten; vom Flying Diamant über die kubanische 8 bis zum Wasserfall.

Papa Roach – Appell für das goldene Toitoi

Beeindruckt verging die Zeit wortwörtlich wie im Flug und schon standen Papa Roach auf der Bühne. Die NuMetal Generation im Publikum hatte viel Spass und sprang wie wild vor allem zu den Hits aus den späten 90er umher. Ich machte da fleissig mit und wollte es genauer wissen. Metalinside kann darum behaupten, direkt aus dem Golden Fucking Circle von Papa Roach berichten zu können – zumindest für die letzten 15 Minuten, als ich über die Absperre, zu den Leuten im goldenen Käfig, gesprungen bin. Mir ist bis heute nicht so ganz klar, was die ruhigen Vögel da so trieben, aber ich denke, die wussten es selber nicht so ganz.

Fans, die mitfieberten, waren da auf jeden Fall keine vorhanden. Darum nochmals an die Organisatoren: Schafft den goldenen Stimmungstöter fürs nächste Mal ab! Von mir aus könnt ihr die Klos vergolden, die Parkplätze oder was euch sonst noch Lustiges einfällt, aber lasst doch die wirklichen Fans ihren wohlverdienten Platz ergattern – und der ist eben direkt vor der Bühne.

Beste Stimmung bei Limp Bitzkit

Auch beim nächsten Act bildete sich der Moshpit mit den echten Fans direkt hinter der Absperre, anstatt wie gewohnt vor der Bühne. Mittlerweile hatte sich das Gelände übrigens gut gefüllt. Limp Bitzkit schaffte es – wie keine andere Band – das ganze Rock The Ring mit ihrem fetten Crossover und ausgewählten Einspielungen von anderen Grössen wie Nirvana, Rage Against The Machine oder George Michael aus dem Häuschen zu bringen. Die Übergänge zwischen den Songs waren ganz Limp Bizkit Like schön fliessend und liessen nur wenig Zeit für Verschnaufpausen. Fred Durst erhielt sogar Besuch auf der Bühne von ein paar Fans. Diese durften während der ganzen Show am Rand auf der Bühne bleiben und mitrocken.

Nach dieser geballten Ladung Energie war eine kleine Pause während der Umbauphase ganz ok. Ansonsten war es schade, dass das Rock The Ring wieder nur eine Bühne bot und man nicht ausweichen konnte, wenn man eine Band nicht hören wollte. Auch wäre es unterhaltsamer gewesen, wenn die Veranstalter zwischen den Bands Musik eingespielt hätten.

Finnischer Saunagang mit Nightwish

Viele kamen am Freitag vor allem wegen ihnen: Nightwish. Die Symphonic Metaler brachten mit ihrer epischen Musik auch etwas finnische Kälte mit. Durch das vorherige wilde Pogen und Bangen fiel es erst bei Nightwish, als die Stimmung wieder ruhiger wurde, auf, dass die Temperatur gefallen ist. Darum freute ich mich immer besonders, wenn es ein paar Pyro-Show-Effekte gab, welche die Wärme ins Publikum feuerten. Ein kleiner, schneller Saunagang.

Nightwish spielte ein bombastisches Set mit einem guten Mix aus alten und neuen Songs; natürlich auch aus ihrem sechsten Studioalbum Endless Forms Most Beautiful. Mir persönlich fehlte aber Edema Ruh und Nemo meine beiden Lieblingslieder. Leider war besonders am Freitag der Mischpult Mensch wohl etwas neben den Schuhen, so dass ziemlich alle Acts und auch Nigthwish zu viel Bass und zu wenig Vocals hatten. Floor Jansen machte aber gesangstechnisch ihren Job wiedermal wunderbar, was man bald gar nicht mehr extra erwähnen muss. Der ewige Vergleich kann also begraben werden.

Nur an ihren Outfits darf sie weiterhin arbeiten. Ich nehme an, auch sie würde sich in einer grösseren Kleidungsnummer besser fühlen, wenn sie dann nicht ständig den Reisverschluss ihres Mantels, der zu sprengen drohte, raufziehen müsste. Was im Vergleich zu ihrem letzten Auftritt am Greenfield leider fehlte, war die passend gestaltete Videoshow, welche dem Auftritt noch mehr Magie verliehen hätte. Man kann halt nicht jedes Mal Vollmond, Sternchen und Elfen haben. Gelohnt hat sich das Konzert aber allemal.

Schlimmer geht immer

Am Samstag spielte nach der britischen Gruppe FM ein Schweizer Künstler: Florian Ast. Wahre Kunst ist, wenn man es nicht versteht? Ich stand da und wusste nicht, ob ich nun lachen oder weinen sollte. So etwas geht gar nicht! Aber obwohl Flöru, nach meiner Meinung, gar nicht in das Line-up passte, hatte es immerhin einige Leute die Gefallen an der schlechtgesungen und völlig übertriebenen Hampelmann-Animations-Show fanden.

Hooters – Radio Hits en masse

Qualitativ ging es um Welten besser weiter mit den Hooters. Die Band aus den 80ern spielte ihre Hits, die wohl jeder, ob Jung oder Alt, zumindest aus dem Radio kennt: All You Zombies, Johnny B, Satellite und noch ein paar mehr. Viele Anwesende hatten das Stück Musikgeschichte bestimmt in ihren jungen Jahren miterlebt. Am Samstag war der Tag der älteren Generationen, ich schätze Mal Ü40 aufwärts. Die Stimmung blieb demnach auch den ganzen Tag und Abend altersgerecht; also eher tote Hosen. Nichtsdestotrotz hatten die Zuschauer, wenn man in die strahlenden Gesichter sah, Spass und viel Freude an den souveränen Musikern der Hooters.

Auch am Samstag zogen nochmals die Flieger ihre Bahnen am Himmel – ganz nach dem Motto: Nur Fliegen ist schöner.

Als nächstes ging es mit Roger Hodgson weiter – formerly of Supertramp muss man da wohl noch anhängen, damit jeder weiss, wer da kam. Ich hatte vorerst keinen Plan, wer oder was das sein sollte und wurde positiv von der unverkennbaren hohen Stimme, die wohl auch jeder kennt, überrascht. Auch hier gab es wieder ganz viele Kennt-Man-Vom-Radio-Hits. Hodgson war sehr erfreut über die Show mit Tageslicht, da er so all die schönen Gesichter sehen könne. Ein sehr positiver Mensch und talentierter Musiker.

Bevor die nächste Band Toto auf die Bühne kam, hatte das unschlagbare Moderatoren Team wiedermal das Sagen. Schon im letzten Jahr fand ich die Moderation sehr schlecht. Aber mit Marc Storace, der Stimme von Krokus haben sie den Vogel abgeschossen. Wie merkt sich dieser Mann einen ganzen Songtext? Für einen Satz blickte er jeweils 5 Mal auf seinen Spickzettel.

Billy Idol oben ohne

Nach der echt unterhaltsamen und sehr spielfreudigen Band Toto war Zeit für Billy Idol. Der in die Jahre gekommene Punk zeigte sich sehr energievoll und mit einem immer noch gut trainierten Body. Die meiste Zeit sprang er oben ohne oder nur mit einer Lederjacke bedeckt auf der Bühne umher und versuchte das Publikum zu bewegen. Dazu schmetterte er Songs von seinem neusten Werk und vor allem aber auch seine grossen Hits. Auch der Gitarrist lieferte unzählige Soli, welche manche Herzen höher schlagen liessen. Mit einem tanzfreudigeren Publikum hätte das eine riesen Stimmung geben können, leider flachte diese aber ständig wieder ab. Das nächste Billy Idol Konzert ist auf jeden Fall schon gebucht.

Am Sonntag startete der Tag mit Crown of Glory – einer Melodic Metal Band, welche ich zunächst verpassen wollte und dann sehr froh war, sie doch gesehen zu haben. Obwohl der Bass anscheinend sechs Minuten vor Show-Beginn Flöte ging, überzeugten die sympathischen Eidgenossen mit ihrem kurzen Set und machten definitiv Lust auf mehr.

Five Finger Death Punch – Hart aber herzlich

Als nächstes stand mein persönliches Highlight auf dem Programm: Five Finger Death Punch. Endlich konnte ich wieder meine seit Freitag etwas steif gewordenen Sprunggelenke trainieren. Die Amis ballerten von Anfang an ihre wuchtigen Drums und fetten Riffs den Zuschauern um die Ohren. Abgesehen von den paar Palmen, welche bei Roger Hodgson auf der Bühne zur Deko standen, wurde das Publikum zum ersten Mal mit etwas Bühnendeko und an H.R. Giger erinnernde Mikroständer konfrontiert. Die Band zeigte sich sehr spielfreudig und statt nur bösen Horns und Fäusten gab es immer mal wieder ein Herz. Eine hammer Band, die es verdient hätte, länger spielen zu dürfen.

The BossHoss haben mich darauf zum zweiten Mal mit ihren rockigen Country-Klängen wenig überzeugt. Frontmann Boss Burns starte zwar noch eine Crowdsurfing Aktion, aber auch das half nicht: Die Band hat einen coolen Groove, aber doch fehlte mir einfach das gewisse Etwas, das Zeugs zum abheben.

Alice Cooper – Braver Schockrocker

Der zweitletzte Act Alice Cooper brachte im Vergleich zu anderen Shows eher ein mageres Arsenal an Bühneneffekten mit. Immerhin waren eine Schlange mit dabei, eine überdimensional grosse Monsterpuppe, eine Guillotine und die durchgeknallte Krankenschwester fehlte ebenfalls nicht. Gruselig ist das schon lange nicht mehr und bei Tageslicht wirkte die Show einfach wie ein fröhlicher Kindergeburtstag. Die Seifenblasen zum Schluss unterstützen dies umso mehr. Unterhaltsam war die Show zusammen mit den musikalischen Klassikern von Cooper aber auf jeden Fall.

Judas Priest – Der Anfang vom Ende

Ja und dann kam das Ende: Judas Priest. Für manche war Judas wohl zwar eher der Anfang, mit Prädikat der Ursprung des Heavy-Metal. Da ich das letzte Mal wunderbar im Joggeli in Basel zu Judas geschlafen habe, war ich gespannt, wie schnell ich im Land der Träume sein werde. Die eher der älteren Generation angehörigen Zuschauer bejubelten Judas Priest von der erster Sekunde bis zur letzten und schauten schon fast ehrfürchtig Rob Halford zu, wie er sein Bühnenoutfit wechselte. Auch dieses Mal fuhr der Metal God in seiner Leder- und Nietenkluft sein Motorrad auf die Bühne. Soweit ich mich erinnern kann, war die Show am Sonisphere insgesamt pompöser.

Trotzdem blieb ich wach und die Kraft und die PS, die der ältere Herr mitbrachte, hat sicherlich den einen oder anderen Metaler oder Töfflibueb beeindruckt. Und so denke ich, dass die Fans das erhalten haben, was sie wollten und somit konnten um 22:00 Uhr alle zufrieden nach Hause gehen.

Fotos vom Rock The Ring 2015 (Friedemann)


Wie fandet ihr das Festival?

/ 25.06.2015
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