Metalinside.ch - Battle Beast - Hall of Fame 2017 - Foto Kaufi
Sa, 1. April 2017

Battle Beast, Majesty, Gyze

Hall of Fame (Wetzikon, CH)
/ 11.04.2017

Power Metal regiert das Hall of Fame – Battle Beast und Majesty bitten zum Tanz

Es ist Samstag und in Wetzikon ist Heavy Metal angesagt. Die Finnen Battle Beast befinden sich auf einer ausgedehnten Rundreise durch Europa, begleitet werden sie dabei von den deutschen True-Metallern Majesty. Auf ins Zürcher Oberland!

Kurz vor meiner Abfahrt bricht bei mir Hektik aus: ein SMS des Tourmanagers trudelt ein mit der Info, dass um 20 Uhr das Interview mit Battle Beast-Bassist Eero Sipliä stattfindet! Ich hatte mich schon drauf eingestellt, dass dies ins Wasser fällt – tja, also Aufnahmegerät suchen, Fragen ausdrucken, und ab geht’s…

Der Grillstand ist offen, eine stattliche Anzahl Fans hat sich bereits früh vor dem Hall of Fame eingefunden. „Sehr voll“ soll es werden, meint auch Pasquale, der Chef hier. Er wird recht behalten… Ich treffe mich jedoch erst mal mit Eero zu einem kleinen Plauderstündchen. Als ich später aus dem Bus aussteige, trifft mich schier der Schlag: so viele Leute habe ich hier noch nie gesehen! Also erstmal mit Metalinsider Kolleg Dutti an die Tränke… Dutti hat aber kaum Zeit für Bier, springt ins Gewühl und will rechtzeitig zum Opener drinnen sein. Ich lass mir da noch etwas Zeit…

GYZE

Der heutige Abend hat noch eine dritte Band auf dem Programm. GYZE sind ein Trio aus Japan, die hier als Anheizer fungieren. Der Laden ist rappelvoll, doch dank der lieben Babsy schaffe ich es auf Schleichwegen doch noch in den Fotograben. Musikalisch nennt man das, was die Asiaten hier bieten, wohl Melodic Death Metal. Stilistisch insofern nicht wirklich passend und überhaupt ist das eh nicht meine Baustelle. Dennoch werden die Drei vom Publikum ziemlich abgefeiert. Irgendwas scheinen sie wohl richtig zu machen – vielleicht weiss Dutti, was das ist…

Dutti: Ja die Japaner sind wohl effektiv nicht deine Baustelle, lieber Kaufi. Die asiatische Version von Children Of Bodom löst aber auch bei einigen anderen Gästen Stirnrunzeln aus. Sie passen – wie Kaufi schon richtig gesagt hat – von ihrem Spielstil her eigentlich überhaupt nicht ins Programm des heutigen Abends. Gas geben können die Jungs jedoch allemal. Frontmann Ryoji haut in bester Alexi Laiho-Manier (inkl. identischer Pose) ein paar wilde Gitarren-Soli raus. Bassist Aruta (jep, das ist effektiv ein Kerl) sieht mit seinem Glam Metal-Outfit und dem speziellen Make-Up doch etwas arg gewöhnungsbedürftig aus.

 Stellenweise enthält der Sound der Japaner sogar gewisse Ensiferum-Elemente. Ich taufe die ganze Geschichte jedoch liebevoll auf „Kamehameha-Metal“ (Fans des Animie «Dragon Ball» können damit sicherlich etwas anfangen). Insgesamt liefern die drei Jungs eine gelungene Show und sorgen damit ein erstes Mal am heutigen Abend für einige Schweissperlen beim Publikum. Am letztjährigen Summer Breeze fand ich die Truppe übrigens nicht so berauschend (aber da war ich auch ziemlich zerstört).

Majesty

True Metal – noch truer ist höchstens Manowar! Die Deutschen Majesty sind ja auch immer wieder etwas verschrien als Manowar-Klone. Aber so ganz stimmt das dann halt doch nicht. Eigentlich müsste ich auch völlig auf die Band abfahren. Ich hab die vor zig Jahren mal gesehen mit Mystic Prophecy im Rock City, ich hab sie 2013 gesehen als Support von Powerwolf im Z7. Doch schlussendlich ist das einfach eine dieser Bands, die einem (resp. mich) trotz allem nicht packt. Ich kann und will eigentlich nichts Schlechtes berichten. Frontmann Tarek reisst seine Posen in bester Manowar Manier (…), die Saitenfraktion steht ihm in kaum etwas nach und Drummer Jan treibt seine Kollegen unermüdlich nach vorn. Und egal ob neuer Stoff wie „Heroes In The Night“ oder Klassiker wie „Hail To Majesty“: die Band wird von den Fans frenetisch gefeiert. Mich hingegen lässt das alles irgendwie kalt. Wie gesagt: einfach nicht meins. Dutti wird’s anders sehen?

Dutti: Jawohl, der sieht das effektiv ein wenig anders. Obwohl viele Leute nach dem Auftritt doch eher zu Kaufi‘s Meinung tendieren. Kennengelernt habe ich Majesty dank meiner Tätigkeit bei Metalinside. Ich durfte nämlich die neue Platte „Rebels“ auf Herz und Nieren prüfen. Die Scheibe hat mich durchaus überzeugt und so habe ich mich sehr auf den heutigen Auftritt der Deutschen gefreut.

 Zu meckern habe ich fast nix. Ein grundsolider Auftritt. Soundtechnisch eine Mischung aus Heavy und Power Metal im Stil von Hammerfall, Manowar oder Accept. Einzig den Song „YOLO HM“ kann ich nicht wirklich ernst nehmen. Da brüllt ein ganzer Raum lautstark „YOLO Heavy Metal“ und ich stehe einfach nur kopfschüttelnd daneben. Nein, dieser Track ist definitiv nicht „true“.

Setliste Majesty

  1. Path To Freedom (Intro)
  2. Die Like Kings
  3. Hail To Majesty
  4. The Final War
  5. Yolo Heavy Metal
  6. Across The Lighting
  7. Metal Law
  8. Heroes In The Night
  9. Thunder Rider
  10. Rebels Of Our Time
  11. Fighting Till The End
  12. Rebels Unite (Outro)y Vi

Battle Beast

Es ist mittlerweile brütend heiss im Hall of Fame, als um 21.35h die Lichter ausgehen und das Intro des Headliners beginnt. Schlagzeuger Pyry ist der erste, der die kleine Bühne unter grossem Jubel betritt. Eero, Juuso, Janne und Joona sind die nächsten, bis zuguterletzt Frontlady Noora Louhimo zur Tat schreitet. Die Sängerin, die ansonsten durch sehr extravagante Frisuren auffällt, ist heute diesbezüglich eher konservativ unterwegs – möglicherweise ist ihr das Haarspray ausgegangen…? Doch die schwarze Lederkluft ist geblieben, genauso wie ihre unverkennbare Stimme! Zwar ist sie (wie offenbar die gesamte Band) erkältet und gesundheitlich angeschlagen. Doch dies merkt der aufmerksame Zuhörer höchstens bei den Ansagen, denn da tönt die gute Dame stellenweise recht heiser. Gesanglich lässt sie allerdings nichts anbrennen! „Straight To The Heart“ ist der Opener und der erste von vielen Songs vom aktuellen Album „Bringer Of Pain“. Noora steht mehrheitlich auf dem kleinen Podest am mittigen Bühnenrand und peitscht die Leute an. Als ob die das nötig hätten – der nahezu ausverkaufte Laden kocht, die Fans fressen der Sängerin aus der Hand! Das freut umgekehrt die Band, Janne spaziert dauergrinsend mit seinem unsäglichen Umhängekeyboard über die Bühne und auch die anderen geniessen die tolle Atmosphäre.

Musikalisch liegt der Schwerpunkt selbstredend auf dem neuen Silberling. Sagenhafte neun Songs stehen auf der (handgeschriebenen!) Setliste. Hier sticht als erstes „Familiar Hell“ sehr früh raus, „Into The Heart Of Danger“ ist in der Anfangsphase alles, was nicht aus diesem Jahr stammt. Ebenfalls erwähnenswert ist zudem der fantastische Sound in dem Club: Glasklar, druckvoll und in einer perfekten Lautstärke. Darf man auch mal sagen…

Mit dem Doppelpack „Let It Roar“ (deutlich schneller gespielt als auf Konserve) und „Black Ninja“ (genial!) trumpfen die Finnen richtig auf, bevor dann die Ballade „Far From Heaven“ etwas Ruhe in die ganze Geschichte bringt – was zwei Kollegen grad in den Raucherraum (ver)treibt. Zugegeben: ich hätte auch lieber was anderes gehört… Direkt im Anschluss folgt jetzt dafür wohl DAS Highlight: „Lost In Wars“! Die mit Sicherheit untypischste aller Battle Beast Nummern verbreitet düstere Stimmung. Passend dazu steht Noora im Kapuzenmantel auf ihrem Podest. Obermetalinsider Pam würde jetzt sagen, dass er ein Poulet hat… Geht mir im Moment grad so! (pam: Ein Poulet haben oder ein Poulet sein, ist hier jetzt wohl die Frage …).

Der pure Kontrast: Kitsch-Metal. Disco-Metal. „Touch In The Night“. Ich bleibe dabei: der Song würde etwas weniger Keys und etwas mehr Gitarren vertragen. Und doch ist es der nächste Song, bei dem die Stimmung weiter angeheizt wird. Allerdings überraschend, dass dies schlussendlich der einzige Titel von „Unholy Saviour“ bleiben wird…!

Als Noora die „Warriors“ im Publikum anspricht, kann man den nächsten Song bereits erahnen: „Bastard Son Of Odin“! Der coolste Songtitel des Jahres, ein saugeiles T-Shirt Motiv (zugegeben: gewisse Ähnlichkeiten zu Priest’s „Painkiller“ sind nicht von der Hand zu weisen…) und eine richtige Hymne vor dem Herrn – wer jetzt nicht endgültig in den Partymodus verfällt, ist wohl taub. Oder so.

Gegen Ende gibt’s Karaoke. Trve Metal Karaoke. Manowar Karaoke! Eero kündigt’s an – und aus den Lautsprechern tönt „Last Christmas“! Unendlich trve – keine Frage…!

Welchen Stellenwert resp. welches Vertrauen in die neuen Songs die Band hat, zeigen Battle Beast nochmals im Zugabenblock. Die erste Singleauskopplung „King For A Day“ ist sicher noch logisch, aber dass mit „Beyond The Burning Skies“ nochmals ein Neuling für den Abschluss sorgt, ist schon eine kleine Überraschung. Aber es passt perfekt, das darf man schon so sagen.

Nach gut 100 Minuten verabschieden sich die Finnen unter lautstarkem Jubel der Fans. Sehr beeindruckend, was die Dame und die fünf Herren hier gezeigt haben. Eine bärenstarke Performance, vor allem wenn man bedenkt, dass einige nicht wirklich fit auf der Bühne erschienen sind. Battle Beast sind auf dem Weg nach oben, das ist offensichtlich. Und stoppen lassen sie sich von nichts und Niemandem! Und hiermit überlasse ich das Schlusswort dem werten Kollegen Dutti….

Dutti: Finnische Bands sind bei mir grundsätzlich nie an der falschen Adresse. Und auch Battle Beast reissen mich vollends mit. Eine super Show, das Hall Of Fame verwandelt sich zeitweise in eine echte Sauna. Frontmädel Noora Louhimo verfügt über ein geiles Stimmchen und kämpft sich – trotz angeschlagener Gesundheit – souverän durch das Set des heutigen Abends. Auch ihre männlichen Kollegen sind mit vollem Einsatz bei der Sache. Battle Beast kann ich sorglos empfehlen. Ein Wiedersehen mit den Finnen ist somit schon beinahe Pflicht.

Setliste Battle Beast

  1. Straight To The Heart
  2. Bringer Of Pain
  3. Familiar Hell
  4. Into The Heart Of Danger
  5. We Will Fight
  6. Let It Roar
  7. Black Ninja
  8. Far From Heaven
  9. Lost in Wars
  10. Iron Hand
  11. Touch In The Night
  12. Bastard Son Of Odin
  13. Enter The Metal World
  14. Out Of Control
  15. King For A Day*
  16. Beyond The Burning Skies*

*Zugaben

Fotos von Kaufi


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 11.04.2017
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