Metalinside.ch - Riverside - Z7 Pratteln 2017 - Foto Liane
Mi, 10. Mai 2017

Riverside – Towards the blue Horizon Tour

Z7 (Pratteln, CH)

Trauerbewältigung

Mit der Mitteilung vom 21. Februar 2016 vom Tod des Gitarristen Piotr Grudzinski, ging ein ordentlicher Ruck durch die Prog-Gemeinde. Schlimm genug den Verlust des Musikers hinnehmen zu müssen, stellte sich unweigerlich die Frage, wie es mit Riverside weitergeht. Es ist immer ein Unterschied, ob ein Mitglied die Band verlässt, oder verlassen muss, oder wie in diesem Fall ein tragischer menschlicher Verlust hingenommen werden muss. Den Facebook Posts konnte man entnehmen, dass der Schmerz für Riverside gross war und man diskutierte offen, ob es denn weitergehen sollte und wenn ja, wie das Line-Up aussehen würde.

Wer hätte es der Band übel nehmen können, wenn sie das Handtuch geworfen hätten, aber ob das im Sinne von Grudzinski gewesen wäre? Nun, aus musikalischer Sicht können die Fans von Riverside aufatmen, denn man hat sich entschieden, die Karriere weiterzuführen. Die Lücke, die Piotr hinterlassen hat, bleibt allerdings, denn auch wenn genügend ebenbürtige Gitarristen hätten einspringen können, entschieden sich Duda, Kozieradzki und Lapai den Posten des Gitarristen vorerst mal nicht fest zu besetzen und als Trio weiterzumachen.

Über ein Jahr nach dem Hinscheiden von Pjotr Grudzinski touren Riverside wieder – ganz zur Freude der treu gebliebenen Anhängerschaft. Man hilft sich dabei mittels eines temporären Mitarbeiters aus und engagierte für den Job den Polen Maciej Meller. Der ist seit den 90er mit Duda befreundet und hat erst kürzlich ein gemeinsames Projekt mit ihm veröffentlichte. Jedenfalls meldeten sich Riverside mit einem spannenden Statement zurück:

„We’re becoming a different band, more mature, more serious, more experienced. Piotr is gone, but he will always be with us and we are still a live band. Which we’re going to prove soon during our „Towards the Blue Horizon Tour„. Remember, „This is not the end, this is not the time.“

Polski Transportzki – oder wie sich Klischees bestätigen

Na dann los. Dies dachte sich wohl auch der Betreiber des Tourbusses und kam mit der Band bis nach Offenbach und da war Schluss mit lustig. Die deutsche Polizei hatte wohl etwas an der Fahrtauglichkeit des Gefährts auszusetzen und zog den Bus kurzerhand aus dem Verkehr. Das Klischee, dass Transportfahrzeuge aus dem Osten nicht immer den gesamteuropäischen Normen entsprechen, schien sich also zu bewahrheiten. Beinahe hätte das Konzert abgesagt werden müssen, wäre da nicht die Z7 Crew gewesen, die alles daran setzte, dass Riverside doch noch auftreten konnten. Mit anderen Worten – man fuhr hoch nach Germanien und holte die Band nach Pratteln. Respekt.

Spannend, dass eine Band zuerst auf die Bühne kommt, an den Bühnenrand steht, sich verbeugt und dann erstmal mit dem Publikum spricht und den kommenden Abend beschreibt. Aber so machten es die Polen nun mal. Es folgte Song um Song, welche die Band zu dem machten, was sie heute sind: musikalischer Exportschlager mit Tiefgang und ausreichend Power. Duda sang in Bestform und überzeugte einmal mehr als Frontmann. Als Bassisten habe ich ihn noch nie so gut und überzeugend erlebt und es scheint so, als wäre er in den letzten Monaten tatsächlich an der Situation gewachsen.

Ad interim Gitarrist Meller erbrachte eine beachtliche und einwandfreie Leistung. Zwar brachte Grudzinski mehr Schmalz und Feinheit ins Gitarrenspiel, aber Meller besetzte den Gitarren Platz mit grossem Können und unaufdringlichem Spiel. Letztendlich spielten Riverside auf der Bühne und keine total andere Band. Dies mögen sie wohl in ihren Herzen sein, aber die Songs hatten den gewohnten Tiefgang, die zu erwartende Qualität und die Band zeigte sich spielfreudig und professionell.

Fanzit

Riverside gehört definitiv zu Polens musikalischen Aushängeschild und die Band ist längst progressives Kulturgut. Zwei Stunden Konzert und dies unter vorangegangenem Stress (siehe Polski Transportzki) zeugte von hoher Professionalität und auch wenn die Stimmung gut war, so hätte die Band mehr Publikum verdient. Egal, Riverside sind zurück und das schien den Fans mehr als nur zu gefallen.

(In memory of Piotr Grudzinski)

Setlist

  1. Coda
  2. Second Life Syndrome
  3. Conceiving You
  4. Caterpillar and the Barbed Wire
  5. The Depth of Self-Delusion
  6. Lost
  7. 02 Panic Room
  8. Saturate Me
  9. Escalator Shrine
  10. BeforeZugabe
  11. Towards the Blue Horizon
  12. Coda

Fotos Riverside (Liane)


Wie fandet ihr das Konzert?

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