Bühnenansicht Metaldays 2016
Mo–Fr, 25.–29. Juli 2016

Metaldays 2016 – Kreator, Blind Guardian, Testament, Arkona, Delain u.v.m.

Sotocje (Tolmin, SLO)
/ 29.10.2016

Neues Team, neue Route, gleiches Ziel

wie in den vergangen 3 Jahren. Die Metaldays in Tolmin, Slowenien!

„Mel from Hell“ konnte dieses Jahr nicht dabei sein, dafür sprang Röschu aus dem Metalinside-Team ein. Da wir zuerst noch eine Woche Campingferien in Slowenien verbringen wollten, fuhren wir via Innsbruck, Brenner, Südtirol, Wurzenpass nach Bled, unserem vorgemerkten Ziel. Dieser beschauliche Ort mit wunderschönem See war der totale Horror. Touristen wohin das Auge reicht, Zelt an Zelt, Auto an Auto! Zu viel für unseren Geschmack. Also nix wie weg von hier. Nach weiteren 2 Stunden Fahrt, 50 Haarnadelkurven über den Vršič-Pass und total kaputt, erreichten wir am späten Abend des 16. Juli das Kajak Camp Toni in Bovec.

Dieser Ort hätte nicht besser sein können: am Fusse des Triglav Nationalparks gelegen, neben der Soca mit ihrem türkisgrünen Wasser, umgeben von Bergen und jeder Menge Erholungsmöglichkeiten. Wandern, River Rafting, Kajakkurs oder einfach gemütlich an der Soca abhängen und die Seele baumeln lassen – Aktivurlaub wie wir es lieben!

Stimmen aus dem Team

(Röschu) Für mich sollten es die ersten Metaldays werden, genauso war es mein erster Ausflug nach Slowenien. Spannend, wie neu und doch bekannt für mich alles war: Die slowenischen Alpen stehen den unseren im Nichts nach, was an Höhe fehlt machen die Berge mit imposanten Felswänden wett. Die Flüsse könnten klarer und blauer nicht sein. Morgens um 8 aufzustehen, um zu wandern, klettern oder raften, war ja eigentlich noch nie mein Ding – aber ich gewöhnte mich doch auch erstaunlich schnell an die aktive Erholung.

(Sabi) Da wir aber nicht nur für Fun nach Slowenien kamen, hiess es für uns am Samstag darauf, Abschied von Bovec zu nehmen und uns Richtung Tolmin aufzumachen. Im altbekannten Camp Siber haben wir nun unser Häuschen bezogen, Fotoausrüstung geprüft, Akkus geladen und die ersten Vorbereitungen für die Metaldays getroffen.

(Röschu) Noch bleiben ja 2 Tage bis zum offiziellen Start der Metaldays. Da sich aber zahlreiche Besucher schon jetzt in Tolmin einfinden, öffnet die Strandbar ausnahmsweise bereits heute, ein guter Moment also um sich einen ersten Überblick über das Gelände zu verschaffen. Da springen mir zum Beispiel die unglaublich kurzen Distanzen ins Auge: Ein paar Schritte liegen zwischen Campingplatz und Hauptbühne, die zweite Bühne – im einladenden Schatten der Bäume gelegen – ist ebenfalls schnell und einfach erreichbar. Und dann sind da natürlich die beiden Sandstrände an der Soca, welche bei heissen Temperaturen zum Abkühlen einladen. Bleibt zu hoffen, dass das Wetter mitspielt…

Am Sonntag passt dieses auf jeden Fall noch, das nutzen wir noch für einen spontanen Ausflug auf einen nahen Berg. Der Aufstieg bei brütender Hitze wird mit einem herrlichen 360 Grad Blick über die Region belohnt. Das war es jetzt aber mit Touri-Ausflügen: Los geht’s mit den Metaldays 2016!

Festivaltag 1, Montag

Seduced, Drakum

(Sabi) SEDUCED (A) aus dem nahen Graz legen als erste Band auf der Second Stage los. Schwarz gekleidet mit roten Krawatten, knüppeln die Herren rabenschwarzer Black / Death Metal von der Bühne, der ‘nen guten Takt hat aber nicht mehr als ein leichtes Kopfnicken beim spärlich erscheinenden Publikum auslöst. Dafür schwören sie ein Gewitter herauf, das sich kurz darauf bei DRAKUM (ESP), die auf der Hauptbühne auftreten, entlädt. Davon lassen sich Fans von Folk Metal aber nicht abhalten. Es wird getanzt, dass der Dreck spritzt und die Röcke fliegen. Violine, Dudelsack, Keyboard, Gitarren, Bass und Sänger, das Stage Acting des Achters aus Barcelona wirkt teilweise unkontrolliert, lässt die Band aber gerade deswegen gewinnend wirken.

Deserted Fear, Comaniac

(Röschu) Während bei Drakum vor der Bühne weitergefeiert wird, verziehe ich mich auf den Campingplatz und suche unter einem Pavillon Asyl. Andere nutzen dazu einfach den Schutz des Festzeltes, welches eine grosse Bar und Sitzplätze bietet – und quasi als Extra den Sound von der Lemmy Stage. Von dort beschallen nun DESERTED FEAR das Publikum (und genauso den Campingplatz) mit erwärmendem, eingängigem Death Metal. Mich aber zieht es ein erstes Mal rüber auf die zweite Bühne:

Mit COMANIAC steht der erste von zwei Schweizer Acts bevor. Zugegeben nicht ganz unvoreingenommen, geniesse ich den Auftritt der Aargauer Thrash Metallern, welche das Festival grösstenteils schon von ihrem Auftritt mit Suborned (2014) kennen. Einziges „neues“ Mitglied (jaja, falsch formuliert, aber ihr wisst wie ich es meine) ist Jonas, welcher Gitarre und Gesang kombiniert und als Frontmann so richtig energisch aufzutreten weiss. Der Gig gelingt – neben ein paar kleineren Missgeschicken ohne grösseren materiellen Schaden – richtig gut, das lebendige und doch harmonische Auftreten der Jungs kommt bei den Fans gut an. Und von diesen gibt’s spätestens beim Verschenken von CD und Shirt noch ein paar Bonuspunkte obendrauf.

Orphaned Land

(Sabi) Sie sind die wichtigste und einflussreichste Oriental-Metal-Band überhaupt, ORPHANED LAND aus Israel. Das Gekreische im Publikum ist gross, noch bevor die Band die Bühne betritt. Die Fans drängen sich im goldenen Licht der Abendsonne vor die Bühne, schwenken Fahnen und können den Auftritt der Israeli kaum erwarten. Diese lassen nicht lange auf sich warten und beglücken uns mit erstklassigem, melodischem, abwechslungsreichen Progressive Metal.

Stormzone, North, Fleshgod Apocalypse

Während STORMZONE(BE) mit Heavy Metal und NORTH (USA) – aus Arizona und nicht wie der Namen vermuten lässt aus dem Norden – mit sehr melodiösem Sludge Metal die Second Stage in Grund und Boden hämmern, nimmt das Unvorstellbare auf der Mainstage sein Lauf. FLESHGOD APOCALYPSE (IT) mit einer Mischung aus Death Metal und klassischen Elementen, Schminke sowie albernen Barockkostüme – das geht ja wohl gar nicht. Da ist aber unser Röschu ganz anderer Meinung!

(Röschu) Wie so oft ist alles Geschmacksache. Zugegeben, bodenständiger, geradliniger Metal sieht anders aus. Was die Italiener insgesamt aber auf die Bühne legen, hat Hand und Fuss! Schneller Death Metal, gespickt mit klassischen sowie symphonischen Elementen und durch Operngesang im Hintergrund untermauert: Hier ist schon mal grundsätzlich für Abwechslung gesorgt. Optisch hält sich ebenso alles im Stil alter Zeiten, viktorianische Einflüsse prägen das Bild auf überspitzte Weise. Klischees gehören hier dazu und ziehen sich konsequent durch die Show – gerade dies, kombiniert mit einem energischen und charismatischen Auftritt, begeistert das Publikum. Und da schliesse ich mich den Fans an: Fleshgod Apocalypse überzeugen bei ihrem ersten Auftritt in Tolmin!

Morana, Sacred Reich

(Sabi) MORANA aus Slowenien treten, noch währen dFleshgod Apocalypse spielt, auf der Second Stage auf. Sie ziehen daher deutlich weniger Leute obwohl ihr Melodic Death Metal ein guter Kontrast zu den Italienern ist. Tomaž (V) überzeugt mit kneifenden Growls und auch die Saitenfraktion und das Drum knallt gut. Eher nervend sind das Keyboard und vor allem der Frauengesang.

Mit coolem Backdrop im Hintergrund bezieht SACRED REICH (USD) die Bühne. Die Urgesteine des Thrash Metals zeigen einmal mehr, dass sie nicht totzukriegen sind. Phil Rind (V) steht meistens mit einem Honigkuchenpferdgrinsen auf der Bühne, Arnett und Rainey schütteln ein Monsterriff nach dem anderen aus dem Ärmel und Greg Hall schmettert dazu etliche Doublebass-Attacken ins Publikum, als sei es das Einfachste der Welt. Das Publikum rastet aus, schreit sich bei markanten Refrains die Seele aus dem Leib und es entwickelt sich innert kurzer Zeit ein Circlepit nach dem andern. Mit dem Klassiker „Surf Nicaragua“ verabschiedet sich Sacred Reich unter tosendem Applaus nach einer kurzen Stunde Spielzeit von der Bühne.

Da der weibliche Part des Metalinside Teams sich am Tag zuvor bei der Vorabendparty mit litauischem Schnaps dermassen ins Abseits geschossen hat, dass der erste Festivaltag mehr Hölle als Spass bei der Arbeit ist, ist nach Sacred Reich Feierabend für sie.

Battlecross, Dark Funeral

(Röschu) Na dann gute Nacht Sabi! Immerhin, Sacred Reich ist kein schlechter Abschluss für den ersten Abend, stark der Auftritt, stark natürlich auch die Motörhead-Fahne in Gedenken an Lemmy an einer der Boxen – ich meinerseits freue mich nach diesem ersten Highlight aber natürlich auch auf das weitere Programm. So geht es gleich zurück auf die kleine Bühne, wo der nächste (nicht aber letzte) Thrash-Hammer ausgepackt wird. BATTLECROSS aus Detroit, USA, legen selbst für thrashige Verhältnisse ein unglaubliches Tempo hin, überzeugen mit prägnanten, eingängigen Riffs und hohen Screams, immer wieder abgelöst durch dunkle Growls.

Insbesondere dieser Stilwechsel kommt als Markenzeichen von Battlecross super zur Geltung, genauso gefallen die melodisch sehr kurzweiligen Songs, welche von Kevin Talley am Schlagzeug unermüdlich und auf höchstem Niveau begleitet werden. Nicht zuletzt aber macht es einfach richtig Laune, mit wie viel Spielfreude die Amis im wieder einsetzenden Regen ihre Riffs in die Menge schleudern – und dabei mit ihrem lockeren optischen Auftritt irgendwo zwischen bodenständig, casual und skurril einzuordnen sind.

Während DARK FUNERAL (SWE) auf der Hauptbühne loslegen, bleibe ich im Zelt neben der kleinen Stage. Etwas asiatische Verköstigung (ja, ich meine damit das Abendessen) kann nicht schaden. Dass hier 3 von 5 Menüs mit „vegan“ gekennzeichnet sind, verwirrt mich. Und macht irgendwie Lust auf Fleisch… OK, veganer Gemüsereis (wieso muss da überhaupt das Wort „vegan“ drauf? Ist ja nur Reis und Gemüse…?), aber bitte mit scharfem Curry-Hühnchen obendrauf. Danke!

Jeff Cox

Weiter geht’s mit JEFF COX, seinerseits Gründungsmitglied der legendären Tygers of Pan Tang, deren Songs er nun mit seinem Solo-Projekt zum Besten gibt. Etwas Old School Sound im Stile der NWOBHM sollte passen bevor der heutige Headliner die Main Stage rockt. So ganz zu überzeugen vermögen die Herren aber nicht, etwas simpel und uninspiriert werden die Songs vorgetragen, vor allem aber scheint Jeffs Stimme doch auch in die Jahre gekommen zu sein. So weiss vor allem die Ballade „Fallen Hero“ wenig zu überzeugen. Rauer und rockiger aufgebaut, kommt dann aber im zweiten Konzertteil etwas bessere Stimmung auf. Mit einem weiteren Klassiker „Suzie Smiled“ wird das Publikum in Richtung Lemmy Stage entlassen.

Testament

Dort nämlich sollen die Thrash-Legenden von TESTAMENT für das Highlight des Abends sorgen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Amis besser von der gestrigen Party erholt haben als Sabi… Nun: Falls nicht, dann ist ihnen der Kater absolut nicht anzumerken! Ganz grosses Kino wie die Jungs hier loslegen: Auf den Klassiker „Over the Wall“ folgt ein Gewitter der Extraklasse, das Set beinhaltet Kracher aus 25 Jahren Thrash-Geschichte! Schade ist dabei einzig, dass die Tontechniker am ersten Abend noch nicht ihr volles Können zeigen: Zu schwammig kommt der Sound grösstenteils rüber, zu wenig ist die Kraft von Chuck’s Stimme spürbar. Der Stimmung tut dies kaum einen Abbruch: Vor gut gelauntem und dicht gedrängtem Publikum donnern Testament weiter, Crowdsurfen gehört genauso zum guten Ton wie wildes Headbangen.

Genauso wie das alte Material, überzeugen auch die Songs des (bislang) letzten Albums von 2012: „Dark Roots of Earth“ oder „Native Blood“ als Beispiele zeigen eindrücklich die Kunst, auch heutzutage noch Songs zu schrieben, welche klingen wie zu früheren Zeiten. Den Abschluss macht „The Formation of Damnation“, Titelsong des 2008er Studioalbums. Was für ein Auftritt von Testament. Nach einem solchen Start ins Festival freue ich mich riesig auf die nächsten Tage. Da verspricht das Line-Up ja sogar noch einiges an Steigerungspotential…

Fotos vom Tag 1 (Röschu/Sabi)

Festivaltag 2, Dienstag

(Röschu) Heidelbeerschnapps und Bier zum Frühstück… super Auftakt, Level haltend und gestärkt geht’s in den Tag! Mehr Worte brauchen wir hier nicht zu verlieren, ab geht’s zu den Bühnen.

(Sabi) Holy Moly! Wer kommt auf die Idee, MIST (SLO) auf der Hauptbühne auftreten zu lassen. Bei dieser Band ist der Name Programm! Die vier Girls und ihr Klampfer bleiben nicht mal im Mittelmass hängen, beeindrucken mit uninteressantem Stageacting, und die „ach–so–doomige“ Stimme der Frontdame tönt sowas von gelangweilt… Ach ja, dies hatten wir schon letztes Jahr (siehe Review Metaldays 2015), aus diesem Grund wechseln wird zur Second Stage.

(Röschu) ich habe vom Konzert von Mist zwar nicht viel mitgekriegt, und doch muss man zumindest auch den Veranstaltern hoch anrechnen, zu Tagesbeginn komplett unbekannten Bands auf der grossen Bühne eine Chance zu geben. Dieses Prinzip soll auf nächstes Jahr noch stärker ausgebaut werden – wenns einem Mal nicht gefällt bieten die Metaldays zum Glück ja viele Alternativen.

Howling The Fog, Gloryhammer

(Sabi) HOWLING IN THE FOG (IT) ist eigentlich ein „One Man Project“ des Italieners Gabriele Paolo Marra, das sich irgendwo zwischen Black-/ Prog- / Melodic- / Experimental Metal bewegt und live von einer Band unterstützt wird. Ruhige wie schnelle Parts wechseln sich ab, der Sound kommt voll rüber, die cleanen Gitarrenparts sind druckvoll, doch leider löst es keine grosse Reaktion beim Publikum aus, das lieber an seinem Bier nippt statt die Band mit wohlverdientem Applaus zu beglücken.

GLORYHAMMER (SCO) werden auf der Main Stage mit aufblasbaren Einhörnern und Hämmern erwartet. Der intergalactic Space Metal entfaltet innert Minuten seine Wirkung und alles ist „Mighty“. Showelemente wie die Krönungszeremonie des „Mighty-Hammers“ fehlen nicht und die Band sprüht nur so vor Spielfreude, trotz unheilverkündeten Gewitterwolken am Himmel. Das Gewitter lässt nicht lange auf sich warten und treibt uns Fotografen aus dem Graben, als sei der Leibhaftige hinter uns her. Nicht so die Metaljünger vor der Bühne, die bleiben noch stehen, als das Konzert wegen überfluteter Bühne abgebrochen werden muss.

Von unserem trockenen Platz im Medienbereich, dürfen wir nun einem einmaligen Spektakel beiwohnen. Vor unseren Augen suhlen sich eine Handvoll halbnackter, meist männlicher Festivalbesucher wie Wildschweine im Dreck, bewerfen sich gegenseitig mit Matsch und schütten sich Bierbecher mit gefüllter Schlammsauce über die Rübe. Zum krönenden Abschluss dieses Spektakels kriegen wir ein „Fuck you VIP“ vor den Latz geknallt und den behaarten Arsch eines vollschlanken aus der Form geratenen Herrn präsentiert. Herzlichen Dank aber auch!

Elferya, Skalmöld

(Röschu) Darauf verzichte ich doch liebend gerne. Zeitgleich zu Gloryhammer spielen auf der zweiten Bühne ELFERYA (CH). Vorsichtshalber stecke ich meine Kamera in eine Plastiktüte (eine SLR mit Wasserschaden reicht für dieses Jahr), und bin schnell froh darum: Kaum legen die Symphonic-Metaller aus der Westschweiz los, heisst es Land unter. Immerhin können Elferya ihre Show durchziehen, einige Hartgesottene mit Schweizer Fahne lassen sich auch von Petrus nicht aus dem Pit vertreiben. Die restlichen Interessierten nehmen im angrenzenden Festzelt Platz und erleben im Trockenen den Auftritt der jungen Band. Klarer, durchaus ansprechender Gesang und melodisch schönes Geigenspiel gefallen mir ganz gut, die Truppe dürfte aber wesentlich frecher auftreten. In der Musik an sich ist nämlich richtig Power drin, nur fehlt etwas Überraschendes, das gewisse Etwas halt. Dennoch, den Spass lässt sich – gerade bei diesem Wetter – niemand nehmen, den klitschnassen Applaus haben sich Elferya verdient!

SKALMÖLD aus Reykjavik, Island, dürfen im Anschluss an Gloryhammer die frisch geputzte bzw. bewässerte Bühne betreten, während die Security noch damit beschäftigt ist die richtig verschlammten Typen zu duschen… Herrlich dieses Bild! Der Regen hält sich etwas zurück – nicht so das Volk im Pit, wo fleissig weiter gedreckelt wird. Die Isländer tragen das ihrige zur guten Stimmung bei. Kerniger, schneller, melodischer Metal, auch gesanglich mit einer guten Härte – Skalmöld zeigen was sie können, laden zum Headbangen und Schlammcatchen ein! Einzig auf die von der EM bekannten isländischen Schlachtrufe geht die Band nicht ein – kann ich verstehen, dieser Hype nervt schnell mal… An der Begeisterung des Publikums ändert dies aber nichts!

Nervochaos, Insomnium, Arkona

(Sabi) NERVOCHAOS (BRA) sind im wahrsten Sinne des Wortes ein Chaos für die Nerven. Thrash/Black/Death/ Grind/Punk – jegliche Genres werden gemischt und kompromisslos und fiese ins Publikum geknallt, dass die Trommelfelle aufs übelste strapaziert werden. Diese Art von Mucke zieht und der Platz vor der Second Stage füllt sich schnell.

(Röschu) Wesentlich ruhigere und melodischere Töne werden derweilen auf der Main Stage von INSOMNIUM (FIN) angeschlagen. Eingängige Melodien gepaart mit harmonisch-harten Riffs und rauen Black-Vocals, damit sorgen die Finnen für das nächste Highlight des Abends. Passt das grelle Sonnenlicht zu Beginn so überhaupt nicht zum Geschehen auf der Bühne, so sorgt spätestens der malerische Sonnenuntergang kurz darauf für erwärmte Gemüter (auch wenn’s immer noch nicht wirklich passen mag). Neben den kreischenden Girls in der ersten Reihe geniessen auch die Jungs von Skalmöld bereits den angenehmen Abend – skurrile Bilder, wenn ich an die Schlammschlacht vor knapp 2 Stunden denke…

(Sabi) ARKONA (RUS) sind im Pagan Metal alles andere als unbekannt. Fronterin / Bandchefin Masha hat ihr Projekt über die Jahre immer weiter nach vorne gepusht und sich damit zu einem der bekanntesten Namen im slawischen Metal-Bereich hochgearbeitet. Masha wirbelt von Beginn weg über die Bühne, growlt, posiert und singt, dass es eine wahre Freude ist. Dabei überzeugt sie vor allem durch die gekonnten Wechsel von energischen zu cleanen Vocals. Gitarrist Sergei und Basser Ruslan sorgen für den druckvollen Grundrhythmus, und das Flöten von Vladimir bringt die nötige Melodie und hymnische Tiefe in die Songs. Die Stimmung vor der Bühne ist am Brodeln! Es wird geschunkelt, gepoggt, getanzt und gefeiert als gäbe es kein Morgen mehr.

Melechesch, Marduk

(Röschu) Hm… Hier steht ich soll etwas über den Auftritt von SKINDRED schreiben? Für den Sound bin ich leider nicht betrunken genug, das halte ich keine zwei Minuten aus. Ich verzieh mich an die Strandbar…

(Sabi) MELECHESCH (ISR), was auf Hebräisch „König des Feuers“ bedeutet, lassen den Platz im Second Stage Bereich sehr eng werden. Der Black- / Death Metal, der orientalische Einflüsse enthält, kommt tight und klar rüber und ist perfekt gespielt und abgemischt. Der packende Mix aus brutalen Black Metal-Tunes und treibenden Death Metal-Grooves kommt beim Publikum gut an und die geile Lichtshow setzt dem Ganzen die Krönung auf. Horns up für den Gig der Israeli!

(Röschu) Mit allerfeinstem Black Metal sorgen Marduk (SWE) für den Tagesabschluss auf der Main Stage. Satanischer könnte ein Abend kaum enden, auch der Auftritt der Schweden kommt beim Publikum richtig gut an. Mühsam ist allerdings, dass sich der Lichttechniker um diese Zeit und zu solcher Musik komplett in den Vordergrund spielen muss. Ultra-nervöse Beleuchtung in allen Regenbogenfarben zu Marduk? So kann man Black Metal nicht geniessen. Schade.

Fotos vom Tag 2 (Röschu/Sabi)

 Festivaltag 3, Mittwoch

(Sabi) Der heutige Tag wird etwas ruhiger angegangen mit einem gemütlichen Mittagessen im Städtchen. Mit von der Partie sind die bayerische Jungs, die wir in den letzten vier Jahren immer an den Metaldays getroffen haben.

Pro Pain, Gloryful

Satt gegessen erscheinen wir erst zu PRO PAIN (USA) auf dem Festival Gelände. Von den Amis könnte sich noch so manche Nachwuchs-Combo eine Scheibe abschneiden! Die Herren geben auch nach mehr als 20 Jahren immer noch Vollgas auf der Bühne und lassen sich vom einsetzenden Regen nicht sonderlich beeindrucken. Innert kurzer Zeit zettelt Gary (V) einen Mosh / Circlepit an, der schon leicht aggressiv wirkt. DYING FETUS (USA) hauen danach was Aggressivität angeht in die gleiche Kerbe, aber mit Death Metal. Brachiales Gemetzel, das wie ein Dampfhammer auf die tobende Menge runtersaust, die sich davon anstecken lässt und komplett durchdreht.

Eine schwindlige Achterbahnfahrt ist manchmal nichts gegen den Stilwechsel an den Metaldays. Denn auf der Second Stage spielt zur gleichen Zeit GLORYFUL (DE) klassichen Heavy Metal und im Anschluss zu Dying Fetus folgen die Hard-/Psychodelic-Rocker GRAVEYARD (SWE) auf der Main Stage. Dies ist natürlich eine sportliche Herausforderung an die geschmackliche Flexibilität des Publikums, das aber in grosser Menge erscheint und den sanften Klängen der Göteborger lauscht.

Rossomahaar, Napalm Death

(Röschu) Weiter geht’s auf der Second Stage. ROSSOMAHAAR aus Russland stehen da auf der Running Order. Rossomawas? Noch nie gehört. Eine kurze Online-Suche führt auch zu keinem Ergebnis, stattdessen lande ich auf der Homepage von Arkona? Ok, die Erklärung dafür ist dann einfach: Da steht tatsächlich Arkona auf der Bühne, nur einfach ohne Masha. Stattdessen rückt die Flöte als Instrument in den Vordergrund, was dem Auftritt im Direktvergleich doch gleich einiges an Energie nimmt. Die äusserst sympathischen Russen (liegt wohl am 70’000 Tons of Metal Shirt des Flötisten) zeigen aber einen lockeren, gut gelaunten Auftritt und heben sich mit etwas dunklerem Gesang doch etwas von der Original-Gruppierung ab.

(Sabi) Wechseln wir wieder zur Main Stage wo NAPALM DEATH (UK) ein brachiales Gewitter in musikalischer Form auslöst. Mark „Barney“ Greenway –ist ein nervöses Bündel, das keine Sekunde stehen bleibt, mit den Armen rumfuchtelt als wäre er am Ertrinken und dazu komische Zuckungen hat. Gebt dem Mann Ritalin, Valium oder was auch immer – dies ist ja nicht mitanzusehen! Und aus diesem Grund verabschiedet sich die Metalinside Crew zum hintersten Bierstand… Was für eine Erlösung als dann endlich Kreator mit grossem „Tätsch“, Glitzer-Streifenregen, Feuer und Nebelfontänen auf der Main Stage erscheinen…

Kreator

(Röschu) The fucking KREATOR has returned!! Grossartig der Auftakt mit einer Pyroshow vom allerfeinsten während dem Intro „Choir of the Damned“, und mit „Enemy of God“ geht’s dann auf und vor der Bühne gleich so richtig zur Sache. Sänger Mille bringt es von Beginn an auf den Punkt: „Scheiss Politik, scheiss Extremismus, scheiss Religionsfanatiker!“ Ungehalten und energisch bringen die deutschen einen Kracher nach dem anderen, „Phobia“, „Endless Pain“ oder „Phantom Antichrist“ folgen sich Schlag auf Schlag, die Übergänge teils nahtlos. Es ist ein unglaublicher Rhythmus, den Kreator hier während der ganzen Show aufrechterhalten! Und auch technisch spielt hier alles mit, bei keiner Band zuvor drang der Sound so unglaublich kernig und präzise abgemischt ins Publikum. So kommen sowohl die wirbligen Rhythmen der Drums wie auch das charakteristische Zusammenspiel der Gitarren- und Bassklänge unglaublich geil zum Tragen!

Wenn man denn wirklich etwas am fast zweistündigen Auftritt aussetzen will, dann dass die Flammenwerfer vor der Bühne eher sparsam eingestellt sind (wird wohl seinen Grund haben). Die kommen nur halb so gut zur Geltung wie in anderen Locations. Aber egal, was Kreator hier abliefern ist ein einziger Hammer! Civilization Collapse, Violent Revolution, Pleasure to Kill… und dann fordert der Frontmann einen letzten grossen Circle Pit – „People in the front… in the back… Enjoy your holiday, c’mon!!“ – und zerlegen die Bühne mit „Betrayer“ noch so richtig in ihre Einzelteile. WOW!

Rise Of The Northstar, Secrets Of The Moon

(Sabi) RISE OF THE NORTHSTAR (FRA) lösen schon beim Linecheck ein Gekreische im Publikum aus und bei den ersten Klängen der Band herrscht der Notstand im Publikum. Der Platz ist gerammelt voll, die Franzosen dreschen drauflos, Vithia (V) flitzt hin und her und erinnert mich von seiner Attitude stellenweise an Suicidal Tendencies‘ Mike Muir und die Stimmung im Publikum ist der Burner! Crowdsurfen, Circle– und Moshpit, das ganze Programm, voll crazy! Keine 10 Minuten nach Konzertbeginn hechtet schon der erste Sanitäter mit ‘ner Zervikalstütze, auch bekannt als Halswirbelsäulenschiene, ins Publikum. Und dies blieb während des Gigs nicht der letzte Einsatz der Ambulanz.

(Röschu) Na da geht es vor der Hauptbühne doch etwas gesitteter zu – auch wenn Die Apokalyptischen Reiter durchaus zu unterhalten wissen. Entgegen ihrer Landesgenossen von zuvor, sprechen die Reiter aber nur ein halb so grosses und mehrheitlich deutschsprachiges Publikum an, der Stimmung tut dies aber keinen Abbruch. Vor allem der Abschluss hat es in sich. „Seemann“ entpuppt sich als Highlight, mit einem Mädel welches crowdsurfend ihre Runden dreht – zum Song passend in einem Gummiboot sitzend! Fast schon besinnlich wird es mit der Akustik-Version von „We Will Never Die“, bevor „Rausch“ für den Schlusspunkt sorgt.

(Sabi) Den heutigen Tag lassen SECRETS OF THE MOON (DE) ausklingen. Leicht schleifender doomiger Occult Metal / Rock mit einer grossen Portion Psychodelic sind ein passender Abschluss und ziehen nochmals ordentlich Leute zur Second Stage. Danach trifft man sich noch kurz an der Beach Bar zum Schlummi, genehmigt sich den letzten Drink auf dem Campingplatz oder verkrümelt sich wie 50% des Metalinside-Teams sofort in die „Heia“.

Fotos vom Tag 3 (Röschu/Sabi)

Festivaltag 4, Donnerstag, 28. Juli 2016

(Sabi) Petrus scheint heute kein Freund von Metalmucke zu sein. Es regnet und regnet und regnet. So verlassen wir erst gegen 15.00 Uhr unsere Hütte um ein deftiges Frühstück zu brutzeln, dass dann wieder im Bett verdrückt wird. Gut eine Stunde später scheint Petrus doch noch erbarmen zu haben und die Sonne kommt wieder in voller Pracht hervor.

(Röschu) Und so tauchen die Schönwetter-Fotografen von Metalinside halt erst gegen 5 Uhr Nachmittag auf dem Festivalgelände auf. Irgendwie schon schade: Gehört die Schlammschlacht an anderen Festivals fast schon zum guten Ton, geht an den Metaldays halt viel Urlaubsstimmung verloren wenn es jeden Nachmittag pisst. Schade war ich letztes Jahr nicht hier: Ich wünschte mir jetzt 40 Grad, um mich in der kalten Soca abkühlen zu können…(Anmerk. Sabi: Du hast ja keine Ahnung mein lieber Schwan!!)…aber ja, man nimmt was man kriegt. Also ab vor die Hauptbühne, da gibt’s wenigstens gleich mal was Schönes für die Linse!

Delain

Den Sound von DELAIN (NED) kann man mögen, oder nicht. Wie so oft ist das Geschmacksache. Ich verstehe auch die, die sagen, der Sound sei einfach etwas härtere Pop-Musik (gell Sabi). Und doch mag ich die Holländer irgendwie, gerade an Festivals sorgt ihre Art – unabhängig vom Rahmen – für Abwechslung. Schwer zu sagen woran das liegt. Vielleicht an den effektiv pop-ähnlichen Mustern und dadurch eingängigen, leicht verdaulichen Melodien? Oder wegen den energischeren, auch mal dunkleren Elementen, welche einen interessanten Kontrast zu Charlottes unglaublichem Gesang bilden?

Egal was es ist: Ich hör mir diese Band live immer wieder gerne an. Die Gitarren-Parts haben es in sich, harmonisch fliegen die Haare im Pit sowie auf der Bühne – dabei sieht natürlich die Kombination aus blondem und rotem Haar klasse aus! Umso mehr freue ich mich aufs Aussortieren meiner Bilder, denn etwas Vergleichbares wie Charlotte und Merel in der slowenischen Abendsonne werde ich so schnell nicht wieder vor die Linse kriegen. Ach, evtl. mag ich Delain ja auch einfach deshalb…?

Overorth

(Sabi) Während sich Röschu das Geträller auf der Main Stage reinzieht, verdrücke ich mich zur Second Stage um mir die fiese Mucke von OVEROTH (IRL) reinzuziehen. Die Iren rotzen hier einheitlich gekleidet ein rabiates Geknatter von der Bühne. Dazu hagelt von der gesamten Saitenfraktion, bis auf Andrew, der mit Dauergrinsen auf der Bühne steht, böse Blicke. Das zahlreich anwesende Publikum weiss den gut gespielten Deathmetal zu schätzen und gibt mehr als nur Höflichkeitsapplaus.

Auf dem Weg zurück zur Main Stage werde ich Zeuge, wie die grossen Pfützen auf dem Kiesweg zwischen den zwei Bühnen beseitigt werden. Nämlich mit dem Reinigungstankfahrzeug der TOI TOIS! Die Idee ist gut, ist doch der Gang zwischen den zwei Bühnen so was wie ein Hindernislauf, wenn man trockenen Fusses ankommen will. Es hätte aber mehr Sinn gemacht, wenn man mit diesem Tankfahrzeug die Notdurft in den Kloos entsorgt hätte. Unterdessen stank es bei den Pissoirs nämlich so bestialisch, dass es einem fast den Magen umdrehte. Und ratet wo die Pipiboxen standen? Direkt neben dem Bierstand! Prost!

Septic Flesh, Phantasmagoria, Nine Treasures

SEPTIC FLESH (GR) bei Sonnenschein wirkt schon fast niedlich. Die griechischen Symphonic Death Metaler glänzen mit einer guten Bühnenpräsenz und verfeinerten ihren technisch perfekten Metal mit tonnenweisen melodischen Samples. „Communion“ wird anfangs in die Meute geschleudert und zündet sofort. Crowdsurfer, Headbangers, Mosh- und Circlepits. Das volle Programm wird vom Publikum aufgefahren. Vergleichsweise lasch kommen PHANTASMAGORIA (CRO) aus Zagreb, die gelichzeitig auf der Second Stage spielen, rüber. Mit viel Fantasie kann man die Band als „Metal“ bezeichnen. Sie selber nennen es Dark Rock / Gothic Rock. However… dieses Geplärre treibt mich zurück in den Pressebereich.

Kurz drauf gibt’s die Überraschung des Tages, wenn nicht des Festivals! Auf der Second Stage rufen NINE TREASURES (MNG) zum Tanz! Es herrscht ein Gedränge bis in die hintersten Reihen, denn jeder will die Jungs aus der Inneren Mongolei, gekleidet in mongolischen Trachten, sehen. Klar herrscht hier der Exoten-Bonus aber der mongolische Fünfer hat es faustdick drauf. Traditionelle Instrumente werden geschickt mit Gitarre, Bass und Drum kombiniert. Das Ergebnis ist Folkmetal auf hohem Niveau, der die Metalheads mitfeiern lässt.

Electric Wizard, Gama Bomb, Devildriver

(Röschu) Wieder in eine ganz andere Richtung geht’s auf der Main Stage. Ja, auch heute muss der Metalhead in Tolmin offen sein für alles… ELECTRIC WIZARD (ENG) dröhnen die Metaldays mit (leider übelst lautem) Stoner-Doom zu. Ohne viel Licht, die Show stilgemäss bodenständig und authentisch: Die Briten zeigen einen guten Auftritt vor ihrem… Backdrop? Nein, da erzeugt ein Beamer die Bühnen-Dekoration… so eine Art Bildschirmschoner aus den 80ern auf LSD. Speziell. Da krieg sogar ich als Nichtraucher Lust auf Gras.

Und wenn davon jemand genug raucht, dann dürften es wohl GAMA BOMB (IRL) sein? Zumindest zeigen sich die Iren auf der kleinen Bühne ziemlich gut aufgelegt. Clean kann der Sänger kaum sein: Grün-Gelbe Leinen-Hose, weisses Tanktop und Sonnenbrille? Und zwischen den kurzen, schnellen Songs immer wieder Intermezzos in Form von Snoop Dog Songs – „Drop it like it’s hot“, „Smoke weed every day“ – ja, die Typen haben definitiv genug geraucht! Das Publikum hat dabei seinen Spass, der Pit vor der Bühne ist auch hier gut gefüllt. Alle über 30 sollen „yeah“ rufen. Viele machen mit. Der Sänger tröstet: „Don’t worry, we’re fucking old too, that’s fine“. Und das alles mit herrlich irischem Akzent – klasse, aber ich brauch jetzt definitiv ein Bier!

(Sabi) Drink Beer, smoke weed! Alles klar Herr Dez Fafara! Lieber wär’s mir gewesen, wenn „SAIL“ gesanglich einigermassen an die CD rankommen würde. Leider hat es Mr. Fafara total verkackt aber im Publikum kommt Segelstimmung auf. Einige Dutzend Fans lassen sich zu den Klängen von DEVILDRIVER (USA) über die Menge tragen um danach mit glücklichen Gesichtern aus dem Graben zu hüpfen und kurz darauf wieder über die Menge zu segeln. Die Amis gehören sicher nicht zu den besten Live-Bands, liefern aber eine 1A Show ab, die vom ersten Ton an zündet.

At The Gates

(Röschu) Ein geiler Auftritt der Kalifornier, da gibt’s nicht viel anzufügen. Schade nur um die kurze Spielzeit. Da freu ich mich doch, dass AT THE GATES (SWE) pünktlich loslegen – und für mein heutiges Highlight auf der grossen Bühne sorgen! Die Schweden bieten Melo-Death der alten Schule, mit dem immer-aktiven Energiebündel Thomas Lindberg als Frontmann, der neben seiner Bühnenpräsenz vor allem mit seiner kräftig-rauen Stimme zu begeistern weiss. Die prägenden tiefen Gitarrentöne hauen uns die Jungs regelrecht um die Ohren, die vielen Rhythmuswechsel sorgen genauso für Spannung wie die typischen, unglaublich abwechslungsreichen Riffs der Leadgitarre.

Da lässt sich natürlich auch das Publikum mitreissen: Headbangen, Crowdsurfen und – irgendwo ganz hinten – auch Mini-Circles sorgen für ein klasse Bild! Was das Set betrifft lassen At the Gates kaum Wünsche offen, ein Kracher aus über 25 Jahren Bandgeschichte folgt dem nächsten! So steht Tolmin schon fast Kopf, als nach gut einer Stunde „The Flames of the End“ als Intro den Schlussspurt einläutet – und mit „Blinded by Fear“ einer der absoluten Hammer-Songs über die Metaldays hereinbricht! Schnörkellos und energisch bis zum Schluss: „The Night Eternal“ setzt den Schlusspunkt unter einen grossartigen Festival-Abend!

Fotos vom Tag 4 (Röschu/Sabi)

Festivaltag 5 – Freitag, 29. Juli 2016

Skyforger, Varg

(Sabi) Der letzte Festivaltag präsentiert sich von seiner besten Seite. Blauer Himmel, Sonne pur und keine einzige Regenwolke in Sicht. Trotzdem kommen wir erst am späten Nachmittag zu SKYFORGER (LVA). Die lettische Pagan-Metaller werden erwartet… Röschu?

(Röschu) Skyforger? Da habe ich mir „Sabi“ notiert… sorry, bin noch unten am Strand und geniesse – wie viele anderen – den ersten und einzigen, richtig heissen Festival-Nachmittag. Mach du mal fürs Erste weiter… (Anmerk. Sabi: nicht so viel trinken und richtig notieren! 😉 Teamwork heisst nicht: toll ein anderer macht’s!)

(Sabi) Auf der Main Stage wird das Backdrop mit dem Wolf aufgezogen, Lichtsäulen werden platziert und die ersten Töne von VARG (DE) klingen aus den Boxen. Lichtsäulen bringen leider bei grellem Sonnenschein nix und die Kriegsbemalung der Deutschen ist bei 30 Grad schnell futsch. Die Deutschen trotzen den hochsommerlichen Temperaturen tapfer und legen einen Hammerauftritt hin. Songs vom neuen Album „Das Ende Aller Lügen“ kommen genauso gut an wie alte Songs und werden vom Publikum kräftig und textsicher mitgesungen.

(Röschu) So, jetzt habe ich es auch wieder zurück aufs Festivalgelände geschafft. Zu geil war die Stimmung unten am Fluss, mit hunderten von Metalheads die sich auf ihren Luftmatratzen, Gummi-Enten und anderem gemächlich flussabwärts treiben lassen. So habe ich mir die Metaldays vorgestellt!

Obscurity, Einherjer, Gutalax

Es reicht gerade noch in den Graben vor der kleinen Bühne, wo mit OBSCURITY eine Melodic-Death-Metal Band aus Nordrhein-Westfalen auf der Bühne steht. Klasse Sound, melodisch interessante Übergänge, langgezogene Riffs und auch mal experimentelle Parts: Gefällt mir! Dazu kommt die geile Lichtstimmung: Während der dunkle Bühnenbackground durch oranges und grünes Licht aufgehellt wird, strahlt die tiefstehende Sonne durch einzelne Baumlücken – ein herrlicher, fast kitschiger Widerspruch zum von Black- und Viking-Elementen geprägten Sound!

Wikinger-lastig geht weiter: EINHERJER (NOR) übernehmen die Mainstage, im Pit wird gerudert was das Zeug hält! Die Norweger machen es einfach: Zur Feier des 20-jährigen Jubiläums gibt’s das 1996 erschienene Album „Dragons of the North“ in voller Länge. Die Abendsonne erhitzt dabei ein letztes Mal Bühne und Publikum, seitens der Security (Schlauch) sowie vom Bierzelt (so eine Art Rasensprenger) gibt willkommene Abkühlung. Da bin ich auch dankbar: Schliesslich steht ein intensiver letzter Abend vor uns.

(Sabi) Guttalx ist bekanntlich ein Abführmittel, dessen Wirkung nach ca. 6 – 12 Stunden eintritt und GUTALAX (CZ) eine Band, die sich mit Vorliebe dieser Thematik widmet. Woher sonst stammen Songnamen wie „Anal Error“ oder „Fart Fart Away“? Anyway, verstehen tut man bei dem „Gegrunze“ eh nix, was bei Gore Grind typisch ist. Abgefahren und hart und definitiv nichts für meine Lauscher.

Exodus

Abendstunde hat Thrash im Munde! Unbändige Spielfreude, Hingabe und tollen Songs lassen es proppenvoll werden vor der Mai Stage. EXODUS (USA) gehören ebenfalls zu den Urvätern des Thrash Metals und bieten Vollbedienung. Die Amis haben einen richtig guten Tag und Steve Souza und sein Knüppelgeschwader fordern die Fans nach Strich und Faden. Leider glänzt Gary Holt an den Metaldays mit Abwesenheit, da er sich wiedermal bei Slayer lümmelt. Aber auch ohne ihn dürfen EXODUS heute klar als Sieger ins Rennen gehen.

VALKYRJA (SWE) der Name kommt mir bekannt vor, doch beim besten Willen weiss ich nicht, woher ich die Band kenne. Nun, ich weiss es auch jetzt nicht, was ich aber mit Sicherheit sagen kann, der dargebotene Black Metal gefällt mir nicht. Man gibt sich auf der Bühne sichtlich Mühe, böse und finster zu wirken, doch dafür leidet der Sound ein wenig und kommt als monotones Gepolter raus.

Blind Guardian

Der Rückzug zur Main Stage ist leider auch keine gute Wahl. BLIND GUARDIAN (DE) mögen geile Alben rausbringen, kommen live leider nicht an die Qualität der Alben ran. Da aber unser Röschu ganz andere Meinung ist, lassen wir ihn zu Worte kommen…

(Röschu) Ja, soviel vorweg: Blind Guardian kommen auf kleinen Bühnen zweifellos besser zur Geltung, eine ähnliche Stimmung wie im Mai im Palazzo (Chur) oder letztes Jahr auf der 70’000 Tons of Metal – beides Konzerte in fast schon intimem Rahmen – kann man hier nicht erwarten. Und doch freue ich mich auf den Auftritt der Deutschen, welche hier als eine der wenigen richtig melodischen Bands antreten und mit ihren epischen Interpretationen für Stimmung sorgen sollen. Dementsprechend imposant der Auftakt: „The Ninth Wave“ ist an Spannung und Energie kaum zu überbieten, die Fans auf dem nun wirklich prall gefüllten Gelände begrüssen die Deutschen begeistert. Sowohl Akustik als auch Lichtshow überzeugen und sorgen – im Zusammenspiel mit dem gut gelaunten Publikum – für eine spektakuläre Inszenierung.

So gut der Auftakt auch ist: Blind Guardian könnten in der Folge mehr rausholen. Bald beschränkt sich die gute Stimmung auf die vorderen Reihen, während die zahlreichen Zuschauer hinten das Konzert in Ruhe geniessen – zu wenig aktiv, zu wenig mitreissend zeigen sich die Herren auf der Hauptbühne. Singt bei „The Last Candle“ noch ein grosser Teil mit, ist im weiteren Verlauf des Auftrittes vom Grossteil der Menge nicht mehr viel zu hören. Schade – aber eben genau das bringen solch grosse Festivalauftritte halt auch mit sich. Dennoch muss man das Positive herausstreichen: Das abwechslungsreiche Set – einmal mehr auf den Kopf gestellt und mit selten gespielten Perlen wie „The Holy Grail“ gespickt – gefällt, die Akustik ist für ein Openair ganz grosses Kino. Und so kann ich die abschliessenden (Pflicht-)Titel „The Bard’s Song – In The Forest“ und Mirror Mirror“ auch bestens geniessen.

Dragonforce

Abschliessend steht auf der Main Stage ein weiterer bekannter Name auf der Running Order. Der Auftritt verzögert sich aber erstmal um gut eine halbe Stunde – erst als die Band dann endlich auf der Bühne erscheint wird klar, wieso. DRAGONFORCE müssen ohne ihren Sänger Marc Hudson performen, aus gesundheitlichen Gründen muss dieser passen. Äusserst kurzfristig konnte PelleK eingeflogen werden, um den Auftritt an den Metaldays zu retten. Der norwegische Sänger und Schauspieler erklärt dann auf der Bühne auch gleich selber, wie es dazu kam: Den zweiten Song auf der Setlist „Symphony of the Night“ hätte er vor 6 Jahren an einem Casting vorgesungen, wurde von Dragonforce damals aber nicht als neuen Sänger verpflichtet… Nervös, unvorbereitet und fast ausschliesslich auf den Teleprompter fixiert, singt sich das Gesangstalent dann durch ein gekürztes Set.

Was nach einem reichlich schlechten Auftritt klingt, stellt sich als das pure Gegenteil heraus: Die internationale Truppe um den Kult-Gitarristen Herman Li sprudelt vor Spielfreude, zeigt sich in bester Laune und sorgt für ein kurzes, aber unvergessliches Erlebnis! Zusammengefasst: Anstatt es sich einfach zu machen und das Konzert zu canceln, zeigen die Jungs ungezwungen und gut gelaunt „Pure Fucking Heavy Metal“! Geil!

(Sabi) Als krönender Abschluss der Metaldays 2016 stehen SATAN (GB) auf der Second Stage. Hinter dem Bandnamen vermutet man das Schwärzeste was die Hölle zu bieten hat, bekommt aber stattdessen Oldschool Heavy Metal geboten. Seit 1979 wüten die Briten durch die Gegend, lösten sich kurzzeitig mal auf und sind seit 2011 wieder regelmässig auf den Bühnen anzutreffen. Zum letzten Mal gibt die Crowd alles um danach müde aber glücklich die Metaldays 2016 zu beenden.

Fotos vom Tag 5 (Röschu/Sabi)

Fanzit

Was soll man zu den METALDAYS 2016 sagen? Wir haben gemischte Ansichten. Zum einen findet das Festival an einem absolut schönen Ort statt, der umgeben ist von Bergen und dazu noch zum Baden im türkisgrünen Wasser einlädt. Auf dem Gelände gibt es genug Möglichkeiten, der Sonne Sloweniens, die oft erbarmungslos scheint, zu entkommen. Man trifft haufenweise interessanter Menschen aus der ganzen Welt. Das kulinarische Angebot wurde über die Jahre immer wieder erweitert und ist einigen Festivals einen Schritt voraus. Obwohl das Aufgebot der Bands dieses Jahr für unseren Geschmack nicht hervorragend war, gab es doch einige Highlights wie Nine Treasures, Varg, Sacred Reich oder Arkona – und mit Blind Guardian, Exodus oder Kreator standen doch auch einige ganz dicke Namen im Programm!

Das Zahlungssystem mit der Paycard, die Bargeld nur zum Aufladen der Karte nötig macht, ist eine gute Idee und auch das Pfandsystem auf Becher und Flaschen ist löblich und trägt zu einem überaus müllfreien Festival bei. Zudem ist der Ticket-Preis für fünf Tage Festival, inkl. Camping und Gebühren, von gut 135 Euro fast ein Schnäppchen. Erwähnenswert auch die Security, die überaus freundlich und hilfsbereit war.

Kritik

Leider gibt es aber auch einige Minuspunkte, die das diesjährige Festival überschatten und einen sauren Nachgeschmack hinterlassen. Für das unbeständige Wetter können die Festivalbetreiber nichts. Für die hohen Getränkepreise sehr wohl! 4dl Bier kosten 4 Euro, ein Longdrink mit mehr Eis als Alkohol 9 Euro, was schon fast an Frechheit grenzt. Das Angebot an Merchandise hat gegenüber den letzten Jahren stark nachgelassen. Die „Shoppingmeile“ zwischen Main- und Secondstage, die zu einem speziellen Ambiente beitrug, war dieses Jahr mit knapp der Hälfte der Stände besetzt. Dies hat aber mit Einschränkungen seitens Politik zu tun: Aufgrund neuen, hohen bürokratischen Hürden haben viele Anbieter ihre Bewilligung nicht rechtzeitig erhalten. Immerhin haben die Organisatoren die Besucher bereits im Vorfeld informiert – bleibt zu hoffen, dass sich dies für nächstes Jahr wieder bessert.

Ein absolutes No–Go ist aber die Abzocke mit der Paycard. Leider mussten wir miterleben, wie man hier nach Strich und Faden beschissen wurde, wenn man nicht aufgepasst hat. Wer die Quittung nicht kontrollierte, war sein Geld schnell los. Erklärungen, wie das System funktioniert, erhielt man nicht. Das Pfand wurde oft nicht rückverbucht, es wurde zu viel belastet oder der bezahlte Betrag wurde nicht korrekt auf die Paycard gutgeschrieben. Dass die Quittungen unübersichtlich und dazu noch in slowenischer Sprache waren, machte eine Kontrolle fast unmöglich.

Lassen wir aber diese Minuspunkte beiseite und erinnern uns an die guten Begegnungen, die lockere Atmosphäre, das Ferienfeeling und eine ganze Woche abwechslungsreiche Metal – Musik!


Wie fandet ihr das Festival?

/ 29.10.2016
Weitere Beiträge von

At The Gates, Battlecross, Blind Guardian, Comaniac, Delain, Deserted Fear, Devildriver, Die Apokalyptischen Reiter, Drakum, Dying Fetus, Einherjer, Electric Wizard, Elferya, Exodus, Fleshgod Apocalypse, Gama Bomb, Gloryful, Gutalax, Howling in the Fog, Jeff Cox, Kreator, Mist, Morana, Napalm Death, Nervochaos, Nine Treasures, North, Obscurity, Orphaned Land, Overoth, Phantasmagoria, Pro-Pain, Rise Of The Northstar, Rossomahaar, Sacred Reich, Satan, Seduced, Skálmöld, Skyforger, Stormzone, Valkyrja, Varg