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So, 6. August 2017

Hard Rock Session 2017 – Amon Amarth, HammerFall, Gotthard, Pretty Maids

Parc Expo (Colmar, FR)
15.08.2017

Raise Your Horns!

Nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt, im französischen Elsass, da liegt Colmar. Seit 70 Jahren findet da das Foire aux Vins d’Alsace statt. Eine Messe, irgendwie wohl mit der MUBA in Basel vergleichbar. Doch es gibt einen Unterschied: In Colmar gibt’s eine coole Konzert-Location, und nebst vielen Abenden mit Pop- oder anderer Musik, findet jeweils auch die Hard Rock Session statt. Seit 2010 sind hier namhafte Acts wie Nightwish, Judas Priest, Motörhead, Slayer, Helloween, Sabaton, Limp Bizkit, Airbourne oder Accept aufgetreten. Speziell: die Bands kriegen alle die gleiche Spielzeit von 60 Minuten. Denke ich. Weil es so war vor zwei Jahren. Aber jeder kann sich mal irren, doch dazu später mehr…

Auf dem Speiseplan der Ausgabe 2017 stehen die Pretty Maids, Gotthard, HammerFall und Amon Amarth. Drei von vier Bands absolute Volltreffer für mich – heisst: Kamera schnappen, Kolleg treffen und auf geht’s ins Elsass!

Der öV in Frankreich hat jetzt nicht unbedingt den gleichen Stellenwert wie bei uns. Taktfahrplan ist (zumindest auf den Buslinien in Colmar) ein Fremdwort – also erstmal genau schauen, wann denn da eine Fahrt in den Ausstellungspark möglich ist… Immerhin: der Bus ist tutschpünktlich. Und weil da heute auch ein Anlass stattfindet, gibt’s auch um Mitternacht noch Busse wieder zurück. Sonst klappen die da nach 19h die Trottoire hoch!

Auf dem Gelände wimmelt es nur so von Leuten aller Couleur, auch viele Familien sind an der Expo. Doch selbstverständlich schwirren etliche Lang- und weniger Langhaarige mit schwarzen T-Shirts rum. Rein ins Getümmel, noch ein Kronenbourg abholen und schon geht’s los!

Pretty Maids

Punkt 17.30h ertönt das Intro zu „Mother Of All Lies“ und die Pretty Maids starten ihren Gig. Speziell: keine 48 Stunden zuvor standen die Dänen in Brienz als Headliner auf der Bühne – heute sind sie die erste Band des Abends. Und ich sehe die Jungs somit „Back To Back“!

Nun ist es ja nicht so, dass Ronnie Atkins und seine Truppe im Berner Oberland einen schlechten Gig gespielt hätten. Doch heute wirkt der Fünfer irgendwie spritziger und agiler. Ganz speziell trifft dies auf Basser René Shades zu. Der Kerl steht kaum eine Sekunde still, grinst sich eins und bei „Future World“ macht er einen Ausflug ins Publikum. Und zwar richtig: Er steigt die Treppen hoch, rennt hinter dem Mischpult durch und auf der anderen Seite wieder runter und zurück auf die Bühne! Verfolgt von dutzenden (oder wohl hunderten!) Smartphone-Kameras…

Die Setlist ist natürlich zusammengestrichen worden, auf dem Zettel wird sogar noch „Yellow Rain“ geschwärzt – alles muss in einer Stunde reingepackt werden! Und dennoch schaffen es die hübschen Jungfrauen, ein äusserst abwechslungsreiches Programm zu bieten. Klassiker wie „Love Games“ oder „Red Hot And Heavy“ dürfen nicht fehlen, auch das grandiose „Little Drops Of Heaven“ ist wieder dabei. Dazu gibt’s auch neuen Stoff wie „Kingmaker“ oder „Bull’s Eye“, welches heute noch härter tönt als sonst. Das Publikum feiert das alles ab, sogar Crowdsurfer sind vereinzelt bereits auszumachen. Warm Up für Amon Amarth..?

Pretty Maids – stellenweise beobachtet von Joachim Cans und Oscar Dronjak – erfüllen ihre Aufgabe perfekt und trotz der kurzen Spielzeit gefallen sie mir heute (noch) besser als vor knapp zwei Tagen. Starke Leistung, wenn man den Reisestress der Band bedenkt – denn zwischen Brienz und Colmar ist noch eine Show in Schweden gewesen…

Setliste Pretty Maids

  1. Mother of All Lies
  2. Kingmaker
  3. Back to Back
  4. Red, Hot and Heavy
  5. Rodeo
  6. Another Brick in the Wall / I.N.V.U.
  7. Bull’s Eye
  8. Little Drops of Heaven
  9. Future World
  10. Love Games

Gotthard

Auch Truppe Nummer zwei des Tages hat unbestritten Headliner Format. Schliesslich ist es niemand geringeres als die beste Schweizer Band – Gotthard! (pam: keine Widerrede! Anm. von pam: Na dann halt). Nur zu gerne erinnere ich mich an den tollen Abend in der Samsung Hall mit Krokus und Shakra… Nun: da auch sie nur eine Stunde Spielzeit haben, wird’s kaum so spektakulär wie damals. Also hoffen wir doch auf eine Old School Setlist mit möglichst wenig Balladen. Der Zettel, der da am Bühnenrand klebt, lässt jedenfalls hoffen…

Das Bühnenbild mit dem Silver-Schriftzug und dem Silber, welches über die Marshall Boxen tropft, haben die Tessiner jedenfalls mitgebracht. Genauso wie das Standard Eröffnungspaket, bestehend aus „Silver River“, „Electrified“, „Hush“ und „Stay With Me“. Ist es, weil Nic heute auch mal französisch reden darf, dass er so gut drauf ist? Der Sänger kriegt sein Smile keine Sekunde weg, der Mensch hat enorm Spass! Was allerdings auch für die anderen gilt, speziell Leo scheint auch überaus motiviert zu sein. Und das überträgt sich aufs Publikum, welches für grossartige Stimmung sorgt. Sogar das Crowdsurf-Training geht weiter…

Marc Lynn (Bass), Freddy Scherer (Gitarre) und der zurückgekehrte Drummer Hena Habegger dürfen alle einzeln ihr Können zeigen. Zwar bin ich gar kein Fan von solchen Solo-Einlagen, hier wird das alles jedoch erfreulich kurz gehalten und dient eigentlich mehr als Intro der nächsten Songs.

Eine Ballade gibt’s doch – „One Life, One Soul“. Kann man natürlich leben lassen, keine Frage! Doch sonst hauen Gotthard heute wieder mal auf die Pauke: „Sister Moon“, „What You Get“, das grossartige „Top Of The World“. Vollgas ist angesagt! Macht Spass! Und zwar so viel Spass, dass Leo seinen Singpart bei „Lift U Up“ verbockt und sowohl er wie auch Nic sich vor Lachen kaum mehr erholen…

„Anytime, Anywhere“ – der letzte Song, den ich vor sieben Jahren von Steve Lee gehört habe. Unvergessen. Diese Nummer ist aber nicht nur deswegen immer ein Highlight: Es ist einfach ein saugeiler Song und stellt völlig zurecht den Abschluss der meisten Gotthard Shows dar. So natürlich auch heute. Nic, Leo, Marc, Freddy, Hena und Keyboarder Ernesto Ghezzi verabschieden sich unter tosendem Applaus – auch sie haben ihre Stunde perfekt genutzt!

Setliste Gotthard

  1. Silver River
  2. Electrified
  3. Hush
  4. Stay With Me
  5. Mountain Mama
  6. Feel What I Feel
  7. Sister Moon
  8. What You Get
  9. One Life, One Soul
  10. Top of the World
  11. Lift U Up
  12. Anytime Anywhere

HammerFall

Es folgt Headliner Nummer 3. Man stelle sich das vor: die Band, die das nicht gerade kleine Bang Your Head!!! Festival 2017 beendet hat, spielt hier NICHT als letztes… Das zeigt zweifellos die grossartige Qualität dieser Veranstaltung! Nun denn – es ist Zeit den Fans zu zeigen, wo der Hammer hängt: HammerFall!

Das grosse Backdrop hat’s von Balingen ins Elsass geschafft, aber sonst ist die Bühne sehr spartanisch eingerichtet, einzig zwei kleine Podeste sind rechts und links der Drums aufgestellt.
HammerFall erwischen einen miserablen Start. Joacim scheint schon beim Gang auf die Bühne angepisst zu sein und zeigt auf sein Mikro. Die erste Strophe von „Hector’s Hymn“ bringt er dennoch tadellos, doch dann geht er – mittlerweile RICHTIG sauer – auf einen Techniker zu. Derweil spielt der Rest der Band unbeirrt weiter, Joachim’s Part wird vom äusserst textsicheren Publikum übernommen! Während die ersten Crowdsurfer im Fotograben landen, kommt auch der Sänger zurück und beendet die Nummer, die nahtlos in „Riders Of The Storm“ übergeht.

Mittlerweile hat der Fronter seine gute Laune wieder gefunden und entschuldigt sich in aller Form für die technischen Probleme („I couldn’t hear a thing in my ear!“ Anm. von pam: Wo hört er denn sonst noch?) und bedankt sich bei den Fans für die gesangliche Unterstützung („It doesn’t matter – I heard YOU!“).

Doch die Show muss ja weitergehen. Da auch HammerFall heute gerade mal eine Stunde zur Verfügung haben, muss auch hier die Tracklist aufs Wesentliche reduziert werden. Und das hat es bei Göteborg’s Finest in sich! „Blood Bound“, „Any Means Necessary“, „Renegade“… So geil das alles ist: Irgendwie ist da doch noch der verpatze Beginn, der irgendwie nachwirkt. Aber genau mit „Last Man Standing“ ist auch das endgültig vergessen – von der Band und vom Publikum! Die obligate Frage, wer denn HammerFall am heutigen Tag das erste Mal sehen, wird von erstaunlich vielen mit „OUI“ beantwortet. Kann man gar nicht glauben. Egal – Joacim erklärt den Neulingen, wie das geht: „Let the hammer – FALL“! Einige sind da wohl schwer von Begriff oder sie verstehen kein Englisch. Der Sänger meint grinsend: „It’s not THAT difficult! The name of the band is HammerFALL! So when I say Hammer, you say…“ Herrlichst!

Der endgültige Siegeszug hat begonnen, im weiten und sehr vollen Rund sind mittlerweile auch die faulsten Zuschauer aufgestanden und lassen den Hammer fallen! Die Zeit rast, schon muss man die fallengelassenen Werkzeuge wieder hochheben, denn nun heisst es „Hammer High“. „Bushido“ und natürlich das obligate „Hearts On Fire“ beenden die Show. Der Abschiffer zu Beginn ist rückblickend insofern ärgerlich, als dass sich die Jungs und vor allem Joacim wohl etwas fest aus der Spur bringen liessen. Schlecht ist sicher anders, aber man spürte die Spannung. Der zweite Teil ist jedoch absolut perfekt mit einem richtigen Best Of Set! Die grösste Überraschung ist schlussendlich wohl die Tatsache, dass das Debutalbum „Glory To The Brave“ mit keiner einzigen Note berücksichtig wurde.

Setliste HammerFall

  1. Hector’s Hymn
  2. Riders of the Storm
  3. Blood Bound
  4. Any Means Necessary
  5. Renegade
  6. Dethrone and Defy
  7. Last Man Standing
  8. Let the Hammer Fall
  9. Hammer High
  10. Bushido
  11. Hearts on Fire

Amon Amarth

Nun, „meine“ drei Bands haben gespielt. Zeit heimzugehen. Oder so. Denn der Headliner des Tages gehört wahrlich nicht zu meinen Favoriten… Aber der Kollege findet die toll, und reinschauen kann man mal. Erstaunliches vorneweg: Amon Amarth haben heute 90 Minuten Spielzeit und treten somit als „richtiger“ Headliner auf. Hat da offenbar eine Änderung im Konzept gegeben oder so…

Das Bühnenbild sieht schon mal verdammt imposant aus. Zwei grosse Drachenköpfe flankieren die Drums von Jocke Wallgren, dazu stehen massenweise Flammenwerfer am Bühnenrand. Könnte heiss werden…

Mit „The Pursuit of Vikings“ betreten Johan Hegg und seine ääähm: Wikinger die Bühne und werden grad mal von einer ersten Batterie Crowdsurfer empfangen. Während im Publikum die Hölle (oder müsste man jetzt sagen: Valhalla?) losbricht, versuche ich mich aufs Fotografieren zu konzentrieren. Denn die Mucke – au weh…

Ja, Oberwikinger Hegg ist ein äusserst charismatischer Fronter. Ja, die Show ist durchaus spektakulär mit den fauchenden Drachen und den heissen Flammen. Es tobt ein Kampf zweier Wikinger, andere Wikinger scheinen irgendwas zu bewachen und eine Figur, die mich an Star Wars erinnert darf auch mitmischen. Zwischendurch klettert Hegg auch mal auf einen Drachenkopf und grunzt von da oben. Ja, Amon Amarth haben etwas an sich, was die Fans offenbar anzieht. Aber die Musik… Tut mir leid, aber ich muss irgendwann mal raus und ein Bier holen… Mir ist das alles viel zu eintönig und was den „Gesang“ angeht, dürfte meine Einstellung auch bekannt sein.

Doch ich halte durch. Ich hab’s versprochen. Und hoppla: Plötzlich kommt doch noch ein Song, der wirklich was hat! „Raise Your Horns“ – endlich Melodie, kein Hochgeschwindigkeitsgebolze, gutes Riffing. Wenn nur der Gesang nicht wäre… Kann diesen Job hier mal jemand wie Joacim Cans übernehmen? DAS wäre grossartig!

„Guardians Of Asgaard“ und die Zugabe „Twilight Of The Thunder Gods“ (jaja, von Sabaton gecovert, ich weiss…) mit massivem Donnerschlag, als Hegg den Hammer fallen lässt (Moment – falsche Band??) bilden einen showmässig coolen Abschluss. Eine Show, die eines Headliners würdig ist, keine Frage! (Anm. von pam: Schön, wie du hier über deinen grossen Schatten springst. Growling ist sicher nicht jedermanns Sache, aber Amon Amorth schaffen es mit Death Metal Ohrenwürmer zu machen – vor allem die von dir erwähnten Songs … schön, dass es dir fast ein bisschen gefallen hat ;-). )

Setliste Amon Amarth

  1. The Pursuit of Vikings
  2. As Loke Falls
  3. First Kill
  4. The Way of Vikings
  5. At Dawn’s First Light
  6. Cry of the Black Birds
  7. Deceiver of the Gods
  8. Destroyer of the Universe
  9. Down the Slopes of Death
  10. Death in Fire
  11. Father of the Wolf
  12. Runes to My Memory
  13. War Of The Gods
  14. Raise Your Horns*
  15. Guardians Of Asgaard*
  16. Twilight Of The Thundergods*

*Zugaben

Fanzit

Was bleibt als Fanzit? Vier Bands, die allesamt zu überzeugen wissen, auch wenn mir persönlich nur drei davon wirklich gefallen. Das Konzept mit den generell 60 Minuten wurde offenbar irgendwann etwas gelockert – so gesehen hätte ich natürlich lieber HammerFall am Ende gesehen. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens kaum alleine, denn es hatte deutlich weniger Leute bei Amon Amarth als bei den schwedischen Kollegen zuvor! Aber auch das schleckt keine Geiss weg: Die Wikinger sind in diesem Billing halt schon der stilistische Ausreisser gewesen. Was allerdings ihre Performance zu keiner Sekunde schmälert. Schlussendlich haben Pretty Maids, Gotthard, HammerFall und auch Amon Amarth ihre Klientel restlos zufrieden gestellt – und nur darum geht es! Hammer High!

Fotos der Hardock Session 2017 (Kaufi)


Wie fandet ihr das Konzert?

15.08.2017
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