Sabaton - CH-Tour 2016 - Foto Kaufi
Mi–Sa, 17.–20. Februar 2016

Sabaton, Alestorm, Bloodbound

Kofmehl (Solothurn, CH)Komplex 457 (Zürich, CH)Métropol (Lausanne, CH)Palazzo (Chur, CH)
23.02.2016

Helden auf Tour – Sabaton rocken die Schweiz von West nach Ost!

Als die schwedische Kriegsmaschine im letzten Sommer bekannt gab, dass sie auf dem nächsten Teil ihrer „Heroes“-Tour gleich für vier Shows in die Schweiz kommen, hüpfte ich vor Freude natürlich im Quadrat. Die angekündigten Supportbands (Bloodbound und Alestorm) trübten meinen Spass zwar etwas, aber nichtsdestotrotz war für mich klar: sowas lasse ich mir nicht entgehen! Vier Tage – vier Sabaton Konzerte. Das gibt sicher tolle Erlebnisse und Vergleichsmöglichkeiten…

17. Februar 2016 – Solothurn, Kofmehl

Sabaton hätten eigentlich längst ein Standing erreicht, bei dem Hallen wie das Kofmehl in Solothurn schlicht zu klein ist. Das Z7 als Beispiel ist nahezu doppelt so gross und wird problemlos gefüllt – kein Wunder also, dass der verhältnismässig kleine Laden sehr rasch ausverkauft war! Es ist ein kalter Abend und die Leute drängen verständlicherweise nach innen, wo es deutlich wärmer ist. Und noch richtig heiss werden wird…

Ich treffe Tourmanager Bruno, der verlauten lässt, dass die Band kaum Sightseeing in der Schweiz betreiben wird – „resting“ ist angesagt, dies gilt vor allem für Joakim. Offenbar ist er leicht angeschlagen und darf nicht mal Interviews geben. Umso erfreulicher, dass er dennoch zusammen mit Pär in Zürich für Metalinside Red und Antwort stehen wird!

Bloodbound

Die Bühne ist klein, die Aufbauten des Headliners nehmen fast den gesamten Platz ein und so haben es Bloodbound nicht gerade einfach, als sie um 19 Uhr loslegen. Dass sich die schwedischen Bands immer mal wieder gegenseitig aushelfen, ist mir zwar bewusst – aber dass mit Daniel Sjörgen am Schlagzeug und Jocke Johansson an der Gitarre gleich zwei Jungs von Twilight Force dabei sind, hab ich dann doch nicht erwartet.

Fronter Patrick Johansson (glaub jeder dritte Schwede heisst Johansson…) hat seine Wollkappe von neulich (Support von Brainstorm in München) eingetauscht und läuft jetzt mit zwei Teufelshörnchen auf seinem kahlen Schädel rum. Passt immerhin besser zum Image der Band…

Musikalisch geben die fünf Herren alles, ausser „Moria“ plätschert aber auch heute alles an mir vorbei. Dem schon recht vollen Laden gefällt die Darbietung wohl deutlich besser als mir, Bloodbound kriegen nach ansehnlichen 40 Minuten grossen Applaus.

Alestorm

Auch Alestorm können sich nicht wirklich über zu viel Platz beschweren. Die Schotten haben unwesentlich mehr Bewegungsfreiheit wie der Opener, das hält Chris Bowes allerdings nicht ab, eine Party mit dem Publikum zu starten. Da ich wirklich nichts mit diesem Sound anfangen kann, zieht’s mich rasch raus in den Vorraum, da kann man wenigstens in Ruhe dem feinen Solothurner „Öufi Bier“ frönen! Nach einer knappen Stunde verlassen Alestorm die Bühne, dem Applaus zufolge scheint’s auch hier dem Publikum gefallen zu haben. Okay…

Sabaton

Ganz ehrlich: ich bin heute sehr gespannt aus Sabaton! Nun ist es ja nicht so, dass ich die Jungs das erste Mal live erlebe, aber letzten Sommer gab es doch einige Kritik, dass Joakim zu viel geredet hat und so… Wobei ich persönlich das nach wie vor nicht allzu tragisch fand. Also mal abwarten, was heute so passieren wird.

Nach all den Open Airs mit dem aufwendigen Bühnenbild und der gigantischen Pyro Show backen die Schweden jetzt also wieder etwas kleinere Brötchen. Vom Panzer ist keine Spur zu sehen – dafür ist die Bühne viel zu klein. Auch vom übrigen Material ist platzbedingt nur wenig da, immerhin gibt’s ein grosses Podest, sodass Drummer Hannes van Dahl die Show weiterhin von oben herab geniessen kann. Für Joakim Brodén, Pär Sundstöm, Thobbe Englund und Chris Rörland ist hingegen der Platz auch nicht riesig, da müssen sie schon aufpassen, dass sie sich nicht gegenseitig über den Haufen rennen!

Der musikalische Auftakt hingegen ist standesgemäss: Den bekannten Intros folgt „Ghost Division“. Auch wenn das vielleicht etwas ausgelutscht ist: Es funktioniert immer noch perfekt! Die Stimmung ist sofort auf hundert und die Temperatur im Kofmehl steigt…

Gegenüber den Festivals und der letzten Tour haben die Schweden die Setlist natürlich wieder einmal umgekrempelt. Es ist klar, dass neue Songs wie „Resist & bite“, „To hell and back“ oder „Far from the Fame“ nicht fehlen, schliesslich ist es ja immer noch die Tour zum aktuellen Album „Heroes“. Aber mit „Uprising“ folgt eine erste schöne Überraschung. Das schnelle „Midway“ hat ebenfalls seinen Spot erhalten, „The Lion from the North“ ist zurück und als absoluter Knüller erweist sich das geniale „Wolfpack“, welches frenetisch gefeiert wird!

Erstaunlich gesittet ist ansonsten das Publikum. Während der ganzen Show sehe ich einen einzigen Crowdsurfer! Könnte aber einen Zusammenhang haben mit der Tatsache, dass hier vor zwei Jahren ein Stagediver tödlich verunfallt ist – draussen hat’s auch Schilder, auf denen um Verzicht auf Stagediven und Crowdsurfen gebeten wird. Allerdings höchst erfreulich zu sehen, dass auch ohne solche Aktivitäten ein Metalkonzert enorm Spass machen kann!

„Noch ein Bier“ – dieser Spruch ist wohl von keinem Sabaton Konzert im deutschsprachigen Raum mehr wegzudenken. Joakim lässt sich einmal drauf ein und kriegt ein Calanda – danach erstickt er die Sprüche mehrheitlich im Keim, einfach in dem er grad den nächsten Song ankündigt. Gegen Ende wird’s dann allerdings doch nochmals richtig laut und er kriegt ein zweites Spezli: Eichhof. Aber der Fronter ist auf Zack: er merkt, dass ihm hier ein alkoholfreies Bier untergeschoben werden soll! Also das neue erst mal genau kontrollieren – nochmals Calanda, 4.8%. Ok – dann runter damit…

Zur Schonung des Sängers spielen viele Bands Drum Solos. Bass Solos. Irgendwas Solos. Oftmals einfach langweilig. Sabaton machen eine neue Variante: Thobbe kickt den Sänger von der Bühne! Joke quittiert das mit ausgestrecktem Mittelfinger und geht von dannen – Chris und Thobbe selbst übernehmen dafür den Gesang bei „Gott mit Uns“! Coole Variante…

Altbekannt ist dafür das Spielchen mit „Swedish Pagans“, welches vom Publikum (fast) immer früher oder später angestimmt wird. Thobbe nimmt diese Steilvorlage grinsend auf… sehr zum „Ärger“ des Sängers, und Pär zerreisst derweil grad wieder die Setlist.

Des Weiteren gibt’s  zwar noch ein paar neue Witzchen, aber der Fokus der Show liegt richtigerweise klar auf der Musik. Und hier brilliert der Fünfer wirklich, denn alle sprühen nur so vor Spielfreude! Trotz der kleinen Stage gibt jeder Vollgas, speziell Pär scheint es kaum zu fassen, was hier abgeht. Sein Strahlen bringt er kaum mehr aus dem Gesicht!

Das Ende der Show ist wie der Beginn: berechenbar. Hier hat sich nichts verändert: das Triple „Night Witches“ / „Primo Victoria“ / „Metal Crüe“ bildet den gewohnten – wenig überraschenden – Abschluss. Doch auch hier gilt: warum etwas ändern? Diese Kombination scheint perfekt, die Publikumsreaktionen sind dementsprechend!

Sabaton nehmen an diesem Abend ein erstes Mal allen Kritikern sämtlichen Wind aus den Segeln. All jene, die behaupteten, dass die Band sich zum Schlechteren verändert hat, werden hier Lügen gestraft! Dies sind Sabaton, wie sie auch die „alten Fans“ lieben – genauso, wie es sein muss!

Schlussendlich ein mehr als gelungener Auftakt der Schweizer Tour – es wird spannend zu sehen, wie es nun in Lausanne weitergehen wird…

Fotos vom Kofmehl Solothurn (Kaufi)

18. Februar 2016 – Lausanne, Métropole

Es ist saukalt bei widerlichem Nieselwetter in der Westschweizer Metropole. „Métropole“ heisst auch der Laden, in dem heute gefeiert werden soll. Wie man mir später erklären wird, soll dies das erste Heavy Metal Konzert hier sein… Das erklärt dann wohl auch, warum die komplette Security in Schale mit weissen Hemden und schwarzen Krawatten herumläuft! Ob die wissen, was ein „Crowdsurfer“ ist…??

Der Saal selbst ist riesig und steigt gegen hinten leicht an. Perfekte Sicht also garantiert, auch in hinteren Regionen. Der Balkon oben ist zwar geschlossen, aber die Kapazität beträgt auch so an die 2‘000 Personen – heute Abend haben aber „nur“ etwa 1‘200 den Weg hierher gefunden. Immerhin gibt’s so keinen Platzmangel.

Ebenfalls gigantische Ausmasse hat die Bühne, die einiges breiter und tiefer ist als zum Beispiel im Z7! Und für den fotografierenden Teil der Menschheit hat’s einen Fotograben, in dem man sich fast verläuft. Wenn jetzt noch das Licht stimmt, dann kann man eigentlich bald von „perfekten Bedingungen“ reden…

Bloodbound

Doch davon ist zumindest bei Bloodbound nichts zu sehen, als sie den Abend mit „Iron Throne“ eröffnen. Der Lichtmensch lässt die Band völlig im Dunkeln, was recht schade ist, denn der Fünfer kostet die neu gewonnene Bewegungsfreiheit richtig aus. Dies wird vom Publikum mit frenetischem Jubel goutiert, vor allem „In the Name of Metal“ kommt äussert gut an. Ich hingegen bin auch heute eher skeptisch, was aber nichts mit der Performance an sich zu tun hat. Bloodbound zocken während 40 Minuten ihr Ding blitzsauber durch – und den Fans gefällt’s. Ergo: alles richtig gemacht.

Alestorm

Auch Alestorm profitieren von den heutigen Platzverhältnissen. So steht neben Keyboarder Elliot Vernon eine grosse aufblasbare Ente. Den Sinn dahinter vermag ich zwar nicht zu erkennen, aber nun ja…

Chris Bowes und seine Piraten starten mit „Keelhauled“ und im Publikum entstehen bereits die ersten Moshpits, gefolgt von einer riesigen Wall of Death. Wer’s braucht… Da find ich die Aktion der Fans mit dem hinsetzten und rudern definitiv beeindruckender! Das zieht ein Grossteil des Publikums gar zweimal durch…

Ich schau mir heute (das einzige Mal…) die gesamte Show an. Und merke, dass Musik schlussendlich doch Geschmacksache ist. Ich finde das alles nur bedingt komisch, gehöre jedoch wohl zur Minderheit mit dieser Meinung. Egal – aber eine Polonaise ist nun mal kein Metal! Next please…

Sabaton

Grundsätzlich ist dieser Teil der Sabaton Tour bekanntlich eher in kleineren Locations angesagt. Ich frage mich daher grad, ob die Jungs wohl sonst noch irgendwo dermassen luxuriöse Verhältnisse antreffen… Denn „Audie“ (der Panzer) steht in voller Pracht auf der Bühne – und dennoch haben Joakim, Pär, Chris und Thobbe massenhaft Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Sprich: Sprints von links nach rechts und von rechts nach links und rauf auf den Panzer und wieder runter vom Panzer.

So wie es scheint, haben Sabaton für einmal eine Setlist für die ganze Tour, ohne dass allabendlich Songs ausgewechselt werden. Die einzigen Unterschiede: „Gott mit Uns“ wird heute in Schwedisch gesungen und „Swedish Pagans“ wird vom Publikum erst recht spät angestimmt.

Im Gegensatz zum Vortag hat es heute in der Tat einige Crowdsurfer. Und die Security scheint tatsächlich nicht so richtig zu wissen, wie sie da handeln muss… Eher fruchtlos sind die Bemühungen, die Leute runter zu bitten. Sorry, aber da nützen keine Handzeichen! Die meisten Personen werden dann zwar auch brav in den Fotograben gezogen, einige aber werden effektiv an der Absperrung quasi ins Publikum niedergedrückt. Sieht zwar wohl schlimmer aus als es ist, aber dennoch kaum die optimale Lösung…

Ein paar deutsch sprechende Fans versuchen mehrmals das „Noch ein Bier“ Spielchen. Die werden heute von Joakim schlichtweg ignoriert, nicht ein einziges Mal reagiert er darauf! Ansonsten ist es einfach eine grosse Party, welche Sabaton mit einem begeisterten Publikum feiern. Die Rückkehr von „Wolfpack“ in das Programm erweist sich auch heute als eine hervorragende Entscheidung. Scheint wirklich ein grosser Favorit beim Publikum zu sein, zudem dürften wohl vor allem einige der jüngeren Fans den zuvor noch nie live gehört haben.

Unübersehbar zudem auch heute die unbändige Spielfreude der Jungs. Pär hat glaub‘s das Grinsen vom Vortag gar noch nicht weggebracht! Aber auch Joke und die anderen lassen sich von der guten Laune anstecken und geniessen die Atmosphäre. Klar somit, dass bei den drei Zugaben nochmals allerorts Vollgas gegeben wird.

Einen speziellen Moment gibt’s vor „Metal Crüe“ für einen 14-jährigen Fan, denn der wird von der Band auf die Bühne gebeten. Die Kommunikation zwischen Joke und dem Jungen gestaltet sich zwar etwas schwierig (einer kann nicht Englisch, der andere nicht Französisch), aber schlussendlich darf der Junge neben dem Panzer Platz nehmen für die Abschlussnummer. Der holt da dann auch sofort sein Handy raus und macht ein Selfie – nun ja. So ist wohl die heutige Generation…

Ich brauch jetzt dringend noch ein Bier (…), denn zuvor war das nicht möglich, da man gar keine Getränke in den Saal nehmen durfte! Und so plaudere ich noch etwas mit Bloodbound’s Jocke Johansson über das Schicksal der Support Acts. Er freut sich jedoch auf die Bergsicht in Chur und ist begeistert ob der Unterstützung, die er von der Sabaton Crew erhält in Bezug auf eine defekte Gitarre. Sowas ist scheint’s nicht alltäglich…

Fotos vom Métropol Lausanne (Kaufi)

19. Februar 2016 – Zürich, Komplex 457

Heute ist Interview Tag! Am späteren Nachmittag darf ich mich ausführlich mit Pär und Joakim über Aktuelles und Vergangenes unterhalten. Dass Joakim dabei ist, ist wie angetönt nicht selbstverständlich: offenbar etwas angeschlagen darf er vom Tourmanager aus eigentlich keine Interviews geben. Heute also die schöne Ausnahme der Regel…

Als ich kurz nach 16 Uhr vor der Halle eintreffe, sitzen da bereits mehr als ein Dutzend Fans am Eingang! Lustigerweise sind das fast alles Leute, die bereits in Lausanne und / oder Solothurn die erste Reihe bevölkert haben… Jedenfalls müssen die jetzt noch etwas in der Kälte ausharren. Es könnte ja noch schlimmer sein – es könnte schneien… und dass sie heute noch ganz andere Temperaturen erleben werden, ahnt in diesem Moment wohl niemand!

Bereits einige Zeit zuvor vermeldete das Komplex „ausverkauft“. 2‘000 Leute werden heute also für Stimmung sorgen –  aber was dieser Abend dann noch bringen sollte, damit hat wohl kaum einer gerechnet…

Die Bühne ist heute wieder deutlich kleiner als in Lausanne, aber dennoch haben auch die Support Acts eine anständige Spielfläche.

Bloodbound

Während Bloodbound ihr 40-minütiges Programm spielen, stelle ich mir langsam die Frage, ob man sich Musik schön hören (oder allenfalls schön saufen…) kann. Oder liegt es schlicht daran, dass die Schweden heute ihre mit Abstand beste Performance auf’s Parkett legen? Ja, „In the Name of Metal“ ist geklaut bei Dream Evil. Macht heute aber richtig Spass. „Metalheads unite“ hat unüberhörbar Einflüsse des Headliners. Heute wippt da der Fuss auch mit. „Moria“ ist eh der geilste Song. Und „When all Lights fail“ als Homage an Edguy geht ebenfalls gut ins Ohr.

Zudem stimmt heute das Licht, das Publikum geht bereits völlig steil, zum Abschluss erscheint noch der Leibhaftige wieder auf der Bühne, und mit ihm endet ein höllisch gutes Konzert.

Alestorm

Von der guten Stimmung können jetzt auch Alestorm profitieren. Die Ente hat heute zwar keinen Platz, doch die Schotten haben auch so ihren Spass – genauso wie das Publikum. Hingegen funktioniert das mit dem „schön hören“ hier nicht. Raus aus dem bereits sehr vollen Saal und dem Hopfentee frönen. Bemerkenswert übrigens, dass ausgerechnet in der Hochpreisinsel Zürich die tiefsten Bierpreise der ganzen Woche zu finden sind! Ergo: Noch ein Bier…

Sabaton

Bloodbound und Alestorm haben dem Volk jetzt mal mächtig eingeheizt. Doch was jetzt kommt, ist kaum mehr in Worte zu fassen! Ich habe Sabaton ja schon oft gesehen, aber sowas?

Den Beginn erlebe ich vom abgesperrten Bereich des Balkons. Und in diesem Moment bin ich froh, dass ich genau da bin und nicht im Publikum… Denn da wird gedrückt, geschubst, geschoben, gedrängelt – und ein Moshpit starten bei restlos ausverkauftem Haus? Nicht gerade die beste Idee… Naja – im Verlauf der Show normalisiert sich das dann etwas.

Was hingegen immer verreckter wird, ist die Hitze im Saal. Bereits jetzt sind die Wände feucht, der Boden feucht – dabei hat die Show doch erst begonnen? Sabaton haben auch heute wieder ihr komplettes Bühnenbild, also mit „Audie“ und verzichten im Gegenzug dazu auf etwas mehr Platz. Doch das ist egal – denn wenn die Herren da NOCH mehr rumrennen würden, würden sie wohl kollabieren! Es wird immer heisser, die Luftfeuchtigkeit steigt und steigt…

„Ghost Division“, „Far from the Fame“, „Uprising“ – alles wird abgefeiert und lauthals mitgesungen. Die Security kriegt Arbeit und fischt die ersten Crowdsurfer raus. Joakim dürfte es recht sein, dass die „Noch ein Bier“ – Rufe recht früh einsetzen: etwas Flüssigkeitszufuhr ist nicht die schlechteste Idee! Nach „Midway“ wird bereits jetzt „Swedish Pagans“ gefordert. Gigantisch, wie das tönt – und natürlich hat Joke keine andere Wahl, als den Song zu singen. Für einmal muss Pär nicht mal die Setlist zerreissen, der Sänger spurt heute auch so…

Die Stimmung im Laden wird immer besser. Die Crowdsurfer kommen im Minutentakt – und dennoch ist alles eigentlich recht entspannt. Ich hab schon Konzerte erlebt, da ist das schlussendlich fast ins Aggressive gekippt (Wien…), doch hier bleiben sowohl die Surfer selbst und vor allem auch die Security cool und freundlich. Als Fotograf muss man zwar immer noch ein Auge nach hinten haben, aber auch das klappt dank den Aufpassern perfekt. Neben der Stimmung steigt auch die Temperatur. Es ist mittlerweile unfassbar heiss, eine Luftfeuchtigkeit von gefühlten 666% herrscht. Die Wände klatschnass, Band und Publikum schweissgebadet – ganz krasse Bilder! Und die Schweden drücken immer mehr auf’s Gaspedal – das Publikum peitscht sie hoch und umgekehrt. „Wolfpack“ wird zum Triumphzug, gigantisch!

Plötzlich gibt’s im Fotograben Bewegung: die Security wird zum Wasserlieferanten! Kübelweise wird Wasser und Eis herangekarrt und zumindest die ausgepowerte Meute ganz vorne darf sich über willkommene Abkühlung freuen! Bilder, die man eigentlich höchstens von Festivals im Hochsommer kennt…

Zwischendurch wird auch immer mal wieder „noch ein Bier“ gefordert, Gerstensaft Nummer 2 darf jedoch für einmal Gitarrist Chris Rörland weghauen. Joakim findet zwar, dass er selber schneller gewesen wäre – aber den Beweis bleibt er zumindest in diesem Moment schuldig. Apropos Chris: heute „verpasst“ er seinen Abgang von der Bühne nach „The Art of War“ und ist „völlig erstaunt“, dass er plötzlich alleine ist… „Winds of Change“ wird daher von ihm angespielt, welches mit dem Pfeifen fast nahtlos in „To Hell and back“ übergeht – bei dem die Party ihren Höhepunkt erreicht! Endgültig durchdrehen ist angesagt, ganz egal, wo in der Halle man sich befindet…

Die Einlage mit dem Scorpions-Hit gibt’s übrigens natürlich auch jeden Abend, hier wechseln sich Chris und Thobbe jeweils schön ab. Die Zugaben sind altbekannt. Aber zu sehen, wie das eigentlich völlig ausgepowerte Publikum dennoch zu „Primo Victoria“ hüpft und hüpft und hüpft – krass. Ganz einfach krass!

Wie in Lausanne darf nun noch ein junger Gast auf die Bühne, heute ist‘s ein 11-jähriger Junge, der zu Joke’s Erstaunen nicht auf seinem ersten Metalkonzert ist… Der Kleine geniesst jeden Moment, kriegt des Sängers Sonnenbrille und post für die Kamera wie ein richtiger Rockstar! Schlussendlich darf er sogar noch Chris‘ bei dessen Gitarrensolo unterstützen.

„Metal Crüe“ setzt also nochmals ein Ausrufezeichen unter eine Show, an die sich alle Beteiligten lange erinnern werden! Nach gut 90 Minuten ist das Spektakel zu Ende und irgendwie freut man sich doch jetzt auch auf etwas frische Luft… es tropft nämlich nun auch von der Decke ins Bier! Klatschnass und stockheiser mache ich mich auf den Heimweg.

Fotos vom Komplex 457 Zürich (Kaufi)

20. Februar 2016 – Chur, Palazzo

Vor zwei Tagen hat mich Jocke Johansson gefragt, ob Chur in den Bergen liege. Ich hoffe mal für ihn, dass er doch etwas gesehen hat, denn am Nachmittag schneit es hier wie blöd. Und Schnee wird er zuhause ja genügend haben, das müsste also nicht sein… Vor dem Palazzo angekommen stehen da schon einige Leute im Schneegestöber. Sehr schnell wird klar, dass hier aus organisatorischer Sicht einiges nicht optimal läuft. Der Einlass verläuft schleppend, vor der Garderobe gibt’s Stau, sodass man kaum in die Halle selbst kommt. Nicht die beste Lage für die Kleiderabgabe…

Das Palazzo dürfte etwa eine ähnliche Grössenordnung wie das Kofmehl in Solothurn haben, die Kapazität beträgt 1‘000 Personen und wenn es heute nicht ausverkauft ist, dann ist es zumindest sehr nahe dran. Die Bühne hingegen ist sehr klein, um nicht zu sagen winzig! So klein, dass sich heute Bloodbound und Alestorm sogar das Schlagzeug teilen müssen… Absehbar somit, dass auch Sabaton’s Panzer heute nicht zum Einsatz kommt.

Ich möchte einmal erleben, dass die Zeiten für Türöffnung / Show Beginn a) überall gleich kommuniziert sind und b) auch eingehalten werden. Auch heute gibt es wieder einmal unterschiedliche Angaben auf Tickets und im weltweiten Web – schlussendlich beginnt der Abend 20 Minuten später als auf den Eintrittskarten angegeben…

Bloodbound

Nach dem grandiosen Abend in Zürich dürfte es heute für alle drei Bands nicht ganz so einfach werden. Die Rahmenbedingungen sind dafür einfach zu unterschiedlich. Bloodbound machen das Beste draus, zocken ihren 40-minütigen Set mit grossem Spass und erhalten dafür den verdienten Applaus. Als Fanzit aus diesen vier Tagen kann man sicher sagen, dass die Schweden ein würdiger Opener sind, der sich auch durchsetzen kann.

Alestorm

Ähnliches kann man wohl auch über Alestorm sagen. Das Publikum hat Spass an der Band, ich weniger, darum verpasse ich auch heute den grössten Teil der Show. Ob es zudem am späteren Beginn liegt, dass die Schotten ihren Rausschmeisser „Rum“ heute gekippt (…) haben? Auf der Setlist wär die Nummer notiert gewesen… Schlussendlich muss man aber wohl ehrlich zugeben, dass Alestorm sicher einige zusätzliche Leute in die Hallen gebracht haben, dies ist definitiv kein billiger Support Act!

Wie gestern in Zürich wird es langsam ziemlich warm. Doch ansonsten gibt es kaum Gemeinsamkeiten mit dem Vortag. Das beginnt damit, dass es im Publikum heute einige hat, die wohl direkt aus dem Kindergarten gekommen sind. Dazu hat’s wirklich sehr viele, die sich einen Dreck um das Rauchverbot scheren – das hab ich in diesem Ausmass lange nicht erlebt! Sogar meine rauchende Kollegin nervt sich über diese Arroganz / Ignoranz…

Sabaton

Na gut – das sind natürlich Dinge, für die können Sabaton nix! Die vordersten Reihen sind zudem eh wieder besetzt durch die Hardcore Fans, die man teilweise heute also zum vierten Mal begrüsst… Insofern ist die Stimmung da vorne natürlich dementsprechend. Doch trotz einer erneut eigentlich tadellosen Performance – irgendwie hat man das Gefühl, dass alle noch unter dem Kater von gestern leiden. Es ist schwierig, das an irgendeinem bestimmten Punkt festzunageln, irgendwie prickelt es heute einfach nicht ganz so, wie die letzten drei Tage.

Nein, Sabaton sind auch heute weit weg von „schlecht“! Und die Freude ist auch heute immer sichtbar! Aber irgendwas scheint einfach zu fehlen… Überraschenderweise gibt es während dem ganzen Abend nicht einen einzigen Crowdsurfer! Hätte ich beim Blick in dieses Publikum so ziemlich anders erwartet – und im extrem schmalen Fotograben wär das für Kollege Roxx und mich wohl nicht sehr angenehm gewesen. Nun gut, mir ist das so natürlich nur recht!

Joakim erklärt zwischendurch auch mal, dass er nichts dagegen hat, wenn Unterwäsche auf die Bühne fliegt. Aber WEIBLICHE Unterwäsche, bitte schön! Sagt’s und hält eine ranzige Männerunterhose hoch… Einen wirklich aussergewöhnlichen Moment gibt’s dann bei „The Lion from the North“: da holen die Schweden einen Jungen auf die Bühne, der unter riesigem Jubel anstelle von Thobbe mit dessen Gitarre das Solo zockt! Das lockt danach sogar Hannes hinter den Drums hervor, um dem Nachwuchs Rockstar zu gratulieren! Das ganze gibt’s übrigens auch auf Youtube zu sehen…

Dies bleibt dann jedoch mehr oder weniger die einzige Überraschung des Tages. „Noch ein Bier“ gibt es zu Beginn, ein weiteres kriegt ein Fan und vor „Metal Crüe“ kriegen Joke und Chris je eins für ein Duell. Sorry Joakim: Chris was faster! I have proof! Das Publikum versucht’s heute zwar öfter als in Solothurn oder Lausanne, aber entweder Joakim stoppt es mit seinen Ansagen („Attero! ATTERO!“), oder dann haben die Hardcore Fans ganz vorne genug davon und beginnen „Sabaton! Sabaton“ Rufe. Diese Mischung scheint so ziemlich gut zu passen…

„Swedish Pagans“ findet schlussendlich ebenfalls noch irgendwie den Weg ins Programm. Aber Joke findet, dass Thobbe – wenn er das schon umsverrecken spielen will – grad selber den Gesang übernehmen soll! Nach erheblichen Textschwierigkeiten schon in der ersten Strophe, erlöst der Sänger seinen Gitarristen jedoch von der Doppelbelastung…

Das endgültige Ende ist dann wie gehabt. Das Triple „Night Witches“ / „Primo Victoria“ / „Metal Crüe“ beendet die Mini Tour durch die Schweiz und entlässt das Volk in eine kalte Nacht. Und hier gibt es jetzt noch einen fürchterlichen Rückstau beim Ausgang – und da frage ich mich ernsthaft, was los wäre, wenn es zu einer Panik käme? Eine kleine Tür, durch einen schmalen Gang, das für mehrere hundert Leute – nein, ich will mir das nicht vorstellen. Zum Glück bleibt es trotz riesigem Gedränge (die Leute wollen ja auch noch ihre Jacken an der Garderobe zurückholen…!) friedlich… also raus, Zeit für ein letztes Bier!

Fotos vom Palazzo Chur (Kaufi)

Vier Shows in vier Tagen – das ist etwas, was ich so definitiv noch nie erlebt habe. Was bleibt da also noch zu sagen?

Nun: Sabaton sind wesentlich professioneller geworden in den letzten Jahren. Die Spontanität im Bezug auf die Setlists als Beispiel – die ist mehr oder weniger weg. Sie haben ihr Programm für diese Tour, und dies wird nicht mehr jeden Abend angepasst. Aber die Spielfreude, der Enthusiasmus: Das ist alles im Überfluss vorhanden – und genau das macht die Band dermassen sympathisch! Wenn Joakim in Zürich davon redet, dass dies eine Show war, welche die Band lange in Erinnerung behalten wird – dann ist das authentisch, ehrlich, man nimmt ihm das ab.

Die viel kritisierte Geschichte mit den „Noch ein Bier“ Sprüchen haben sie hier in der Schweiz eigentlich perfekt gelöst – irgendwie gehört’s einfach dazu, aber es wurde nicht übertrieben. Mehr dazu haben Joakim und Pär dann noch im Interview mit Metalinside.ch zu sagen… Auch warum die Band plötzlich wieder in kleinere Clubs geht, wird da dann erläutert.

Sabaton haben ihren Ruf als hervorragende Live Band zementiert, sie haben auch bewiesen, dass man nicht unbedingt eine riesige Show mit Pyros, Flammenwerfern oder feuerspeienden Panzern braucht – die Musik funktioniert auch ohne all diese Dinge. Und DAS ist schlussendlich wohl das Wichtigste!

Zum Schluss: Ganz herzlichen Dank an Peter Bubser, Pär Sundström, Joakim Brodén, Chris Rörland, Thobbe Englund, Hannes van Dahl und Bruno Fernandes (und natürlich auch Markus von Nuclear Blast)! Vielen Dank für all die Dinge, die ihr mir resp. Metalinside.ch ermöglicht hat – wir wissen das zu schätzen! CHEERS TO ALL!

Setliste Bloodbound

  1. Iron Throne
  2. In the Name of Metal
  3. Metalheads unite
  4. Moria
  5. When all Light fails
  6. Stormborn
  7. Nosferatu

Setliste Alestorm

  1. Keelhauled
  2. Over the Seas
  3. Magnetic North
  4. Shipwrecked
  5. Nancy the Tavern Wench
  6. Walk the Plank
  7. The sunk Norwegian
  8. Drink
  9. Hangover
  10. Captain Morgan’s Revenge
  11. Rum (ausser in Chur)

Setliste Sabaton

  1. The March to War (Intro)
  2. Ghost Division
  3. Far from the Fame
  4. Uprising
  5. Midway
  6. Swedish Pagans (in Zürich)
  7. Gott mit Uns (in Solothurn: Original, in Lausanne: schwedisch, in Zürich und Chur: Noch ein Bier)
  8. Resist and bite
  9. Swedish Pagans (in Solothurn)
  10. Wolfpack
  11. Dominium Maris Baltici (Intro)
  12. The Lion from the North
  13. Carolus Rex
  14. Swedish Pagans (in Lausanne und Chur)
  15. Soldier of 3 Armies
  16. Attero Dominatus
  17. The Art of War
  18. To Hell and back
  19. Night Witches*
  20. Primo Victoria*
  21. Metal Crüe*
  22. Masters of the World (Outro)

*Zugaben


Wie fandet ihr das Konzert?

23.02.2016
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