Brainstorm - Z7 Pratteln 2019
Do, 31. Januar 2019

Brainstorm, Mob Rules, Gloryful

Mini Z7 (Pratteln, CH)
11.02.2019
Brainstorm - Z7 Pratteln 2019

Schwermetallisches, kraftvolles Triple aus Deutschland 

Ein gelungener Konzertabend, der überraschenderweise im Mini Z7 stattfand und für mich aus öV-technischen Gründen leider mit sehr wenig Impressionen des Headliner-Auftritts endete. Sämtliche Details entnehmt ihr wie gewohnt den nachfolgenden Zeilen. 

Während es einige Metalheads (und auch ein paar Metalinside-Mitglieder) zurzeit in der Karibik auf der «70’000 Tons Of Metal»-Kreuzfahrt ordentlich krachen lassen, halten die übriggebliebenen Mähnenschüttler in der winterlichen Schweiz die Stellung. Glücklicherweise erfährt das Konzertprogramm auch hierzulande keine Einbussen. Insbesondere das Z7 möchte 2019 wohl wieder mit vollem Elan angreifen und haut am Laufmeter coole Veranstaltungen raus. Für heute Abend hat man mit Brainstorm, Mob Rules und Gloryful drei deutsche Truppen in die Nordwestschweiz gelotst.

Die schwäbischen Headliner rund um Frontmann Andy B. Franck haben mit «Midnight Ghost» eine neue Hammer-Scheibe im Gepäck. Die kraftvollen Hymnen bekam man zuletzt im vergangenen Oktober am Metal Scar-Festival in Sachseln zu spüren. Das war damals ein sackstarker Headliner-Auftritt, der zweifelsohne Lust auf mehr machte. Mal schauen, ob es heute ähnlich überzeugend zur Sache gehen wird. Auf das Wiedersehen mit der zweiten Truppe – Mob Rules – freue ich mich besonders. Mit einem Bericht über ihren Gig in der Hall Of Fame in Wetzikon habe ich im Oktober 2016 meine Schreiberlings-Karriere bei Metalinside so richtig lancieren können. Mit dem dritten Act im Bunde – Gloryful – hatte ich hingegen noch nie das Vergnügen.

Vor Ort staunen meine Kollegen und ich nicht schlecht, denn die heutige Veranstaltung scheint tatsächlich im Mini Z7 stattzufinden. Gegen die kleine Bühne gibt’s zwar grundsätzlich nix einzuwenden, aber nichtsdestotrotz hätte ich diesen drei Truppen das Auslösen eines grösseren Publikumsaufmarsches durchaus zugetraut. Brainstorm sind beispielsweise bereits seit 30 Jahren in der Szene aktiv. Schade, dass dieser tollen Kapelle bisher nie ein anständiges Mass an Popularität zuteil geworden ist. Eventuell könnte sich dies nach einer gelungenen Tour ja ändern.

Wir platzieren uns mit Hopfentee ausgestattet auf der rechten Seite der Bühne und warten gespannt auf die erste Darbietung des Abends. Die knipsende Zunft hat sich ebenfalls bereits positioniert. Möge der muntere Konzertreigen beginnen!

Gloryful

Die 2010 gegründeten Gloryful figurieren heute Abend als Jünglinge im Billing. Der Fünfer kommt von Beginn an bestens in die Gänge und punktet mit einer grundsoliden Leistung. Zu hören gibt’s wuchtigen Heavy Metal, der bereits für einige herumwirbelnde Mähnen sorgt. Zwischen den Tracks beweist Sänger Johnny la Bomba immer wieder, dass an ihm eindeutig ein echter Entertainer verlorengegangen ist. Die Band stellt er folgendermassen vor: «Wir sind Suicidal Tendencies aus Dortmund!». Offenbar wird der Fronter aufgrund seiner – Zitat – «doofen Mütze» nicht wirklich dem schwermetallischen Sektor zugeordnet. Er trage diese allerdings nur wegen seiner langhaarigen Kumpels. Erzählenswerte Anekdoten aus dem Tour-Bus seien offenbar Mangelware. Gemäss Johnny rieche es im Innern des Gefährts inzwischen einfach ziemlich männlich.

Die glorreichen Metaller haben seit Mitte Januar einen neuen Silberling am Start. «Cult Of Sedna» heisst das gute Stück. Die Jungs berücksichtigten in der heutigen Setliste jedoch auch Material ihrer älteren Alben um den Zuhörern, welche die Truppe bisher noch nicht gekannt haben, einen brauchbaren Einblick in ihre Diskografie zu gewähren. Sie agieren mit viel Spielfreude. Insbesondere Drummer Hartmut Stoof befindet sich im Dauer-Grins-Modus. Zum Abschluss richtet Johnny dann ein paar lobende Worte ans Publikum: «Ihr habt mehr Eier als die Slowenen!». Das nehmen wir doch gerne so mit.

Mob Rules

Die Jungspunde haben gut vorgelegt. Nun müssen die Veteranen nachziehen. Mit bisher neun veröffentlichten Studioalben haben Mob Rules für dieses Vorhaben sicherlich mehr als genügend Pfeile im Köcher. Genau wie zuvor Gloryful möchten auch die Oldenburger mit einem abwechslungsreichen Menüplan brillieren. Das gelingt ihnen ausgezeichnet. Der Auftritt von Sänger Klaus Dirks im langen Mantel und Zylinder auf dem Schädel verleitet zwar ein paar Besucher zu irgendwelchen Edguy/Avantasia-Vergleichen, aber diese sind für mich keinesfalls nachvollziehbar. Tobi Sammet wird hier definitiv nicht kopiert. Mob Rules haben mit ihrem melodiösen Power Metal einen ganz eigenen Stil und liefern eine sackstarke Performance ab.

Sollte Klaus einmal ausfallen, könnte wohl auch Basser Markus Brinkmann seinen Part übernehmen, denn der scheint alle Songtexte verinnerlicht zu haben. Solch ein Engagement bei den Backing Vocals habe ich bisher nur sehr selten gesehen. Der Bandage am rechten Handgelenk nach zu urteilen scheint Tastenmann Jan Christian Halfbrodt ein bisschen angeschlagen zu sein. Nichtsdestotrotz leidet sein Keyboard-Spiel nicht darunter. Ich höre zumindest keine Fehler heraus.

Unglücklicherweise vergeht die zur Verfügung gestellte Spielzeit viel zu rasch. Das nächste Gastspiel auf helvetischem Boden darf dann überaus gerne wieder in der Position des Headliners stattfinden. Ich bleibe meiner Meinung über die Truppe treu: «Mob Rules rules!».

Brainstorm

Der Blick auf die Uhr sorgt bei mir zunehmend für Sorgenfalten. Bald schon müssen wir uns mit dem Weg zum Bahnhof befassen, da uns andernfalls unser letzter Zug in die Heimat durch die Lappen gehen wird. Brainstorm legen schliesslich um 22.15 Uhr mit viel «Schwaben-Power» los. Im Vorfeld wurde noch gemunkelt, dass sich Andys Stimme aufgrund einer Erkältung nicht in Bestform befindet. Fehlanzeige! Der gute Mann zeigt eine herausragende Leistung. Bei «Devil’s Eye» grölt das inzwischen zahlenmässig etwas besser vertretene Publikum die Worte «Dreaming» und «Dying» lautstark mit. Klampfer Milan Loncaric nimmt dies grinsend zur Kenntnis.

Ich könnte mir effektiv in den Allerwertesten beissen, aber nach diesem überragenden Auftakts-Stück müssen wir die Location blöderweise bereits verlassen. Mit der Melodie von «Worlds Are Coming Through» suchen wir unsere sieben Sachen zusammen und eilen hinaus ins Freie.

Das Fanzit

Tja, nach längerer Zeit muss ich das Zeitmanagement des Z7 wieder einmal rügen. Trotz öV-Abhängigkeit habe ich eigentlich immer mindestens die Hälfte des Headliner-Auftritts mitbekommen. Bei drei Truppen muss man meines Erachtens ja wirklich nicht erst um 20 Uhr beginnen. Dem beeindruckenden Gig von Brainstorm hätten meine Kollegen und meine Wenigkeit sicherlich gerne noch länger beigewohnt. Hoffentlich klappt’s beim nächsten Mal wieder besser. Immerhin durften wir die überzeugenden Darbietungen von Mob Rules und Gloryful in voller Länger erleben. Die Mini Z7-Bühne punktete erneut mit ihrem speziellen Charme und einer guten Soundqualität. Leider war die ganze Geschichte eher mittelmässig besucht. Von den Leistungen her hätten alle Truppen definitiv noch ein paar zusätzliche Zuhörer verdient gehabt.

Setliste – Gloryful

  1. This Means War
  2. Brothers In Arms
  3. Gloryful‘s Tale
  4. For Victory
  5. The Hunt
  6. The Glorriors
  7. Void Of Tomorrow

Setliste – Mob Rules

  1. Intro
  2. Ghost Of A Chance
  3. Somerled
  4. Black Rain
  5. Sinister Light
  6. My Kingdom Come
  7. The Last Farewell
  8. Children’s Crusade
  9. On The Edge
  10. (In The Land Of) Wind And Rain
  11. Hollowed Be Thy Name

Setliste – Brainstorm

  1. Intro
  2. Devil’s Eye
  3. Worlds Are Coming Through
  4. Falling Spiral Down
  5. Shiva’s Tears
  6. Reveiling The Darkness
  7. End In Sorrow
  8. Highs Without Lows
  9. The Pyre
  10. Jeanne Boulet
  11. All Those Words
  12. Firesoul
  13. Ravenous Minds
  14. The World To See*
  15. Fire Walk With Me*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

11.02.2019
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