RUNNING WILD – Resilient

Hardrock, Heavy Metal
10.11.2013

Es gibt so Bands von denen man mal vor X-Jahren ein paar Scheiben gekauft hat und die eigentlich heute noch ganz gut findet. Aber hat man von denen irgendwie den Anschluss in die Neuzeit verpasst.

So lief bei mir kürzlich per Zufallsgenerator wieder mal Running Wild. Und da ging mir auch durch den Kopf: „Gibt es die noch? Wäre wieder mal cool was Neues von denen zu hören …“

Keinen Tag später erhalte ich die Info, dass Running Wild per 3. Oktober 2013 die neue Scheibe „Resilient“ lanciert. Das muss wohl Schicksal sein. Und ein paar Tage später halte ich den Silberling auch schon in den Händen. Und freue mich, zu hören, was es Neues der deutschen Vorzeige Fregatte gibt. Running Wild spielten ja schon Piraten-Metal, als sich dieser noch nicht nach „ho, ho, Disney“ anhörte, sondern in erster Linie die Thematik in den Texten aufnahm. Also, jetzt rein damit und play!

Zuerst mal Leere. Waren die nicht mal härter und schneller unterwegs? Die Songs schaffen grad mal knapp den Sprung von Hardrock zu Heavy Metal. Ich wusste, dass mit der Review muss ich ein paar Tage oder sogar Wochen ruhen lassen, weil meine doch schon grössere Enttäuschung würde diese zu stark ins Negative kippen lassen. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch oder ich bin noch bei den letzten Alben die ich kaufte – „Masquerade“ und „Victory“ – hängen geblieben. Bands entwickeln sich weiter und so will ich Running Wild später nochmals eine Chance geben.

Wochen sind vergangen und so mache ich wie geplant. Nochmals ohne Erwartungen – sofern das möglich ist – reinhören. Und ja der Opener „Soldiers Of Fortune“ ist eigentlich ganz OK. Die markante, etwas sonore Stimme von Rock n‘ Rolf packt den Hörer sofort in seinen Bann. Dieses Trademark bleibt Running Wild auch im 2013 erhalten – insbesondere, da Rolf die einzige Konstante der Bandgeschichte, die bereits Mitte 70er in Hamburg seinen Lauf nahm, darstellt.

Meine Frage vor ein paar Wochen nach dem „gibt’s die noch“ war nicht ganz unberechtigt. Wie ich nachlese, haben sich Running Wild tatsächlich bei einem letzten Konzert in Wacken 2009 offiziell aufgelöst. Zwei Jahre Später folgte dann jedoch bereits das Comeback-Album „Shadowmaker“, welches heute als eher rockiges Experiment gilt. Gut bin ich somit erst zwei Jahre später wieder auf die Band gestossen.

Der Titelsong „Resilient“ scheint aber noch ein Überbleibsel dieses Experiments zu sein. Das Lied könnte schon fast eine Krokus-Nummer sein – im Refrain hat man sogar das Gefühl Storace singen zu hören. Hört sich zwar nicht schlecht an, aber von Running Wild erwarte ich trotz niedergeschraubten Erwartungen halt doch mehr. Das ist keine Piratenflotte mehr, die die Weltmeere des Metals beherrscht, sondern eher eine Nussschale die etwas auf dem Bodensee hin und her schaukelt.

Auf (dem) „Adventure Highway“ gibt Rock n‘ Roll und seine Jungs wieder etwas mehr Gas. Spannendes Riff, variantenreicher als von früheren Running Wild Nummern gewohnt. Eher schwach – halt auch im Vergleich der früheren Alben – ist auf der ganzen Scheibe das Schlagzeugspiel. Hier hätte man wohl auch eine Maschine hinstellen können, die wäre in etwa gleich kreativ gewesen. Für die Art von Metal zu banal. Wenn da nicht das obligte Double-Bass wäre, dann halt doch eher hardrockmässig unterwegs.

„The Drift“ ist in etwa auf gleichem Level wie der Vorgängersong. Ganz solide und macht auch viel Freude anzuhören.

Zu „Desert Rose“ wird das Tempo wieder etwas gedrosselt. Eine Mid-Tempo-Nummer die auch wieder gefährlich nahe am Hardrock-Schlund vorbeischeppert. Könnte aber auch eine Motörhead-Nummer sein, mit Lemmys Brummel-Stimme käme der eventuell noch ganz gut.

Während „Fireheart“ wieder klar der Metalgemeinde zu zuordnen ist, ist „Run Riot“ schon fast eine lupenreine Hardrock-Nummer. „Down To The Wire“ schliesst da nahtlos an. Letzterer kriegt ganz klar das Prädikat Füller. Man hat das Gefühl, dass hier alle Musiker und Sänger dauernd auf der Bremse stehen, um ja nicht zu schnell zu werden. Wie wenn man mit einem Automatengetriebe den Berg runterrollt, ohne wirklich einen kleineren Gang einzulegen, dafür laufend zu bremsen. Bei früheren Running Wild Alben ging es dabei jedoch straight forward, während man hier schon fast künstliche Bremsschikanen eingebaut hat. Man möchte hier am liebst Wind spielen, damit die Flotte vorwärtskommt. Aber es herrscht Flaute.

Doch jede Flaute hat mal ein Ende und ein erstes Lüftchen sorgt, dass sich das Schiff bei „Crystal Gold“ wieder in die richtige Richtung dreht, jedoch noch nicht volle Fahrt aufnimmt.

Wie heute Pflicht bei einem Power-Metal Album, gibt’s zum Abschluss einen epischeren, längeren Song (Bloody Island). Der ist auch ganz OK, auf diesem Album sicher einer der Besseren.

Fanzit: Wer auf Hardrock und guten Metal steht, der sollte hier mal reinhören. Wer auf die älteren Running Wild Scheiben steht, könnte jedoch enttäuscht werden. Es gibt zwar einige solide Running Wild Nummern, aber auch praktisch gleich viele Hardrock-Füller.

 

Anspieltipps: Soldiers Of Fortune, Adventure Highway, Bloody Islands

 

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Trackliste:

  1. Soldiers Of Fortune
  2. Resilient
  3. Adventure Highway
  4. The Drift
  5. Desert Rose
  6. Fireheart
  7. Run Riot
  8. Down To The Wire
  9. Crystal Gold
  10. Bloody Island
  11. Payola & Shenanigans (Bonus Limited Edition)
  12. Premonition (Bonus Limited Edition)

Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7/10



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10.11.2013
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