Sa, 1. März 2014

Rock Power Festival Vol. 2

Z7 (Pratteln, CH)
07.03.2014

Die Nürnberger Freedom Call sind längst ein wichtiger Bestandteil der Heavy Metal Szene, haben soeben ihr neues Album „Beyond“ veröffentlicht (siehe Review/reinhören) und sind jetzt unterwegs auf einer ausgedehnten Europa Tournee. Der Tourstart fand im Rahmen des „Rock Power Festival 2“ im Konzerttempel Z7 in Pratteln statt, neben dem Headliner baten noch vier weitere Bands zum Tanz. Ein Rückblick auf einen äusserst unterhaltsamen Abend!

Um 17.45h ist das Z7 noch ziemlich leer. Victorious aus Leipzig entern die Bühne und legen gleich richtig los. Power Metal der besseren Sorte wird den Fans geboten, das macht schon mal ziemlich Spass. Den Jungs merkt man an, dass sie trotz ihren jungen Jahren schon einiges an live Erfahrung mitbringen, das wirkt alles schon ziemlich souverän. Und die anstehende Tour mit Freedom Call wird da natürlich noch mehr helfen. Highlight in meinen Ohren ist „Kings Reborn“ von ihrem aktuellen Album „The Awakening“, welches übrigens von niemandem geringeren als Lars Rettkowitz von Freedom Call produziert wurde. Insgesamt sind Victorious auch die Band, die heute stilistisch am besten zum Headliner passt. Starker Auftritt, den die wenigen Fans auch zu würdigen wissen.

Es war mir im Vorfeld ein Rätsel, warum eine Band wie Crystal Ball hier bereits als Nummer zwei an den Start muss. Und nach 45 Minuten Hardrock der ganz edlen Sorte frag ich mich das noch mehr… Die Schweizer um Neo-Sänger Steven Mageney starten mit dem Opener „Break the Dawn“ von ihrem aktuellen Album „Dawnbreaker“ (Review und reinhören) und haben danach das Publikum fest im Griff. Es folgt schon fast eine Lehrstunde in Sachen Hardrock, ein Highlight jagt das andere. Steven’s Stimme scheint zwar manchmal ein wenig kratzig zu sein – möglicherweise ist das aber durchaus gewollt. Der guten Stimmung tat es jedenfalls keinen Abbruch.

„Dawnbreaker“ spielte in der Setlist selbstredend eine grosse Rolle, aber der unbestrittene Höhepunkt war der Rausschmeisser „Hellvetia“! Crystal Ball sind der erste grosse Sieger des Tages und räumen auf ganzer Linie ab. Wer jetzt kommt, muss sich bereits warm anziehen…

Wer Crystal Ball in Zukunft live sehen will: sie spielen als Support von The Poodles im Z7 und im Mai sind sie als Support von Krokus auch in Deutschland unterwegs.

Hardrock mit Saxophon – kann das funktionieren? Die Deutschen Human Zoo spielen das, und ich bin überrascht: soooo schlecht tönt das gar nicht!
Human Zoo feiern dieses Jahr ihr 10-jähriges Jubiläum. Ob das gleichnamige Album der Schweizer Gotthard aus dem Jahr 2003 den Namen beeinflusst hat? Musikalisch sind jedenfalls durchaus Parallelen zu entdecken. Guter Hardrock, teils mit ordentlich Power, auch eine zuckersüsse Ballade ist am Start – der Unterschied ist dann wirklich beim Saxophon zu entdecken, welches einigen Songs einen speziellen Touch verleiht.

Insgesamt liefern Human Zoo einen wirklich guten Gig ab, bei welchem vor allem die drei letzten Songs mächtig Laune machen. Nach Crystal Ball war’s zwar nicht einfach, aber die Deutschen ziehen sich mehr als anständig aus der Affäre und haben hier sicher einige neue Fans dazu gewonnen!

Schön abwechselnd kommt nach einer deutschen Band wieder eine aus der Schweiz. The Order sind keine Unbekannten mehr, Frontmann Gianni Pontillo und seine Mitstreiter sind immer wieder mal auf Festivals anzutreffen. Eigentlich erstaunlich, dass es für mich persönlich jetzt eine Premiere ist…

Also eines kann man The Order nicht vorwerfen: mangelnder Einsatz, mangelnde Spielfreude. Nein, die Jungs geben wirklich Vollgas, haben viel Spass und jagen den Fans Klischee beladene Titel wie „Mama, I love Rock’n’Roll“ um die Ohren. Aber ich hab einfach den Eindruck, dass die Songs nicht zünden wollen. Das ist alles irgendwie ganz nett und sicher auch gut gemacht. Und trotzdem plätschert das alles einfach an mir vorbei. Nicht alle sehen das so, The Order kriegen zum Schluss auch ordentlich Applaus. Ich dagegen bin etwas enttäuscht, von einem Co-Headliner hätte ich mehr erwartet. Crystal Ball haben gezeigt, wie’s geht…

Es wird Zeit – Zeit, für eine weitere Happy Metal Party mit Freedom Call! Erstaunlicherweise ist auch jetzt das Z7 nur knapp zur Hälfte gefüllt. Dieses Billing hätte zweifellos mehr Zuschauer verdient. Aber egal – die Anwesenden werden blitzartig in den Party Modus versetzt! „Union of the Strong“ als Opener – der erste Song der neuen Scheibe ist ein Ohrwurm und der perfekte Einstieg. Ab sofort gilt nur noch „Vollgas“! Spass steht zudem an erster Stelle, es sieht so aus, als ob die Nürnberger den Tourstart kaum erwarten konnten. Mit „We are One“ gibt’s gleich mal einen Klassiker, gefolgt von zwei Songs vom letzten Album „Age of the Phoenix“. Danach gibt’s eine faustdicke Überraschung: „Tears of Taragon“! Ich kann mich nicht erinnern, diesen Song jemals live gehört zu haben – ein ganz grosses Highlight, Gänsehaut all over!

Nach dem „Happiest Song“ überhaupt – „Farewell“ – folgt bereits ein weiterer grosser Moment: der Titeltrack „Beyond“. Dieses Epos gehört in die gleiche Kategorie wie das unvergleichliche „The Quest“ – und wird hier mit genau diesem Song im Doppelpack serviert! Besser geht kaum mehr…

Danach wird die Geschwindigkeitsschraube wieder etwas angezogen. Nach „Warriors of Light“ folgt mit „Heart of a Warrior“ ein weiteres Stück der neuen Scheibe. Chris Bay meint dazu, dass sie dieses mal versucht haben, ein Album OHNE einen „Warrior“ Song zu schreiben: „es ist uns wieder nicht gelungen!“ Gut so…!

Chris singt einen Song an: „oohhhoohoooh THE TIME HAS COME“ – das „for Power & Glory“ kommt allerdings nur sehr spärlich zurück vom Publikum… Es braucht einige Versuche, bis Chris zufrieden ist und die Happy Metal Party kann ihrem Höhepunkt zusteuern. Denn hüpfen ist jetzt angesagt bei „Tears of Babylon“ und dann ist’s bereits Zeit für „Freedom Call“ und das (vorläufige) Ende der Show.

Im Gegensatz zum Konzert von Axel Rudi Pell wird hier aber sofort lautstark nach Zugaben gerufen… und so lassen sich Freedom Call glücklicherweise auch nicht lange bitten.

Mit „Paladin“ wird ein letzter Song der neuen Scheibe präsentiert. Und hier gibt’s jetzt doch noch was zum nörgeln…: dieser Song zündet irgendwie nicht live. Da wären „Knights of Taragon“ oder vor allem „Beyond Eternity“ sicher die besseren Varianten gewesen! Aber was soll’s – die beiden Classics „Warriors“ und „Land of Light“ („Ihr wisst, was ihr zu tun habt – wir woll’n euch springen seh’n!“) beenden einen äusserst unterhaltsamen Abend! Freedom Call beweisen, dass sie die unangefochtenen Könige des Happy Metal sind – wer hier nicht mit einem Grinsen aus der Halle läuft, muss gefühlsmässig tot sein!

 

Setlist Human Zoo

  1. Raise your Hands
  2. Gimme your Time
  3. The Answer
  4. Fall in Love
  5. Give it up
  6. Creatures of the Night
  7. In the Rain
  8. Rock your Town
  9. Taste like Sugar
  10. Crowd’s on Fire

 

Setlist Freedom Call

  1. Union of the Strong
  2. We are One
  3. Age of the Phoenix
  4. Hero Nation
  5. Tears of Taragon
  6. Farewell
  7. Beyond
  8. The Quest
  9. Warriors of Light
  10. Heart of a Warrior
  11. Power & Glory
  12. Come on home
  13. Tears of Babylon
  14. Freedom Call
  15. Paladin*
  16. Warriors*
  17. Land of Light*

 

*Zugaben


Wie fandet ihr das Festival?

07.03.2014
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