Gotthard – Bang!

Hard Rock
15.04.2014

BANG! – Gotthard melden sich lautstark zurück!

Als Gotthard Fan der allerersten Stunde fällt es mir nicht leicht, den Namen Steve Lee zu ignorieren, selbst wenn dessen tragischer Unfall jetzt doch schon eine Weile her ist. Die Entscheidung der Band mit einem neuen Sänger weiterzumachen, hat mich aber sehr gefreut und mit Nic Maeder wurde schliesslich ein würdiger Nachfolger gefunden! Seine Feuertaufe hat er zudem problemlos bestanden…

Jetzt melden sich Gotthard also mit dem neuen Album „Bang!“ zurück. Nachdem auf „Firebirth“ der Geist von Steve (verständlicherweise!) immer noch spürbar war, scheint die Band jetzt endgültig mit dieser traurigen Geschichte abgeschlossen zu haben. Die Herren präsentieren sich vielfältig wie selten zuvor und der längstens angekommene Nic Maeder drückt dem Album mit seiner abwechslungsreichen Stimme mächtig den Stempel auf!

Willkommen in der Zukunft!

Wie angetönt präsentieren sich die Tessiner auf „Bang!“ äusserst variabel. Natürlich sind zuckersüsse Balladen dabei, natürlich riffen sich Leo und Fredy durch kernige Hardrocker. Aber da ist jetzt noch einiges mehr dabei!

Der Beginn ist standesgemäss: „Bang!“ als Gute-Laune Rocker, aber schon bei „Get up’n’move on“ zeigen sich Gotthard von ihrer härteren Seite: schnell, gradlinig, saucoole Riffs und der fantastische Gesang von Nic – geil! Wenn ein alter Song als Vergleich herhalten müsste, wär’s am ehesten „Here comes the heat“ von „Dial Hard“… Von dieser Art Songs hat’s zudem noch mehr drauf: „What you get“ zum Beispiel. Oder der Stampfer „Red on a Sleeve“, erinnert mich stellenweise etwas an Whitesnake. Oder das fantastische „Jump the Gun“, welches zu meinen absoluten Favoriten auf dem Album gehört. Wer hier von „Hausfrauen Rock“ und solchem Mist redet, hat schlichtweg keine Ahnung von Musik oder ist taub.

Die erste Single „Feel what I feel“ ist wieder typisch Gotthard und Nic zeigt auch hier erneut eine grosse Leistung: einfach genial, wieviel Gefühl er in die Songs bringt! In eine ähnliche Richtung geht auch „My Belief“, allerdings mit etwas mehr Power.

Balladen gibt’s auch, die dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Aber wenn man Songs wie „Heaven“ oder „One life, one soul“ geschrieben hat, dann ist die Messlatte sehr hoch. Mag sein, dass ich nicht (mehr) so auf diese Songs stehe, aber die beiden Schleicher hauen mich jetzt nicht um. „Maybe“ (gesungen im Duett mit der Kalifornierin Melody Tibbits) ist nicht schlecht und durchaus hörbar. Hingegen find ich „C’est la Vie“ ehrlich gesagt furchtbar langweilig. Wenn ich böse wäre, würde ich sagen, dass Gotthard hier versucht haben, „One Life, one Soul“ neu zu schreiben. Das wäre dann misslungen…

Nun ja – das ist bekanntlich alles Geschmacksache, es wird genügend Leute geben, die genau diese beiden Songs lieben werden. Für mich gibt’s zum Glück aber noch anderes Material… „Spread your Wings“ sei genannt – da zeigen Gotthard, dass sie auch 70er Hardrock spielen können, dank Hammond Orgeln schimmern vor allem hier Deep Purple durch. Zudem geht’s  auch noch bluesig zu und her, irgendwie ist mir sogar Gary Moore in den Sinn gekommen… Ebenfalls völlig untypisch und fest in den 70ern verankert: „I won’t look down“: Led Zeppelin, wohin man hört! Aber nicht blind kopiert, oh nein! Gotthard bleiben durchaus eigenständig, aber die Einflüsse sind nicht zu überhören. Auch das hier ist bärenstark!

Somit ist eigentlich bereits alles gesagt. Oder fast alles… denn der Abschluss fehlt noch: „Thank You“. Und was Gotthard mit diesem Song vom Stapel lassen, sprengt alles Dagewesene! Ein elfminütiges Epos, welches eigentlich völlig untypisch für Gotthard ist – aber trotzdem das absolute Highlight auf der Platte darstellt!

Beginnend mit Orchester, entwickelt sich „Thank you“ zu einer Powerballade, die vor allem von Nic’s fantastischer Stimme geprägt wird. Die Nummer könnte auch als Abschluss eines Musicals dienen, sie hat eine solche Dramatik. Aber auch die Gitarrensolos verursachen Gänsehaut – dies alles ist kaum zu beschreiben: man muss das selber gehört haben! Und wer denkt, dass der Song mit 11 Minuten zu lange geht: Fehlanzeige! Keine Spur von Langeweile, zu keiner Sekunde – Gotthard haben mit diesem Song ein wahres Meisterwerk abgeliefert!

Mit „Bang!“ haben sich Gotthard emanzipiert und das Kapitel Steve Lee geschlossen! Dies darf man jetzt wohl mit Sicherheit so sagen. Steve wird niemals vergessen werden – aber Gotthard gehen ihren Weg weiter und mit ihnen ist Nic Maeder, der der Band seinen Stempel aufdrückt und möglicherweise dank ihm beschreiten sie heute Wege, die sie früher (zumindest in dem Ausmass) wohl kaum gegangen wären.

„Bang!“ ist ein fantastisches Werk, noch stärker als „Firebirth“. Gotthard im Jahr 2014 sind so stark wie selten zuvor –  9 von 10 Punkten sind mehr als gerechtfertig!

 

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Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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15.04.2014
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