Rage - Z7 Pratteln, 8. September 2014 - Foto: pam
Mo, 8. September 2014

Rage, Lion Twin, Soundchaser

Z7 (Pratteln, CH)
/ 10.09.2014

Tanja: Am 8.9. begann für mich endlich die Konzertsaison wieder. Dieses Mal mit einer in mehrerer Hinsicht ungewöhnlichen Band: Rage sind erstens ein Urgestein der Metalszene (gegründet 1984) und zweitens wusste ich so gut wie gar nichts von ihnen. Ich war am 8.9. auf Anraten von pam im Z7, der mir versprach, dass Rage meinem musikalischen Geschmack entspräche und ich es wohl nicht bereuen würde. Nach einigen kurzen YouTube Checks (Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser), befand ich diese Aussage für glaubwürdig und entschied mich also, dieses Urgestein mal live zu erleben.

 

Soundchaser

Der Abend begann ungewöhnlich pünktlich um fast Punkt acht Uhr mit der belgischen Band SOUNDCHASER. Die drei Jungs waren eine der besseren ersten Vorbands, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die Musik war solide und machte Spass. Sie hat mich zwar nicht wirklich vom Hocker gehauen, und für meinen Teil fühle ich mich nicht versucht, mir ein Album anzuhören, aber meine Begleitung zum Beispiel sah das anders; ich vermute, er war nicht der Einzige. Live gefielen mir vor allem die Ansagen des Sängers und Gitarristen Marcos Rodriguez, der locker und mit Humor auftrat, sich wohl bewusst, dass es viele Besucher nicht interessiert, wovon ein Song (der Vorband) handelt. Humorvolle Ansagen wie „This next one is about blablabla.“ waren denn keine Seltenheit und wirkten auch nicht fehl am Platz, ganz im Gegenteil: Wenn wir ehrlich sind, gehen wir doch alle der Musik und nicht der Ansagen wegen an ein Konzert. (Wobei ich jemanden kenne, für den das nebst dem Begleiten seiner Freundin tatsächlich der Hauptgrund ist, aber das ist eine andere Geschichte.)

Lion Twin

Soundchaser wurden von LION TWIN abgelöst, die ihre dreiviertel Stunde bis halb zehn mit Bravour absolvierten. Beim Recherchieren wurde ich belehrt, dass Lion Twin offenbar ein Deutsches Metal-Pop Duo sind, das erst 2011 gegründet wurde. Hätte ich nicht gedacht. Also keinen der Punkte, weder dass es sich um Metal-Pop handelt, noch um ein Duo, noch dass die Band – pardon, das Duo – erst 2011 gegründet wurde. Mir jedenfalls sagte ihre Musik sehr zu, aber vielleicht spricht hier der Teil aus mir, der poppige Elemente im Metal durchaus nicht schlecht findet. Pam sah das eventuell anders… aus dem Häuschen schien er mir nicht, aber vielleicht irre ich mich auch, er darf mich gerne korrigieren (pam: Ich lass das mal so stehen).

Rage

Um ca. 22 Uhr enterten RAGE die Bühne – auf sehr unspektakuläre Weise. Es war eigentlich mehr ein langsames Erscheinen als ein Entern. Das erklärte sich dann bald daraus, dass dies – nach eigener Aussage – nicht der Beginn des Konzerts war, sondern nur ein Verkürzen der Pause. Das stimmte so wohl nicht ganz, aber die akustischen Songs waren sehr interessant anzuhören und machten Lust auf mehr. Nach den 4 Liedern hiess dann nochmals kurz warten, bevor es wirklich los ging. Und pam hat mir wirklich nicht zu viel versprochen. Zwar werden Rage nicht meine Lieblingsband werden, aber der Abend war es mehr als nur wert.

Sänger und Bassist Peter „Peavy“ Wagner hat eine wirklich eindrückliche Stimme, die dank dem generell guten Sound an diesem Abend sehr gut zur Geltung kam. Ich kann zur Songauswahl absolut nichts sagen, da ich Rage wirklich nicht kenne, vermute aber, dass es sich um einen Querschnitt durch ihre Karriere handelte, sicherlich auch viele Hits, schliesslich war es die 30-Jahre-Jubiläumstour. Das wenige Publikum, das da war (das Z7 war wohl ganz knapp zu einem Viertel gefüllt, wenn überhaupt), schien jedenfalls sichtlich Spass an der Sache zu haben.

Aufgrund meiner ÖV-Verbindungen musste ich dann leider 23:45 Uhr schon gehen, da waren die Deutschen noch mitten in der Zugabe, ich vermute also, dass so etwa um 24 Uhr Schluss war.

Das Fanzit – Rage

Alles in allem war es ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Abend, mit drei guten bis sehr guten Bands. Wer es verpasst hat, muss sich zwar nicht grün und blau ärgern, für ein nächstes Mal darf aber sehr ernsthaft darüber nachgedacht werden, ob man Rage nicht doch einen Besuch abstatten möchte. Lohnen würde es sich allemal.

pam: Ich staune immer wieder wie wenig Publikum eine Band wie Rage anzieht. Für mich eine der genialsten Power-Metal-Bands überhaupt. Wie schon Tanja geschrieben hat, ist die variantenreiche, markante Charakterstimme von Peavy was vom genialsten im Metal überhaupt. Die Riffs und Gitarrenkünste von Victor Smolski sind legendär und bringen selbst einige Meister des Fachs zum erwürdigen Staunen. Das kompositorische Talent der beiden beweisen nicht nur deren Songs und davon gibt es bei den fleissigen Deutschen eine ganz schöne Menge, sondern auch das Nebenprojekt „Lingua Mortis“, womit sie letztes Jahr eine der besten Alben des Jahrzehnts und überhaupt lieferten (siehe Review). Zurück zu Rage mit ihrem jüngsten Bandmitglied André Hilgers der die typische Power des Genres liefert.

Eine Hypothese für deren bescheidenen Zuspruch im Verhältnis zu deren Outputs, könnte sein, dass die Jungs schlicht zu nett und normal sind. Wer deren Trailer zur aktuellen Tour gesehen hat, ahnt vielleicht was ich damit meine. Die Jungs scheinen sich als Rockstars und dem ganzen Gepose irgendwie nicht so ganz wohl zu fühlen. Doch wenn sie im Studio sind oder auf der Bühne stehen, liefern sie Metal auf höchstem Niveau. Es geht bei Rage um die Musik und weniger um die Show oder leider auch etwas zu wenig Show. So wirkte zum Beispiel der schwache Beamer für die eher billigen Bilder und Animationen auf das nicht wirklich vorhandene Backdrop für eine 30th Anniversary Tour schon sehr schwach und irgendwie auch enttäuschend. Da hätte man das Ganze lieber sein lassen. Dafür war das Akkustikset zu Beginn umso eindrücklicher, welche meine These bestätigte: Den Jungs schien das Ganze einfach nur Spass zu machen, aber am Ende war es extremst geil gespielt und eben gesungen. Für mich bleibt Rage eine der genialsten Bands was deren Musik betrifft. Wem das etwas Wert ist, der hat definitiv was verpasst, wenn er nicht dabei war! Die nächste – 18. (!) – Chance im Z7 kommt jedoch bestimmt, dann gibt’s keine Ausreden mehr!

Setlist Soundchaser

  1. Lost
  2. Puppets Of A Thousand Hands
  3. Human Again
  4. Shadows
  5. Faster Than Light
  6. Get Out Of My Way
  7. Pain United To Abuse

Setlist Lion Twin

  1. Tristan & Isolde
  2. Eco Warrior
  3. Far Away
  4. (When the Lights)
  5. Occupy!
  6. Notung
  7. Ready to Rock
  8. Day of Anger

Setlist Rage

  1. Into the Light*
  2. Feel My Pain*
  3. Turn the Page*
  4. Empty Hollow*
  5. Carved in Stone
  6. Sent by the Devil
  7. War of Worlds
  8. Great Old Ones
  9. Enough Is Enough
  10. Invisible Horizons
  11. Down
  12. Unity (inklusive Solo Victor)
  13. The Missing Link
  14. Forever Dead
  15. Straight to Hell
  16. Don’t Fear the Winter
  17. Higher Than the Sky
  18. COVER MIX* (Highway to Hell, Walk, Wish You Were Here, Painkiller etc.)
  19. Set This World on Fire**
  20. Soundchaser**

*Akkustikset
**Zugabe

Fotos Rage, Soundchaser – Z7 Pratteln 2014 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 10.09.2014
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Autor Bewertung: 10/10
  • 08.09.2013