Rock 'oz Arènes - Motörhead - Avenches, 13. August 2014 - Foto: pam
Mi, 13. August 2014

Rock Oz’Arènes 2014 – Motörhead, Billy Talent, Krokus

Amphitheater (Avenches, CH)
03.09.2014

We are Motörhead and we play rock n‘ roll

Krokus

Als ich die Arena von Avenches beim Rock ‚oz Arènes betrete, ertönt bereits einer der erfolgreichsten Krokus-Songs aus den frühen 80ern: „Long Stick Goes Boom“. Und da strahlen nicht nur die alten Rocker auf der Bühne, sondern auch die nicht viel jüngeren Damen und Herren in den ersten Reihen – das Durchschnittsalter dürfte näher bei 50 als 30 sein. Überhaupt, haben während dem ganzen Konzert die Saiten-Instrumentalisten ein Dauersmile und scheinen es einfach zu geniessen, ihre vor allem älteren Songs, einem dankbarem Publikum zu präsentieren.

Und ab und zu hat man auch das Gefühl, dass sich der eine oder andere ab ihrem Sänger – Marc Storace – amüsiert. Zu Zeiten wo Chris von Rohr nicht mehr in der Band war, nannte er ebendiesen in seinem Buch „Hunde wollt ihr ewig rocken“ öfters ein Schaf. Und dies nicht unbedingt wegen seiner Mähne wegen … aber heute Abend war von den alten Fehden nichts zu spüren, pure Harmonie und so erfreute man sich nebst den typischen Storace Faxen und Bewegungen, vor allem an dessen wenigen, aber eher mehr schlecht als rechten Versuchen, mit dem Publikum französisch zu kommunizieren. Aber selbst sowas hat ja seinen Charme.

Anyway, ich war ja in den letzten Jahren einer der heftigsten Kritiker von Krokus. Was sogar mir selbst immer wieder wie Blasphemie oder gar Landesverrat reinkam. Aber ich konnte einfach nicht anders, da die Solothurner mich mit ihren letzten zwei Alben derart enttäuschten und auch ihre Live-Auftritte sehr schwach waren – was vor allem auch mit der jeweiligen Setliste – gespickt mit fast nur neuen Songs – zu tun hatte. Dass Krokus keine 30 mehr sind und mehr chillen als rocken, damit habe ich mich inzwischen abgefunden. Und da hab ich ja auch volles Verständnis – ich beweg mich auch nicht mehr ausschliesslich im Mosh-Pit drin.

Und die heutige Setliste kann sich durchaus sehen lassen. Diese ist vollgepackt mit den ganz grossen Klassikern wie eben der Eröffnungssong, dann in folgender Reihenfolge folgt das Cover „American Woman“ (da wäre anstelle von diesem auch wieder Mal ein „Angel Of My Dreams“ cool gewesen) oder „Rock City“. Letzteres wie immer mit der einer der wohl unmöglichsten Ansagen der Rockgeschichte von Storace („Is XYZ the rock capital of the world?“). Oder doch nicht? Da musste ich für einmal nicht über, sondern wegen Marc lachen: „Is this the capital of Rome?“, fragte er passend zum Venue mit dem – soweit ich weiss – grössten Amphitheater aus der Römerzeit nördlich der Alpen.

Geil auch, dass sie anschliessend mit „Hellraiser“ einen neueren Song vom gleichnamigen Album, welches um Welten besser ist als die zwei aktuellen Scheiben, spielen. Und dann rechtfertig Mandy Meyer einmal mehr, warum eine Hardrock-Band wie Krokus mit drei Gitarristen unterwegs ist. Beim Solo vor und dann vor allem auch während „Fire“ kann sich ein Gitarrenvirtuose wie Mandy mächtig ausleben. Hammer!

Mit der Ankündigung „We’d like to play a song from the Headhunter album“ hoffe ich auf einen der schnellsten Krokus Lieder „Headhunter“, doch mit „Eat The Rich“ kommt ein anderer meiner absoluten Lieblingsongs der erfolgreichsten Schweizer Band ever. Ganz cool und vor allem auch wie sich Gründungsmitglied und zweiter Lead-Gitarrist Fernando Von Arb mit Mandy hier und immer wieder Gitarrensoli-Duelle liefert. Dies pushed die sonst zwar genialen aber doch eher banalen Lieder auf einen anderen Level.

Am Ende von Eat The Rich setzt sich Marc wieder mal prächtig in Szene, in dem er mit einem aus einem Bett-Leinentuch (?) gebastelten Morgenstern schwingend den Takt vorgibt. Obwohl er immer wieder für ein Schmunzeln sorgt, so ist und bleibt er ein begnadeter Hardrock-Sänger mit einer unverkennbaren Stimme. Auch wenn seine Screams an Power verloren haben und die Stimme noch mehr kratzt als zu seinen Glanzzeiten, so verdient er nach wie vor meinen und uns aller grossen Respekt!

Wenn wir schon dabei sind, es folgt „Screaming In The Night“. Ich glaub, bei der bisherigen Songauswahl bin nicht nur ich happy. Eins ist für mich jetzt schon klar, das ist das beste Krokus Konzert seit Jahren. Nicht nur, aber vor allem wegen der Setliste.

Was mich dann einmal mehr erstaunt, ist die eher laue Vorstellung von ihrem grössten Hit – dem „Bedside Radio“. Schon erstaunlich, dass der live nicht mehr abgeht. Ich hab auch schon seit Jahren das Gefühl, dass dieser als Pflichtprogramm besonders lustlos runtergespielt wird. Keine Sekunde länger als nötig.

Der DEM Klassiker nachfolgende Neuling – war wohl nicht zu vermeiden – „Hoodoo Woman“ wird dann wieder richtiggehend zelebriert. Hier lässt Marc die Menge immer wieder Teile vom Song und vor allem Refrain singen. Na ja, genug gestänkert, wenn man einen Song gefühlte 3 1/2 Milliarden Mal gespielt hat, bevorzugt man wohl den einen oder anderen neueren Song live zu spielen.

Glücklicherweise verweilen wir jedoch nicht lange in der von mir geschmähten Reunion-Ära mit von Rohr, sondern gehen schnurstracks zurück in die Ära der zwar fast identischen Truppe wie heute, jedoch noch erfolgreicher. Sie spielen mit „Heatstrokes“ den Song, welcher ihnen damals in den USA den grossen Durchbruch bescherte. Dies dank einer Hitzewelle in den Staaten, was dazu führte dass Heatstrokes in den Radios rauf und runter gespielt wurde. Der vielleicht beste Krokus-Song überhaupt – nicht ganz so banal wie Bedside Radio – vor allem das markante Gitarren-Riff ist extremst geil. Und in diesem Stil bzw. Tempo der etwas schnelleren Songs geht’s gleich weiter: „Easy Rocker“. Auch Hammer. Das sind die Momente wo man auf Krokus-National einfach wieder mal verdammt stolz ist – was die Songs und heutige Setliste betrifft und natürlich deren Back-Katalog.

Aber sonst packen mich die Solothurner Altrocker live einfach nicht mehr 100%. Kein Vergleich mit AC/DC auf deren Niveau sie sich Ende 70er und Anfangs 80er fast hochgespielt haben. Nach dem Tod von Bon Scott soll der Legende nach Marc als Nachfolger angefragt worden sein. Wer ihn schon mal – z.B. auf DC-World – AC/DC-Songs aus der Bon Scott Ära hat singen hören, weiss warum und glaubt wie ich, dass dies nicht nur ein Gerücht ist. Heutzutage fehlt ihnen einfach – nie war von Rohrs eigenes Zitat passender – der Dräck, der Rock n‘ Roll. Man nimmt ihnen den Live-Style ihrer Songs und Texte nicht mehr ab. Ich will jetzt nicht behaupten, dass anderen Hardrocker in ihrem Alter noch so leben, wie sie sich live geben (es gibt nur einen Lemmy), aber zumindest spielen die es besser und glaubwürdiger. Es ist heute fast perfekt, aber meh Dräck bitte! Und ich geb’s zu, mit einer Legende und was man ja eigentlich liebt, ist man immer viel kritischer als mit denen, die nie wirklich diesen Status erreicht haben. So kümmert mich Gotthard zum Beispiel überhaupt nicht, was die grad rausbringen und ob sie heute besser oder schlechter sind als mit Steve, von Rohr etc.

Zurück in die Römerarena. Passend zu dem was hier wohl früher abging, spielen Krokus ihre Eishockey-WM 2009 Hymne „Live For The Action“. Der tut keinem weh, aber hätte von mir aus gerne einem anderen nicht so oft gespielten Song aus den 90ern – wie z.B. „Stampede“ „To Rock Or Not To Be“ Platz machen können. Und damit auch die Tschutti-Fans glücklich sind, spielt man am Ende von Live For The Action noch ein paar Takte von White Stripes‘ „Seven Nation Army“.

OK, dem eher etwas plumpen Schlusspunkt sei verziehen, doch es soll noch schlimmer kommen: „Mighty Quinn“. Nicht zum ersten Mal – gut es hätte auch „Born To Be Wild“ sein können – aber warum im Gottes Namen covern Krokus das Cover von Gotthard also sozusagen das Cover vom Cover? Vor allem mit so einem überfüllten Backkatalog mit fast unerschöpflichem Fundus an genialen Songs. Ich werds wohl nie verstehen – aber da bin ich wohl auch alleine. Denn den meisten gefällt’s scheinbar.

Motörhead

Nach 75 Minuten ist dann definitiv Schluss und die Bühne kann für Motörhead vorbereitet werden. Wie schon im Vorbericht zum ROA geschrieben, ist Lemmy kaum wieder einigermassen fit, ist eher schon wieder im Dauereinsatz. Beim ROA nach zwei Jahren und nach wenigen Wochen nach Wetzikon schon wieder in der Schweiz. Motörhead sind spontan eingesprungen, nachdem der ursprüngliche Headliner kurz vor dem Kommunikation abgesprungen ist … Guns N‘ Roses. Nicht ganz überraschend lautet die Begründung, dass es Krach in der Band gäbe. Na ja, wie auch immer, ich auf jeden Fall bin überhaupt nicht traurig, dass anstelle des rothaarigen Clowns einer auf der Bühne steht, der sein ganzes Leben seinem Stil, seiner Musik, seinen Fans und vor allem seinen Mitmusikern immer loyal und treu wahr. Und ein Axl wäre wohl auch kaum pünktlich auf die Minute aufgetreten, wie es Lemmy, Mikkey und Phil heute einmal mehr tun. Das ist noch alte Schule, die wohl die meisten Fans inklusive mir äusserst schätzen. Und Lemmy und seine Jungs sind dennoch mehr Rock n‘ Roll als wohl alle aktiven Bands zusammen.

Anstelle der notorisch bekannten Ansage „We are Motörhead and we play rock n‘ roll“ startet Lemmy heute mit der Feststellung, dass es ziemlich kalt sei. Das ist es in der Tat für einen Mitte-August-Abend, aber in diesem Sommer sind wir vorerst einfach mal froh, dass es nicht regnet. Und Lemmy trägt dafür bzw. (da)gegen (die Kälte) ein Anthrax-Hoodie. Ob er sich das spontan von einem Roadie ausgeliehen hat? Ich habe zumindest Lemmy noch nie mit Merch-Kleidung einer anderen Band gesehen … Anthrax wäre wohl wie jede andere Band stolz darauf.

Ansonsten legen Motörhead los wie immer. Keine Überraschungen. Aber das wollen die meisten heute wohl einfach nicht, weil diese dann tendenziell der angeschlagenen Gesundheit von Lemmy geschuldet wären. Im Gegenteil, nach einem Hammerkonzert in Wetzikon (siehe Review) und einem überstandenen Auftritt in Wacken, scheint er für seine Verhältnisse schon wieder fast in alter Frische zu sein. Auch wenn das seine Beinchen jeweils andeuten, aber ein junges Rehli ist und wird Lemmy halt definitiv nicht mehr.

F..k … ich glaub’s nicht. Vor rund fünf Minuten habe ich grad noch (auf)geschrieben, dass es nicht regnet. Und was passiert? Genau, es schifft. Gut, nicht grad heavy und es sollte auch bei ein paar Tropfen bleiben, aber eins kann man dem Sommer 2014 nicht vorwerfen: Dass er nicht zuverlässig konstant sei. Aber zurück zum wesentlichen oder vielleicht doch grad passenden Songtitel. Lemmy kündigt „Going To Brazil“ mit den folgenden Worten an: „The next song ist rock n‘ roll. Do you like rock n‘ roll? It’s the only religion that never let’s you down.“ Nicht zum ersten Mal hört man diese weisen Worte aus Lemmys Mund. Als nächstes folgen dann gegen Ende des Konzerts die obligaten Klassiker angefangen bei „Killed By Death“ und dem als letzten Song angekündigten „Ace Of Spades“. Mit der Ankündigung verrät uns Lemmy eines der letzten grossen Geheimnisse eines Metal-Konzerts: „The next one is our last song for tonite. When you make some noise we come back.“ Tja, ein Lemmy weiss wie der Hase läuft.

Ui, aber beim Motörhead Übersong hat Lemmy dann doch ziemlich Mühe. Sein Anteil bei diesem ist ungewöhnlich lahm. Es hört sich noch mehr als sonst an, als presse er mit aller Kraft bzw. Luft die letzten Töne raus. Dabei werden noch mehr Buchstaben und Wörter als sonst verschluckt. Das wahlkalifornische Halszäpfli mags wohl nicht so kalt. Wie gewohnt und schliesslich auch angekündigt verlassen sie nach Ace Of Spades die Bühne. Eine kurze Verschnaufpause kommt für Lemmy gerade recht. Der geforderte Lärm kommt dann aber nur zögerlich, dafür dann immer heftiger. Lemmy scheint die Zeit für eine ausgiebige Ricola-Tee-Pause zu nutzen.

Schliesslich hat der Lärm doch überzeugt und Lemmy lässt uns wissen, dass dies die letzte Show der aktuellen Tour sei und wir eines der besten Publikum seien („one of the best crowds“). Nun, wenn er das wirklich ernst meinte, hätte er wohl nicht „one of the best“ gesagt. Aber die Worte verfehlen die Wirkung nicht und je mehr Lemmy uns bauchpinselt, desto lauter wird die Stimmung. Als hätten wir wegen seinen Worten ein schlechtes Gewissen gehabt und wollen nun alles geben, damit diese doch einigermassen stimmen. Die Stimmung heute war sicher OK, aber nur schon in Wetzikon noch besser. Aber lassen wir das jetzt Mal so stehen und erfreuen uns den nackten Brüsten eines Groupies, wenn schon Lemmy ab diesen nicht mehr als ein gequältes Lächeln über die Lippen bringt. Wohl schon zu oft erlebt und gesehen. Nun, den mehrheitlichen männlichen Besuchern gefiels. Zur Nachahmung empfohlen. Die Frauen meine ich.

Die authentische Coolness von Lemmy ist eh nicht zu toppen. Als heute früher im Konzert mal „Lemmy, Lemmy“-Rufe erschallen, meint er trocken: „Yeah, it’s me.“

Es kommt schlussendlich eh wie es kommen muss und wie gewohnt, macht der nebst Ace Of Spades zweite Powersong von Motörhead den Abschluss. „Overkill“. Ui, jetzt pfeift aber die ganze Band aus dem letzten Loch. Die Drums von Mikkey kommen zwar wie meist dampfhammermässig rüber, aber Phil’s Gitarre ist zuweilen kaum mehr hörbar und Lemmy hat jetzt definitiv Mühe mitzukommen. Es scheint, als ist Mikkey wie ein aufgeschreckter Hengst durchgebrochen und die beiden anderen versuchen irgendwie diesen einzuholen.

Da dies das letzte Konzert der Tour ist und bis auf die letzten zwei Songs es kaum was zu beanstanden gab, sehen wir jetzt mal grob drüber hinweg und geniessen einfach noch die letzten Minuten mit Lemmy. Ich hasse zwar diese Worte aber leider weiss man bei seinem aktuellen Zustand nie, wann es die letzten sein werden. Ich kann mir vorstellen, dass sich das Trio jetzt einfach nach dem Ende der Tour sehnt und eine Pause einlegen wird. Wobei, wer die Jungs kennt, weiss, dass diese nicht sehr lange sein wird und ich wette jetzt mal, dass keine sechs Monate ins Land ziehen ehe Motörhead wieder auf einer Schweizer Bühne stehen werden. Und wohl die meisten von heute dann auch wieder vor dieser sehnsüchtig auf den letzten wirklich grossen Rock n‘ Roller warten werden. Ich sicher auch.

Lemmy stellt wie gewohnt seinen Bass so vor die Boxen seines Murderer One,  dass wir noch lange von den Rückkopplungen beschallt werden, wenn er – mit Worship Metal auf dem Rücken – schon von der Bühne geschlurft ist. Das war’s also.

Fanzit zu Motörhead und zum Rock ‚oz Arènes

Auch wenn wie oben schon erwähnt die letzten zwei Klassiker nicht mehr mit der gewohnten Power, Dräck, Coolness und Präzision gespielt wurden, war Motörhead trotz des noch höheren Alters kein Vergleich zu Krokus. Long live Rock n‘ Roll. Long live Lemmy.

Und das Festival selber, welches von mir ja als schönstes der Schweiz angekündigt wurde? Nun, Locarno dürfte vom optischen Ambiente eine Nasenlänge voraus sein. Die Nase wird dort aber auch tendenziell etwas höher getragen. Aber das Amphitheater als Konzertlocation ist nicht zu toppen. Der Stehplatz-Innenraum hat die perfekte Grösse und hier im Oval drin, sind sogar die Sitzplätze cool. Nirgends hat jeder, aber wirklich jeder eine bessere Sicht auf die Bühne – sowohl an Open-Airs als auch bei Indoor-Konzerten.

Und die Leute bzw. Organisation ist hier unglaublich relaxed. Die lassen einen machen. Crowd-Surfer werden nicht aggressiv von den Köpfen gerissen bzw. rausgefischt, sondern im Gegenteil. Mal im Fotograben angekommen, lässt man diese wieder zurück in die erste Reihe hechten. Man kann stehen wo man will – auch mal neben einem Security auf der Treppe. Die lassen einen immer gewähren und machen nicht unnötig auf superwichtig. Ich bin überzeugt, mit dieser Laisser-faire-Devise haben die auch weniger Probleme mit Pöblern und so. Ist das typisch für Avenches oder sind die Westschweizer einfach relaxter drauf als wir und der Rest der Welt, wo ich schon Konzerte erlebt habe? Ich find’s auf jeden Fall geil hier. Schade, haben die nicht an mehreren Tagen Metal im Programm oder gar ein reines Metalfest. In dieser Arena wäre das der Hammer! Prädestiniert wäre es ja eigentlich für eine Symphonic Metal-Nite. OK, morgen spielen in der Tat Within Temptation … Wenn noch Tarja im Line-up wäre, dann hätte ich zu 100% für morgen auch gebucht.

Ich genehmige mir mit Freunden noch ein Bierchen und staune einmal mehr, dass ich in wenigen Sekunden die bestellten Biere in den Händen halte – ohne anzustehen. Das nenn ich jetzt mal genügend und vor allem mit fähigem Personal genügend bestückte Getränkestände.

Billy Talent

Aber bevor jetzt alle hier abschliessen, der Festivaltag ist ja gar noch nicht zu Ende. Mit Billy Talent und Airbourne stehen ja noch zwei nicht ganz unbedeutende Acts an. Ehrlich gesagt bin ich aber doch etwas überrascht, als zu später Stunde um 23.20 Uhr die Arena immer noch gut gefüllt ist. Da gibt es also noch Hoffnung für Airbourne, die dann an einem hunzkommunen Wochentag nach eins an den Start gehen dürfen oder müssen. Wenn man das hohe Durchschnittsalter bei Krokus und Motörhead in Erinnerung ruft, so ist doppelt überraschend, dass eine Band wie Billy Talent einen grossen Teil von diesen Halten mag – auch wenn sich die  ersten Reihen in der Umbaupause um Jahrzehnte verjüngt haben. Und die Leute bleiben nicht einfach aus Höflichkeit, sondern weil ihnen der punkrockige Metalcore von Billy Talent gefällt, insbesondere den Girlies ganz zuvorderst. Passend zum Sound geht’s auch sofort ab, wie wohl selten zu vor bis zurück in die Zeiten der Legionäre. Mir gefällt vor allem der Gitarrist mit seiner zementierten Tolle in Form eines Betonklotzes, der immer wieder ganz geile Riffs auspackt. Und Sänger Benjamin Kowalewicz hat’s auch deftig drauf und ist definitiv kein Bühnenhocker. Bei seinem zwischen Höhen und Tiefen variierenden Gesang habe ich etwas Mühe beim Ersteren in Form von deftigem Geschreie. Aber doch, eigentlich gefällts.

Da sie aus Toronto kommen und somit zumindest eine gewisse Affinität mit dem Französischen haben, können sie mit ihren Ansagen in der Sprache Molières bei unseren Compagnons im Westen kräftig punkten. Während Billy Talent somit das ganze Geschehen ziemlich im Griff haben, kann ich mich also mit guten Gewissen auf den Heimweg machen und ich lass Airbourne für heute mal sein. Die Australier geben einem in der Schweiz ja mehr als genug Chancen live zu erleben.

Am Ausgang sorgen die Helfer nochmals für einen letzten positiven Eindruck bevor ich das Gelände bzw. Städtchen definitiv verlasse, in dem diese einem mit viel französischem Charme gute Nacht wünschen. Da würde man am liebsten gleich wieder umkehren und für immer bleiben. Oder, man freut sich einfach aufs nächste Jahr.

Setliste Krokus

  1. Long Stick Goes Boom
  2. American Woman
  3. Rock City
  4. Hellraiser
  5. Solo (Mandy)
  6. Fire
  7. Eat The Rich
  8. Screaming In The Night
  9. Bedside Radio
  10. Hoodoo Woman
  11. Heatstrokes
  12. Easy Rocker
  13. Live For The Action (am Ende kurzer Abschluss mit White Stripes‘ Seven Nation Army)
  14. Mighty Queen (Bob Dylan/Manfred Mann Cover)

Setliste Motörhead

  1. Damage Case
  2. Stay Clean
  3. Metropolis
  4. Over the Top
  5. Guitar Solo
  6. The Chase Is Better Than the Catch
  7. Rock It
  8. Lost Woman Blues
  9. Doctor Rock (mit Drumsolo)
  10. Just ‚Cos You Got the Power
  11. Going to Brazil
  12. Killed by Death
  13. Ace of Spades
  14. Overkill*

Fotos Rock ‚oz Arènes – Motörhead, Krokus, Billy Talent (pam)


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03.09.2014
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