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Fr, 25. März 2016

AMON AMARTH – Jomsviking

Melodic Death Metal
24.03.2016

Die schwedische Wikingerhorde veröffentlicht mit «Jomsviking» ihr zehntes Studioalbum

Damit gibt’s nicht nur ein Jubiläum, sondern auch das erste Konzeptalbum von Amon Amarth. Bei den Jomsvikings handelt es sich um eine gefürchtete Wikinger-Söldnertruppe, die ihren Sitz (Jomsburg) in der südlichen Ostseeküste gehabt haben soll. Der Männerbund – Frauen und Männer unter 18 und über 50 waren nicht zugelassen – unterlegte sich strikten Regeln, die so jedes Wikinger-Cliché erfüllen. Kurz: Keine Furcht, keine Flucht, sich dem Kampfe stellend und immer auf Rache aus.

Da passt doch der Soundtrack von Amon Amarth perfekt zu dieser Wikinger-Saga. OK, ich weiss und Johan Hegg hat es mir auch schon ziemlich direkt und persönlich gesagt: Amon Amarth spielen keinen Wikinger Metal. Sie singen nur dauernd darüber, sehen inklusive der CD-Covers wie solche aus und spielen auch gerne mal (Johan), wenn auch seeeeehr kurz, in einem Wikinger-Film mit … Aber egal, sie spielen geilen Sound und das im Allgemeinen mehr oder weniger mit konstant hochstehenden Veröffentlichungen. Passen tut der Sound aber auch, weil er nach wie vor schon nach vorne pushed, auch wenn’s mal nicht voll Pulle geht, so bleibt die Energie in den Songs von Amon Amarth konstant extrem hoch.

Auch beim neusten Erguss wird auch nicht lange gefackelt. Kein Intro oder Sonstiges, sondern gleich voll auf die 10 mit „First Kill“ – worin der junge und schwer verliebte Protagonist des Konzeptalbums grad mal seinen ersten Mitbuhler killt. Der Opener hat alle typischen Trademarks eines klassischen Amon Amarth Songs drin – bis vielleicht auf den Anfangs gesprochenen Text von Johan und der geile Basslauf. Vom Zweiteren dürfte es gerne mehr haben. Und vor allem nach vorne peitschenden Drums – mit neuem Söldner (?) hinter der Schiessbude, welcher Fredrik Andersson ersetzt – und den so typischen verdammt melodiösen Riffs. Wenn die Schweden also kein Wikinger-Metal machen, dann unbestrittenermassen Melodic Death Metal. Und das wie keine andere Band. Keine Death Metal Band schafft es meiner Meinung nach, Ohrwürmer so hart und growlend zu verpacken.

First Kill hat als Vorabvideo zu Jomsviking schon deftig als Appetizer funktioniert. Taub wer sich da als Melodic Deather nicht auf mehr freute. Und das Warten und Freuen hat sich gelohnt. Denn es erwartet uns schlicht der wohl beste Output von Amon Amarth seit dem absoluten Meisterwerk „Twilight Of The Thunder God“. Klar, wie schon bei First Kill so auch beim zweiten Mid-Tempo-Stampfer „Wanderer“ hört man Riffs, die es schon mal sehr ähnlich bei einem oder anderem früheren Amon Amarth Song gab. Aber ein solcher besteht ja nicht nur aus einem Riff, sondern es ist die Kombination zwischen „Irgendwie-schon-Gehörtem“ und Neuem, dass es ausmacht. Ganz typisch grad bei Wanderer. So typisch und doch so ein bisschen anders.

Und ja, es bleibt geil. Mit „On A Sea Of Blood“ mit wieder bedeutend mehr Tempo ein Song der es direkt auf die Klassikerliste schaffen dürfte. Mitsingrefrain und mit punkrockähnlichen und auch thrashigen Riffs sowie Maiden-Solo. Wie das geht? Reinhören und einfach staunen.

Dito mit „One Against All“ was Tempo betrifft, dieses Mal aber wieder ganz typisch Amon Amarth … OK, nicht ganz, da gibt es doch einen manowarmässig Chorus. Also nur ansatzweise, ganz so billig wird’s nicht.

Für die nächste Tour dürft ihr schon mal die Trinkhörner entstinken. Amon Amarth haben sich einen Trinksong gegönnt, wo live mit dem Refrain „Raise Your Horns up to the sky, we will trink to glory tonight …“ nichts schief gehen kann. Da kann Johan nicht einmal mehr den Spruch bringen, es sollen auch die mitsingen, die den Text nicht kennen, das verstehe eh keiner weils ja Death Metal sei. Da muss man textsicher sein, weil den versteht man schon Wort für Wort, ok, dafür darf man dann auch ohne Textkenntnisse im Mittelteil mit den „Oooohhohohohoohs“ ohne Risiko mitmachen. Man könnte den Jungs vorwerfen, dass der Song zu kalkuliert sei. Das mag er sein, aber hey, der Song ist trotzdem geil und warum nicht zusammen das Bier in die Höhe stemmen und runterkippen. Machen wir ja eh. Jetzt haben wir einen (weiteren) geilen Soundtrack dazu. Auf diesen Mitsing-Stampfer dürfen wir uns also bei den nächsten Amon Amarth Konzerten – und wohl auch bei allen Zukünftigen – freuen. Und sicher auch an der einen oder anderen Metalparty – definitiv an den Metal Masters presented and powered by Metalinside.

Der ultimative Kopfschüttel-Stampfer dazu folgt gleich anschliessend. „The Way Of Vikings“ lässt gar nichts anderes zu, als die Matten zu schwingen. Grundsätzlich gefällt auch dieser Neuling, einzig hat man hier – und nicht nur hier – hie und da das Gefühl, dass der Gesang von Johan an seine Grenzen kommt. Seine Trademark war und ist ja das melodiöse Growlen. Doch vermehrt vermischt sich Growlen mit schon fast klarem oder zumindest verständlichem Gesang. Da bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob (mir) das gefällt. Da stellt sich die Frage, warum Johan diese einzelnen Zwischenparts nicht gleich clean singt. Dass er das kann, hat er auch schon früher bei Covers bzw. vermeintlichen Covers bewiesen. Aber mag sein, dass sich dann Amon Amarth untreu werden würde. Somit überlass ich es anderen Hörern hier zu urteilen. Weil ich mir da selber kein abschliessendes machen kann bzw. im Zweifelsfalle beim Bewährten.

Das Gleiche wie oben könnte man beim nächsten Song „At Dawns First Light“ schreiben. Aber auch hier gilt: Jammern auf sehr hohen Niveau oder Blondinnen-Armhaar in der Suppe suchen. Das Video dazu ist aber nichts für Blondinnen und schwache Seelen. Da wird ganz schön gemetzelt und das zum Zmorge.

So oder so, es bleibt beim Auf und Ab was das Tempo aber nicht Qualität der Songs betrifft. Bei „One Thousand Burning Arrows“ nimmt man wieder Speed raus, dafür wieder so richtig heavy stampfend. Sehr heavy.

Und auf geht’s mit „Vengeance Is My Name“. Auch eher wieder ein Heavy Metal Riff verpackt in einen Death Metal Kracher. Einfach nur geil wie das Amon Amarth meiner Meinung nach einzigartig schafft. Wenn Johan nicht Growlen tät, könnten die Schweden mit gewissen Songs sogar absolute Anti-Death-Metaller wie unserer Kaufi bei Metalinside abholen. Das wäre so einer.

Der Song der polarisieren wird kommt an zweitletzter Stelle des neuen Hammeralbums. Als ich unvoreingenommen – ohne Infos vorab – vor ein paar Wochen mir das Teil zum ersten Mal zu Gemüte führte, hörte ich da plötzlich eine vertraute Stimme die definitiv nicht im Stimmenumfang von Johan enthalten ist. Es ist die unverkennbare Stimme der Metal-Queen Doro Pesch. Hä? Doro? Wir sind uns ja einige wirklich geniale Duette von Doro mit Grössen wie Lemmy, Ozzy, Dio etc. gewöhnt, aber Doro mit Johan Hegg? Kann das gut gehen? Man stelle sich die beiden nur schon mal live auf der Bühne nebeneinander vor … was für ein Bild. Da die zierliche Blondine und dort der Wikinger-Hüne. Und ja, so speziell aber auch etwas lustig das aussehen mag, so hört sich auch der Song an. Ich mag Doro sehr, schätze ihre Leistungen im Metal überaus und mir gefallen auch ihre Songs und auch ihre spezielle Stimme. Aber die ist halt schon nicht so deathig. Hm? Was jetzt Daumen hoch oder runter? Irgendwie will er beides nicht so recht. Er bleibt so gutschweizerisch waagrecht neutral. Grundsätzlich cool und auch mutig, machen Amon Amarth ein Duett. Aber ob Doro jetzt die richtige Wahl war kann ich nicht abschliessend beurteilen. Der Song ist so sicher einzigartiger, überraschender als wenn es eine Growlerin wie zum Beispiel Britta Görtz von Cripper oder Angela Gossow (Ex-Arch Enemy) gewesen wäre. Aber bei denen wäre mir der Song wohl auch weniger hängengeblieben, weil es dann fast zu homogen gewesen wäre. Wenn schon eine Frauenstimme, dann wohl besser clean oder warum das nächste Mal nicht noch einen Schritt weiter mit Operngesang? Wow, Tarja mit Johan … aber lassen wir das Träumen und ich geniess jetzt einfach nochmals „A Dream That Cannot Be“. Ich find den cool.

Der Rausschmeisser darf mit knapp über 7 Minuten am längsten und ist episch aufgebaut mit diversen langsameren und schnelleren Parts. Perfekter Abschluss, der eigentlich alles vereint – bis auf Doro was wir in den 10 Songs zuvor gehört haben. Sozusagen das Schlussbouquet.

Fanzit

Jomsviking ist eigentlich der falsche Titel für den neusten Longplayer der schwedischen Melodic Death Metal Speerspitze Amon Amarth. Die Scheibe ist zwar ein klarer Wikinger aber kein Söldner, kein Outlaw, sondern extremst zugänglich ganz im typischen Stil der Band. Death Metal der auch nicht Death Metallern gefällt. Und genau deswegen ist es für mich eines der besten Scheiben von Amon Amarth bisher. Sicher wie schon erwähnt die beste seit dem bisher unerreichten Meisterwerk „Twilight Of The Thunder Gods“. Es hat alles drin, was Amon Amarth ausmacht. hammermelodiöse Riffs – die man immer wieder meint schon von diversen Metalklassikern oder anderen Songs der Bands zu kennen und so oder so, im typischen Gwand von Amon Amarth eingetütet sind – treibende Drums und Double-Bass-Salven und dann die fettbassiggrowlende Stimme des mächtigsten und gleichzeitig wohl nettesten Wikinger unserer Zeit, Johan Hegg. Die Scheibe ist ein Pflichtkauf nicht nur für Amon Amarth Fans, sondern allgemein Liebhaber von melodiösem, harten Sound und dabei sich nicht von Growls verscheuchen lassen.

Reinhören und Hardbook Edition portofrei bestellen

›› Video First Kill

›› Video At Dawn’s First Light

Trackliste AMON AMARTH – Jomsviking

  1. First Kill
  2. Wanderer
  3. On A Sea Of Blood
  4. One Against All
  5. Raise Your Horns
  6. The Way Of Vikings
  7. At Dawn‘s First Light
  8. One Thousand Burning Arrows
  9. Vengeance Is My Name (Bonus Track, Digibook, digital, LP, Vikinger-Schiff-Edition)
  10. A Dream That Cannot Be (feat. Doro Pesch)
  11. Back On Northern Shores

Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9.5/10



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24.03.2016
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