Hardline - Z7 2017 (Flyer)
Fr, 26. Mai 2017

Hardline, 2Bad

Z7 (Pratteln, CH)
01.06.2017
Hardline - Z7 2017 (Flyer)

Meiner Meinung nach gastierte eine der geilsten Rockstimmen der aktuellen Ära an diesem Freitagabend im altehrwürdigen Schweizer Metal-Mekka Z7. Die Rede ist von Signore Johnny Gioeli. Dieses Mal war er allerdings nicht mit Kumpane Axe Rudi Pell unterwegs, sondern mit seiner eigenen Truppe Hardline. Details zu diesem hammermässigen Auftritt folgen im nun nachfolgenden Konzertbericht.

Tja, es bauen nicht alle eine Brücke. Gewisse Leute gehen am heutigen Freitag ganz normal ihrer Arbeit nach. Zur Belohnung gibt’s am Feierabend ein hoffentlich cooles Hard Rock-Konzert. Dazu steht abermals eine Pilgerreise ins gelobte Z7-Land an. Bei traumhaftem Grill-Wetter zählt ein Konzertbesuch eigentlich nicht unbedingt zu den Favoriten. Als leidenschaftlicher Metalinsider nehme ich den Abstecher nach Pratteln jedoch gerne in Kauf und setze mich dem unnatürlichen Kunstlicht aus. Sonne tanken wird dann an den bald anstehenden Festivals eh wieder ein ausgiebiges Thema.

Die Konzertfabrik beherbergt für das heutige Gitarren-Spektakel die Kapellen Hardline und 2Bad. Beide Gruppen kenne ich nicht wirklich gut. Erstgenannte haben mich nach Pratteln gelockt – genauer gesagt deren charismatischer Sänger. Ich bin riesiger Anhänger von Johnny Gioelis Stimmorgan. Nach ein paar überzeugenden Auftritten mit dem deutschen Klampfen-Meister Axel Rudi Pell freue ich mich, ihn jetzt auch einmal mit der von ihm gegründeten Band in Aktion zu erleben. Horizonterweiterungen dieser Art lasse ich gerne über mich ergehen.

Punkt 19 Uhr öffnen sich die Pforten der Konzertfabrik. Nach hält sich der Massenandrang in Grenzen. Offenbar tummeln sich doch viele in den «Auffahrts-Ferien» oder an irgendeiner Pool-Party. Ärzte raten an solch heissen Tagen ja jeweils zu einer grosszügigen Flüssigkeitszunahme. Deshalb begebe ich mich vorbildlich an die Bar des Hauses und genehmige mir eine eisgekühlte Blondine. Soll noch einer behaupten, dass ich ungesund leben würde. Nach etlichen Mini Z7-Events in der Vergangenheit ist am heutigen Abend wieder einmal die grosse Bühne im Einsatz. Da trotzdem ein Truck ein der Halle steht, würde ich die Location in dieser Form doch eher als «3/4 Z7» bezeichnen. An der Bar hängen vier Shirts. Damit hat es sich dann aber allerdings bereits in Sachen Hardline-Merchandise. Schade. Ich hätte mir nach einem gelungenen Auftritt eventuell noch gerne eine CD geschnappt. Aber halb so wild. Der Fokus wird nun auf den Auftritt der ersten Truppe gelegt.

2BAD

Kurz nach acht betritt schliesslich der erste Act die Bühne. Es handelt sich um die aus der Region Bern stammende Gruppe 2Bad. Neben der üblichen Instrumenten-Fraktion sind mit Karin Flückiger und Denise Schwab-Businger auch zwei Background-Sängerinnen am Start. Als eigentliches Highlight entpuppt sich allerdings Tastenklimperer Victor Rettenmund. Ich bin felsenfest überzeugt, dass man in seiner heimischen Plattensammlung wohl das eine oder andere Werk von Deep Purple finden würde. Der Geist von Jon Lord spiegelt sich in Victors Keyboard-Spiel absolut wider. Basser Dänu Grossenbacher gibt ebenfalls ordentlich Gas. Sänger Daniel Brönnimann verfügt über ein starkes Stimmorgan und ist damit gar nicht weit von Kollege Johnny Gioeli entfernt. In Sachen Ausstrahlung hat er allerdings noch Verbesserungspotenzial. Seine Ansprachen kommen leider etwas gar lasch um die Ecke und reissen niemanden so richtig mit. Dabei wäre eine Grundsympathie aufgrund des Berner Dialekts ja eigentlich gegeben. Sollte Daniel dieses Problemchen noch beheben können, steht bei künftigen Shows einer noch besseren Performance nichts mehr im Wege.

Soundtechnisch machen 2Bad nämlich definitiv Laune. Ihre erfrischenden Hard Rock-Melodien passen optimal ins Programm des heutigen Konzertabends. Die Setliste besteht beinahe ausschliesslich aus Tracks des 2016er-Debütsilberlings «Aiming High». Da sind effektive einige anständige Nummern darunter. Zudem wagen sich die Berner ebenfalls an eine Cover-Version der Rainbow-Hymne «Man On The Silver Mountain» heran – inklusive einer kurzen Widmung an den verstorbenen Ronnie James Dio. Und die 2Bad-Version kann sich durchaus hören lassen. Nach einer Spielzeit von rund 45 Minuten ist das Gastspiel von Daniel und Co. dann bereits wieder zu Ende. Ein solider Opening-Act.

HARDLINE

Um halb zehn wird es dann Zeit für die zweite Runde. Ich verlasse meine übliche «Pfosten-Position» und platziere mich mit meinen Kollegen in der Hallenmitte. Da das Z7 heute Abend eher mittelmässig besucht ist, besteht keine Gefahr für irgendwelche klaustrophobische Anfälle. Trotzdem machen die anwesenden Fans ordentlich Lärm, als Hardline die Bühne betreten. Johnny und seine Mitmusiker sind sicherlich in Feierlaune. Im Fokus der laufenden Tour steht die neue Scheibe «Human Nature», die im letzten Jahr erschienen ist. Zudem darf die Debütscheibe der Band – «Double Eclipse» – auf ihr 25-jähriges Bestehen zurückblicken. Diese beiden Werke dominieren heute Abend nicht ganz überraschend die Setliste.

Los geht die wilde Fahrt mit der Hymne «Where Will We Go From Here». Melodiös und kraftvoll kommt das Ding um die Ecke. Johnny steht von Beginn weg im Mittelpunkt und präsentiert der Zuhörerschaft sein einzigartiges Stimmorgan. Der Typ kann einfach singen. Zudem verfügt der Frontmann – wie bei Amis üblich – über exzellente Entertainer-Fähigkeiten. Grimassen schneiden und wie ein Duracell-Häschen auf der Bühne herumsprinten sind für Herrn Gioeli eine reine Selbstverständlichkeit. Dabei gehen gleich literweise Schweiss verloren. Aber auch in den Publikumsreihen steigt der Hitze-Pegel zunehmend an.

Der gute Johnny steht aber nicht alleine auf der Bühne. Im aktuellen Hardline-Line Up finden sich ausschliesslich talentierte Musiker. Das gilt insbesondere für den Italiener am Keyboard. Alessandro Del Vecchio ist in diversen Bands als Songwriter, Produzent oder einfach nur normales Mitglied tätig. Er hat unter anderem Engagements bei Voodoo Circle oder Edge Of Forever vorzuweisen. Bei Hardline ist er neben dem Geklimpere auch für die Backing Vocals zuständig. Und siehe da, Alessandro hat ebenfalls eine angenehme und powervolle Stimme. Am Bass treffen wir auf die hübsche Anna Portalupi. Tarja Turunen hat sich die Italienerin für ihre «Colours In The Road»-Tour in den Jahren 2013/14 mit ins Boot geholt. Der Bandana-tragende Gitarrist Josh Ramos und Drummer Francesco Jovino scheinen dagegen ausschliesslich für Hardline aktiv zu sein. Der Saiten-König brilliert mit wilden Soli, während sein Kollege hinter der Schiessbude seine Drumsticks an ihre Grenzen bringt.

Die Musik der Truppe versetzt einen direkt zurück in die Hard Rock-Blütezeit der 80er-Jahre. Das mag ich als Jungspund eventuell nicht definitiv beurteilen. Die jubelnden, älteren Semester um mich herum scheinen meine Vermutung allerdings zu bestätigen. Allerdings spielt das am Ende sowieso keine Rolle. Musik kennt glücklicherweise kein Alter. Hardline stehen an diesem Abend jedoch nicht bloss für Tempo. Emotionale Momente sind ebenfalls Teil der Show. Beim Song «In The Hands Of Time» kommen Dank einer rührenden Anekdote von Johnny über seinen Vater bei einigen die Taschentücher zum Einsatz. Eine geniale Ballade – wow!

Weitere Über-Hymnen am heutigen Abend sind beispielsweise «Fever Dreams» von der 2012er-Scheibe «Danger Zone» und «I’ll Be There» vom Hardline-Debüt «Double Eclipse». Von Beginn weg herrscht in der Halle eine ausgezeichnete Stimmung. Und das Publikum zieht diese bis zum Ende durch. Untermauert wird der Auftritt der Amis durch eine wunderschöne Scheinwerfer-Show. Kurz vor elf ist dann finito. Johnny bedankt sich abermals bei den Fans und verlässt danach unter tosendem Applaus die Bühne.

FAZIT

Abermals ein gelungener Konzertabend in Prattelns Metal-Tempel. Die Hard Rock-Götter waren diesem Event sicherlich hold. Ein paar Zuschauer mehr hätte es meinetwegen ruhig geben dürfen. Da haben das schöne Wetter und das Auffahrtswochenende dem Veranstalter wohl einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ansonsten ist allerdings alles reibungslos abgelaufen. 2Bad waren nicht schlecht und Hardline verdienten sich das Prädikat «Überragend». Johnny kehrt ja Mitte Juni mit Axel Rudi Pell zurück in diese Halle. Schade, dass ich dann ein letztes Mal mit der Landesverteidigung beschäftigt sein werde.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – 2Bad

  1. Waiting For The Night
  2. September
  3. Man On The Silver Mountain (Rainbow-Cover)
  4. Live Wire
  5. Traces In The Sand
  6. Wasted
  7. Aiming High
  8. Natural Groove

Setliste – Hardline

  1. Where Will We Go From Here
  2. Takin‘ Me Down
  3. Dr. Love
  4. Human Nature
  5. Take You Home
  6. Trapped In Muddy Waters
  7. Life’s A Bitch
  8. Fever Dreams
  9. In The Hands Of Time
  10. Everything
  11. Hot Cherie
  12. I’ll Be There*
  13. Rhythm From A Red Car*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

01.06.2017
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