Eleven Rock - Evergrey - Z7 Pratteln 2017 (Flyer)
Fr, 29. September 2017

Eleven Rock Festival 2017 – Evergrey, Noveria, Influence X, Silent Circus, Divus

Z7 (Pratteln, CH)
10.10.2017
Eleven Rock - Evergrey - Z7 Pratteln 2017 (Flyer)

«Proger haben’s immer etwas mit der Länge» 

Die diesjährige Ausgabe des Eleven Rock-Festivals fand erstmals im Schweizer Metal-Mekka Z7 statt. Zwei internationale und gleich drei Schweizer Bands rockten die grosse Bühne der Konzertfabrik. Meinen Senf zu den Ereignissen des Abends könnt ihr wie gewohnt im nachfolgenden Review nachlesen. 

Der «duttische» Konzertmarathon geht weiter! Dieses Mal führt mich meine Reise wieder einmal in den Kanton Baselland. Her gelotst haben mich die Schweden von Evergrey. Schuld daran ist deren bärenstarker Auftritt im vergangenen Oktober als Support-Act von Delain. Ob die Herrschaften heute Abend genauso abräumen werden? Vervollständigt wird das attraktive Programm durch die Truppen Noveria, Silent Circus, Divus und Influence X. Letztgenannte sind mir bereits ein Begriff. Bei den anderen Kandidaten steht allerdings wieder einmal eine persönliche Horizonterweiterung auf dem Programm.

Kurz vor 18 Uhr stehe ich schliesslich am Halleneingang. Nichts wie hinein in die gute Stube. Sieht offenbar nach einer Veranstaltung im «3/4 Z7» aus. Lediglich auf der linken Seite der Halle ist ein kleiner Teil abgesperrt. Bass-Lady Joey Roxx (Mystic Prophecy) stiefelt ebenfalls durch die Gegend. Grundsätzlich ist es alles andere als unüblich, dass man sich im Schweizer Metal-Tempel Nummer eins oftmals an Begegnungen mit der lokalen Rock-Prominenz erfreuen darf. Doch viel mehr Zeit für weitere Beobachtungen bleibt nicht. Gleich nimmt die erste Gruppe ihren Auftritt in Angriff.

DIVUS

Punkt 18 Uhr geht’s los. Die Solothurner Prog-Rocker Divus halten den Zeitplan somit korrekt ein. Bereits der erste Song scheint ein ziemlich langer Brocken zu sein. Gemäss Angaben der Band ist «Pulse» noch unveröffentlicht und somit eine zu bestaunende Rarität dieser Show. Und das Mikro? Kommt dieses irgendwann einmal noch zum Einsatz? Da scheint Gitarrist Sahin Aaron offenbar meine Gedanken gelesen zu haben. «Wir sind eine reine Instrumental-Band», teilt er dem Publikum mit und nutzt die Gunst der Stunde auch gleich zur Vorstellung seiner Mitmusiker.

Die vier Jungs scheinen ihren Gig voll und ganz zu geniessen. So sieht echte Spielfreude aus. Vor dem Track «Hades» benötigt Drummer Simon Rouge etwas lange für die Vorbereitungen. Prompt entschuldigt er sich mit einem lauten «sorry» und anschliessend müssen alle lachen. Trotz fehlendem Gesang schafft es das Quartett, die Zuhörerschaft mit einlullenden Melodien in Trance zu versetzen. Divus-Songs stecken voller Prog-Elemente. Empfehlenswert ist die ganze Geschichte allemal.

Setliste – Divus

  1. Intro
  2. Pulse
  3. Anima
  4. Hades

SILENT CIRCUS

Der vermeintlich ruhige Zirkus aus Neuenhof ist als nächstes an der Reihe. Zwei Raubkatzen und einen Elefanten haben sie in Form von Bannern zumindest schon einmal mitgebracht. Na dann, Manege frei! Und die Jungs geben Vollgas. Rauchsäulen als zusätzliche Show-Elemente verzücken die Fans vor der Bühne. Sänger Pit ist mit einem beachtenswerten Stimmenspektrum gesegnet. Seine Mikrofon-Aktivitäten erstrecken sich von klarem Gesang bis beinahe ansatzweise hin zu Brutal Death Metal-Gebrüll. Coole Sache! Der Sound ist stellenweise bloss wenige Millimeter von der idealen Abmisch-Linie entfernt. Die  Aargauer sind nicht aufzuhalten. Wir kriegen sogar zum ersten und wohl auch gleich letzten Mal am heutigen Abend ein paar Breakdowns auf die Lauscher geknallt. Gitarrist Cede entpuppt sich als Meister des Grimassenschneidens.

Gegen Ende des Sets ist dann nochmals das Publikum gefordert. Silent Circus starten das Experiment «Wall Of Death». Dieses misslingt jedoch kläglich, da die heute anwesende Zuhörerschaft in diesen Dingen offenbar nicht wirklich sattelfest wirkt. Die Modern Metaller nehmen es allerdings mit Humor. Potenzial für einen Z7-Abriss hätte die Truppe definitiv. Die Wände der Konzertfabrik zittern jedenfalls ordentlich.

Setliste – Silent Circus

  1. Burning Down
  2. My Return
  3. Affection
  4. Save Myself
  5. Breathing
  6. Inner Voice
  7. Once Again

INFLUENCE X

Dem nächsten Act bin ich im vergangenen Oktober im Hall Of Fame zum ersten Mal begegnet. Damals waren die Schwyzer Anheizer für Almanac und konnten mich nicht so wirklich vom Hocker reissen. Aber vielleicht kommt bei diesem zweiten Treffen ja alles anders?

Sänger Ramin Daenzer – ein Schrank von einem Mann – kündigt an, dass es heute eine kleine Reise durch die Diskografie der Truppe geben werde. Kurz darauf liefert er dann DIE Aussage des Abends: «Proger haben’s immer etwas mit der Länge». Doch dann fügt Ramin sofort an, dass sie im heutigen Set doch eher auf die kürzeren Nummern setzen werden. Die ganz grossen Brocken gäbe es auf den Alben, welche man hinten am Merchandise-Stand für ein kleines Entgelt erwerben könne. Ja so kann man die Werbetrommel auch rühren.

Im Vergleich zu den vorherigen Truppen schicken Influence X eine neue Waffe ins Rennen: Vito Staedler und sein Tasteninstrument. Heute wirkt das Dargebotene irgendwie viel überzeugender als noch im vergangenen Oktober. Die Prog-Melodien sitzen und der Mann am Mikro vermag dank seines mächtigen Stimmorgans zu überzeugen. Aufgrund der regelmässigen Rhythmuswechsel falle ich beim headbangen häufig aus dem Takt und komme mir dann vor wie der letzte Depp. Allerdings bin ich nicht der einzige mit diesem Problem.

NOVERIA

Damit wäre der Schweizer-Teil des Konzertabends zu Ende. Nun übernehmen die beiden internationalen Bands das Kommando. Den Anfang machen Noveria aus bella Italia. Das Land von Pasta und Pizza hat auch im metallischen Bereich immer wieder lohnenswerte Geschichten zu bieten. Bereits nach den ersten Tönen stellen die Römer eindrücklich klar, dass diese Aussage auch auf sie zutrifft. Der Fünfer legt los wie die Feuerwehr. Zu hören gibt’s eine gelungene Mischung aus Power und Progressive Metal. Die Italiener legen bis jetzt ganz klar das höchste Tempo an den Tag.

Ich amüsiere mich prächtig über das Jack Nicholson-Shirt von Frontmann Francesco Corigliano. Filmfreunden dürfte die «Here’s Johnny»-Fratze aus dem Streifen «Shining» bestens bekannt sein. Beim Song «When Everything Falls» erhalten die Jungs dann sogar noch Unterstützung von einer Dame. Dabei handelt es sich um die finnische Sängerin Kate Nord. Sie lebt in Italien und arbeitet gelegentlich auch an den Noveria-Liedtexten mit. Ihr Duett mit Francesco kann sich definitiv hören lassen. Die Ballade dient Publikum zudem als kurze Verschnaufpause. Diese Römer würde ich mir definitiv jederzeit wieder einmal ansehen beziehungsweise anhören.

Setliste – Noveria

  1. Intro (Lost)
  2. Shock
  3. Denial
  4. Utopia
  5. Downfall
  6. When Everything Falls (feat. Kate Nord)
  7. Regrets
  8. Whole
  9. Archangel
  10. Outro (Isolate)

EVERGREY

Inzwischen ist es 22 Uhr. Höchste Eisenbahn also für den Headliner. Schliesslich bin ich ja erst wegen der Schweden auf diese Ausgabe des Eleven Rock-Festivals aufmerksam geworden. Aufgrund erster Müdigkeitserscheinungen spiele ich mit dem Gedanken bereits mit dem 22.46-Zug zu verduften. Tom S. Englund und seine Kollegen machen dieses Vorhaben allerdings bereits mit dem ersten Song ihres Sets zunichte. Das ist nochmals eine ganz andere Liga. Da können die anderen Bands den Schweden einfach nicht das Wasser reichen.

Inzwischen hat sich doch noch eine kleine Menschentraube vor der Bühne versammelt. Trotzdem sind wir nach wie vor meilenweit vom Sold Out-Status entfernt. Das bringt die routinierten Evergrey jedoch überhaupt nicht aus dem Konzept. Sie servieren der Zuhörerschaft ein hübsches Song-Paket und berücksichtigen dabei eine Vielzahl ihrer bisher veröffentlichten Platten. Atemberaubend ist zweifelsohne der überragende Gesang von Frontmann Tom. Henrik Danhage sorgt mit seinen wilden Gitarren-Soli ebenfalls für ordentlich Furore. Tastenklimperer Rikard Zander erblicke ich erst, als ich meinen geliebten Pfosten kurzzeitig verlasse und die ganze Sache von der Mitte des Raums weiter beobachte. Dank Unterstützung von geschicktem Scheinwerfereinsatz und epischen Melodien erzeugt die Truppe eine Killer-Atmosphäre. Die Mischung zwischen Tempo-Nummern und gefühlvollen Balladen passt bestens. Das schwedische Städtchen Göteborg ist und bleibt einfach ein wahrer Quell für hervorragende Metal-Bands.

Den Zugaben-Block eröffnet Jonas Ekdahl mit einem netten Drum-Solo. Die Dark Melodic Metaller mobilisieren nochmals ihre letzten Kräfte. Das ist eine echte Machtdemonstration des Headliners. Der letzte Song des Abends – «King Of Erros» will beinahe gar nie mehr enden. Ein würdiger Abschluss für ein rundum gelungenes Eleven Rock-Festival.

FAZIT

Die Schweden von Evergrey waren schlichtweg überragend und überstrahlten am Ende alles. Aber auch unsere Schweizer Bands boten heute Abend sehr ansprechende Leistungen. Der Zeitplan wurde von A bis Z sauber eingehalten. Soundtechnisch gab’s kaum Entgleisungen zu beklagen. Einzig die Scheinwerferauswahl dürfte den Fotografen gelegentlich das Leben erschwert haben. Rote und blaue Lichttöne sind die Erzfeinde jeder Linse. Und ein paar Zuschauer mehr hätten sicherlich auch nicht geschadet. Ich bin jetzt schon tierisch gespannt auf die nächste Auflage des Eleven Rock-Festivals.

Cheers

Dutti \m/


Wie fandet ihr das Festival?

10.10.2017
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Autor Bewertung: 8/10