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SpiteFuel - Second To None (CD Cover Artwork)
Fr, 5. Januar 2018

SpiteFuel – Interview mit mehr oder weniger ganzer Band

Heavy Metal, Melodic Metal
24.01.2018
SpiteFuel - Second To None (CD Cover Artwork)

Am Ice Rock Festival bekommen immer wieder auch jüngere und unbekanntere Bands die Möglichkeit, sich zu präsentieren. Eine Truppe, die (noch!) nicht auf jedermanns Radar steht, sind die Heilbronner SpiteFuel. Vor gerade mal eineinhalb Jahren gegründet, steht in Kürze bereits die Veröffentlichung des zweiten Longplayers auf dem Terminplan!

Doch zuerst ist der erste Gig in der Schweiz fällig – stilecht beim ersten Festival des neuen Jahres! Wie sie sich geschlagen haben, könnt ihr in Dutti’s ausführlichem Bericht nachlesen. Ein paar Stunden vor der Show habe ich mich mit Frontmann und Sympathikus Stefan Zörner und mit dem Schweizer Bassist Matthias Lüönd zu einem ausführlichen Plausch (in schwäbisch und schwiizerdütsch) getroffen. Doch auch die beiden Gitarristen Timo Pflüger (mit Ehefrau Marion) und Tobias Eurich, Drummer Björn Hessenmüller sowie Manager und Plattenfirma-Vertreter Markus Rösner hocken daneben und geben ab und zu ihre durchaus interessanten Inputs dazu. Dass dabei ein ganzer Stapel dummer Sprüche und viel Gelächter dazu gehört, erklärt sich von selbst. Let the fun begin – liebe Leser: Hier sind SpiteFuel!

Metalinside (Kaufi): Fangen wir am Anfang an. Ihr seid aus Strangelet entstanden. Zumindest zwei von euch haben ja diese Vergangenheit. Aber speziell du, Stefan: Du siehst altersmässig auch bereits die 5 am Horizont.

Stefan Zörner (SZ): Ganz langsam!

MI: Ja, etwas langsamer als ich… Aber was habt ihr vorher gemacht? Also zumindest ich kenne Strangelet überhaupt nicht. Gibt’s irgendwas, was man kennen sollte / müsste?

SZ: Ich selber hab die ersten zwei Lanfear CD’s eingesungen, eine Prog-Metal Band, sozusagen. Die erste Platte 1996, die zweite dann ’99. Dann hab ich noch eine Solo-CD gemacht, 2002, die mehr so Classic Rock war. Und dann hab ich erstmal gesagt „Alles Scheisse“ und hab’s gelassen mit der Musik, war dann tatsächlich nur im Obdachlosenwesen der Stadtverwaltung unterwegs. Bis zu dem Zeitpunkt, als ein paar Jungspunde und ich zusammen kamen. Über Tinder. (Lautes Gelächter) Also so ähnlich wie Tinder, die haben einen Sänger gesucht. Da bin ich hin, vor allem der Gitarrist dieser Band hat echt Potenzial – zufälligerweise sitzt der grad da – und so bin ich da eingestiegen. Das führte dann zu Strangelet. Und jetzt kannst du übernehmen…

Tobias Eurich (TE): Allzu viel gab’s bei mir nicht vorher. Strangelet wurden 2009 gegründet, da war ich grad mal 18 oder 17… Viel ist vorher nicht passiert, ich bin nicht so vom alten Eisen (lacht). Also seither Stranglet und jetzt SpiteFuel – mal schauen, wo das noch hinführt! Timo hat da wohl mehr zu sagen, was frühere Bands angeht…

MI: Gehörst Du zum alten Eisen?

Timo Pflüger (TP): Also die 4 hab ich auch schon vorne (grinst). Ich werd 43 dieses Jahr. Meine erste Band hatte ich bereits 1990, das war eine ganz schlechte Metallica Coverband.

Matthias Lüönd (ML): (flüstert) Da gab’s mich noch gar nicht… (lautes Gelächter)

TP: Also die erste ernsthafte Band war also eine Coverband. Danach hab ich acht Jahre in einer regionalen Heavy Metal Band gespielt, die hiess Tales of Twilight. Nach deren Auflösung – jetzt kommt er ins Spiel (zeigt auf Drummer Björn) – haben wir dann Devil’s Darling gegründet.

Björn Hessenmüller (BH): 2007 war das.

SZ: Der Schluss von Devil’s Darling und Strangelet war dann quasi die Geburtsstunde von SpiteFuel.

MI: Und wie kommt ein Schweizer in die Band? (Gelächter)

SZ: Das fragen wir uns auch! (lautes Gelächter)

ML: (redet Mundart) Purer Zufall. Ich bin also eigentlich Schweizer, habe immer in Basel gewohnt und war da aktiv. Basel hat ja eine grosse Bandszene. Da war ich mehr bei so Underground Zeugs dabei, Grunge, Alternative. Irgendwann bin ich für das Studium nach Deutschland. Da bin ich zufällig an den Markus geraten, als ich eine Band suchte. Die Heilbronner Szene ist jetzt nicht so riesig, es ist schwierig etwas anständiges zu finden, bei dem man sagt: „Doch, da mach ich mit!“. (Lautes Gelächter)

BH: Einmal im Proberaum gewesen – joa, da mach ich mal mit! (Gelächter)

ML: Markus sagte da, dass er aktuell nichts hat. So drei Monate später klingelt das Telefon. Ich hab doch keinen Plan mehr, hab das völlig vergessen. Markus meinte, dass da eine Band jemanden suche, komm mal auf einen Kaffee vorbei.

MI: Kaffee??

ML: Ja, Kaffee! Mit nichts drin! Das war rein sachlich, wir sind bei uns im Garten gesessen und bis zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht mal, um welche Band es sich handelt! (schallendes Gelächter) Irgendwann hatten wir die erste Probe und es hat einfach gepasst. Etwa einen Monat später war schon der erste Gig und seither läuft das, ist super!

SZ: Das war nicht mal ein ganzer Monat!

TE: Das waren vier Proben oder so.

Markus Rösner (MR): Da ist ein D-Zug vorbeigefahren und er ist aufgesprungen. (Gelächter)

MI: Ihr seid ja jetzt noch eine junge, neue und kleine Band. Lebensunterhalt – ich gehe davon aus, dass ihr alle noch irgendwelche Jobs habt und die Band als Hobby gilt. Aber wie viel wollt ihr in die Band investieren, den Fokus mehr darauf richten und weg von einem „normalen“ Job?

ML: Wenn der Moment da wäre, dass man sagen kann „Ich kann eine Familie ernähren von der Band“, dann würde keiner Nein dazu sagen. Das ist unser Leben, das ist das was wir gerne machen und lieben. Nein sagen würde niemand, aber heutzutage… Du kennst die Szene ja selbst! Von daher… Es ist einfach ein grosses Hobby.

MI: Mit diesem Hobby ergibt sich ja aber vielleicht auch mal die Möglichkeit, als Support einer grösseren Band – ich sag jetzt einfach mal HammerFall, oder etwas in dieser Grössenordnung – einen, zwei Monate auf Tour zu gehen…

TP: (mischt sich ein) Ich liebe HammerFall! (Gelächter)

ML: Wenn es die Situation zulässt, einfach mal zu sagen „Ich bin dann mal zwei Monate weg“ – kein Thema, da sagt niemand Nein!

MI: Klar. Aber wie schwierig wäre es?

ML: Ja gut, für mich als Student ist es einfach. Ich bin einfach mal ein Semester nicht da. Das dauert dann halt ein Semester länger, aber da kräht kein Hahn danach.

SZ: Weisst du Kaufi, ich find die Fragestellung falsch. Es ist nicht wie schwierig, sondern wie REALISTISCH wäre es! Du hast es schon ganz richtig reflektiert, für uns ist das mehr ein Hobby. Jeder der hier sitzt weiss, dass die Reise, die wir grad zusammen machen in Prinzip wahnsinnig ist. Wir haben in dieser kurzen Zeit schon so verdammt viel erlebt – das sag ich auch mit etwas Stolz – verdammt viel erreicht. Aber man ist auch Realist. Man hat den Kühlschrank, den man füllen muss, man muss die Rente bezahlen. Und das sag ich jetzt als Mit-Vierziger: Da denkst du schon zweimal drüber nach. Als Jungspund hätte ich gesagt „Scheiss der Hund drauf, klar, wir gehen auf Tour!“. Egal, was danach ist. Mittlerweile sieht man das schon realistischer und fragt „Lohnt sich die Tour?“ „Lohnt sich der Stress?“ Das hat nichts mit Herzblut zu tun! Ich glaube, jeder von uns würde darauf brennen, so etwas zu erleben! Aber wir kennen im Umfeld selber so viele Musiker oder Bands, die – ich sag’s jetzt mal so ehrlich – gefickt wurden von der Industrie, oder ausgesaugt. Danach kannsch zum Jobcenter gehen und Unterstützung beantragen… Ich glaub schon, dass wir da zu realistisch sind um zu sagen „Wir machen jetzt einfach alles ins Blaue hinaus, was uns angeboten wird“. Da haben wir aber zum Glück auch unseren Markus von unserem Label. Ein alter Hase und Realist, der uns dann auch sagt „Jungs, dies und das ist realistisch, anderes ist vielleicht eher ein Wunschtraum“. Dafür bin auch nach wie vor extrem dankbar. Ich glaub, wir wären sonst schon in die eine oder andere Falle reingetrappt.

MR: Bestimmt sogar! (Gelächter)

MI: Selbstschutz!

SZ: Ja, Selbstschutz, tatsächlich!

ML: Du kannst easy sagen, du knallst jetzt das Mörderalbum raus, es läuft wie Sau, machst lange Tour daraus – doch was ist danach? Es ist nicht damit getan, dass du fünf Jahre – oder auch nur ein Jahr vorne bist. In der Zeitspanne von einem Jahr kannst du schon sagen „Top oder Flop“. Von heute auf Morgen kann das volle Kanne auf Null retour gehen.

MI: Und umgekehrt.

ML: Genau. Und da ist es so, wenn du eine gewisse Verantwortung hast, sobald du regelmässige Ausgaben hast, die gedeckt werden müssen… Es ist ein Risiko!

MI: Gut – dann stelle ich die Frage: Welche ZIELE habt ihr denn mit der Band? (Allgemeines Gemurmel)

SZ: So viel wie möglich und – jetzt kommt wieder der schwäbische Masterplan: So LANGE wie möglich! Da unterscheiden wir uns wohl von manch anderen Bands.

BH: Das was halt kommt, ist alles… (überlegt) Wenn du das jetzt nur als Hobby machst und es hat Erfolg, dann nimmst du den Erfolg, so wie er kommt. Dann willst du das nicht auf Biegen und Brechen machen.

SZ: Wir machen das auch nicht um des Erfolgs Willen. Wir machen das aus Spass! Wir haben hier die Zeit unseres Lebens seit eineinhalb Jahren, wenn wir realistisch sind. Klar rumpelt es auch mal, klar findet man mal alles Scheisse. Aber im Grunde genommen – ich kann zwar nur für mich sprechen – aber aus tiefstem Herzen: Dies ist die Zeit meines Lebens!

MI: Irgendwie erinnert ihr mich mit dieser Einstellung an Brainstorm. Von den Qualitäten her müssten die riesig sein, aber die spielen manchmal vor 200, 300 Leuten – und das scheint für sie zu passen.

SZ: Wenn die 200, 300 Leute austicken – was willst du als Musiker mehr?

BH: Wenn du mal die Möglichkeit hast, vor ein paar tausend Leuten zu spielen, ist das schön. Wenn’s halt nicht so weit kommt, und du hast dafür drei, vier kleinere Clubshows, die supergut besucht sind und die Leute feiern, dann ist das genauso gut!

ML: Man darf sich auch nicht hinstellen und sagen, ich will wie am Abend vorher vor tausend Leuten spielen. „Heute nur 100 Leute im Publikum? Oh, ich hab da keinen Bock..:“ Diese hundert Leute haben genau gleichviel Eintritt bezahlt wie die Tausend am Vorabend!

SZ: Letzte Woche, also am Samstag, haben wir unsere Jahresabschlussshow gespielt in Heilbronn, also ein Heimspiel, in einem winzigen Club – vor 160 völlig durchdrehenden Menschen! Danach hab ich gedacht: Was soll sowas toppen, rein vom Gefühl her?

MR: Diesen Club gibt’s schon 30 Jahre, da haben auch schon Bands wie Skyclad gespielt…

SZ: … und ich glaub, wir waren die ersten, die da ausverkauft haben!

ML: Das war RICHTIG voll!

BH: Was heisst „ausverkauft“? Es war übervoll! (Gelächter) (Dreht sich um zu Markus) Wie viele Tickets hast Du machen lassen? 150? Und dann waren‘s über 160…

SZ: Erfolg lässt sich meines Erachtens nicht nur an kommerziellem Erfolg messen. Sonst würden wir so ein Baukastenmetal-Scheiss machen, davon gibt’s viel zu viele.

TE: Erfolg ist, wenn du die Shows spielen kannst, auf die du Bock hast und solange es Spass macht.

MR: Das Schöne ist: Man kommt in die Schweiz und weiss, da sind Leute da, die uns schon ein paar mal gesehen haben, die freuen sich auf die Band. Das ist einfach ein unbezahlbarer Moment. Da siehst du irgendwo Leute mit den Bandshirts…

MI: Ja, hier ist auch ein Fan aus Norwegen am Start! Ihr kennt die?

TE: Wir haben auch Fans in Japan!

SZ: Dafür gibt’s ein Wort: Demut! Ich bin da demütig, ohne Ende! Dass es Menschen gibt…

BH: … die aus Oslo herfahren…

SZ: … die uns so lieben, dass sie auch regelmässigen Kontakt halten. Dann hab ich doch was richtig gemacht. Wir haben Leute, die kommen zu jeder fuckin‘ Show! Egal, in welchem Loch wir spielen: Die Jungs sind da! Wir haben das grosse Glück, dass wir irgendwie eine Fanbindung haben. (Schaut zu Markus) Wie heisst’s oft bei dir? Die Rocksterne zum Anfassen. Das nehme ich durchaus als Kompliment. Die Leute freuen sich, die wollen dich drücken, die wollen mit dir sprechen – und wir nehmen das halt auch an. Wir sind halt auch extrem dankbar, dass die Leute da sind!

MI: Wir haben’s angesprochen – die Band gibt’s seit etwa eineinhalb Jahren. Ist das jetzt nur mein Eindruck, weil ich SpiteFuel seit dem Ranch Festival auf dem Radar habe, oder habt ihr im letzten Jahr eine unheimliche Medienpräsenz gehabt? (Markus und die anderen grinsen und lachen bereits) Markus lacht schon! Also ich hab das Gefühl, hier steckt eine ziemliche Portion Marketing dahinter! Was nicht per se schlecht ist…

MR: Irgendwie kam eins zum anderen. Klar ist Marketing wichtig. Aber den Erfolg kannst du dir nicht erkaufen. (überlegt) Das Marketing war wichtig, um auf SpiteFuel aufmerksam zu machen. Aber die Medienpräsenz, die du ansprichst, das ist einfach darum, weil die Leute auf die Band abfahren. Auch Festivals wie Metal Crash und so weiter gaben Medienpräsenz. Diese eher kleinen Indoor Events, da ist immer Präsenz da. Bei einem grossen Festival wie Wacken oder Bang Your Head: Wenn da der Name auf dem Plakat stehen würde, würde das nicht so auffallen. Aber diese kleinen Events sind halt komprimierter, weniger Bands sind da. Dann sieht man den Namen regelmässig und fragt sich, was ist das für eine Band.

SZ: Und ich bin 18 Stunden am Tag im Facebook! (schallendes Gelächter) Es steckt auch viel Arbeit dahinter, aber das macht man auch gerne! Es gehört zum Job dazu.

Marion Pflüger (MP): Die Fans freuen sich halt auch immer, wenn sie informiert werden.

SZ: Ich verstehe die Bands auch nicht die sagen „ich bin der Musiker X von der Band Y und ich mach dreimal im Jahr einen Post“ und sich danach wundern, dass auf den Konzerten nix los ist.

MP: Wir merken das ja im Facebook ganz deutlich. Heute auf der Fahrt haben wir schnell ein Video gemacht – „wir fahren jetzt zum Ice Rock!“ Kaum ist das drin gewesen, merkt man schon, die haben das mitgekriegt, dann schauen sie nach, ob sonst was gepostet worden ist und es wird angenommen! Das sind halt die Fans, die uns folgen und schauen, was wir machen…

MR: Die Fans sehen die Band manchmal fast irgendwie als Ersatzfamilie an. Und das beinhaltet dann auch Marion oder mich, nicht nur die Musiker alleine. Wir gehören alle dazu…

SZ: … eine grosse Family! Funktioniert aber nur, weil eben auch Freundinnen und Ehefrauen auch mitspielen. Um Deine Frage von vorhin nochmals aufzugreifen: Mein Schatz weiss zum Beispiel, dass meine Band die Nummer eins ist. So komisch das klingt vom Herzen her – aber ich würd alles für meine Musik tun. Überzeugungstäter – wir sind alle Überzeugungstäter und alle ziehen mit. Die grosse Spite-Family! Ich glaube, nur deswegen können wir diese irre Reise überhaupt nur angehen, das Tempo, das wir im Moment fahren…

MI: Reden wir mal über Musik! Wo seht ihr eigentlich die Einflüsse bei Euch? (zu Timo) Lynch Mob, ich weiss! (Gelächter) Ernsthaft: Euer Debut Album lässt sich nicht einordnen in dem Sinne dass man sagen könnte, es tönt wie diese oder jene Band.

BH: Wir stechen glaube ich dadurch heraus, dass wir so viele verschiedene Einflüsse haben. Wir haben mit Timo natürlich die Achtziger: Mister Lynch…

SZ: … David Bowie… (alle reden grad durcheinander)

BH: Ich hab glaub den schlimmsten Musikgeschmack… (allgemeine Zustimmung, schallendes Gelächter)

SZ: Er hat normalerweise Busverbot mit seinem iPod! (schallendes Gelächter)

BH: Aber ich höre eigentlich alles. Wenn du sagst, du willst jetzt nur eine Schiene bedienen, dann wird das Album diese Schiene. Dann muss das nächste Album genauso sein. Und das danach muss genauso sein. Wenn du mehr Musikgeschmäcker bedienst – auch wenn dann natürlich welche sagen „äähh, ich hätte gerne mehr Songs wie diesen“ – dann hast du mehr Leute, die du ansprichst und du hast mehr Möglichkeiten, wie dein nächstes Album aussehen könnte. Deine Zielgruppe wird breiter und jeder in der Band kann sich mehr einbringen.

TE: Wir lassen uns nicht limitieren. Wir machen das, worauf wir Bock haben und dadurch dass die Geschmäcker so verschieden sind, kommt diese Vielfalt rein.

ML: Das einzige, was du bei uns musikalisch wirklich auf einem gemeinsamen Nenner bringen kannst, ist dass wir alle gerne harte Musik mit Gitarren haben.

SZ: Metal, auf gut Deutsch!

MI: Iron Maiden….? (allgemeine Zustimmung)

ML: Steve Harris ist ein Gott!

SZ: Ja, aber ansonsten ist es tatsächlich so: Der gemeinsame Nenner ist Metal, im klassischen Sinn.

MI: Umgekehrt ist das euer Vorteil: Ihr müsst keine Kompromisse eingehen. Ihr macht das mit Herzblut, ihr könnt machen was ihr wollt!

ML: Wir sagen nicht umsonst „We are SpiteFuel – Fuck you!“ Wir machen das, auf was wir Bock haben.

BH: Wenn jetzt irgendwelche Leute aufgrund des ersten Albums Erwartungen an das zweite haben und das nicht geliefert bekommen und sagen „das ist aber Scheisse“…

MI: Fuck you!

BH: Genau das wird mit dem zweiten Album passieren! Klar ist es immer noch Musik mit Gitarren (lacht)…

ML: … Du erkennst auch das erste Album darunter, natürlich.

BH: Aber es ist nicht das gleiche…. Sondern mal was anderes.

MI: Also jetzt bin ich WIRKLICH sehr gespannt!

SZ: Nach diesem Album wird keiner mehr etwas erwarten von uns – einfach, weil man es nicht mehr einschätzen kann! Die Fans, die da dabei bleiben, die bleiben dann wirklich dabei. Und genau das war uns so wichtig mit dem zweiten Album. Unser Konzeptalbum. Aus kommerzieller Sicht hätten wir das auch als drittes oder viertes Album machen können.

MI: Oh, das wird ein Konzeptalbum?

SZ: Ja, ein klassisches, ein richtiges Konzeptalbum! Von Anfang, über Songs, über Zwischenteile…

ML: Aber es hat auch diesen SpiteFuel Aspekt: Du kannst die Platte auch als normales Album hören, Track by Track, kein Problem. Wenn du kein Bock auf ein Konzeptalbum hast: Das Album funktioniert trotzdem.

SZ: Es ist unser kleines „Operation: Mindcrime“, wenn du so willst. Es ist ein klassisches Konzeptalbum, aber trotzdem kann auch der Headbanger sagen „Ich zieh mir die harten Songs raus“. Der andere kann von den neuen Sachen, die wir drin haben – klassische Instrumente, Gastsängerin oder klassisches Piano – dann sagen „ist geil“!

MI: Ihr macht es echt spannend! Wann kommt das Ding??

SZ: 27. April! Wir haben konsequenterweise auch mit zwei Produzenten in zwei Studios aufgenommen.

BH: Wenn schon, denn schon! (Gelächter)

MI: Da taucht bei mir jetzt aber doch die Frage auf nach der Finanzierung…? Schmeisst ihr da all eure Kohle rein?

SZ: Was glaubst du, wie wund mein Arsch mittlerweile ist?? (schallendes Gelächter)

BH: Damit wäre diese Frage auch beantwortet!

SZ: Es gibt zwei Aspekte. Klar hat die Band auch aus eigener Tasche was gemacht. Aber die Plattenfirma hat ein unerschütterliches Vertrauen in die Band, das kann man so sagen. Markus hat uns grünes Licht gegeben und gesagt: „macht!“ Wir können auch da mehr als nur dankbar sein. Wir haben fürs zweite Album auch schon Angebote von anderen Labels bekommen, aber wir haben gesagt „Nein, wir sind bei MDD!“

ML: Markus ist unser sechstes Bandmitglied!

SZ: Guck mal, er steht jetzt auch wieder dabei! Er war mit einer einzigen Ausnahme auf jedem fuckin‘ Konzert dabei! Diese Bindung… Nicht selbstverständlich! Und er hat dann gesagt „macht“ – und ja…

MR: Das war anders! Ich hab im Sommer gesagt „Neues Album“ und die so „ach, ich weiss nicht… Studium, Job…“. Und dieses Jahr geht’s ins Studio! (Gelächter)

MP: Ich weiss noch, als sie das erste Album gemacht haben, haben sie gesagt „nächstes Jahr machen wir keins“. (Gelächter) Das zweite ist jetzt fertig und jetzt heisst es auch wieder „nächstes Jahr wird aber keins gemacht!“

MI: Aber hallo? Das ist der 80er Spirit jetzt! (Gelächter)

SZ: Weisst Du Kaufi, genau das meine ich mit diesem D-Zug. Wir geben jetzt alles und stecken auch private Sachen zurück, wir stecken vieles zurück um zu sagen „Jetzt oder nie!“ Wir selber haben ja keine Ahnung, wo die Reise hingeht.

MR: Wir müssen jetzt an den Anfang zurückgehen. Dieser Moment „wir wissen nicht, was wir machen sollen, Strangelet gibt’s nicht mehr – was machen wir?“

SZ: Das war Ostern 2016.

MR: Innerhalb drei Wochen ging’s ins Studio für die Aufnahmen der ersten Single! Und seither geht’s nur noch Bam! Bam! Bam!

ML: Also wenn man es genau sehen will: Seit ich dabei bin! (Schallendes Gelächter) Seit März letztes Jahr. Wenn man es genau nimmt, war ich glaub jedes zweite Wochenende unterwegs auf einem Gig. Was gibt’s als Musiker geileres, als irgendwo zu spielen? Und das funktioniert halt nur deshalb, weil wir alle Bock darauf haben.

SZ: Und klar kriegsch da den Neid. Bei uns zuhause. Da heisst es „uh, uns gibt’s schon seit 18 Jahren, bei uns läuft nichts! Und ihr in eineinhalb Jahren – bei euch läuft alles!“ Und? Ist das jetzt unser Problem? Warum gibt’s euch schon seit 18 Jahren und es geht nichts?

MI: Den Neid musst du dir verdienen…

SZ: Genau, danke Kaufi!

ML: Wer Neider hat, macht was richtig.

SZ: Und wer uns kennt: Wir sind vieles, aber wir sind bestimmt keine arroganten Arschgeigen! Und trotzdem wirsch langsam aber sicher in diese Ecke gestellt. Kurios… Selbst diesen fuckin‘ Neid, auf den wir gar keinen Bock haben – aber selbst den haben wir uns erarbeitet!

MI: Mich würde noch interessieren: Was macht eine gute Band aus? Ist es Image, ist es Musik? Gut, wahrscheinlich ist es die Kombination davon. Aber was braucht es, damit du sagst „DAS ist eine geile Band?“

ML: In erster Linie muss ich da auf ein Konzert gehen können und ich muss merken, dass die das geil finden, was sie da machen. Klar, es braucht auch spielerisches Können, damit es auch soundmässig richtig rüberkommt. Grundsätzlich muss einfach erstmal die Stimmung passen. Danach ist’s mir egal, ob und in welchem Magazin die drinstehen. Wenn sie mir gefallen haben an einem Konzert, selbst wenn sie nur die Vorgruppe waren, dann find ich das geil und ich kauf mir ein T-Shirt oder eine CD. Für mich ist das Live Feeling das wichtigste, der Rest ist dann fast Nebensache.

MR: Grosse Rockstars auf der Bühne. Danach die Freunde, mit denen du abhängen kannst! Sowohl als Besucher als auch als Musiker. Nicht nur Rockstars auf der Bühne, und danach siehst du sie nicht mehr, weil sie arrogant und die Fans ihnen egal sind. Man kann das gar nicht in Worte fassen, wie dankbar man sein kann, solche Leute im Umfeld zu haben.

ML: Wir haben mittlerweile auch Leute, bei denen man sich fragt „wer denkst du, was wir sind, nur weil wir auf der Bühne stehen?“ Wir leben ja von den Leuten, die da kommen und wir machen das, was wir geil finden. Ich bin für jeden dankbar der kommt und ich finde nicht, dass ich deswegen jetzt etwas Besseres bin.  Ich kann mein Instrument spielen und ich hab das Glück gehabt, dass ich mit den richtigen Leuten zusammengekommen bin. (Lächelt) Und das gilt wohl für uns alle so!

MI: Jungs, ganz herzlichen Dank für das Gespräch, hat riesig den Plausch gemacht!

24.01.2018
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