Metalinside.ch - Trivium - Komplex 457 Zürich 2018 - Foto Vedi
Mi, 4. April 2018

Trivium, Power Trip, Venom Prison

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 16.04.2018

Dreifache Beschallung der Komplex-Wände 

Trivium, Power Trip und Venom Prison – diese drei Truppen bescherten der Zuhörerschaft im Zürcher Komplex einen lauten Mittwochabend. Die Vorgruppen konnten nur phasenweise überzeugen. Wie so oft in dieser Location begab sich die Soundqualität wieder einmal auf Achterbahnfahrt. Alle weiteren Details entnehmt ihr dem nachfolgenden Metalinside-Bericht. 

Vor etwas mehr als einem Jahr gastierten Trivium im Z7. Heute Abend soll nun aber das Publikum aus Zürich und Umgebung zum Handkuss kommen. Deswegen wurde das Komplex als Austragungsort ausgewählt. Allerdings scheint der Vorverkauf nicht überragend gelaufen zu sein, denn der Konzertsaal wird bloss zur Hälfte genutzt. Woran liegt’s? Sind die Amis etwa nach wie vor keine grossen Publikumsmagneten? Oder gehen Herr und Frau Zürcher Mitte der Woche nicht gerne an ein Konzert? Vielleicht spielen auch die doch eher unbekannten Support-Acts eine Rolle. Power Trip und Venom Prison scheinen nämlich den meisten Leuten keine Begriffe zu sein. Da muss zwingend eine musikalische Horizonterweiterung her – auch für den Schreiberling dieses Artikels. Die neue Trivium-Scheibe «The Sin And The Sentence» kam bei den Kritikern überaus gut an. Aufgrund dessen erstaunt es mich schon, dass die Hütte nicht besser besucht ist. Aber eventuell stossen später noch ein paar weitere Nasen dazu. Ich bin nun gespannt auf die Darbietung der ersten Band.

Venom Prison

Meine Fresse, die hat ja ein brutales Stimmorgan! Die Rede ist von Larissa Stupar. Das Mädel ist ein echter Wirbelwind und ganz klar die treibende Kraft im Dienste der britischen Todesmetaller von Venom Prison. Zwischen den einzelnen Stücken brilliert sie zudem mit soliden deutschgesprochenen Ansagen. Leider muss der Fünfer mit einem noch ziemlich passiven Publikum vorliebnehmen. Metalinside-Kollege Vedi hat’s im Fotograben ebenfalls nicht einfach. Die aktuellen Lichtverhältnisse sind aus Sicht der knipsenden Zunft definitiv kein Augenschmaus. In Sachen Soundqualität entwickelt sich die Angelegenheit mit der Zeit unglücklicherweise zu einem ziemlichen «Schepper-Brei». Somit hinterlässt der halbstündige Auftritt eine Zuhörerschaft mit gemischten Gefühlen.

Power Trip

Auch der Sänger der nächsten Gruppe entpuppt sich als Dauer-Energiebündel. Riley Gale hüpft wie ein Irrer auf der Bühne herum. Sein Slayer-Shirt gibt einen deutlichen Hinweis auf den Sound seiner Band. Thrash ist Trumpf. Bei Power Trip wird dieser zusätzlich noch mit ein bisschen Crossover angereichert. Wirklich neu wirkt die ganze Geschichte allerdings nicht. Das hat man alles irgendwie schon einmal gehört. Bester Mann im Team ist eindeutig Leadgitarrist Blake «Rossover» Ibanez, der immer wieder mit seinen starken Soli punkten kann. Da hat jemand sein Spielgerät verflucht gut im Griff. Leider werden Power Trip ebenfalls Opfer des ominösen «Komplex-Fluches». Die Soundqualität verbessert sich erst in der zweiten Auftrittshälfte. Trotz Dresch-Mucke verharren grosse Teile des Publikums im altbekannten Salzsäulen-Modus. Bleibt zu hoffen, dass Trivium etwas Bewegung in die Masse bringen können. Dazu werden sie bald Gelegenheit haben, denn Power Trip räumen nun das Feld und machen Platz für den Headliner des heutigen Abends.

Trivium

Um halb zehn ist es schliesslich so weit; die Metalcore/Thrash Metal-Haudegen Trivium aus dem «Sunshine State» Florida übernehmen das Kommando. Während vor rund einem Jahr im Z7 noch zwei riesige Schädel auf beiden Seiten zu sehen waren, scheinen die Jungs bei der jetzigen Tour ein bisschen sparsamer mit ihren Bühnendekorationen umzugehen. Das gigantische Albumcover-Backdrop von «The Sin And The Sentence» ist trotzdem ein echter Blickfang. Das neue Material will der Zuhörerschaft aber selbstverständlich auch aus musikalischer Sicht präsentiert werden und deshalb legen die Amis gleich mit dem Titel-Track ihres aktuellen Werkes los. Zweifelsohne ein Stück der Marke Trivium: Melodiöse Parts treffen auf Hau-drauf-Teile, Frontmann Matt Heafy variiert gewohnt souverän zwischen klar gesungenen Abschnitten und Screams, Corey Beaulieu lässt seine Saitenkönigin kreischen und Drummer Alex Bent zündet ein fulminantes Double Bass-Feuerwerk. Unglücklicherweise kommt der Schlagmann genau damit im ersten Auftrittsdrittel zu dominant rüber. Als ihn die Herren Tontechniker ein bisschen an die Leine nehmen, wird’s in Sachen Soundqualität sofort besser.

Matt versucht sich nach den ersten paar Nummern kurzzeitig im «Schwiizerdüütsch», flüchtet dann aber schon bald wieder zurück ins Englische. Wie so oft trägt er ein ärmelloses Shirt und dürfte damit insbesondere bei den vielen Mädels in der ersten Reihe Herzchenäuglein hervorrufen. Bestens gelaunt streckt der Frontmann der Masse regelmässig seinen grossen Lecklappen entgegen. Da wandelt jemand durchaus auf den Spuren eines gewissen Gene Simmons. Ich bin davon überzeugt, dass Kollege Vedi davon sicherlich einen – oder mehrere – Schnappschüsse gemacht hat. Glatzkopf-Basser Paolo Gregoletto stolziert beinahe die ganze Zeit durch die Gegend und versucht das Publikum immer wieder zu animieren. Diese Aktionen tragen definitiv Früchte. Beim Refrain von «Until The World Goes Cold» wird beispielsweise wunderschön mitgesungen. Die Herrschaften auf der Bühne sind aber auch überaus engagierte Headbanger – allen voran Corey, der seine Haarpracht jederzeit problemlos in einen wilden Propeller verwandeln kann. Bei den Stücken «Thrown Into The Fire» oder «Strife» ist er kaum mehr zu bremsen.

Neben «The Sin And The Sentence» ist auch die 2011er-Plattte «In Waves» mit vier Songs prominent in der heutigen Setliste vertreten. Der Titel-Track dieses Silberlings bildet dann schliesslich auch den Abschluss der Trivium-Show. Matt fordert die Fans auf, niederzuknien und anschliessend nochmals alles aus sich herauszulassen. Gesagt, getan. Ein durchaus eindrückliches Bild, wenn etliche Leute gleichzeitig in die Luft springen. An Festivals wäre dies sicherlich dankbares Material für eine geile Aufnahme. «In Waves» zählt zurecht zu den besten Hymnen der Band. Ein absolut gelungener Schlusspunkt.

Das Fanzit

Trivium scheinen bei ihren Vorgruppen nicht durchwegs ein glückliches Händchen zu haben. Damals vermochten schon Shvpes und SikTh nicht vollends zu überzeugen. Das sah heute Abend ähnlich aus. Solide Ansätze waren zwar sowohl bei Venom Prison als auch Power Trip vorhanden, aber für hundertprozentige Zufriedenheit reichte das Gezeigte nicht. Trivium waren dagegen stark unterwegs und wurden lediglich von den uns allen bestens bekannten Komplex-Soundproblemen ein bisschen ausgebremst. Schade war auch die Tatsache, dass die ganze Veranstaltung nicht mehr Publikum anlocken konnte. Vielleicht klappt’s ja beim nächsten Mal. Trivium sind schliesslich eine absolut sehen- und hörenswerte Angelegenheit.

Cheers

Dutti \m/

Setliste – Power Trip

  1. Soul Sacrifice
  2. Executioner’s Tax (Swing Of The Axe)
  3. Murderer’s Row
  4. Nightmare Logic
  5. Divine Apprehension
  6. Firing Squad
  7. Manifest Decimation

Setliste – Trivium

  1. The Sin And The Sentence
  2. Throes Of Perdition
  3. Betrayer
  4. Ascendancy
  5. Sever The Hand
  6. Inception Of The End
  7. Until The World Goes Cold
  8. Becoming The Dragon
  9. Thrown Into The Fire
  10. Strife
  11. Caustic Are the Ties That Bind
  12. The Heart From Your Hate
  13. Beyond Oblivion
  14. Shattering The Skies Above*
  15. Pull Harder On The Strings Of Your Martyr*
  16. In Waves*

*Zugabe

Fotos Trivium, Power Trip, Venom Prison vom Komplex 457 (Vedi)


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/ 16.04.2018
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