Iron Maiden - Legacy of the Beast European Tour
Di, 26. Juni 2018

Iron Maiden, Killswitch Engage

Arena (Genève, CH)
08.08.2018
Iron Maiden - Legacy of the Beast European Tour

«Schlichtweg eines der geilsten Konzerte, die ich je gesehen habe!»

Wenn in Genf tausende von Menschen in Maiden Shirts und mit einem Trooper Bier in der Hand das schöne Wetter geniessen, dann steht an diesem Abend etwas Besonderes auf dem Programm. Die entspannte Stimmung hat einen guten Grund: Sie wiederspiegelt die Vorfreude auf den ersten von zwei Auftritten im 2018, welche Iron Maiden auf Schweizer Boden zeigen werden. Eine Vorfreude, welcher garantiert jeder nachvollziehen kann, der selber eine Show der lebenden Legenden miterlebt hat!

2 Jahre nach ihren letzten Auftritten in der Schweiz – damals mit dem letzten Album „Book of Souls“ im Gepäck – stehen nun wieder „Best-Of“-Konzerte auf dem Programm der legendären Rocker. Die „Legacy of the Beast“ Tour soll selbst hartgesottenen Fans die eine oder andere Überraschung bieten – und gleichzeitig mit bewährten Mitteln für einen unvergesslichen Abend sorgen. Ich freue mich aber an diesem Abend auch auf die Location: Die Geneva Arena, direkt am Genfer Flughafen gelegen, habe ich in bester Erinnerung. Die Halle bietet gerade mal 9’500 Zuschauern Platz und verfügt über einen relativ kleinen Innenraum: In einem solch intimen Rahmen sieht man Iron Maiden auch nicht alle Tage!

Killswitch Engage

Und bereits beim Auftritt der Vorband füllt sich die Arena. Während vor der Halle die letzten verfügbaren Sitzplatz-Tickets über den Tresen gehen, heizen Killswitch Engage dem Publikum ein. Wobei dies bei den hohen Temperaturen kaum nötig wäre. Ich bin froh, finde ich im hinteren Stehplatz-Bereich einen Platz in der Nähe der Klima-Anlage. Da bleibt auch das Bier noch einigermassen kühl…

Nachdem ich die Amerikaner vor Monatsfrist bereits beim Tour-Auftakt in Tallinn als Opener sah, begeistern sie mich auch heute Abend nicht so richtig. Die Stimmung ist allgemein verhalten, mehr als ein Kopfnicken zum eigentlich durchaus gefälligen und variablen Metalcore lassen sich die wenigsten entlocken. Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass die Erwartung auf das was noch kommen wird bei vielen überwiegt.

Während Killswitch Engage zum Schluss eine Cover Version von Holy Diver zum Besten geben – und zumindest mit diesem Klassiker punkten kann – stocke ich an der Bar meinen Biervorrat auf. Und suche mir während dem Bühnenumbau einen Platz in der Menge. Dass dabei Tageslicht von hinter der Bühne die Halle erhellt, wirkt irgendwie verstörend – erinnert mich aber nochmals an die gemütliche Stimmung, welche bis vor kurzem auch vor der Halle herrschte. Jetzt aber steigt die Anspannung, es dauert nur noch einige Minuten, bis die wohl beste Metalband aller Zeiten auf die Bühne tritt! Zusätzlich für Spannung sorgt, dass die ganze Bühnendeko auch jetzt noch komplett in schwarz gehüllt ist.

Iron Maiden

Dies ändert sich erst, als 2 Typen in Militär-Uniform unter begeistertem Jubel der Menge die Abdeckungen zur Seite räumen. Doctor Doctor von UFO hallt wie gewohnt als Intro aus den Boxen – und kurz darauf wird es dunkel. Es ertönt Winston Churchills bekannte Stimme: We shall fight on the beaches, seine wohl berühmteste Rede aus dem zweiten Weltkireg, setzt den Startpunkt. Nur kurz darauf steht die Halle Kopf! Das Modell einer Spitfire taucht über der Bühne auf, darunter springt Bruce Dickinson im Pilotenoutfit vor die begeisterte Menge. Das Beste zum Schluss? Nicht bei Iron Maiden! Mit Aces High starten die Briten mit einem absoluten Kracher!

Es ist nur der Auftakt zu 2 Stunden ganz grossem Kino. Auch die folgenden Titel stehen erstmals ganz im Zeichen der grossen Kriege des letzten Jahrhunderts. Während Where Eagles Dare vor allem durch die grossartige Inszenierung lebt (Bruce hat sich während dem kurzen Übergang winterlich angezogen, passend zu den schneebedeckten bayrischen Bergen im Hintergrund), heisst es bei 2 Minutes to Midnight für das Publikum wieder: Aus voller Kehle mitsingen! Da bleibt die Stimmung in Genf auf dem absoluten Siedepunkt!

Auffällig ist die unglaubliche Bühnenpräsenz von Sänger Bruce Dickinson. Nebst dem stetigen Outfitwechsel – in Zwischenzeit steht er mit Weste, und erstmals ohne Kopfbedeckung da – dominiert er die Bühne mit einer nach wie vor unglaublichen Energie und überzeugt auch gesanglich auf höchstem Niveau. Solide und bodenständig wirkt da der Auftritt der restlichen Truppe: Dave Murray, Adrian Smith, Janick Gers und Steve Harris rocken in souveräner Manier, harmonisch, präzise, und musikalisch hochstehend – schlicht grossartig. Sie sind auch optisch präsent – und doch nimmt man sie neben Wirbelwind Bruce nur zwischendurch mal richtig wahr. Dann ist da irgendwo hinter Kriegsinventar und Schlagzeug auch noch Nico McBrain versteckt: Dass man ihn hauptsächlich über die grossen Screens am Bühnenrand mal sehen kann, daran hat sich wohl jeder Maiden-Fan längt gewöhnt.

Für den nächsten Song ziert bereits wieder ein neues Backdrop die Bühne. Eddie in blau und weiss inmitten einer Kampfszene – ein Bild, so lebendig und intensiv wie ich es kaum je gesehen habe! Bruce kündigt The Clansman in einer mehrminütigen Rede zum Thema Freiheit an, in perfektem Französisch (!) punktet er dabei beim Publikum. Dieses dankt es ihm, indem es erneut lautstark mitsingt: Der Titel aus dem Jahre 1998 (Virtual XI) ist ein weiteres Highlight des Abends! Dasselbe gilt dann natürlich auch gleich für The Trooper – der Schwertkampf zwischen Eddie und Bruce wird schlichtweg nie langweilig!

Das erste Konzertdrittel hatte es soweit in sich. Nun aber wechselt die Stimmung. Bunt und kirchlich präsentiert sich die Bühne zu Revelations und For the Greater Good of God. Weg vom Krieg, ertönen besinnlichere Klänge. Bemalte Kirchenfenster zeigen verschieden Momente aus Eddie’s Geschichte, und tragen so zu einer atemberaubenden Atmosphäre bei, welche mit The Wicker Man („Your time will come!“) auch stimmungsmässig wieder einen absoluten Höhepunkt erreicht!

Überraschende Momente wurden im Vorfeld der Tour versprochen – und dieses Versprechen halten Iron Maiden! Outfit und Bühnenlayout tragen bereits viel dazu bei. Aber auch die Setlist ist schlicht und einfach etwas vom Besten, was diese Band je geboten hat. So sorgt als nächstes mit the Sign of the Cross ein Song für Furore, welchen es seit Anfang des Jahrtausends nicht mehr live zu sehen gab. Bruce erscheint diesmal im schwarzen Umhang und mit hell erleuchtetem Kruzifix – vor einem einmal mehr atemberaubenden Bühnenbild. Auch mit Pyro wird mittlerweile nicht mehr gespart – zur Abkühlung in der Geneva Arena trägt das nicht viel bei, das Bier wird mittlerweile innert Minuten lauwarm…

Das Ende der besinnlichen Kirchenstimmung ist eingeläutet. Die bunten Kirchenfenster wandeln sich in Ruinen, Feuer dominiert nun die Szenerie. So taucht Bruce nun gar mit einem Flammenwerfer auf der Bühne auf und nimmt die Rolle der Sonne ein, an welcher sich Ikarus seine riesigen Flügel verbrennt und zur Erde stürzt! Flight of Icarus wurde 1986 (!) letztmals live gespielt – wieso wir auf diesen Kracher über 30 Jahre warten mussten, weiss ich echt nicht.

Oft gesehen haben wir dafür das, was nun zum Auftakt des letzten Teils folgt. Klassiker um Klassiker legen Iron Maiden nach. Fear of the Dark und The Number of the Beast sind schlichtweg Pflicht-Titel, sorgen aber gerade deshalb dafür, dass die Party quasi in die Verlängerung gehen kann! Alles „as usual“? Fast – bis sich zu The Iron Maiden Eddie’s riesiger, gehörnter Teufels-Schädel aus den Lavaströmen erhebt! Mit dieser Skulptur, reich an Details, toppen Iron Maiden tatsächlich noch einmal alles. Bleibt zu hoffen, dass ob diesem eindrücklichen Anblick des reinen Bösen heute Nacht jeder gut schlafen kann…

Mit The Evil That Men Do und Hellowed Be Thy Name legen die Briten noch zwei Songs nach, bevor Run to the Hills den definitiven Schlusspunkt setzt. Noch ein letztes Mal springen und schreien die begeisterten Fans mit, bevor sich Iron Maiden für den heutigen Abend verabschieden. Ich blicke zurück auf eines der schlichtweg geilsten Konzerte, die ich je gesehen habe! Und freue mich, diese Show so bald wie möglich nochmals erleben zu können…!

Ach ja, übrigens tritt beim Abschied auch Nico noch kurz „in Fleisch und Blut“ vors Publikum – quasi als Beweis, dass er auch wirklich persönlich hinter dem Schlagzeug sass. Eine kleine Anekdote dazu: Er wirft ein paar Andenken ins Publikum. Überschätzt dabei wohl die wirklich nicht zu gross geratene Halle. Und trifft mit einem Stick einen Zuschauer, der hinten auf den Sitzplätzen schlicht nicht mit einem solchen Geschoss gerechnet hat, am Kopf!

Always Look on the Bright Side of Life…!


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Iron Maiden, Killswitch Engage
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