Metalinside.ch - Haggard - Z7 Pratteln 2018 - Foto pam
Mi, 19. September 2018

Haggard, Sound Storm, Unshine

Z7 (Pratteln, CH)
/ 08.10.2018

Wenn Klassik auf Metal trifft – the real thing!

An einem zuschauerschwachen Mittwochabend verzauberte die klassisch angehauchte Metal-Kapelle Haggard rund um Mastermind Asis Nasseri den Prattelner Metal-Tempel Z7. Unterstützung erhielten die Deutschen dabei von Sound Storm und Unshine. Sämtliche Details zu diesem Konzertabend entnehmt ihr wie gewohnt den nachfolgenden Zeilen. 

Geliebtes Z7, endlich hast du mich wieder! Nach der intensiven und wundervollen Festivalsaison liegt der Fokus für den Rest des Jahres nun wieder vermehrt auf den Hallenkonzerten. Da kommt ein Besuch einer meiner präferierten Locations doch gerade absolut gelegen. Beim Betreten der Halle fühlt es sich so an, als würde ich nach Hause kommen. Aber was ist das? Offensichtlich rechnet man heute Abend nicht mit dem grössten Besucherandrang. Woher ich das weiss? Zum einen am Hallenaufbau, der sich am ehesten als Mix zwischen Mini- und ¾-Z7 beschreiben lässt und zum anderen dank dem Barpersonal, mit dem ich jeweils nur allzu gerne ein Schwätzchen halte. Erwartet werden circa 250 Nasen, was in der Tat nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Aber eventuell läuft ja die Abendkasse noch heiss.

Metalinside ist heute übrigens nicht als Solo-Unternehmen unterwegs. Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich zusätzliche Unterstützung von Maestro pam höchstpersönlich erhalten. Mit Knipsgerätschaft ausgestattet, wird er sich im Fotograben auf die Jagd nach brauchbaren Schnappschüssen begeben.

Was gibt’s zu den Akteuren des heutigen Abends zu sagen? (Noch) nicht sonderlich viel. Mit Unshine und Sound Storm werde ich abermals meinen metallischen Horizont ein bisschen erweitern. Der Headliner Haggard ist mir dagegen bereits vertraut. Die erste Begegnung fand im Rahmen des siebten Eluveitie & Friends-Events Ende des vergangenen Jahres in Oerlikon statt. Damals gerieten sowohl pam als auch meine Wenigkeit ziemlich ins Schwärmen (pam: Das stimmt, aber das tue ich von Haggard schon seit vielen Jahren und inbesondere immer wieder nach jedem Live-Erlebnis der Symphonic-Metal-Pioniere). In ein paar Stunden werden wir dann auch wissen, ob sich dies heute wiederholen wird.

Unshine

Die alte Leier mit dem Timetable im Z7… Gemäss Homepage sollte der Konzertreigen um 20 Uhr losgehen; die Finnen von Unshine stehen allerdings bereits eine halbe Stunde früher auf der Bühne. Für mich persönlich stellt dieser Frühstart kein Problem dar, da ich stets versuche, kurz nach Türöffnung vor Ort zu sein. Ein paar andere Besucher sind darüber jedoch nicht sonderlich glücklich. In diesem Kommunikationsbereich hat die Konzertfabrik eindeutig noch Luft nach oben (pam: Yep, ich fand’s auch nicht so toll, denn ich hab Unshine entsprechend verpasst).

Metal aus Finnland mit weiblichem Gesang – grundsätzlich eine ideale Kombination für meine Lauscher. Leider lässt mich der durch Stoner- und Doom-Elemente geprägte Sound des Quintetts ziemlich kalt. Susanna Vesilahtis-Gesang versetzt mich beinahe in einen Tiefschlaf. Da hilft es auch nicht, dass gewisse Passagen in finnische Sprache gesungen werden. Die Riff-Fraktion lässt ein paar Mal ansprechende Ansätze durchblicken, aber insgesamt sind dies am Ende zu wenige Lichtblicke. Unshine werden für mich wohl ein Schattengewächs bleiben, welches ich nicht so schnell wieder auf dem Schirm haben werde. Die Mehrheit des Publikums verharrt ebenfalls im Salzsäulen-Modus (pam: Ah, da hab ich immerhin nicht allzuviel verpasst).

Sound Storm

Ob die Italiener Fussball-Fans sind? Falls ja, müssten diese Leidenschaft erstmal hintenanstellen. Juventus Turin wird bald den Ball in der Champions League rollen lassen. Da sie nun selbst im Einsatz stehen, können sich Sound Storm das Spiel jedoch nicht reinziehen. Aber nun genug vom Lederball-Sport. Konzentrieren wir uns wieder ausschliesslich auf die Musik. Gemäss Facebook-Seite der Band können sich die Zuhörer nun auf eine Ladung Symphonic Epic Metal freuen. Da nehme wohl nicht nur ich überaus gerne ein Ohr voll.

Ui, im Vergleich zu Unshine wird nun richtig auf die Tube gedrückt. Zu hören sind rasante Drums und Tastengeklimpere. Letzteres stammt von Elena Crolle, die gemeinsam mit Sängerin Chiara Tricarico die Frauenquote des Septetts bildet. Die Italiener gehen mit viel Spielfreude ans Werk. Insbesondere Rhythmusklampfer Rocco Mirarchi trägt ständig ein Grinsen im Gesicht. Auf einem Plakat in der Bühnenmitte wird das ansehnliche Band-Logo angepriesen. Dahinter ist bereits ein Teil der haggard’schen Ausrüstung zu erkennen. Diese wird allerdings erst später zum Zug kommen.

Rund die Hälfte der Setliste besteht aus Songs des aktuellen Silberlings «Vertigo». Die restlichen Nummern stammen von den anderen beiden Scheiben «Immortalia» und «Twilight Opera». Die Truppe macht ihrem Namen alle Ehre und fegt effektiv wie ein Sturm durch die Konzertfabrik. Chiara und ihr Gesangskollege Andrea Racco überzeugen dank ihrer facettenreichen Stimmorgane. Von Symphonic- und Power Metal-Passagen bis hin zu gelegentlichen Growls liegt alles drin. Dass man mich nach der Show beim Merchandise-Stand antreffen wird, steht inzwischen ausser Frage.

Haggard

Nun schreitet der Headliner der «Bards Of Symphony And Metal»-Tour zur Tat. Wie für Haggard typisch geschieht dies ohne irgendwelche Samples. Da kommt nix ab Band. Playback ist überhaupt kein Thema. Anführer und Mastermind Asis Nasseri erwähnt später, dass ihm genau dies besonders wichtig sei. In einer anderen Form gäbe es seine Truppe nicht. Dies mussten offenbar auch schon gewisse Veranstalter feststellen und so hinnehmen. Wenn Asis über sein musikalisches Schaffen und die Instrumente spricht, so tut er dies von Stolz erfüllt und auf sehr charismatische Art und Weise. Ein echter Vollblutmusiker eben. Für seine diversen Mitmusiker – wenn ich mich nicht verzählt habe sind das heute Abend 11 Nasen – hat er ebenfalls nur lobende Worte übrig. Asis wirkt wie ein Vater, der sich an der positiven Entwicklung seiner Kinder erfreut.

Aus musikalischer Perspektive sind die Deutschen nicht ganz leicht einzuordnen. In ihren Stücken trifft Klassik (Mozart, Vivaldi und Co.) auf Symphonic Metal. Abgerundet wird das Ganze schliesslich durch gelegentliche Death Metal-Einflüsse am Gesang. Eine aussergewöhnliche Mischung, welche die Zuhörerschaft sofort in ihren Bann zieht. Freunde von Therion, Epica, Opeth oder dem Lingua Mortis Orchestra von Rage kommen bei dieser Darbietung voll und ganz auf ihre Kosten.

Haggard existieren seit 1989 und haben bisher vier Studioalben veröffentlicht. Bitte was? Da ist aber eine schwache Ausbeute… Wer eine solche Aussage tätigt, weiss die immense Arbeit, die hinter einer Platte dieser Band steckt, offenbar überhaupt nicht zu schätzen. Solange das Resultat jedes Mal ein echter Hörgenuss ist, darf sich Asis beim Schreiben und Komponieren gerne etwas länger Zeit lassen. Das letzte Album «Tales Of Ithiria» hat inzwischen auch schon wieder zehn Jahre auf dem Buckel. Der Nachfolger soll sich gerüchtehalber mit den Märchen der Gebrüder Grimm beschäftigen. Darauf darf man sicherlich zurecht gespannt sein.

Wer mich heute abermals komplett aus den Socken haut, ist Janika Gross. Sobald diese Sopran-Göttin zu singen beginnt, stellen sich mir alle Härchen auf. Metalinside-Boss pam würde aufgrund solcher Hühnerhautmomente an dieser Stelle wohl wieder von paarungswilligen Güggeln und ihren strammstehenden Federn sprechen. Aber was willst du machen? Bei Songs wie «Per Aspera Ad Astra» oder «Herr Mannelig» (das viele wohl auch von In Extremo kennen) haut sie einen mit ihrer fantastischen Gesangsleistung schlichtweg um. Bei letztgenanntem Stück wagt Asis übrigens samt Gitarre einen Ausflug ins Publikum. Total fasziniert und eingelullt von den Klängen auf der Bühne realisiere ich seinen kleinen Spaziergang zuerst gar nicht.

Mit dem fulminanten «Awaking The Centuries» beenden Haggard schliesslich ihren zweistündigen Auftritt. Asis richtet ein paar letzte Worte ans Publikum. Er würde überaus gerne einmal eine Haggard-Show in Vollbesetzung gemeinsam mit einem Orchester aufgleisen – also ein ähnliches Vorhaben wie Christofer Johnsson  und Therion. Was wir bis jetzt gesehen haben, sei noch nicht die bestmögliche Leistung gewesen. Klingt sehr interessant, denn ich fand bereits das heute Abend Gezeigte schon verdammt überragend.

Das Fanzit

Dank Sound Storm und insbesondere Haggard wurde dieser Mittwochabend zu einem fantastischen Konzerterlebnis. Die Finnen von Unshine blieben dagegen ziemlich blass. An dieser Stelle möchte ich gerne einmal allen Kollegen danken, die mich schon einmal von Pratteln aus nach Hause gefahren haben. Dank euch komme ich jeweils auch unter der Woche in den Genuss der gesamten Headliner-Auftritte. Merci! Den eher schwachen Publikumsaufmarsch empfand ich dagegen abermals als enttäuschend. Der Headliner hätte zweifelsohne eine würdevollere Kulisse verdient gehabt.

pam: Dutti bringt es wie immer sehr gut auf den Punkt. Vor allem auch grad mit dem letzten Satz. Jedes Mal wenn ich Haggard live erlebe – und da wiederhole ich mich entsprechend – sage ich das Gleiche: Es gibt soundmässig für mich keine geilere Live-Band. Die Bayern & Co. gefallen mir schon ab Konserve hammermässig, aber live kommt die Power eines Kammerorchesters noch viel mehr rüber. Keine Samples, keine Keyboards, alles ist echte, warme, kraftvolle Musik, wie es eigentlich nur mit einem Klassik-Orchester möglich ist. Und dementsprechend geschockt, bin ich jeweils, wenn ich den schwachen Publikumsaufmarsch sehe. Asis und seine professionellen Musiker verdienten definitiv einen grösseren Zuspruch.

Klar, die Mittelalter-Barock-Elemente sind sicher nicht jedermanns Sache und ein bisschen selbstverschuldet ist es schon auch. Wie Dutti schon geschrieben hat, ist es ein Jahrzehnt seither, seit dem letzten Album und da fehlt dementsprechend die Publicity, welches ein neues Album auslöst (dass es aber mit dem Grimm-Album länger dauert als geplant, hat u.a. auch private Gründe, wie wir Asis am Elu & Friends erzählt hat). Ich bin überzeugt, wenn die Musik von Haggard mehr kennen würden, dann wäre die Bude heute voll. Nun, so geniessen wir einmal mehr was vom genialsten was es im Metal gibt in fast schon intimer Atmosphäre. Und wenn dann  Janika ihre wunderschöne Sopranstimme einsetzt, dann … siehe oben Duttis Worte dazu betreffend Güggeln und so. Aber auch Tenor Frank Schumacher muss sich ihr vor ihr männlicher Gegenpart nicht verstecken. 

Nun, genug der Worte, lassen wir noch ein paar Fotos sprechen – nur eines: Leute, verpasst nie, nie (mehr) ein Haggard-Konzert! 

Setliste – Unshine

  1. Intro: Birch Of Fornjotr
  2. The Masks Of Enchantment
  3. Kainuun Kuningas
  4. Jack’s Feast
  5. Suo (Kantaa Ruumiit)
  6. Visionary’s Last Breath
  7. Ategenos (At the Death of Winter)

Setliste – Sound Storm

  1. Vertigo
  2. The Dragonfly
  3. Metamorphosis
  4. Forsaken
  5. Immortalia
  6. Back To Life
  7. Promises
  8. Gemini
  9. To The Stars
  10. Torquemada
  11. The Portrait

Setliste – Haggard

  1. Intro – A Midnight Gathering
  2. Of A Might Divine
  3. Prophecy Fulfilled / And The Dark Night Entered
  4. Tales Of Ithiria
  5. In A Fullmoon Procession
  6. Herr Mannelig
  7. Heavenly Damnation
  8. The Final Victory
  9. The Observer
  10. Eppur Si Muove
  11. Upon Fallen Autumn Leaves
  12. In A Pale Moon’s Shadow
  13. Per Aspera Ad Astra
  14. Seven From Afar
  15. The Day As Heaven Wept
  16. Origin Of A Crystal Soul
  17. Introduction Band – Awaking The Centuries

Fotos Haggard, Sound Storm im Z7 2018 (pam)


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