Kreator - Halle 622 Zürich 2018 Tour
Mo, 10. Dezember 2018

Kreator, Dimmu Borgir, Hatebreed, Bloodbath

Halle 622 (Zürich-Oerlikon, CH)
03.01.2019
Kreator - Halle 622 Zürich 2018 Tour

Halle 622 im Bann der Apokalypse 

Vier Bands aus vier verschiedenen Metal-Genres – dieses Paket mit Kreator als Headliner gab’s am Montagabend in der Zürcher Halle 622 zu bestaunen. Es vermochten allerdings nicht alle Gruppen gleichermassen zu überzeugen. Sämtliche Infos zu den Abräumern und Opfern der «European Apocalypse»-Tour entnehmt ihr dem nun folgenden Konzertbericht. 

Death Metal, Hardcore, Symphonic Black Metal und Thrash Metal – in exakt dieser Reihenfolge werden den heute nach Oerlikon gepilgerten Mähnenschüttlern musikalische Darbietungen um die Lauscher geballert. Leute mit vielseitigem Genre-Geschmack, zu denen auch ich zähle, haben an diesem abwechslungsreichen Programm ihre wahre Freude. Andere hätte sich dagegen lieber eine etwas einheitlichere Geschichte gewünscht. Tja, die motzende Zunft darf meinetwegen gerne in den heimischen vier Wänden zurückbleiben. Ich lasse mir dieses Spektakel jedenfalls nicht entgehen.

Kreator, Dimmu Borgir, Hatebreed und Bloodbath haben sich zusammengetan, um unseren Kontinent im Rahmen der «European Apocalypse»-Tour zu erobern. Veranstalter Good News Productions AG hat die ganze Geschichte ziemlich früh angesetzt. Bereits um 17 Uhr öffnen sich die Pforten. Um dem strömenden Regen zu entkommen, düsen die Leute direkt in die Vorhalle. Die Eingangskontrollen verlaufen deutlich rascher als noch ein paar Wochen zuvor beim Slayer-Gig. Fairerweise muss man dazu sagen, dass dieser allerdings auch restlos ausverkauft war. Heute scheint dies überraschenderweise nicht der Fall zu sein.

Da die Türen zum Bühnenraum (oder dem «langen Schlauch», wie einige die hiesige Location gerne nennen) noch verschlossen sind, verbleiben wir gezwungenermassen in der Vorhalle. Für den eigenen Geldbeutel ist dies äusserst suboptimal, denn das Merchandise-Angebot kann sich absolut sehen lassen. Dimmu Borgir und Kreator trumpfen mit speziellen für Zürich angefertigten Shirts auf. Davon muss ich selbstverständlich je ein Exemplar haben. Hinzu kommt ein Schweissbändchen von Hatebreed. Solch intensives Shopping macht ziemlich durstig. Glücklicherweise ist das rettende Barpersonal gleich in der Nähe. Nach dem Verzehr des Hopfentrunks folgt ein kurzer Abstecher zu den sanitären Anlagen. Aktuell absolut empfehlenswert, denn bei einer rappelvollen Halle 622 wird der Gang zur Toilette zu einem langwierigen Geduldsspiel. Entleert und bereit? Sehr gut! Dann nix wie hinein in den Schlauch, denn dessen Türen wurden inzwischen geöffnet.

Bloodbath

Eigentlich sollten der erste Akteur pünktlich um 18 Uhr loslegen, aber die Schweden stecken offenbar noch mitten im Soundcheck. Was ebenfalls auffällt ist die Tatsache, dass nur die Hälfte des Raumes verwendet wird. Hui, wollen sich wirklich so wenige Nasen dieses vielversprechende Package antun? Man staunt. Für die Bands doof, aber ich habe ehrlich gesagt nichts dagegen, wenn heute Abend kein Sardinenbüchsen-Feeling aufkommt.

Die aus der schwedischen Hauptstadt stammenden Todesmetaller legen schliesslich mit einer viertelstündigen Verspätung los. Was da aus den Boxen dröhnt, passt allerdings noch nicht zu 100%. Hoffentlich wird dies im Verlaufe des Abends besser. Bloodbath hatten mit Mikael Åkerfeldt (Opeth) und Peter Tägtgren (Pain, Hypocrisy)  bekannte Gesichter am Mikro. Seit 2014 gehört dieser Job dem Engländer Nick Holmes, welchen die meisten von euch als Sänger von Paradise Lost kennen dürften. Der Anzugträger und seine Kollegen sind sicherlich bemüht, aber irgendwie bekommen sie heute einfach keinerlei Druck hinter ihre Dampfwalzen-Hymnen. Selbst der Über-Hit «Eaten», welcher als letzte Nummer gespielt wird, vermag nicht wirklich zu zünden. Nö, diese halbe Stunde hätte man sich eigentlich auch sparen können.

Hatebreed

Anschauungsunterricht erhalten die Schweden direkt von den nach ihnen aufspielenden Amis. Meine Fresse, die Jungs sind aber verdammt gut drauf. Abriss pur! Geht doch. Der Fünfer schmeisst der Menge Kracher um Kracher entgegen. Nun müssen auch meine Nackenmuckis tatkräftig mitackern. Bei «Live For This» und dem anschliessenden «As Diehard As They Come» können bereits erste Circle Pits bestaunt werden. Ausserdem dürfen sich Schreihals Jamey Jasta und Co. an einer brauchbaren Soundqualität erfreuen. Mausert sich hier etwa gerade der vermeintlich grösste Exot des heutigen Billings zum Abräumer des Abends? Bis jetzt sieht es zweifelsohne danach aus.

Und die Herrschaften denken keinesfalls daran, in irgendeiner Form locker zu lassen. Mister Jasta erklärt gegen Ende noch, wie die ganze Tour zustande kam. Wenn Kreator anrufen würden, gäbe es nur eine Antwort. Ich bin ziemlich froh, dass die Stimmungskanonen für die ganze Sache zugesagt haben. Mit «Destroy Everything» und «I Will Be Heard» beenden Hatebreed nach 45 Minuten ihre überzeugende Darbietung. Die nun folgende Verschnaufpause haben einige der Zuschauer bitter nötig.

Dimmu Borgir

Ganze acht Jahre lang liess die nächste Gruppe albumtechnisch kein Sterbenswörtchen mehr von sich hören. Aber dann: PENG! Die Rückmeldung mittels neuer Scheibe («Eonian»), einigen Festivalauftritten im Sommer und nun dieser Europarundreise zum Jahresende hin. Dimmu Borgir sind zurück! Heute Abend werden sie von vielen Anwesenden gar als der eigentliche Headliner gehandelt. Die Norweger haben allerdings nicht nur Befürworter. Aufgrund der Entwicklung, welcher ihr Sound in den letzten Jahren durchgemacht hat, werden die Herrschaften heutzutage gerne als Nightwish der schwarzmetallischen Metal-Szene bezeichnet. Tja, wem der Symphonic Black Metal des nordischen Sextetts nicht passt, kann die kommenden 50 Minuten meinetwegen ruhig am Bartresen verbringen.

Petruskreuze auf der Bühne? Check. Corpsepaint im Gesicht? Check. Pentagramm-Deko? Check. Kapuzen montiert? Mit Ausnahme von Krächzer Shagrath – check. Also so viel haben Dimmu Borgir von ihrer «trueness» meines Erachtens nicht wirklich eingebüsst. Dank den mehrheitlich humanen Lichtverhältnissen dürfte auch der knipsenden Abteilung der eine oder andere hammermässige Schnappschuss gelingen. Als Showelemente kommen einzig Rauchsäulen zum Einsatz. Mehr benötigen die Nordmänner jedoch auch nicht, um für die passende Atmosphäre zu sorgen.

«The Unveiling», «Interdimensional Summit» (mit giftiger Tastenpenetration von Gerlioz) und «Council Of Wolves And Snakes» (hammergeiler Schamanengesang) – der aktuelle Silberling ist lediglich mit diesen drei Stücken in der Setliste vertreten. Offenbar wagt man es noch nicht, stärker auf das neue Material zu setzen. Gemessen an den Reaktionen in den Publikumsreihen ist dies sicherlich keine schlechte Idee. Die Zuhörerschaft agiert ziemlich passiv. Dies ändert sich schlagartig, als älteres Liedgut der Marke «Puritania» oder «Progenies Of The Great Apocalypse» zum Zug kommt. Bei letztgenanntem Stück vermisse ich immer noch Ex-Basser ICS Vortex und seine markante Stimme. Sein Klargesang kommt abermals bloss wieder ab Band. Damit werde ich wohl oder übel leben müssen, denn schliesslich ist der Kerl seit bald zehn Jahren nicht mehr dabei.

Mit dem starken «Mourning Palace» beenden «Döner Burger» (sorry, gängige Verunstaltung des Bandnamens im deutschsprachigen Raum) schliesslich ihr Set. Ein letztes Mal werden die Mähnen im Raum fleissig geschüttelt. Beim nächsten Gastspiel in unseren Gefilden dürfen die Norweger überaus gerne als Headliner antreten. Speziell mit den neuen Songs würde sich eigentlich wieder einmal eine gemeinsame Tour mit einem Orchester anbieten. Dann käme das alles noch besser zur Geltung. Damals am W:O:A 2012 war das nämlich ein überragendes Spektakel.

Kreator

Dimmu Borgir haben vorgelegt und Kreator müssen nun gezwungenermassen nachziehen. Bereitet dies den Teutonen-Thrashern in irgendeiner Form Mühe? Keinesfalls. Hier wird in eindrücklicher Manier ziemlich rasch untermauert, weshalb die Deutschen im Programm des heutigen Abends an oberster Stelle stehen. «Prepare to be destroyed!» – die Message, welche da gerade gezeigt wird, gibt die Richtung für die nächsten 80 Minuten schnörkellos bekannt. Ich sehe jetzt schon den Bedarf eines Massage-Termins auf mich zukommen, denn meinen Nackenmuskeln müssen nun mit zweihundertprozentigem Einsatz ran an den Speck.

Der Bühnenaufbau dürfte für diejenigen, welche in letzter Zeit einen Kreator-Gig besucht haben, keine Überraschung mehr darstellen: Grosse Bildschirme, gotische Kirchenfenster und in der Mitte prangert der gigantische Dämonenschädel, welcher einem Frech die Zunge entgegenstreckt. Des Weiteren setzen die Essener auf packende Pyroeffekte und – was unseren Metalinside-Chef und bekennenden Schnipsel-Allergiker pam erneut zum Stirnrunzeln animieren würde – gelegentlichen Konfettiregen.

An der Songauswahl gibt’s nix zu meckern. Ein gelungener Querschnitt durch das musikalische Schaffen der Deutschen. Ein Nackenbrecher jagt den nächsten. Im Falle von Kreator bedeutet das allerdings nicht von A bis Z, sondern von «Enemy Of God» bis «Pleasure To Kill». Dazwischen gibt’s unter anderem meine beiden Lieblingsstücke des aktuellen Silberlings auf die Lauscher: «Satan Is Real» und «Fallen Brother». Bei letztgenanntem Stück flimmern wie gewohnt die Antlitze diverser verstorbener Künstler über die Screens. Beim Anblick von Lemmy werde ich jedes Mal besonders emotional.

Unermüdlich knüppeln sich Mille Petrozza (Gesang, Gitarre), Ventor (Drums), Christian Giesler (Bass) und Sami Yli-Sirniö (Gitarre) durch ihr Set. Die Soundqualität passt und die Thrash-Veteranen agieren unglaublich souverän. So sehen über 30 Jahre Bühnenerfahrung aus. Zum Schluss gibt’s Milles altbekannte Androhung: «The Kreator will be back!». Nur zu, in dieser Form dürfen die Herrschaften gerne wieder einmal hierzulande auftreten. Vielleicht klappt’s dann endlich einmal mit dem für eine stets brodelnde Gerüchteküche sorgenden Teutonen-Tour Paket – sprich Kreator, Sodom, Destruction und Tankard.

Das Fanzit

Der ansonsten verhasste Montag wurde aufgrund dieser lauten Metal-Kombo doch noch zu einem Höhepunkt. Dimmu Borgir und Kreator waren stark. Bloodbath vermochten dagegen nicht wirklich zu überzeugen. Die klaren Sieger des Abends spielten allerdings in den Reihen von Hatebreed. Eine überragende, energievolle und für viel Stimmung sorgende Darbietung der Amis. Wiederholungsbedarf unbedingt erwünscht. Dass die verkleinerte Form der Halle zum Einsatz kam, sorgte bei einigen Besuchern (inklusive meiner Wenigkeit) für zwar für Erstaunen, aber am Ende stellte sich dies als positive Geschichte heraus. Die Soundquali war besser als beim grossen «Schlauch» und man kam in den Umbaupausen ohne Probleme zur Bar oder Toilette.

Setliste – Bloodbath

  1. Fleischmann
  2. Let The Stillborn Come To Me
  3. So You Die
  4. Bloodicide
  5. Outnumbering The Day
  6. Chainsaw Lullaby
  7. Eaten

Setliste – Hatebreed

  1. To The Threshold
  2. Live For This
  3. As Diehard As They Come
  4. Looking Down The Barrel Of Today
  5. Doomsayer
  6. Filth
  7. This Is Now
  8. Driven By Suffering
  9. Beholder Of Justice
  10. A Call For Blood
  11. Destroy Everything
  12. I Will Be Heard

Setliste – Dimmu Borgir

  1. The Unveiling
  2. Interdimensional Summit
  3. The Chosen Legacy
  4. The Serpentine Offering
  5. Gateways
  6. Dimmu Borgir
  7. Council Of Wolves And Snakes
  8. Puritania
  9. Indoctrination
  10. Progenies Of The Great Apocalypse
  11. Mourning Palace

Setliste – Kreator

  1. Intro – Choir Of The Damned
  2. Enemy Of God
  3. Hail To The Hordes
  4. Awakening Of The Gods
  5. People Of The Lie
  6. Gods Of Violence
  7. Satan Is Real
  8. Mars Mantra (Song played from tape)
  9. Phantom Antichrist
  10. Fallen Brother
  11. Flag Of Hate
  12. Phobia
  13. Hordes Of Chaos (A Necrologue For The Elite)
  14. The Patriarch (Song played from tape)
  15. Violent Revolution
  16. Pleasure To Kill
  17. Outro – Apocalypticon

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Kreator, Dimmu Borgir, Hatebreed, Bloodbath
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03.01.2019
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