Metalinside.ch - Steven Wilson - Volkshaus Zürich 2019 - Foto Liane
Fr, 15. Februar 2019

Steven Wilson – To The Bone Tour 2019

Volkshaus (Zürich, CH)

Steven Wilson – weiter Auf Erfolgskurs

Nahezu 170 Shows, ausverkaufte Hallen rund um den Globus und eine Verlängerung der To The Bone Tour. Steven Wilson setzt seinen Erfolgskurs weiter fort und besuchte die Schweiz das dritte mal innerhalb eines Jahres. Der Brite vermag inzwischen ein breites Publikum zu begeistern, das weit über die Porcupine Tree Gemeinde hinausgeht. Es erstaunt nicht, dass das Volkhaus nahezu ausverkauft war und auch viele weibliche Musikfans den Weg nach Zürich gefunden haben. Vieles, was Wilson in die Hände nimmt, scheint von Erfolg gekrönt zu sein und so verwundert es wenig, dass er jetzt schon seit 2011 als Solo-Künstler erfolgreich unterwegs ist.

Das jetzige Line-Up, der wohl führenden Prog-Rock-Band der Gegenwart, hat sich bestens bewährt und auch wenn es nicht wenige Stimmen gab, welche den Weggang eines Marco Minnemann, Guthrie Goven oder Dave Kilminster bedauerten, so darf mit Überzeugung festgestellt werden, dass das aktuelle Line-Up der Steven Wilson Band besser nicht sein könnte. Mit Alex Hutchings konnte 2017 ein würdiger Ersatz für Kilminster verpflichtet werden, der weiter seiner Hauptaufgabe bei Roger Waters nachgeht.

Besonders schwer hatte es allerdings Graig Blundell in seiner Anfangszeit als Wilsons Drummer. Oft wurde er mit Marco Minnemann oder auch Gavin Harrison verglichen und musste so manchen bösen Kommentar der Fans über sich ergehen lassen. Heute zweifelt wohl niemand mehr an den Qualitäten des britischen Schlagzeugers. Das konnte man bei der Vorstellung der Band gut erkennen – ihm gebührte der lauteste Applaus. Zurecht! Blundell überzeugte von der ersten bis zur letzten Sekunde. Wer mehr über den ausgesprochen sympatischen Drummer erfahren möchte, kann dies hier im Interview nachlesen.

Nun denn, wie war es am 15. Februar im Volkshaus? Eigentlich ist es mit wenigen Worten unkompliziert zu beschreiben – Grossartig! Venue perfekt, Sound perfekt, Fans ebenfalls perfekt. Was will man mehr? Alleine schon die Tatsache, dass Steven Wilson erkältet war (man hörte es zwischenzeitlich) und dennoch drei Stunden lang gesanglich beinahe makellos war, verdient grössten Respekt. Die Darbietung der Steven Wilson Band war erwartungsgemäss top und der Sound im Volkshaus war ideal – unabhängig wo man stand, bzw. sass.

Der Entertainer

Inzwischen hat Wilson tatsächlich Unterhaltungswert – also nicht nur musikalisch, sondern ebenfalls als Entertainer zwischen den Songs. Er interagiert mit dem Publikum, und erzählt auch kleine Geschichten. Schön, dass der Veganer es diesmal sein liess, das Publikum zum Fleisch-Verzicht aufzurufen. Dafür liess er sich über die sogenannten YouTube-Gitarren-Shredder aus und meinte provozierend, dass dies kein Gitarrenspielen sei. Naja, Wilson selber bezeichnet sich als Durchschnittsmusiker, was durchaus den Tatsachen entspricht. Die Ankündigung, er werde beim nächsten Solo nicht auf die Gitarre blicken, war dann auch eher lustig als ernst gemeint, denn so anspruchsvoll war sein Solo nun auch wieder nicht (abgesehen davon hat er drei mal auf’s Griffbrett geguckt).

Anspruchsvoll, und da gibt es wohl 100 % Zustimmung, sind hingegen seine Kompositionen. Die sind seit vielen Jahren auf einem besonders hohen Niveau und er selbst gilt als ausgesprochen innovativ. Aber auch seine Fähigkeiten als Sound-Engineer sind erstklassig. Wilson ist Perfektionist – das merkt man bei seiner Studioarbeit, bei seinen Konzerten und auch bei seinen Interviews. Und das merkt man auch bei seiner Band. Er kann es sich aussuchen, wer im Team ist und dies geht weit über die Besetzung der Musiker hinaus. Jeder einzelne seiner Crew wurde vom Bandleader selber ausgewählt, da er einfach die Besten für den Job haben will (Quelle: Graig Blundell). Dieser Perfektionismus macht ihn allerdings auch ein wenig berechenbar.

Keine Überraschung

Das Programm von Steven Wilson war dann auch nicht die grosse Überraschung, schliesslich basiert es auf dem DVD/BluRay-Live Mitschnitt „Home Invasion“ in der Royal Albert Hall 2018. Egal! Ganz so linientreu hielt es der „Meister“ dann doch nicht und bescherte dem Publikum zwei Unplugged-Versionen aus der Blackfield- und Porcupine Tree-Ära, die auf der DVD vergebens gesucht werden. Dass „Permanating“ ebenfalls zum Repertoire gehörte, war bedauerlicherweise zu erwarten. Allerdings war Herr Wilson offenbar ein wenig überrascht, als beim Ankündigen seines „Disco-Songs“ auch Buh-Rufe aus dem Publikum kamen. Wen wundert’s – kein anderer Song auf dem „To The Bone“ Album ist so kontrovers wie Permanating und da muss sich auch Wilson gefallen lassen, dass dieser Song nun mal nicht allen gefällt. Nun ja, nennen wir es künstlerische Freiheit und auch wenn man sich stundenlang über diesen Song auslassen könnte, so hat es den meisten dennoch gefallen.

Auch durfte bei der Vorstellung der Band der kleine, schon fast obligate Seitenhieb von SW an die Adresse seines Bassisten Nick Beggs nicht fehlen. Dieser wurde als langhaarige, blonde Bassistin Nicolas Beggs vorgestellt. Dieser konterte allerdings postwendend und stellte den Bandleader als seine Freundin Stephanie Wilson vor. Geburtstagskind Adam Holzman kam noch in den Genuss eines spontan vom Publikum angestimmten Happy Birthday und war sichtlich gerührt.

Das Fanzit

Auch wenn die Kritiken beim letzten Album lauter waren als sonst, bestätigt der Erfolg den Kurs des Steven Wilson. Selbst wenn man ihn schon dutzendmal gesehen hat, so ist ein Konzert der Steven Wilson Band immer wieder ein voller Genuss und absolut lohnenswert. Eine 3-Stunden-Show mit erstklassigen Projektionen und ebenso erstklassigem Sound und das alles für knapp 70 Franken!  Was will man mehr?

Fotos Steven Wilson – Volkshaus 2019 (Liane)


Wie fandet ihr das Konzert?

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