Agnostic Front - Werk 21 Zürich 2019 - Tour Europe
Do, 27. Juni 2019

Agnostic Front, This Means War, Last Warning

Dynamo Werk 21 (Zürich, CH)
10.07.2019
Agnostic Front - Werk 21 Zürich 2019 - Tour Europe

Ein heisser Abend mit Agnostic Front!

Shows von Agnostic Front sorgen immer für viel Bewegung und Ströme von Schweiss, das weiss ich von den letzten Auftritten der New York Hardcore-Legende, die ich Live erleben durfte. Nun ist aber dieser Donnerstag auch noch der wärmste Tag einer sowieso sehr heissen Woche. Das verspricht also nicht nur feucht, sondern regelrecht Nass zu werden.

Auch am frühen Abend hat das Thermometer an der Sonne noch locker über 30 Grad zu bieten. Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zum Jugendkulturhaus Dynamo vermisse ich meine Badehosen, schliesslich überqueren wir sowohl Sihl als auch Limmat. Leider aber auf der Brücke und nicht im Wasser. In der Gegend um Platzspitz und Dynamo ist gefühlt die halbe Stadt am Baden und Planschen, Badehosen und Bikini fallen hier definitiv weniger auf als schwarze Bandshirts – trotz ausverkauftem Konzert…

Zum Glück ist die Show im Werk21, welches sich im Keller des Dynamo befindet. Ich war bei ähnlichen Temperaturen auch schon im Saal – direkt unter dem Dach ist das jeweils fast nicht auszuhalten… Und tatsächlich: im Vergleich zu draussen fühlt es sich beim Eintreffen im Werk21 regelrecht kühl an! Ein grosser Teil der Konzertbesucher scheint aber auch noch ein bisschen das schöne Wetter zu geniessen, und so muss die erste Band trotz „Sold Out“-Schild am Eingang vor anfänglich ziemlich lichten Reihen loslegen.

Last Warning

Diese erste Gruppe heute ist Last Warning aus Zürich. Passt vom Namen her schon mal super zum heutigen Abend! Schliesslich haben Agnostic Front auf dem Debütalbum einen gleichnamigen Song und 1993 sogar ein ganzes Album unter diesem Titel veröffentlicht. Ob das auch Einfluss auf die Namensfindung der Jungs hatte entzieht sich leider meiner Kenntnis, möglich wäre es aber durchaus. Das Straight Edge-Quartett spielt klassischen Old School Hardcore Punk.

Sänger Martin ruft die schon Anwesenden Besucher mehrmals dazu auf, etwas näher zur Bühne zu kommen. Und tatsächlich, während des Konzerts füllt sich der Raum immer besser. Allerdings ist noch nicht allzu viel Bewegung im Publikum vorhanden, jedenfalls nicht ansatzweise so viel wie beim Frontmann auf der Bühne. Es wird aber immerhin fleissig mitgenickt und zwischen den Songs auch brav applaudiert. Die Band kann mich im Grossen und Ganzen überzeugen, besonders Drummer Ricky fällt mir positiv auf. Vom Songmaterial klingt meiner Meinung nach zwar alles ein bisschen ähnlich, aber grundsätzlich gut. Durchaus eine Band, die ich mir Live wieder einmal ansehen würde. Und definitiv eine würdige Eröffnung für diesen Abend.

Setlist Last Warning

  1. Tunnel Vision
  2. Secret Society
  3. Limit Yourself
  4. Blinded
  5. Put To The Test
  6. Days With No End
  7. No Peace
  8. Confusion
  9. Lost
  10. MT Cover
  11. Time Is Up
  12. Among Us
  13. Degeneration
  14. The Mask

This Means War

Als nächstes sind die Punks von This Means War an der Reihe. Die Mitglieder stammen aus Belgien und den Niederlanden. Obwohl die Band erst seit 2017 existiert, merkt man den Herren schnell an, dass sie in Gruppen wie Discipline, Backfire! und Convict schon länger in der Szene unterwegs sind. Benannt hat man sich nach einem Album der Punkband Old Firm Casuals, deren Stück «Off With Their Heads» auch als Coverversion im Set folgt. Das Werk21 ist nun ab Konzertbeginn ziemlich ordentlich gefüllt, da aber am Anfang noch freier Raum direkt vor der Bühne ist, bittet auch Sänger Bert Van Dyck zuerst mal alle noch ein paar Schritte nach vorne.

Der Sound der Gruppe tönt zwar nach Oi! und Oldschool Punk, hat aber durchaus auch etwas «modernere» Einflüsse. So schaut auch melodischer Skatepunk ab und zu vorbei. Jedenfalls viel Melodie und eigentlich viele Background-Chöre in den Refrains. Nur: leider ist an meiner Position vorne links nur das Mikrofon vom Frontmann gut zu hören, die restlichen Musiker hört man stimmlich leider besonders am Anfang der Show praktisch gar nicht. Mit der Zeit wird es zwar etwas besser, aber ich hätte auch am Schluss gerne noch etwas mehr Lautstärke auf den anderen Mikros gehabt.

Die Musik weiss aber sonst zu gefallen, die Stimmung wird im Laufe des Konzerts immer besser und gegen Ende sind auch die ersten Mosh-Pits des Abends zu erleben. Aus meiner subjektiven Sicht hätte man sich von dem einen besoffenen Typen, der ständig sein Shirt hochhält, nicht zu FCZ-Huldigungen verleiten lassen müssen. Aber die Jungs sind halt ganz offensichtlich auch Fussballfans, und wissen wohl einfach nicht, dass es in der Schweiz auch noch andere und bessere Vereine geben würde… 😉 Abgesehen davon ein wirklich starkes Konzert einer guten Band, die definitiv einheizt. Es ist bereits jetzt im Keller locker so heiss wie draussen, also lieber noch etwas trinken vor Agnostic Front.

Setlist This Means War

  1. Intro
  2. Those Where The Days
  3. Greed Is Out
  4. The Unseen
  5. Off With Their Heads (Old Firm Casuals Cover)
  6. Pressure
  7. I Found The One
  8. What Are Friends For
  9. Sailing Anarchy
  10. Why We Fight

Agnostic Front

Nun folgt der Headliner, wegen dem wohl 99% der Leute hier sind. Ich habe Agnostic Front schon mehrmals Live gesehen, allerdings noch nie in so kleinem Rahmen. Das Konzert ist seit über einem Monat ausverkauft, und aufgrund der vielen Anfragen auf der Facebook-Veranstaltungsseite hatte ich immer ein bisschen die Befürchtung, dass die Show doch noch in den Saal hochverlegt wird. Ist zum Glück aber nicht passiert, und so erleben wir die Legenden nun im rappelvollen Werk21.

Als Intro erklingt (wieder einmal) das Thema zu «The Good, The Bad & The Ugly», danach steigt die Band mit «Eliminator», dem Opener vom «Cause For Alarm»-Album, ins Set ein. Und von der ersten Sekunde an wird klar: hier geht heute keiner trocken wieder raus! Nichts Aufwärmphase oder so, die Stimmung ist von Beginn weg am Explodieren. Das Publikum rastet richtiggehend aus, und auch die Band zeigt sofort, dass sie bestens bei Laune ist. Besonders Gitarrist und Gründungsmitglied Vinnie Stigma scheint ausserordentlich gut drauf zu sein, schmeisst sich in Posen und hüpft auf der Bühne rum als gäbe es kein Morgen. Wenn man bedenkt, dass der Herr nächstes Jahr ins AHV-Alter kommt – Respekt! Aber auch Sänger Roger Miret zeigt sich heute Bewegungsfreudiger als ich ihn auch schon gesehen habe und ist zudem am Dauergrinsen. Die ganze Band hat sichtlich ihren Spass. Auch das fast im Sekundentakt Leute die Bühne entern, um ins Publikum zu springen, scheint nicht zu stören, eher im Gegenteil. Eine höhere Stage-Dive-Kadenz habe ich wirklich selten bis nie erlebt.

Was ich nicht ganz verstehe: Auf dem Flyer stand «Celebrating 35 Years Of Victim In Pain», schlussendlich sind vom 1984 erschienen Debüt-Album gerade mal zwei Songs zu hören. Wenn man die Tour schon so ankündigt, könnte man schon etwas mehr davon spielen – mit einer Total-Spielzeit von etwas mehr als 15 Minuten würde sogar das ganze Album drin liegen. Das soll aber keine wirkliche Kritik sein, mich stört das nicht extrem. Mir gefallen von Agnostic Front die in den späten 90er veröffentlichten Sachen eigentlich sogar besser. Ein bisschen sonderbar finde ich es aber trotzdem… Schlussendlich passt die Setlist aber schon, weil wirklich alle Phasen der Band abgedeckt werden.

Nach einer guten Stunde folgt der obligatorische Rausschmeisser in Form des Ramones-Cover Blitzkrieg Bop. Die Veranstalter haben in Bühnen-Nähe zwar Schilder mit der Aufschrift «Don’t Be A Dick – No Drinks Near The Pit» aufgehängt, aber auch ohne viel verschüttete Getränke sind die Shirts in der vorderen Hälfte des Raumes komplett durchnässt. Die Action in Verbindung mit der hohen Temperatur sorgt dafür, dass alle Besucher durchgeschwitzt aber glücklich den Heimweg antreten. Was für eine Show!

Setlist Agnostic Front

  1.  The Good, The Bad & The Ugly (Intro)
  2. The Eliminator
  3. Dead To Me
  4. My Life, My Way
  5. Police Violence
  6. Only In America
  7. Old New York
  8. For My Family
  9. Friend Or Foe
  10. Victim In Pain
  11. Your Mistake
  12. Never Walk Alone
  13. All Is Not Forgotten
  14. Peace
  15. Crucified (Iron Cross Cover)
  16. Gotta Go
  17. Riot Riot Upstart
  18. Police State
  19. Take Me Back
  20. A Mi Manera
  21. Addiction
  22. Pauly The Dog
  23. Blitzkrieg Bop (Ramones Cover)

Das Fanzit

Was für ein Abend! Für mich ist dieses Konzert zur Jahreshälfte bereits ein sehr ernsthafter Anwärter auf den Titel Beste Hardcore-Show des Jahres 2019. Last Warning und This Means War waren zwei absolut würdige und gute Support-Bands. Und mit Agnostic Front folgte ein Headliner, den ich lange nicht mehr so spielfreudig erlebt habe. Zusammen mit dem absolut euphorischen Publikum in einer meiner liebsten Locations in Zürich ein von A-Z gelungener Anlass. Und ich bereue kein bisschen mich für Bandshirt anstelle von Badehosen entschieden zu haben…


Wie fandet ihr das Konzert?

10.07.2019
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