Dead Venus - Bird of Paradise (CD Cover Artwork)
Fr, 13. September 2019

Dead Venus – Bird Of Paradise

Alternative Rock, Progressive Rock
10.09.2019
Dead Venus - Bird of Paradise (CD Cover Artwork)

Dead Venus: Seraina Telli geht neue Wege

Es ging ein bemerkenswerter Ruck durch die Schweizer Metal Szene als Burning Witches Frontfrau Seraina Telli das Handtuch warf und verkündete, sie wolle sich in Zukunft auf ihr Solo-Projekt Dead Venus fokussieren. Dass Telli schon seit Jahren an ihrer Solo-Karriere arbeitet war kein Geheimnis, doch angesichts der wachsenden Popularität der Schweizer All-Female-Metal-Band, kam der Entscheid doch schon sehr überraschend. Nun, ein Schelm der was böses denkt…

Wie dem auch sei, das sind nun mal die Kapitel des Lebens und erfahrungsgemäss, dürfte dies nicht die letzte Überraschung im Dasein der 29-jährigen Sängerin sein. Eine weitere Überraschung bietet jedenfalls das Erstlings-Silber von Dead Venus. Ganz sicher aber für diejenigen, die das musikalische Wirken von Seraina Telli nur in Verbindung mit Burning Witches kennen, denn wer auf dem Album den vertrauten Old-School-Metal sucht, der sucht vergebens. Doch dazu später.

Nomen est Omen

Es ist nicht von der Hand zu weisen – die Frontfrau von Dead Venus fällt auf. Blau-blond gefärbte Haare, Tattoos, Piercing und aussergewöhnliche Klamotten. Spontan kommt der Begriff Paradiesvogel in den Sinn und siehe da, der Longplayer von Dead Venus heisst «Bird Of Paradise». Federn zieren das Cover des Silberlings und verleihen dem neuen Release eine leichte Note. Was Dead Venus auf genanntem Album liefern ist zwar nicht allerschwerste Kost à la Rachmaninovs tiefste russische Seele, aber trotzdem sehr gehaltvoll und voller Substanz. Gut komponiert und arrangiert und nicht zuletzt gut gespielt, kommen einige Passagen federleicht daher. Es lohnt sich für das Album Zeit zu nehmen und wer dies tut, wird belohnt.

Vielleicht liegt es daran, dass die musikalische Vielfältigkeit nicht nur bei der Frontdame vorhanden ist, sondern ebenfalls, oder besser gesagt ausgeprägt bei den Mitstreitern der Band. Mit André Gärtner am Bass und Mike Malloth an den Drums sitzen musikalische Schwergewicht im Boot. Beide mit ausgesprochen viel Erfahrung als Profi-Musiker und einem sehr breiten musikalischen Horizont, was man den Songs einfach anhört.

Aber auch die Instrumentalisierung entspricht nicht dem landläufigen Standard. Dead Venus verzichtet bewusst auf eine E-Gitarre. Es braucht offensichtlich nicht mehr als drei Band-Members um entsprechend Krach zu machen (Zitat Dead Venus – siehe Interview). Soll es mal verzerrend klingen, so bedient sich Bass-Mann Gärtner der entsprechenden Gerätschaften und lässt dem Tiefton-Saiter einen verzerrten Gitarrensound entlocken. Geht also und lässt erst noch mehr als genug Freiraum für die einzelnen Musiker, um sich noch mehr zu entfalten.

Dass es zu Dritt eigentlich ganz gut geht, beweist Dead Venus übrigens live am besten. Hier zeigt sich die wahre Professionalität der drei Musiker und bestätigt somit das Können auf der CD problemlos. Zudem ist es eine Freude, dem Trio zuzuschauen, denn man merkt sehr schnell, wie gut die drei untereinander harmonieren und wie authentisch das Material rüberkommt.

Ja, was nun?

Dead Venus klassifiziert sich in das Genre des Progressive Rocks, dem ich grundsätzlich zustimme, wobei ich die Bezeichnung Alternative-Rock hinzufügen möchte. Eigentlich könnte man noch einige Stilrichtungen mehr hinzufügen, denn das Album ist voll von Einflüssen. Wo bei Bombast-Prog-Produktionen, das eine oder andere Element zu verschwinden droht bzw. im Kompositions-Wahn untergeht, bleibt bei „Bird Of Paradise“ genug Platz für Instrumente und Vocals.

Zwei Elemente fehlen mir persönlich aber dennoch. Ich könnte mir gut vorstellen, dass eine E-Gitarre und klassische Synthesizer-Klänge den Songs noch zusätzliche Klangfarben geben würden, aber dann wäre es definitiv nicht mehr Dead Venus. Ich bin der festen Überzeugung, dass es aber genau dieses „Ich muss nicht mit dem Strom schwimmen“ letztendlich ausmacht, um als eigenständige Künstler wahrgenommen zu werden. Dead Venus wird wahrgenommen, dafür sorgt alleine schon die herausragende Stimme von Seraina Telli. Trotzdem ist „Bird Of Paradise“ kein Konsumgut, welches man sich auf dem Weg zur Arbeit im Auto zu Gemüte führt (kann man natürlich auch).

Das Fanzit Dead Venus – Bird Of Paradise

Das Album ist emotional, abwechslungsreich und fordert eine gewisse Offenheit, sich unterschiedlichen Melodien und Stilen zu öffnen. Wer eine knallharte Scheibe erwartet, die in die Metal-Kerbe reinhaut, muss korrigieren.  Wer sich der schönsten Sache der Welt als open minded outet und bereit ist, sich abwechslungsreich verführen zu lassen, wird bestens bedient. Und nein, „Bird Of Paradise“ ist kein Weichspüler-Album! Gerade dann, wenn man es am wenigsten erwartet, zeigt sich die Band von der harten Seite und überrascht. Letztendlich fällt es mir schwer, Dead Venus endgültig zu klassifizieren – zu umfangreich sind die Einflüsse, die „Bird Of Paradise“ zu dem machen was es ist – ein Album das gehört werden will, für das man sich gerne Zeit nimmt und auch nehmen sollte. Alles in Allem ein gelungener Start.

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Trackliste Dead Venus – Bird Of Paradise

  1. Latitudinarian
  2. Bird Of Paradise
  3. Kiss Of The Muse
  4. Dark Sea
  5. Human Nature
  6. Valediction
  7. The Beauty
  8. Redemptionless
  9. Dear God
  10. The Sirens Call
  11. Alone
  12. The Flying Soul

Line-Up Dead Venus

  • André Gärtner – Bass
  • Mike Malloth – Drums / Percussions
  • Seraina Telli – Lead Vocals / Piano / Acc-Guitars

Lyric Video Dead Venus – Bird of Paradise


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7/10



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10.09.2019
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