Metalinside.ch - Eluveitie - Komplex 457 Zürich 2019 - Foto pam
Do, 7. November 2019

Eluveitie, Lacuna Coil, Infected Rain

Komplex 457 (Zürich, CH)
/ 01.01.2020

Eluveitie in der Heimat 

Das Publikum im Zürcher Komplex 457 wurde am Donnerstagabend Zeuge von drei metallischen Darbietungen. Infected Rain und Lacuna Coil waren für das Aufwärmprogramm besorgt. Anschliessend räumte unser erfolgreichster Folk-Exportschlager Eluveitie im Rahmen einer überzeugenden Performance richtig ab. Einzig die Soundqualität wies leider gelegentlich Schwächen auf. 

Das heutige Tour-Paket war eigentlich schon länger bekannt. Doch in der ersten Fassung des Reiseplanes suchte man bedauerlicherweise vergebens nach einem Schweizer Datum. Aufgrund dessen habe ich damals unter dem entsprechenden Beitrag im Fratzenbuch einen Kommentar hinterlassen, dass Eluveitie ihre zwei Begleit-Kapellen ja gleich ans «Elu & Friends»-Festival einladen können. Als echt doof entpuppte sich diesbezüglich die Mitteilung, dass 2019 gar kein solcher Event stattfinden wird… Den keltischen Göttern sei Dank folgte daraufhin die Bekanntgabe des Zwischenstopps im Komplex. So kommen die hiesigen Metallschädel trotzdem noch in den Genuss dieses lärmenden Dreiergespanns. Also nix wie hin nach Altstetten. Metalinside-Boss Pam hat seine Kamera eingepackt und wird mein Gekritzel mit hübschen Illustrationen aufwerten.

Was gibt’s sonst über die heute aufspielenden Gruppen zu erzählen? Infected Rain aus Moldawien sind gemeinsam mit Jinjer wohl die momentan heissesten Eisen aus dem Ostblock. Im März dieses Jahres lag für den Fünfer rund um Aushängeschild und Paradiesvogel Lena sogar eine Headliner-Show im Mini Z7 drin. In Sachen Erfahrungswerte können die Chișinău-Musiker sicherlich einiges von Lacuna Coil lernen, denn schliesslich sind die Italiener seit über 20 Jahren im Business tätig. Mal schauen, wie es um die Formkurve von Sängerin Cristina Scabbia und ihren Jungs steht. Abgerundet wird das Package durch eine Band, die im Ausland weitaus erfolgreicher und populärer ist als in ihrer Heimat. Nichtsdestotrotz ist die Location gut besucht. Somit können freilich einige Ohren ordentlich metallisiert werden.

Infected Rain

Equipe Nummer eins darf um 19.10 Uhr ran an den Speck. Lena agiert am Anfang mit Kapuze und Mantel. Möchte sie etwa irgendwie auf böses Mädel machen? Zumindest mit ihren Growls gelingt ihr dies allemal. Der Klargesang ist hingegen eher durchgezogen, aber das war ehrlich gesagt noch nie die grosse Stärke der energiegeladenen Dreadlocks-Lady. Lenas Kumpel Vidick, der auf eine ähnliche Frisur setzt und für das Geklampfe verantwortlich ist, macht wieder einmal auf fleischgewordene Eskalationsmaschine. Der gute Mann ist wahrhaftig mit vollem Einsatz bei der Sache. Beim Gig in Pratteln lag er deswegen am Ende total ausgepumpt auf dem Bühnenboden herum.

Mit ihrem Mix aus Metalcore und Nu Metal spielen Infected Rain in diesem Billing gewiss die Rollen der Exoten. Das hindert ihre Anhänger allerdings keinesfalls daran, in der Raummitte für viel Action zu sorgen. Moshpits lassen grüssen. Die Besucher haben ja auch ausreichend Platz. Die zentrale Platzierung von Trommler-Eugenes Schiessbude schränkt die Bewegungsfreiheit seiner Kollegen ein bisschen ein. Wie bereits erwähnt leben sie sich gleichwohl aus. Lena muss des Öfteren ihr bauchfreies Oberteil zurechtzupfen, da ansonsten wahrscheinlich ungewollte Entblössungen stattfinden würden.

Lacuna Coil

Runde zwei der Warm Up-Phase. Während Infected Rain lediglich eine halbe Stunde zur Verfügung hatten, stehen den «Milanesi» nun ganze 55 Minuten zur Verfügung, um die Betriebstemperatur zu halten respektive nochmals ein paar Stufen zu erhöhen. Boah, das Quintett lässt sich nicht lange bitten und setzt direkt einmal eine Duftmarke. Signora Scabbia singt alleine schon bei «Blood, Tears, Dust» ohne Frage alles an die Wand. Die Töne sitzen und verwandeln meinen Köper in ein einzigartiges Hühnerhaut-Kunstwerk. Als Kontrast zu Cristinas engelsgleichem Geträller haben wir die Shouts und Growls von Andrea Ferro. In diesen Bereichen hat er sich vortrefflich entwickelt. Ungeachtet dessen dürfte sein Mikrofon ruhig etwas lauter eingestellt sein.

Die Setliste enthält durchaus einige Höhepunkte und Hymnen. Dazu zählen beispielsweise «Our Truth» oder «Heaven’s A Lie». Das Depeche Mode-Cover zu «Enjoy The Silence» ist ebenfalls wieder mit von der Partie. Das Stück ist zwar ganz nett, aber nie und nimmer unverzichtbar. Man hätte bestimmt genügend eigenes Material in der Hinterhand, um das Ding auszutauschen. Des Weiteren gibt’s auch Hörproben vom neusten Silberling «Black Anima», welches Mitte Oktober erschienen ist. Das wuchtige «Nothing Stands In Our Way» zum Abschluss ist dann schlichtweg das Tüpfelchen auf dem i. Liebe Coil-Crew, beim nächsten Besuch hierzulande sollte ein Headliner-Auftritt mit Sicherheit möglich sein, oder?

Eluveitie

Um 21.30 Uhr schreitet die mit meiner Heimatstadt Winterthur verwurzelte Truppe zur Tat. Oha, bereits beim Intro haben die metallischen Helvetier ziemlich aufgerüstet. Hinter dem durchsichtigen Vorhang ist eine Art Schattenspiel auszumachen. Anschliessend treten drei verkleidete Gestalten ins Licht, die wohl irgendwelche Priesterinnen darstellen sollen.  Erinnert fraglos an Heilung und deren mystische Zeremonie. Der mit Eberkopf-Schnitzereien dekorierte Mikrofonständer im Zentrum hat definitiv ebenfalls Stil.

Alsdann legen Eluveitie mit «Ategnatos» (dem Titel-Track der aktuellen Platte) los. Harfen-Sonnenschein Fabienne darf sogleich ein erstes Mal ihr zauberhaftes Stimmorgan präsentieren. Darauf folgt wenig später Clan-Oberhaupt Chrigel mit seinen mächtigen Growls. Jep, dieses Duo funktioniert prächtig. Selbstverständlich brauchen sich die übrigen Musiker (total sieben an der Zahl) nicht minder zu verstecken. Dauer-Kapuzenträger Matteo betreibt mit einer Flagge an seinem Dudelsack leichte «Sea Shepherd»-Schleichwerbung (Apropos  «Meeres-Hirten» – die Umweltschutzorganisation ist heute mit einem Merch-Stand im Komplex vertreten). Aber kommen wir nochmals kurz auf das Personal zu sprechen: Wahrscheinlich benötige ich dringendst eine nagelneue Sehhilfe, aber die Dame an der Violine sieht meines Erachtens keineswegs nach Nicole Ansperger aus. Ah, Lebensretter Internet weiss zum Glück Rat: Der Name der geheimnisvollen Frau lautet Carmen Busch (Anm. v. pam: … und ersetzt Nicole auf der Tour dann und wann, da ja Nicole auch mehrfache Mami ist und ab und zu auch bei den Kindern sein möchte. Verständlich und Carmen ist ein absolut würdiger Ersatz).

An der Song-Auswahl gibt’s nix zu rütteln. Das Programm bewegt sich hauptsächlich in harten Gefilden. Anhänger der ruhigeren Klänge werden wohl geduldig auf das nächste Akustik-Album warten müssen. Mit Fabienne am Gesang gefällt mir sogar die schweizerdeutsche Version von «The Call Of The Mountains» (oder eben «De Ruef vo de Bärge»). Früher konnte ich diese Nummer kaum ernst nehmen. Chrigel feiert das Publikum und wird den Danksagungen niemals überdrüssig. Die beinahe 100 Minuten dauernde Darbietung findet schliesslich mit dem packenden «Rebirth» und dem erwartungsgemässen Dauerbrenner «Inis Mona» ihr Ende. Wer weiss, vielleicht streichen Eluveitie letztgenanntes Lied ja eines Tages aus dem Set? Alternativen wären genügend vorhanden und so extrem abhängig von diesem Stück sind die melodiösen Folk Metaller jetzt auch wieder nicht.

Das Fanzit

Lacuna Coil und Eluveitie haben in einem gut besuchten Komplex 457 abgeräumt (mit Ausrufezeichen!). Sämtliche Bands zeigten sich extrem dankbar. Die Soundqualität war unglücklicherweise nicht perfekt, aber in dieser Location hat man effektiv schon weitaus Schlimmeres erlebt. Die stimmgewaltigen Mädels (Lena, Cristina und Fabienne) rockten die Hütte.

Setliste – Lacuna Coil

  1. Intro
  2. Blood, Tears, Dust
  3. Our Truth
  4. Layers Of Time
  5. My Demons
  6. Reckless
  7. Enjoy The Silence (Depeche Mode-Cover)
  8. The House Of Shame
  9. Sword Of Anger
  10. Heaven’s A Lie
  11. Veneficium
  12. Nothing Stands In Our Way

Setliste – Eluveitie

  1. Ategnatos
  2. King
  3. «De Ruef vo de Bärge»
  4. Deathwalker
  5. Omnos
  6. Black Water Dawn
  7. Worship
  8. Artio
  9. Epona
  10. A Rose For Epona
  11. Thousandfold
  12. Ambiramus
  13. Drum Solo
  14. Quoth The Raven
  15. Havoc
  16. Breathe
  17. Helvetios
  18. Rebirth*
  19. Inis Mona*

*Zugabe

Fotos Eluveitie, Lacuna Coil, Infected Rain – Komplex 457 Zürich 2019 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

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