Unearth - KiFF Aarau 2020 (European Tour Flyer)
So, 23. Februar 2020

Unearth, Prong, Dust Bolt, Sinaro

KiFF (Aarau, CH)
17.03.2020
Unearth - KiFF Aarau 2020 (European Tour Flyer)

Am Sonntagabend zu Hause bleiben? Keine Option! 

Glücklicherweise konnten das KIFF und Veranstalter Metalmayhem diesbezüglich Abhilfe schaffen, in dem sie Unearth, Prong, Dust Bolt und Sinaro in die Futterfabrik eingeladen haben. Leider konnten trotzdem nicht allzu viele Leute vom heimischen Sofa weggelockt werden. Fast alle Bands lieferten ansprechende Performances ab. Ein Akteur hatte allerdings mit mühseligen Mikrofon-Problemen und zickendem Saitenköniginnen-Wireless zu kämpfen. 

Nach und nach taucht die Aargauer Konzert-Location KIFF immer regelmässiger auf meinem Zettel auf. In der Vergangenheit müssen mir wohl oder übel schon ein paar interessante Shows durch die Lappen gegangen sein. Aber ich hole langsam einiges nach.

Um die heutige Beschallung kümmert sich ein grobes Vierer-Paket, das zurzeit durch Europa tourt. Die stilistische Zusammensetzung entpuppt sich – wie so oft – als buntes Gemisch: Von Metalcore bis hin zu Thrash Metal und groovigen Klängen ist alles vertreten. Unearth waren erst kürzlich in der Schweiz zu Gast und durften im Oktober des vergangenen Jahres unter anderem gemeinsam mit As I Lay Dying das Zürcher Volkshaus abreissen. Oh schau an! Die New Yorker-Pioniere von Prong geben sich ebenfalls wieder einmal die Ehre. Da liegt die letzte Begegnung schon etwas länger zurück. Ausserdem ist die – zumindest aus meiner Sicht – grosse deutsche Thrash-Hoffnung am Start. Die Rede ist von Dust Bolt, welche sicherlich gnadenlos über das Publikum hinwegfegen werden. Abgerundet wird die musikalische Speisekarte durch die mir komplett unbekannten Sinaro.

Sinaro

Okay, letztgenannte Kapelle darf schliesslich Punkt 19 Uhr den Reigen eröffnen. Sofort sticht mir das «Kill The Kardashians»-Shirt von Basser Jon Perkins ins Auge. Das wird zurecht gefeiert. Der Sound der Amis lässt sich freilich nicht in eine Schublade zwängen. Da sind Elemente des Hard Rock, Heavy Metal und Metalcore heraushörbar. «Hören» ist sogleich das passende Stichwort, denn auf den Gesang vom brasilianischen Fronter Gus Sinaro trifft das praktisch nicht zu. Die Backing-Vocals seiner Kollegen sind sogar noch schlechter vernehmbar. Echt bedauerlich, denn insbesondere Support-Acts haben in diesem Laden scheinbar ab und an Schwierigkeiten mit den Mikrofonen. Das Wireless-System der Gitarren hat auch seine Marotten. Immerhin verschwindet für die letzten Tracks das von Musikern zurecht verhasste «U» vor der Bühne, da sich die Besucher endlich nach vorne wagen. Gemäss Klampfer Mike Cassano würden die Achseln eh nicht schlimm riechen.

Dust Bolt

Holla die Waldfee, jetzt herrscht umgehend eine völlig andere Kadenz auf der Bühne. Das ist bei den vier «Eskalations-Typen» aus dem Freistaat Bayern allerdings kein Wunder. Mit den Füssen auf dem Gaspedal wirbelt das Quartett unermüdlich durch die Gegend. Allen voran Lenny Bruce – der Dust Bolt-Frontmann. Mit seinen markant weissen Tretern sind ihm selbst Ausflüge hinunter zu den Fans keinesfalls zu schade. Diese unglaubliche Energie lässt wirklich niemanden kalt. Die Gesangslautstärke ist nun besser. Lenny verkündet in der Mitte des Sets das Motto der rund 25 Personen, die auf dieser Tour gemeinsam unterwegs sind. Sie wollen sämtliche Buden rocken und zum Kochen bringen. Den Deutschen gelingt dies mit einer beeindruckenden Leichtigkeit.

Am Bass ist mit Moosi ein neues Mitglied mit von der Partie. Mit ihm haben wir vor dem Gig noch angeregt am Merch-Stand geplaudert. Beim Songwriting für künftige Nummern konnte er sich ebenfalls schon einbringen. Das Resultat gibt’s in Form einer Hühnerhaut auslösenden Ballade auf die Lauscher. Definitiv nicht das übliche Dust Bolt-Geknüpple, aber das spricht für den Facettenreichtum der Truppe. «Another Day in Hell» geht ja in eine ähnliche Richtung (auch wenn die Nummer heute auf der Strecke bleibt). Und wie war das noch gleich mit den bekanntesten Hymnen vieler Gitarren lastiger Bands? Sind das nicht beinahe jedes Mal die softeren Tracks? Ich sage an dieser Stelle nur «Nothing Else Matters».

Prong

Auffällig ist der Wechsel in den Publikumsreihen vor der nächsten Darbietung. Die jüngeren Nasen machen den etwas reiferen Semestern Platz. Keine wirkliche Überraschung, denn Prong zelebrierten Ende der 80er und fast in den kompletten 90er-Jahren ihre grössten Erfolge. Wer damals seine Jugendzeit gehabt hat, dürfte möglicherweise mit dem Liedgut der New Yorker in Berührung gekommen sein. Sowohl auf als auch vor der «Spielewiese» sind einige Hupfdohlen auszumachen.

Ich würde es begrüssen, wenn Fronter Tommy Victor bei seinen Ansagen jeweils das Surren seiner Saitenkönigin unterbinden würde. Andernfalls versteht man ihn blöderweise kaum. Der Gesang ist eindeutig nicht seine Kernkompetenz, aber dafür sitzen die Riffs – und von denen hat diese Gruppe, die unter anderem schon mit Pantera verglichen wurde, mehr als genug im Gepäck. Machine Head haben sich ganz gewiss durch das musikalische Schaffen von Prong beeinflussen lassen. Das hört man dem Sound sehr deutlich an. Die grosszügige Spielzeit von 60 Minuten wird schliesslich mit «However It May End» (ach, wie passend) beendet.

Unearth

Wahrscheinlich figurieren Prong und Unearth in diesem Package als Co-Headliner, denn die jetzt antretenden Jungs aus Boston, Massachusetts dürfen ebenfalls während einer Stunde die Wände zum Erzittern bringen. Angezogen vom Metalcore erleben die vordersten Reihen eine jähe Verjüngung. Die Prong-Haudegen haben sich zurückgezogen und überlassen insbesondere einem wild herumtanzenden Mädel das Feld.

An der Performance gibt’s nix zu bemängeln. Der knipsenden Zunft hätte man dafür aber ruhig angenehmere Beleuchtungsverhältnisse ermöglichen können (zumindest während der ersten paar Lieder). Gegenlicht und Strobo-Effekte sind wahrlich undankbar. Mal schauen, ob da irgendjemandem einigermassen brauchbare Schnappschüsse gelingen werden.

Moosi von Dust Bolt hat bei «The Great Dividers» einen kurzen Gastauftritt und diese Aktion zeigt bestens, wie hervorragend die Stimmung unter den Musikern ist. Die Hütte mag heute zwar alles andere als ausverkauft sein, aber Unearth kriegen nichtsdestotrotz einen Circle Pit hin. Das rundet den bockstarken Gig der Amis souverän ab. Mit dem Gewalts-Riff-Stück «My Will Be Done» verabschieden sie sich dann von ihren helvetischen Anhängern. Da ich jetzt innert kurzer Zeit zwei überzeugende Leistungen von den Jungs erlebt habe, ist ein T-Shirt-Kauf absolute Pflicht!

Das Fanzit – Unearth, Prong, Dust Bolt, Sinaro

Für dieses coole Billing hat sich der Besuch im KIFF effektiv gelohnt. Einzig Sinaro kamen nie so richtig auf Betriebstemperatur. Dafür haben Dust Bolt und Unearth vollen Einsatz gegeben und sich für weitere Besuche auf Schweizer Boden empfohlen. Leider war die Location bloss mittelmässig besucht.

Setlist – Sinaro

  1. No Salvation
  2. Break The Paradigm
  3. The Sun Burns In Disbelief
  4. Ruins Of The Empire
  5. The Darkest Of Skies
  6. The Living Dead

Setlist – Prong

  1. Disbelief
  2. Freezer Burn
  3. For Dear Life
  4. Unconditional
  5. Beg To Differ
  6. Lost And Found
  7. End Of Sanity
  8. Cut-Rate
  9. Ultimate Authority
  10. Rude Awakening
  11. Another Worldly Device
  12. Broken Peace
  13. Whose Fist Is This Anyway?
  14. Snap Your Fingers, Snap Your Neck
  15. However It May End

Setlist – Unearth

  1. This Lying World
  2. Survivalist
  3. Giles
  4. Incinerate
  5. Zombie Autopilot
  6. Endless
  7. Never Cease
  8. Watch It Burn
  9. Sidewinder
  10. Dust
  11. The Great Dividers (mit Moosi von Dust Bolt)
  12. Black Hearts Now Reign
  13. My Will Be Done

Wie fandet ihr das Konzert?

17.03.2020
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