Metalinside.ch - Amon Amarth - Samsung Hall Dübendorf 2019 - Foto pam
Di, 19. November 2019

Amon Amarth, Arch Enemy, Hypocrisy

Samsung Hall (Dübendorf, CH)
/ 09.05.2020

Twilight of the Nemesis… oder so…

Amon Amarth und Arch Enemy sind Garanten für exzellente Live-Shows. Zusammen mit den ebenfalls aus Schweden stammenden Hypocrisy sorgten sie Ende 2019 in ganz Europa für brennende Bühnen.

(Dome The Stick) Der heutige Headliner hat im Sommer an den Festivals gezeigt, wofür er steht: Brachiale und doch höchst eingängigen Melodic Death Metal, welcher unter konstanter Wikinger-Thematik zelebriert wird. Live gibt es dazu einige Showelemente, den beeindruckenden Musterwikinger Johan Hegg und jede Menge Aktivität im Publikum.

Zusammen mit Arch Enemy, welche in den letzten Jahren ebenfalls immer und immer wieder überzeugt haben, und Hypocrisy, welche im September die Schweiz noch am Meh Suff besucht hatten, bilden die Viking Metaller also eine kleine Musikerarmee und erobern die Bühnen Europas.

Bereits am Bahnhof Stettbach, der in unmittelbarer Nähe zur Samsung Hall liegt, ist klar, welches Genre heute an der Reihe ist. Der kleine Junge, der auf seinem Schulweg wohl nicht mit einer solchen Horde schwarze Kleidung tragender Metalheads gerechnet hat, tut mir fast ein wenig leid.

Beim Einlass in die Samsung Hall habe ich das Gefühl, dass da am Konzept etwas geändert wurde. Die ganze Prozedur dauert aussergewöhnlich kurz und auch das Chaos im Eingangsbereich ist weniger schlimm als auch schon. Doch auch heute stellt der Verbindungsknoten zwischen Eingang, Essbereich, Merch-Ständen und Eingang eine kleine Herausforderung dar.

Hypocrisy

Kaum bin ich im vorderen Publikumsbereich angekommen, beginnt der Auftritt des Openers. Auch wenn Hypocrisy eines seiner beiden Hauptprojekte ist, dürfte der Bandkopf Peter Tägtgren vielen Besuchern auch von anderen Projekten bekannt sein. Neben Pain und Lindemann wären an dieser Stelle wohl mindestens War, Bloodbath und Amorphis zu erwähnen. Als Produzent von Bands wie Children Of Bodom, Dimmu Borgir, Sabaton und eben auch Amon Amarth hat Tägtgren zudem auch ausserhalb des eigenen Musikschaffens viel geleistet.

Doch kommen wir zurück zu Hypocrisy und dem heutigen Auftritt. Mit einer schweren Stimmung und abwechselnd langsamen Doom- und schnellen Thrash-Passagen begrüssen uns die Death Metaller zum heutigen Abend. Leider lässt sich das Publikum nicht wirklich abholen. Ob dies am Auftritt der Band oder nur an ihrer im Vergleich zu den anderen beiden Bands geringen Bekanntheit liegt, ist schwer zu beurteilen.

Nicht nur ich stelle mir die Frage, ob es neben Amon Amarth und Arch Enemy heute eine dritte Band gebraucht hätte. Die beiden haben in den vergangenen Jahren auf eigenen Headliner-Touren und an Festivals ihre jedes Mal aufs Neue erstaunende Qualität bewiesen. Und auch an Songs würde es wohl nicht mangeln… Meiner Meinung nach wäre es definitiv alles andere als falsch gewesen, eine reine Amon-Enemy-Tour zu machen und Hypocrisy dafür auf kleineren Bühnen (Z7, Dynamo, Komplex) oder als Teil einer Death-Metal-Kombo aufspielen zu lassen.

Setliste Hypocrisy

  1. Fractured Millennium
  2. Adjusting The Sun
  3. Fire In The Sky
  4. Eraser
  5. War-Path
  6. The Final Chapter
  7. Roswell 47

Arch Enemy

Arch Enemy als Vorband? Das letzte Gastspiel dieser Art gab es in der Schweiz 2015, als die Schweden im Vorprogramm von Nightwish standen. Seither gaben die Melodeather hierzulande nicht wenige Headliner- und Festivalauftritte, und so ist es schon ein wenig komisch, dass die Erzfeinde heute nicht als Hauptact auftreten. Nun, so sei es…

Die Sängerin Alissa White-Gluz betritt die Bühne heute in schwarz-roten Hosen und mit einer Art Fledermausflügeln unter den Armen. Dieses Outfit hat schon was! Mit der gewohnten Leichtigkeit und Schnelligkeit huscht die Kanadierin über die Bühne und heizt zusammen mit ihren Bandkollegen die Fans an. Wie so oft bei Arch Enemy, will ich an dieser Stelle auch die beeindruckende Leistung von Drummer Daniel Erlandsson und Basser Sharlee D’Angelo hervorheben. Nicht dass Jeff Loomis, Michael Amott und eben Alissa ihren Job nicht gut machen würden – im Gegenteil – doch habe ich den Eindruck, dass die Rhythmusfraktion dieser Truppe zu oft unberechtigterweise im Hintergrund steht.

Die Stimmung im Publikum ist im Gegensatz zum vorherigen Gig um ein Vielfaches besser. Auch ich begebe mich zum Pit, gehe ab und verlasse ihn während «No Gods No Masters» unfreiwillig als Crowdsurfer. Nun denn, jetzt wo ich schon in der Vorhalle stehe, gönne ich mir noch einen superschnellen Gang aufs WC. Dort treffe ich dann zufällig auf Mit-Metalinsider Dutti. Für lange Gespräche bleibt jedoch keine Zeit, schliesslich ist der Auftritt noch nicht vorbei. Von oben ertönen die Intro-Klänge zu «Nemesis». Nichts wie hin…

Nach dieser Überhymne geht ein sehr guter Auftritt zu Ende, welcher aber bei weitem nicht der beste dieser Truppe war. An Konzerte wie das am Download Madrid oder in Wacken 2018, im Komplex im Januar 2018 oder im Z7 im Juni 2019 kommt die Band heute leider nicht ganz ran. Aber: Arch Enemy können gar nicht schlecht sein und ich jammere hier auf einem seeehr hohen Niveau. Schlussendlich war der nur zehn Songs lange Auftritt wohl auch ein Spürchen zu kurz. Mit nur zwei Bands hätten da wohl noch drei bis vier Stücke mehr Platz gefunden.

Setliste Arch Enemy

  1. (Set Flame To The Night)
  2. The World Is Yours
  3. War Eternal
  4. My Apocalypse
  5. Under Black Flags We March
  6. Ravenous
  7. The Eagle Flies Alone
  8. First Day In Hell
  9. (Saturnine)
  10. As The Pages Burn
  11. No Gods, No Masters
  12. Nemesis
  13. (Enter The Machine)
  14. (Vox Stellarum)

Amon Amarth

Nach der Umbau- und Bierhol-Pause wird es dunkel und «Run To The Hills» von Iron Maiden ertönt. Keine schlechte Vorbereitung! Als hätte das Publikum nach Arch Enemy noch die Kontrolle über die eigenen Stimmen…

Die Bühne ist heute relativ leer: Neben dem Wikingerhelm, auf welchem das Schlagzeug aufgebaut ist, gibt es nur zwei kleine seitige Treppen. Mit dem Fallen des Vorhangs begeben sich Johan Hegg, Johan Söderberg, Olavi Mikkonen und Ted Lundström auf die Bühne. Drummer Jocke Wallgren hat bereits auf dem Helm Platz genommen. Gestartet wird sogleich mit einem der neuen Songs, mit «Raven’s Flight». Mannomann, ist hier die Hölle los! Ab den ersten Tönen hat die nach dem Schicksalsberg benannte Band die Aufmerksamkeit sämtlicher Konzertbesucher für sich!

Während dem ganzen Auftritt will die Stimmung nie so richtig abnehmen. Sei es bei etwas älteren Songs wie «Death In Fire», den nicht mehr ganz jungen Kandidaten à la «Deceiver Of The Gods» oder bei neuen Tracks wie «Crack The Sky», mit einer gewaltigen Bühnenpräsenz zeigen uns Bartli Johan und seine Mitwikinger, wo sie den Most holen… oder wo der Hammer hängt…? Wie auch immer!

Bei «Shield Wall» gibt es die bereits bekannte Schlachtnummer, in welcher sich einige Wikinger mit Schwertern und Schilden bekämpfen. Die einheitliche Bandshirts tragenden Musiker treten dabei jedoch keineswegs zu fest in den Hintergrund!

Für einen ersten Abschluss sorgen das genial gespielte «Guardians Of Asgaard» (was für eine Hymne!) und «Raise Your Horns». Doch da fehlt doch noch was? Vor dem zweifellos sehr guten, aber vielleicht ein wenig zu fest gehypten «Twilight Of The Thunder God» darf noch gar nicht Feierabend sein! Genau deshalb werden «The Pursuit Of Vikings» und die genannte Hymne an den Donnergott noch nachgeliefert. So, Feierabend!

Leider muss ich auch hier eingestehen, dass der Auftritt nicht ganz an bereits Gesehenes herankommt. Wenn ich an die Headliner-Auftritte am Greenfield (siehe Review und Fotos) oder auch am Rockharz denke, oder an die Show am Graspop, dann fehlte heute das kleine, aber feine Detail. Doch auch hier, wir jammern auf unglaublich hohem Niveau!

Setliste Amon Amarth

  1. Raven’s Flight
  2. Runes To My Memory
  3. Death In Fire
  4. Deceiver Of The Gods
  5. First Kill
  6. Fafner’s Gold
  7. Crack The Sky
  8. The Way Of Vikings
  9. Prediction Of Warfare
  10. Shield Wall
  11. Guardians Of Asgaard
  12. Raise Your Horns
  13. The Pursuit Of Vikings *
  14. Twilight Of The Thunder God *

*Zugaben

Das Fanzit

Dass ein Abend mit Amon Amarth und Arch Enemy ein vorzügliches Konzerterlebnis liefern würde, daran zweifelte niemand. Genau dafür haben die beiden Bands dann auch gesorgt. Leider konnten sie im Vergleich zu vergangenen Gigs nicht nur punkten. Schade war zudem, dass aufgrund der Dreierbesetzung bei allen Bands die Spielzeit eher kurz wirkte. Doch wenn ich nur an diesen beiden Dingen rumnörgeln kann, heisst das eigentlich nur eines: Dieser Abend war absolut spitze!

Fotos Amon Amarth, Arch Enemy, Hypocrisy – Samsung Hall 2019 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 09.05.2020
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