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Axel Rudi Pell - Sign Of The Times (CD Cover Artwork)
Fr, 8. Mai 2020

Axel Rudi Pell – Sign Of The Times

Hard Rock, Heavy Metal
09.05.2020
Axel Rudi Pell - Sign Of The Times (CD Cover Artwork)

Überraschend anders

… ist das mitunter 18. Studiowerk von Axel Rudi Pell natürlich nicht. Denn wohl eher passt ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass der bald 60-jährige Namensgeber auch nur einen Fingerbreit von seinem eingeschlagenen Weg abweichen würde. Beinahe könnte man meinen, der alte Werbeklassiker sei eigens für Pell getextet worden: Da weiss man, was man hat. Trends? Ist was für Leute, die ihre Berufung noch nicht gefunden haben!

Diese schon fast beängstigende Konstanz zeigt sich nicht nur beim Songwriting, auch betreffend Line-Up werden altbewährte Kräfte gebündelt. Bassist Volker Krawczak ist seit der Gründung von ARP im Jahre 1989 mit an Bord, Sänger Johnny Gioeli und Keyboarder Ferdy Doernberg erweisen sich seit mehr als 20 Jahren als wackere Weggefährten. Drummer Bobby Rondinelli indes stiess 2013 dazu und ist somit „der Neue“ – was zugegebenermassen etwas albern klingt.

Axel Rudi Pell – Zeichen der Zeit

Doch was bedeutet das nun alles für das neuste Machwerk „Sign Of The Times“? Nach einem leicht apokalyptisch angehauchten Gitarrenintro („The Black Serenade“; das soundmässig irgendwie zur anhaltenden Grundstimmung im Corona-Umfeld passt) geht es mit „Gunfire“ gleich so richtig zur Sache. Doublebass, Hammondorgel und Riffs, die voll nach vorne los brettern; es ist alles da, was der Axel Rudi Pell – Fan von seiner Combo erwartet. Der nachfolgende Track „Bad Reputation“ kommt als klassische HardRock-Nummer daher und versprüht jede Menge gute Laune – mehr aber auch nicht. Da ist der designierte Titletrack schon ein ganz anderes Kaliber und weiss mit geschickt eingestreuten Tempiwechseln sowie Nuancen im Härtegrad zu punkten! Eine epische Nummer, die sicher auch bei Live-Auftritten zu gefallen wissen wird! Und das Intro – für einmal doch leicht ungewohnte Klänge aus der Küche von Axel Rudi *Wellemach*!

Mit „The End Of The Line“ manifestiert sich ein weiterer Kracher, der voll groovt und einen wirklich einprägsamen Refrain bereithält! Bemerkenswert? Auf alle Fälle! Weiter geht es mit der obligaten Power-Ballade namens „As Blind As A Fool Can Be“, welche eher verhalten loslegt, sich dann aber mehr und mehr zu einem fulminanten Crescendo hochmausert. Das harmonische Wechselspiel zwischen Shouter Gioeli und dem Maestro an der Klampfe himself drückt diesem Song den Stempel auf – wetten, dass dieses Stück auf der nächsten hausinternen „Ballads“-Scheibe seine Aufwartung macht? 

Reggae?? Reggae!

„Wings Of The Storm“ nimmt in der Folge wieder etwas Fahrt auf, wenn auch nur soviel, um die Keyboards von Ferdy Doernberg sich voll entfalten zu lassen. Eine Mid-Tempo-Nummer, die sehr stark von Johnny Gioelis Stimme lebt. Was mindestens eben so sehr auf den nächsten Titel zutrifft – bei „Waiting For Your Call“ liefert der gebürtige Amerikaner so richtig ab – die Leidenschaft in seiner Stimme lässt vermuten, wie wichtig ihm dieser Anruf gewesen sein muss. 

Womit wir bei „Living In A Dream“ angelangt wären… Ich habe ja so einiges erwartet (ok, stimmt natürlich nicht, ist ja schliesslich und endlich ARP), aber Reggae?? (wtf) Nach etwas mehr als einer Minute beenden satte Gitarrenriffs dieses kompositorische Verwirrspiel zwar, die zweitletzte Nummer der Scheibe zählt meines Erachtens aber zu den Lowlights auf „Sign Of The Times“. Zwar durchaus wuchtig in seiner Spielart, kann mich das hier Dargebotene leider nicht restlos überzeugen. Das finale „Into The Fire“ weiss mit seinen verzerrt daherkommenden Gitarren und stampfenden Beats dafür nochmals gut zu unterhalten!

Zwei nach zwölf

Auch wenn musikalisch keine Umwälzung stattfand, so wurde doch zumindest bei den Lyrics nachjustiert. Zitat: „Bis auf einige Standard-PELL-Texte über Beziehungen drehen sich die meisten Lyrics um das aktuelle Weltgeschehen, deshalb auch das Cover mit der Uhr, die auf zwei Minuten nach Mitternacht steht. Wir befinden uns in einer ziemlich gefährlichen Zeit. Ich meine nicht nur das Thema Klimawandel, sondern auch Religionskriege und die öffentliche Sicherheit.“

Das Fanzit Axel Rudi Pell – Sign Of The Times

Der Blueprint für den ARP-typischen Sound ist auch bei SOTT aus Osmium gegossen – Abweichungen vom Pellschen Gesamtkonzept sind allenfalls marginal erkennbar; so klingt die neue Scheibe streckenweise etwas härter als auch schon. Wer von Axel Rudi Pell keine Neuerfindung seiner selbst erwartet und mit bekannten, qualitativ aber hochstehenden Melodiebögen leben kann, dem sei „Sign Of The Times“ vorbehaltslos empfohlen. Wem der Sinn eher nach schöpferischer Mannigfaltigkeit steht, der sollte vor dem Kauf probehören! Alles in allem acht von zehn wohl verdiente Metalinside-Punkte von meiner Seite.

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Trackliste Axel Rudi Pell – Sign Of The Times

  1. The Black Serenade (Intro)
  2. Gunfire
  3. Bad Reputation
  4. Sign Of The Times
  5. The End Of The Line
  6. As Blind As A Fool Can Be
  7. Wings Of The Storm
  8. Waiting For Your Call
  9. Living In A Dream
  10. Into The Fire

Line Up – Axel Rudi Pell

  • Johnny Gioeli – Lead and Backing Vocals
  • Axel Rudi Pell – Lead, Rhythm and Acoustic Guitars
  • Ferdy Doernberg – Keyboards
  • Volker Krawczak – Bass
  • Bobby Rondinelli – Drums

Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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09.05.2020
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