Wytch Hazel – III Pentecost (Cover Artwork)
Fr, 30. Oktober 2020

Wytch Hazel – III: Pentecost

Folk Rock, Hard Rock, Heavy Metal, Mittelalter Rock
22.11.2020
Wytch Hazel – III Pentecost (Cover Artwork)

Heavy Metal im Mittelalter

Man stelle sich ein Paralleluniversum vor, in dem die New Wave of British Heavy Metal (NWOBHM) bereits vor 600 Jahren existiert. Aus diesem rockigen Mittelalter entspringen Wytch Hazel, welche das Fussvolk mit ihrer energiegeladenen Musik beglücken. Diese Vision von Gründer, Gitarrist und Sänger Colin Hendra klingt im ersten Moment vielleicht verrückt und utopisch, entfaltet sich aber beim genauen Hinhören als eine überaus treffende Umschreibung einer Hardrock-Band, die weitaus mehr ist, als nur ein weiteres Blatt im trendigen Retrolaub.

Retro ist in den letzten Jahren total in Mode gekommen. Davon zeugen nicht nur die unzähligen jungen Bands aus Schweden, die sich auf die Glam Metal Szene der 80er berufen, sondern auch der Erfolg einer Band wie Ghost, die mitverantwortlich für die Wiederbelebung und Popularität von Doom Metal respektive Stoner Rock sind. Doch auch die Britischen Inseln haben da ein Wörtchen mitzureden und mischen mit jungen Bands wie Dark Forest, Seven Sisters oder Amulet die traditionelle Metal Szene wieder mächtig auf.

Wytch Hazel

Genau aus diesen britischen Reihen treten Wytch Hazel hervor. Aber während obengenannte Bands auch mal die galoppierenden NWOBHM-Pferde loslassen, fokussieren sich die vier Herren aus dem nördlichen Lancaster eher auf die folkloristischen Einflüsse der britischen Stahl-Szene. Wishbone Ash, Thin Lizzy oder Jethro Tull standen bereits bei Giganten wie Iron Maiden Pate und fliessen nun in Form von zweistimmigen Gitarren, einprägsamen Melodien und einer gehörigen Portion britischer Melancholie in die Songstrukturen von Wytch Hazel ein, was einen regelrecht archaischen Klang erzeugt. Bereits das Debut «Prelude» (2016) zeugte von diesem eigenwilligen Sound und brachte diverse Kritiker ins Schwärmen, was auch beim Nachfolger «II: Sojourn» (2018) anhielt. Nicht selten war von «musikalischem Phänomen» die Rede. Die Briten bezauberten die harte Rockwelt mit ihrem Rezept aus folkigem Hardrock mit Geschichten über alte Tage und vergangene Zeiten, Kämpfe und Schlachten, Ruhm und Ehre, Spiritualität und allem, was einen in ein imaginäres Mittelalter versetzt. Und mit dem dritten Werk möchte man nun dem Ganzen die Krone aufsetzen.

«III: Pentecost» ist, um es vorweg zu nehmen, das bisher eingängigste Album von Wytch Hazel. Da zündet jeder Song auf Anhieb – man ist sofort mittendrin, lässt sich abholen und ergreifen, obwohl Colin Hendra (übrigens ehemaliger Live-Gitarrist bei Angel Witch) kompositorisch seiner Linie treu geblieben ist. Aber mehr denn je triefen die Songs von Spielfreude und Frische, ohne die bisher typisch mittelalterliche Verträumtheit und Epik auszulassen. Mitverantwortlich ist sicherlich die warme Produktion, die zwar immer noch einen angenehmen Hauch von Vintage verbreitet, aber diesmal den Zuhörer deutlich druckvoller verwöhnt. Seien es Reisser wie der Opener ‹He Is The Fight› oder ‹I Will Not›, Mitsinghymnen der Marke ‹Spirit And Fire› oder ‹Archangel›, das doomige und trotzdem von Energie strotzende ‹Dry Bones› oder das abschliessende, ritterlich anmutende ‹Ancient Of Days› – was Wytch Hazel auf «III: Pentecost» während knapp 43 Minuten zelebrieren, ist schlicht majestätisch.

Das Fanzit Wytch Hazel – III: Pentecost

Auch nach zehn und mehr Durchläufen bleibt «III: Pentecost» kurzweilig, spannend und unverbraucht. Jeder Song passt, jedes Riff sitzt, jedes noch so kleine Detail ist an seinem Platz und die Melodien bleiben nachhaltig im Ohr hängen. Wytch Hazel schaffen mit ihrer originellen Mischung aus 70s Classic Rock, NWOBHM und mittelalterlicher Musik etwas unbeschreiblich Faszinierendes, dem man sich nur schwer entziehen kann, wenn man ihm einmal verfallen ist. Kurz gesagt: Man kann den Stil mögen oder nicht, aber besser als auf «III: Pentecost» kann man Undergroundmusik kaum machen. Phänomenal!

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Trackliste Wytch Hazel – III: Pentecost

  1. He Is The Fight
  2. Spirit And Fire
  3. I Am Redeemed
  4. Archangel
  5. Dry Bones
  6. Sonata
  7. I Will Not
  8. Reap The Harvest
  9. The Crown
  10. Ancient Of Days

Line Up Wytch Hazel

  • Colin Hendra – Vocals, Guitars, Organ, Piano
  • Alex Haslam – Guitars
  • Andy Shackleton – Bass
  • Jack Spencer – Drums

 

Video Wytch Hazel – Spirit And Fire


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9.5/10



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22.11.2020