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Wardruna - Kvitravn (Cover Artwork)
Fr, 22. Januar 2021

Wardruna – Kvitravn

Nordic Folk
21.01.2021
Wardruna - Kvitravn (Cover Artwork)

Der weisse Rabe schlägt zurück!

Die Veröffentlichung des fünften Albums «Kvitravn» von Wardruna wurde wegen Corona vom letzten Juni auf den 22. Januar 2021 verschoben. Es ist also endlich so weit! Einar Selvik und seine Truppe treten mit dem neuen Album an.

Gleich vorweg: Eigentlich hatte ich die Absicht, eine eher kurze Review zu schreiben. Wardruna-Album Nr. 5 zog mich dann allerdings derart in den Bann, dass ich mich sogar intensiver mit den Songtexten auseinandersetzte. Und die Review ist… nun ja, nicht übertrieben lang, aber auch nicht „eher kurz“.

Der Titel verrät es: der weisse Rabe schlägt zurück! „Weisser Rabe“ ist nämlich die Übersetzung von «Kvitravn» und gleichzeitig der Künstlername des Hauptakteurs Einar Selvik. Dies ist kein Zufall… Den Presseinformationen zum Album entnehme ich, dass er den Albumtitel aufgrund derselben Ideen gewählt hat, aufgrund derer er den Namen annahm.

Wardruna

Bevor wir auf das Album eingehen, ein kurzer Abriss zu Wardruna. Die norwegische Formation wurde anfangs 2000er-Jahre von Einar Selvik, Gaahl (damals beide unter anderem bei Gorgoroth tätig) und Lindy Fay Hella gegründet. 2009 erschien «Runaljod – Gap Var Ginnunga», das erste Album einer Trilogie, deren Konzept es war, auf jedem Album 8 der total 24 Elder Futhark-Runen zu interpretieren. Die beiden Nachfolger hiessen «Runaljod – Yggdrasil» und «Runaljod – Ragnarok» und erschienen 2013 resp. 2016. In der Zwischenzeit hatte Gaahl Wardruna 2014 verlassen. Das dritte Album hatte insbesondere daher grossen Erfolg, da die Band Musik zur Erfolgsserie «Vikings» beisteuerte.

2016 und 2017 beschäftigte sich Selvik zudem mit weiteren Projekten: einer musikalischen Chronik anlässlich des Jubiläums der norwegischen Verfassung und dem Soloprojekt «Snake Pit Poetry». Ein neues Bandkapitel eröffnete sich 2018, als das vierte Album «Skald» erschien. Das in einem Studio live aufgenommene Album basiert unter anderem auf Erzählungen aus der Völuspá, einem der wichtigsten nordischen Gedichte überhaupt.

Kvitravn

Zeitsprung: Wir schreiben 2021 und die verschobene Veröffentlichung von «Kvitravn» schreitet unaufhaltsam näher. Am Wardruna-Grundkonzept hat sich nichts verändert: Die Geschichtenerzähler übernehmen Gedanken und Methoden aus der weiten Vergangenheit und komponieren damit neue Musik. Gespielt werden vor allem traditionelle Instrumente wie spezielle Hörner, Flöten, Harfen und Trommeln. Natürliche Geräusche von Bäumen, Steinen, Knochen, Wasser und Feuer runden den Soundteppich ab.

Auch auf dem fünften Album wirken wieder verschiedene Gastmusiker mit. Das abschliessende «Andvevarljod» wird zum Beispiel von der Sängerin Kirsten Bråten Berg und ihrer Tochter Sigrid mitgestaltet. Weitere Beiträge gibt es von Unni Løvlid und Ingebjørg Lognvik Reinholdt.

In einem ersten Hördurchgang stelle ich fest, dass mir «Kvitravn» besser gefällt als «Skald», mit welchem ich nie durch und durch warm wurde. Die neue Musik scheint düsterer, nebliger und melancholischer. Tatsächlich soll «Kvitravn» „musikalisch dort anknüpfen, wo die Runaljod-Trilogie aufhörte“. Symbolisch ausgedrückt wird dies auch mit dem Albumcover, welches (wie die ersten drei Scheiben) das Wardruna-Logo prominent in Szene setzt – nicht wie Skald.

Doch was genau macht «Kvitravn» denn jetzt aus? Wo sind die Parallelen zu den «Runaljod»-Alben, wo die Unterschiede zu «Skald»?

Song für Song

Schon in den ersten eineinhalb Minuten von «Synkverv» wird klar: Das Album hat zwar (wie alle Vorgänger) ruhigere Stellen, aber trotzdem läuft – insbesondere rhythmisch – mehr als auf vielen «Skald»-Liedern. Achtung: Die durchgehende «Synkverv»-Melodie weist ein gefährliches Ohrwurm-Potenzial auf! «Kvitravn» beginnt passend zur Thematik mit Rabenschreien. Mit knapp sechseinhalb Minuten bewegt sich der Titeltrack im Mittelfeld der zwischen dreieinhalb bis über zehn Minuten dauernden Songs. Als zweite erschienene Single habe ich «Kvitravn» schon vor dem ganzen Album mehrmals gehört und muss gestehen: er gefällt! Wardruna zeigen einmal mehr, dass sie es verstehen, mystische und repetitive Instrumentalklänge mit dazu passenden Vocals zu vermischen.

«Skugge» und «Grá» sind die beiden weiteren Songs, welche bereits vorab begleitet von Videos veröffentlicht wurden. Beide sind auf der düstereren, ruhigeren Seite des Albums angegliedert, wirken aber auf keinen Fall langweilig. Insbesondere die repetitivere zweite Hälfte von «Skugge» zieht den Hörer in den Bann. Auf das sprechgesanggeprägte «Flygjutal» folgt «Munin». Dort spielt Selvik mit der Thematik Munins, einem der beiden Raben Odins. Interessanterweise geht der Text jedoch auf zwei Raben ein, ohne klarzustellen, ob Hugin und Munin gemeint sind, oder ob Munin doppelt verkörpert wird.

Auf «Kvitravn» werden eine ganze Vielzahl von Tieren behandelt. Als nächstes ist der weisse Hirsch («Kvit Hjort») an der Reihe. Dieser Song ist für mich ein klarer Wardruna-Prototyp: Zusammenspiel vieler „aussergewöhnlicher“ Instrumente, ritualartige Gesänge, schön ruhig und doch sehr wild. Dasselbe trifft dann auch auf «Viseveiding» zu. Einfach schön! Auf «Ni» folgen zwei „Lieder“: das «Vindavlarljod» und das «Andvevarljod». Beide setzen die generelle Stossrichtung des Albums fort: typischen Wardruna-Sound eben. Das «Andvevarljod» bindet die beiden Musikerinnen Kirsten und Sigrid Bråten Berg ein und holt während über zehn Minuten noch einmal alles aus der Musik heraus. Nach circa 65 Spielminuten markiert es als elfter Song den Abschluss von «Kvitravn».

Das Fanzit Wardruna Kvitravn

Wardruna versprechen, mit «Kvitravn» dort anzuknüpfen, wo sie die «Runaljod»-Trilogie beendeten. Und dieses Versprechen wird gehalten! Sämtliche Erwartungen von Fans der ersten drei Alben dürften also erfüllt sein.

PS: Neben diversen Festivals im Sommer und der Nordic Night Open Air-Tour (u. a. 18. Juli in München) planen Wardruna, im November in Mailand, Genf und den BeNeLux-Staaten zu spielen. Eventuell wird auch die Deutschschweiz bald wieder beehrt…

Reinhören und limited Edition portofrei bestellen

Tracklist Wardruna Kvitravn

  1. Synkverv (Turn-sight)
  2. Kvitravn (White Raven)
  3. Skugge (Shadow)
  4. Grá (Grey)
  5. Fylgjutal (Speech Of The Fylgia)
  6. Munin (Memory)
  7. Kvit Hjort (White Stag)
  8. Viseveiding (Song-Hunting)
  9. Ni (Nine)
  10. Vindavlarjod (Song Of The Wind-Bred)
  11. Andvevarljod (Song Of The Spirir-Weavers)

Line Up Wardruna

  • Einar Selvik – Vocals, alle Instrumente, Komponist
  • Lindy Fay Hella – Vocals, Flöte
  • Arne Sandvoll – Perkussion, Backing Vocals
  • Eilif Gundersen – Bukkerhorn, Lur, Flöte, Backing Vocals
  • HC Dalgaard – Drums, Perkussion, Backing Vocals
  • John Stenersen – Mora-Harfe

Video Wardruna – Kvitravn (White Raven)


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 9/10



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2.3/5 - (6 votes)
21.01.2021
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