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Blackmores Night - Promobild 2021 (002)
Di, 6. April 2021

Blackmore’s Night – Interview mit Candice Night

Folk, Folk Rock
20.04.2021
Blackmores Night - Promobild 2021 (002)

„Mit Corona hat uns die Pest dann halt doch irgendwie erwischt…“

Seit über 20 Jahren feiern Blackmore’s Night mit ihrer Melange aus Folk und Renaissance, Pop und Rock weltweit Erfolge. Mag das Hauptaugenmerk auch auf dem grossen Namen Richie Blackmore liegen, so ist es doch speziell die engelsgleiche Stimme von Ehefrau Candice Night, welche dem Sound der Mittelalter-Kapelle diese ganz spezielle Note verleiht.

Die Veröffentlichung ihres elften Studiowerkes „Nature’s Light“ (siehe Review) war für uns Anlass genug, das in Hauppauge, New York geborene musikalische Multitalent (welche Instrumente die Dame spielt, erfahrt ihr weiter unten) sowohl zum neuen Album als auch zu weit darüber hinaus gehenden Themen wie unseren Umgang mit der Natur, die Rolle der Frau im Metal, ihre Beteiligung an diversen Side-Projekten – sowie ihre Hoffnungen für die Zeit nach Corona zu befragen.

Metalinside (Sandro): Vorneweg – ganz herzlichen Dank, Candice, dass du dir die Zeit zur Beantwortung meiner Fragen nimmst. „Blackmore’s Night“ wurde 1997 gegründet. Hättest du dir damals vorstellen können, dass die Band so lange bestehen und erfolgreich sein würde?

Candice: Damals haben wir die Musik eigentlich für niemanden ausser für uns selbst gemacht. Wir taten es nicht, um jetzt unbedingt eine Band zu gründen oder möglichst lange damit erfolgreich zu sein. Diese musikalische Reise begann eigentlich als eine Art Flucht vor dem Stress und dem Druck dessen, wohin sich die ganze Rockwelt entwickelt hatte. Und sie ist auch heute noch unser Refugium vor den Zwängen der modernen Welt. Aber als unsere Freunde dann die von uns komponierte Musik hörten und uns sagten, dass sie sich durchaus vorstellen könnten, sowas auch zu kaufen, wenn es denn auf CD erhältlich wäre, da überlegten wir, dass sie vielleicht auch noch anderen Leuten gefallen könnte. Und seit da ist das Ganze von Jahr zu Jahr gewachsen, wir haben unterdessen eine recht beachtliche Anhängerschaft. Die Leute entdecken uns, indem sie zufällig über uns und unsere Musik stolpern oder wenn Freunde uns weiterempfehlen. Aber wir denken, dass die Fangemeinde gerade dadurch auch viel loyaler ist. Wir werden zudem nicht allzu oft im Radio gespielt, also entdecken uns die Leute eher auf unkonventionelle Art und Weise. Aber nach 24 Jahren ist das Ganze für mich so natürlich geworden, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es überhaupt gross anders laufen könnte.

MI: Corona hatte, und hat noch immer, einen grossen Einfluss auf das Leben von uns allen, und speziell die Musikindustrie ist sehr stark davon betroffen. Gab es in dieser dunklen Zeit aber auch eine Art Lichtblick für dich, hast du vielleicht ein neues Hobby entdeckt?

Candice: Ich denke, dass Corona uns eine Menge Dinge gelehrt hat. Nimm nie etwas als selbstverständlich hin. Vereinfache, was du kannst. Wir haben uns von grossen Anlässen und Ablenkungen ferngehalten und unsere Zeit zu Hause damit verbracht, uns als Familie neu zu entdecken. Das hat unsere ohnehin schon engen Beziehungen noch zusätzlich gestärkt. Ich glaube, dass viele Menschen in dieser Zeit vermehrt in sich gegangen sind und sich dabei auf einer tieferen spirituellen Ebene wiedergefunden haben. Sie suchten wieder nach Heilung in der Natur, etwas, worüber wir schon seit Jahren sprechen.

Musik war schon immer unser grösstes Hobby, und so verbrachten wir viel Zeit mit dem Schreiben und liessen uns dabei von der Natur inspirieren. Aber ja, wir haben auch neue Hobbys entdeckt. Ich zum Beispiel begann, Strandglas zu sammeln. Die Reise eines Stücks Glas hat so etwas Wunderbares an sich, wie es weggeworfen wurde, zerbrach, vom Meer überrollt und dann wieder zurück an Land gespült wurde. Ich verbrachte viel Zeit damit, um meinen Kopf freizubekommen, indem ich am Strand spazieren ging, die frische Meeresluft atmete und nach Glas suchte.

MI: Glaubst du, dass diese Pandemie das Denken der Menschen in irgendeiner Weise verändert hat? Oder ist es eher wahrscheinlicher, dass – wenn es vorbei ist – jeder wieder zum normalen Alltag zurückkehren wird?

Candice: Ich denke, es gibt eine Menge, das wir daraus gelernt haben und ich hoffe sehr, dass es nicht einfach wieder so wie zuvor weitergehen wird. Ich mag den Ansatz, sich immer die Hände zu waschen und sauber und hygienisch zu verhalten. Und ich habe auch kein Problem damit, einen halben Meter Abstand zu den Leuten zu halten. Man muss den Leuten ja nicht auf den Füssen herumstehen. Ich habe beobachtet, dass Büros oder generell Orte, zu denen wir gehen, sich sehr gewandelt und angepasst haben, um immer noch die Menschen bedienen zu können, ohne dass dabei alle zusammengedrängt und erdrückt werden.  In Arztpraxen wird man schneller behandelt, man wartet nicht in einem überfüllten Wartezimmer.

Ich war neulich sogar mit den Kindern bei einer Ostereiersuche. Früher waren bei diesem Anlass den ganzen Tag über 1’200 Leute vor Ort und wir standen stundenlang in der Schlange. Jetzt wird online gebucht, man reserviert den Platz, an der Eiersuche nehmen jeweils 30 Kinder gleichzeitig teil und das Erlebnis dauerte eine Stunde. Es war perfekt. Ich glaube auch, wir kehren zu einfacheren Zeiten zurück und es scheint zu funktionieren. Vielleicht waren wir früher alle ein bisschen zu gierig und einfach daran gewöhnt, dass die Dinge so sind, wie wir sie seit jeher kannten.

Aber nachdem ich das nun alles gesagt habe… Ich glaube nicht, dass irgendetwas Live-Konzerte je ersetzen wird – Streaming erreicht mehr Menschen, ja, aber die Energie, die man auf der Bühne erfährt und auch weitergibt, ist unermesslich, schlicht unvergleichlich.

MI: Welchen Einfluss hatte Corona auf die Entstehung eures neuen Albums „Nature’s Light“?

Candice: Unser neues Album ist 2019 entstanden, ein Jahr nach einer sehr dunklen, düsteren Zeit in unserem Leben. 2018 hat Ritchie erst seinen Bruder, und dann auch noch seinen besten Freund in der Musikindustrie, Jimmy „Tornado“ Evans, verloren. Zudem verstarb auch noch unsere 16 Jahre alte Katze, nachdem wir nur einen Tag von der Tour wieder zu Hause waren. Und im Dezember erlag mein Vater nach einem jahrelangen Kampf dem Krebs. Wir waren da emotional einfach nur leer und am Boden zerstört. Als wir uns danach aber aufrafften und begannen, an der neuen CD zu arbeiten, fand ich heraus, dass das Schreiben von Musik mir bei der Verarbeitung des Geschehenen half, mich in meinem Trauerprozess unterstützte. Mein Vater schickte mir immer wieder Zeichen, dass er noch bei mir war.

Ich habe diese Symbolik im Lied ‚Feather In The Wind‘ verarbeitet, und dabei auch irgendwie erkannt, dass wir vielleicht alle schlicht Federn im Wind sind, die ihren Weg durch die Reise des Lebens zu unserem endgültigen Ziel finden. Nachdem ich diesen Song fertig gestellt hatte, kehrte nach und nach auch meine Kreativität zurück; man könnte sagen, ich durchlief dadurch einen Prozess der Heilung, so dass ich gegen Ende der Platte hin auch wieder in der Lage war, fröhlichere Titel wie „Nature’s Light“ und „Going To The Faire“ zu schreiben.

Im Jahr 2020 wären wir dann bereit gewesen, die CD herauszubringen, aber die Veröffentlichung wurde auf Eis gelegt, als Corona zuschlug und alles lahmlegte. Aber jetzt, 2021, scheint sich das Leben nach und nach wieder zu normalisieren, die Zahlen sinken, der dunkle Winter geht und die warme Frühlingssonne scheint wieder auf uns herab. Es fühlt sich wie ein Neuanfang an, und vielleicht kann dieses Album, das uns 2019 durch die Arbeit daran quasi geheilt hat, etwas dazu beitragen, die Welt von dieser dunklen Periode zu kurieren, die wir 2020 durchlebt haben.

MI: „Nature’s Light“ ist euer elftes Studioalbum. Inwiefern unterscheidet es sich von euren vorherigen Werken. Oder anders gefragt: Was ist speziell an „Nature’s Light“?

Candice: Jedes Album, das wir gemacht haben, ist eine Momentaufnahme der Zeit, in der wir uns damals gerade befunden haben. „Shadow Of The Moon“ war in seiner reinsten Form unser erster Versuch, diese Art von Musik zu kreieren. „Under A Violet Moon“ wurde geboren, weil wir mehr peppige Songs brauchten, um die Leute an Konzerten auf die Beine zu bringen. Bei „Fires At Midnight“ fing ich an, Schalmeien und Renaissance-Instrumente zu spielen, so dass diese Klänge vermehrt Einzug in unseren Sound hielten; zudem kehrte Richie wieder zur elektrischen Gitarre zurück. „Ghost Of A Rose“ wiederum wies mehr orchestrale Einflüsse auf. Über die Jahre hinweg haben wir uns sowohl als Menschen, als auch als kreative Wesen verändert und weiterentwickelt, und dies widerspiegelt sich jeweils auch in unserer Musik.

„Nature’s Light“ stellt in diesem Zusammenhang nun etwas ganz Besonders dar, da wir viel durchleben mussten, um Album schlussendlich fertigzustellen Es ist unser persönlichstes Werk, das voll und ganz von Herzen kommt, auch da der Schreibprozess so kathartisch, erlösend war.

MI: Dem Pressetext zufolge hat „Nature’s Light“ unter anderem die Kraft der Natur zum Thema, die alltäglichen Wunder, die direkt vor unseren Augen geschehen. Könntest du bitte die Bedeutung des Albumtitels „Nature’s Light“ für unsere Leser erklären.

Candice: Die Natur ist die eigentliche Inspiration, die uns alle antreibt; zugleich aber auch die grosse Heilerin. Die Natur in ihren einfachsten und magischsten Formen erschafft jeden Moment eines jeden Tages Wunder, die wir bestaunen können. Nur sind wir normalerweise leider zu beschäftigt, um es zu bemerken. Wenn man sich solch spezielle Momente herausnimmt und zum Beispiel die Schönheit in einem Sonnenuntergang, einer Blume, dem Wind in den Haaren oder dem sternenübersäten Himmel erkennt, so fühlt man sich spirituell erfüllt. Nach dieser Pandemie habe ich das Gefühl, dass wir das Licht der Natur jetzt mehr denn je brauchen, um uns zu heilen.

MI: Wie siehst du generell unseren Umgang mit der Natur? Was sollten wir Menschen vorrangig an unserem Handeln ändern?

Candice: Ich denke, wenn man im globalen Massstab darüber nachdenkt, ist es einfach überwältigend. Deshalb halte ich mich auch an das Sprichwort „Sei die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“. Beginne mit kleinen Dingen, die du in deinem eigenen Hinterhof ändern kannst: einen Garten anlegen; Blumen anpflanzen, um der Bienenpopulation zu helfen; Obst und Gemüse; Pflanzen zur Unterstützung der Sauerstoffzufuhr; Recycling; das Wasser abstellen, wenn es nicht gebraucht wird, oder das Licht in Räumen, in denen du dich gerade nicht aufhältst – einfach umzusetzende Massnahmen, um Energie einzusparen. Gib dies auch deinen Kindern weiter und erzähle es deinen Freunden. Mit etwas Glück verbreitet sich diese Idee in deiner Nachbarschaft, dann in der Stadt und immer weiter, bis sie wirklich grosse Dimensionen annimmt.

Aber man muss irgendwo anfangen, um etwas zu bewirken. Ich bringe meinen Kindern bei, die Natur zu achten und zu schützen. Sie haben einen grossen Respekt vor der Natur und verstehen deren Bedeutung in unserem täglichen Leben.

MI: Wie seid ihr auf die Idee gekommen, „Wish You Were Here“ von Rednex erneut zu covern?

Candice: Wir hörten diesen Song 1995 zum ersten Mal, als wir in Übersee waren und er im Radio gespielt wurde. Er war in den deutschen Charts 17 Wochen lang auf Platz 1, und wir haben uns in ihn verliebt. Aber hier in Amerika kennen die Leute nur den Song „Cotton Eye Joe“ von Rednex. Es ist schon seltsam, was es über den grossen Teich schafft und was nicht.

Unser Ansatz war es also, eine Coverversion dazu aufzunehmen, weil wir diesen Song liebten und wollten, dass er auch in anderen Gebieten die ihm zustehende Aufmerksamkeit erhalten sollte. Demzufolge haben wir ihn vor 24 Jahren auf unsere erste CD gepackt.

Jetzt, nachdem wir den Song so lange und oft auf der Bühne gespielt haben und er zu einem der meistgefragten Lieder bei unseren Auftritten avanciert ist, dachten wir, es dass es sinnvoll wäre, ihn wieder zu veröffentlichen, aber eher so, wie wir ihn heutzutage auf der Bühne spielen.

Hinzu kommt die Tatsache, dass so viele Menschen durch die Pandemie von ihren Liebsten getrennt waren oder sogar eine ihnen nahestehende Person verloren haben, so dass wir es für angemessen hielten, diesen Titel nochmals zu veröffentlichen, speziell auch da er nach wie vor sehr aktuell ist und vielen so viel bedeutet.

MI: Welcher der neuen Songs magst du am meisten? Gibt es einen, auf welchen du besonders stolz bist?

Candice: Ich liebe die Art und Weise, wie ‚Second Element‘ zustande kam. Ich denke, dass es so viel von dem repräsentiert, was wir tun und was uns ausmacht. Es ist ja ursprünglich ein Song von Sarah Brightman (von ihrer CD „Dive“), aber die Tatsache, dass es ein Liebeslied an das Element der Natur, respektive an das Wasser als Quell unseres Lebens ist, ergibt für uns so viel Sinn. Ausserdem darf Ritchie bei diesem Song akustische und elektrische Gitarre spielen – es beginnt magisch, steigert sich aber gegen das Ende hin enorm – ich liebe diesen Song einfach!

MI: Der Anfang des Titelsongs (Nature’s Light) erinnert mich etwas an Mittelalterfilme, die zu Hofe spielen, oder auch an Mittelaltermärkte…

Candice: Das ist genau das, woher die Inspiration zu diesem Song stammt. Wir lieben es, auf Mittelaltermärkte zu gehen und haben viele Songs über unsere Erfahrungen und die Energie geschrieben, die wir auf den verschiedenen Märkten, auf denen wir waren, wahrgenommen haben.

MI: Seid ihr bereits daran, eine Tournee zu planen – und wenn ja, auf was dürfen wir uns freuen?

Candice: Wir haben bereits Gespräche mit diversen Agenturen geführt, aber wir möchten einfach sicherstellen, dass alles sicher über die Bühne geht und alle Vorgaben eingehalten werden können. Ich weiss zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht einmal, wie das mit Reisen in andere Länder funktionieren wird. Aber wir schauen uns das alles an und werden dann sicher die richtigen Entscheidungen treffen. Und ja, wir hoffen sehr, bald wieder „on the road“ zu sein – können zum jetzigen Zeitpunkt aber noch keine verbindlichen Angaben machen.

MI: Ihr versprüht auf „Nature’s Light“ sehr viel Mittelalter / Renaissance-Feeling, entführt die Zuhörer mit eurer Musik quasi in eine andere Zeit – was fasziniert dich so am Mittelalter? Und wie bist du zu dieser Art von Musik gekommen?

Candice: Ich hatte diesen Musikstil noch nie zuvor gehört, bevor ich Ritchie kennenlernte. Er hörte diese Art von Musik bei sich zu Hause, aber in ihrer ureigensten Form. Es gibt eine Menge Renaissance- und Mittelalter-Bands, die Musik aus dieser Epoche spielen, es aber so tun, wie es vor Hunderten von Jahren gemacht wurde. Als ich damals mit ihm in sein Haus in Connecticut zog und er diese Musik auf seinem Soundsystem laufen hatte – als ich da aus dem Fenster sah, wie der Schnee fiel und die Rehe auf dem Rasen ästen, da schien es, als wäre dies der Soundtrack der Natur. Als wäre ich in einer speziell dafür geschaffenen Filmszene gelandet. In diesem Moment machte es klick und ich verstand. Allerdings mag ich die Fantasy-Elemente dieser Ära und Ritchie ist eher der Purist. Es hat einfach etwas so Romantisches an sich, wenn die Jungfrau aus dem Schlossfenster schaut, während ihr Ritter davonreitet und verspricht, zurückzukehren – Lagerfeuer, die die Hügel erleuchten, und die Sterne, die den Himmel erhellen. Es ist einfach ein wunderschönes Abbild dieser ganz speziellen Epoche.

MI: Filme vermitteln zuweilen ein etwas verklärtes, romantisches Bild des Mittelalters. Hättest du in dieser Zeit leben wollen?

Candice: Das Beste am jetzigen Leben ist es, auf die vergangenen Epochen zurück schauen zu können und rückblickend das herauszunehmen, wozu man sich hingezogen fühlt – und diese Dinge dann auch irgendwie in sein heutiges Leben zu integrieren. Offen gestanden, ich hätte damals nicht leben wollen, obwohl es mich fasziniert. Ich sage jeweils, dass ich die sanitären Bedingungen, Strom, Klimaanlage und Heizung viel lieber habe als die Pest oder all die anderen Seuchen, die damals wüteten. Aber mit Corona hat uns die Pest dann halt doch irgendwie erwischt…

MI: Du bist ja quasi mit einer lebenden Legende verheiratet – wie viel Demokratie steckt in „Blackmore’s Night“?

Candice: Sehr viel! Nach 32 Jahren des Zusammenseins sind wir zu einem tollen Team zusammengewachsen. Seine Stärken sind meine Schwachpunkte und umgekehrt. Wir sind beste Freunde und immer füreinander da – und wir wissen, dass wir uns darauf verlassen können, dass wir uns gegenseitig beschützen und am Ende des Tages in der Ecke des anderen stehen, wenn’s drauf ankommt. Wir sind nicht in allem einer Meinung – aber wenn wir das täten, wäre es auch irgendwie langweilig. Wir schätzen unsere Gegensätze und gestehen uns gegenseitig zu, unsere eigenen Interessen, Bedürfnisse zu verwirklichen und eigene Wege zu gehen. Wir haben eine tolle Kommunikation untereinander und führen eine grossartige Partnerschaft in – sowie auch ausserhalb – der Musik.

MI: Du spielst ja auch diverse Instrumente wie Schalmei oder Tin Whistle. Welche beherrschst du sonst noch und gibt es ein Instrument, das du noch gerne erlernen möchtest?

Candice: Ich selbst spiele Schalmeien, Ruschpfife [ist nicht das, was ihr jetzt vielleicht denken mögt… – „Die Rauschpfeife ist ein historisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und Windkapsel“], Krummhorn, Cornamuse, Gemshorn, Drehleier, Chanter, Penny Whistle und Blockflöten. Ich würde gerne noch Gitarre lernen, aber ich denke, es genügt, einen Gitarristen im Haus zu haben. Im Übrigen hat Ritchie unserer Tochter das Gitarrenspiel beigebracht und ich liebe es, die beiden zusammen spielen zu hören. Es ist wunderschön.

MI: Du warst auch bereits bei diversen Metal-Projekten am Start, wie „Helloween – Keeper of the Seven Keys: The Legacy“ oder mit Avantasia bei „Moonglow“. Was bedeuten diese Gastauftritte für dich und gibt es einen Musiker, mit dem du unbedingt einmal zusammenarbeiten möchtest?

Candice: Ich liebe diese Gastauftritte! Einerseits bedeutet es mir sehr viel, dass die Schöpfer dieser Lieder an mich gedacht haben und finden, dass meine Stimme zu ihrem Song respektive ihrem Projekt passen würde. Darüber hinaus ist es auch eine grosse Ehre für mich, da diese Songs wirklich grossartig sind. Ich singe keine Titel, die mich nicht berühren. Und zu guter Letzt erhalte ich in unserer Band Blackmore’s Night nicht oft die Chance, so zu singen.

Ich liebe das Hardrock- und Melodic-Metal-Genre. Da ich in den 70ern geboren wurde und meine Teenagerjahre in den 80ern verbracht habe, bin ich mit genau dieser Art von Musik aufgewachsen. Ich trage sie in meinem Herzen und schätze mich einfach nur glücklich, bei solchen Projekten mitwirken zu dürfen. Und ich freue mich schon jetzt darauf, noch mehr zu machen. Ich hatte das grosse Glück, mit solch grossartigen Künstlern wie Ian Anderson, Geoff Tate, Tobias Sammet, Helloween, Sasha Paeth, Tarja von Nightwish, Sabina von Edensbridge, Glen Hughes, Joe Lyn Turner… ja sogar William Shatner [genau, Captain James T. Kirk – bei „The Thrill Is Gone“ feat. Ritchie Blackmore & Candice Night] zusammen arbeiten zu dürfen. Und ich liebe es, meine Stimme mit diesen aussergewöhnlichen Künstlern zu verschmelzen. Zu deiner zweiten Frage: Hier explizit ein paar Namen zu nennen fällt mir unheimlich schwer, da es so viele grossartige Musikerinnnen und Musiker gibt, mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde. Ich bin da offen und schaue, was auf mich zukommen wird.

MI: Wie erlebst du als Frau das ganze Musikbusiness? Wo gibt es Handlungsbedarf in Sachen Gleichberechtigung?

Candice: Ich denke, früher wurde Frauen im Musikbusiness – oder eigentlich in jeder Branche – nicht so viel Respekt entgegengebracht wie Männern. Aber es gab und gibt so viele starke Vorreiterinnen. Ich glaube, dass Frauen manchmal einfach nur als Objekt oder als sexuelle Wesen betrachtet werden, ohne deren wahres Talent zu sehen, das in ihnen steckt. Aber Marilyn Monroe sagte einmal „Es macht mir nichts aus, in einer Männerwelt zu leben, solange ich darin eine Frau sein kann.“ Es liegt eine grosse Kraft darin, eine Frau zu sein – wie zum Beispiel unsere unvergleichliche Führungskraft. Zudem sind wir eins mit dem Mond, der die Gezeiten – auch in den Menschen selbst – antreibt. Wir sind ungestüm, wir sind süss, wir erschaffen Leben. Wir haben wirklich keine Grenzen. Heute mehr denn je zuvor.

MI: Ein Sprichwort besagt, dass jeder Erfolg seinen Preis hat. Was war das Kostbarste, dass du für die Musik opfern musstest?

Candice: Ich bin die Einzige in meiner Familie, die ihren Abschluss nicht gemacht hat. Ich habe das Studium, obwohl ich auf der Deans List [spezielle Förderung für leistungsstarke und motivierte Studenten] stand, damals abgebrochen und bin 1993 mit Ritchie und Deep Purple auf Tour gegangen – mit dem Plan, danach wieder aufs College zu gehen, was ich aber nie tat. Ich wünschte mir, ich hätte das zu Ende gebracht. Es gibt Zeiten, in denen ich mir auch wünsche, dass ich meine Kinder früher bekommen hätte, aber dann wären wir jetzt an einem ganz anderen Punkt. Zudem mag ich es nicht, etwas zu bereuen, das ich getan habe – denn wenn ich zurückkehren könnte, um es zu ändern, würde sich dadurch die gesamte Realität verändern, in der ich jetzt lebe. Und ich bin zufrieden mit dem, wo ich jetzt stehe.

MI: Zum Abschluss: Hast du noch eine spezielle Message an eure Fans in der Schweiz?

Candice: Die Schweiz ist für mich einer der schönsten Orte der Welt. Bitte richte unseren Fans dort ganz liebe Grüsse aus – und sie sollen stark und gesund bleiben. Und dass wir hoffen, bald wieder bei euch zu Besuch kommen zu können. Bis dahin hoffen wir, dass die Musik von „Natures Light“ und die Videos, die wir dafür gemacht haben, ihnen helfen werden, das alles durchzustehen. Wir aktualisieren unsere Social-Media-Seiten wie Instagram, Twitter und Facebook täglich, damit man verfolgen kann, was wir tun, bis wir alle wieder zusammen sein können.

MI: Candice, vielen lieben Dank für dieses spannende Interview.

Candice: Ich danke dir! Alles Gute!

 

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20.04.2021
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