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Curimus – Garden Of Eden (Cover Artwork)
Di, 20. April 2021

Curimus – Garden Of Eden

Death Metal, Thrash Metal
20.04.2021
Curimus – Garden Of Eden (Cover Artwork)

Der Garten Eden des Unglücks?

Die finnische Kapelle Curimus entführt ihre Anhängerschaft mit Album numero drei in den «Garden Of Eden». Dass sie dabei eher nicht auf fröhliche Melodien setzen, könnte bereits aufgrund des relativ gewagten Covers vermutet werden.

Ich hege da schon irgendwelche Grindcore-Befürchtungen, aber der Info-Text seitens PR-Abteilung macht Hoffnung: Es handelt sich «nur» um einen Mix zwischen Death und Thrash Metal. Und solange die Qualität der Musik keinen Würgereiz auslöst, ist ja alles in bester Ordnung, oder? Mal schauen, ob ich für die nachfolgende Plattenkritik ohne «Kotztüte» auskomme. Aber hey, wie heisst es in einer bekannten Redewendung noch gleich? «Don’t judge a book by its cover!»

Die Scheibe wurde übrigens im vergangenen Jahr schon einmal durch Inverse Records veröffentlicht – allerdings lediglich in Finnland. Nun soll mittels Sliptrick Records der weltweite Markt abgedeckt werden. Somit könnt ihr euch gerne den 20. April 2021 vormerken.

Das Album – «Garden Of Eden»

Das Intro «Eden Unveiled» gibt die Marschrichtung vor. Die Nordmänner möchten in ihren neusten Stücken Seitenhiebe gegen Rücksichtlosigkeit, Ungerechtigkeit und Egoismus austeilen – also sozusagen gegen die menschlichen Abgründe. Am Ende sei unsere Welt bloss ein Garten Eden, in welchem traurigerweise niemand richtig glücklich oder zufrieden ist. So richtig wird das angedrohte Feuer dann mit «Ignite» entfacht. Da wird mit viel Dampf munter drauflos geprügelt – inklusive kreischenden Saitenköniginnen, ordentlich Groove und einigen Nackenbrecher-Abschnitten. Auf der Plattform YouTube tummeln sich – nebenbei erwähnt – bereits einige Clips zum Liedgut dieses Albums. Offenbar scheinen die Protagonisten ein Faible für die Sektoren Psycho, Comedy und Horror zu haben.

Beim nächsten Track «72» erhalten die Herrschaften Unterstützung von David Bower – seines Zeichens Frontmann der NWOBHM Band Hell. Im letzten Drittel des kurzweiligen Songs (die 2-Minuten-Marke wird nur ganz knapp überschritten) darf dieser eine Sprechrolle übernehmen. Eigentlich macht das Ding fraglos Laune, aber nach meinem Gusto dürfte in Sachen Spielzeit ruhig ein bisschen weniger gegeizt werden. Das löst «God Eater» im Anschluss schon wieder deutlich besser. Das passt doch. Futter für die Headbanger und Pit-Liebhaber! Lamb Of God, Asphyx und Legion Of The Damned lassen grüssen.

Ach, «Eradication Manifest» scheint ebenfalls eine Abneigung gegen zu viele Zeigerumdrehungen zu haben. Nichtsdestotrotz wird einem hier definitiv beste Abriss-Unterhaltung geboten. Eventuell ist dieses Kapitel mit den «Mini-Songs» schlichtweg ein aktuell populärer Trend. Curimus sind nämlich keinesfalls die einzigen Metaller, die auf dieser Welle mitsurfen. Allerdings dürften sie ihrer Zuhörerschaft ungeniert etwas mehr Ausdauer zutrauen. Sonst ist der ganze Spass einfach viel zu schnell vorbei. Beispiele à la «Victims» zeigen ja, dass die Finnen auch längere Salven loslassen können. Der treibende Rhythmus wirkt äusserst packend. Tommi Ahlroth serviert uns ansprechende Klampfen-Kost.

«Catalyst» ist garantiert ein Kandidat für künftige Live-Darbietungen, denn diese Komposition bringt effektiv einiges an Eskalationspotenzial mit sich. Da imitieren die eigenen Haare freiwillig und ohne zu zögern einen Hubschrauber-Rotor. Das Trommelfeuerwerk von Jari Nieminen während «Hate The Progress» ruft ansatzweise schon gewisse Vergleiche mit Kataklysm auf den Plan. Mangelndes Verständnis ihres Handwerks kann man den Musikern aus der Stadt Loimaa wahrlich nicht vorwerfen.

Huch, «Eisegesis» wirkt irgendwie ein bisschen abgehakt. Offensichtlich versuchen sich die Jungs an einer kleinen Stil-Variation, aber das Experiment will nicht vollends glücken. Sie sollten bevorzugt dem gängigen Motto «Schuster bleib bei deinen Leisten» wohl besser die Treue halten. Diese progressiven beziehungsweise Metalcore Allüren lassen lediglich dezent die Funken fliegen. Dafür ist das abschliessende «Absence» ein hübsches Donnerwetter, welches einem volle Kanne in die Kauleiste kracht und dabei mehrere Beisserchen zu Bruch gehen lässt.

Das Fanzit Curimus – Garden Of Eden

Mit der Länge ist es ja bekanntermassen stets so eine Sache (und nein, ich meine jetzt nicht in Bezug auf das männliche Glied). Offenbar scheint die Ära der Lieder, welche etliche Zeigerumdrehungen auf die Uhr bringen, langsam vorüber zu sein. Das ist aber wirklich einer der wenigen Negativpunkte von «Garden Of Eden». Ansonsten dominiert ein wuchtiges Death/Thrash-Gemisch, welches nur Schutt und Asche übriglässt. Ich kann euch freilich empfehlen, eigentlich durchgehend ein Auge auf den finnischen Metal-Untergrund zu werfen. Dort tummeln sich unzählige, talentierte Equipen mit eingebauter Furore-Garantie! Und Curimus gehören diskussionslos dazu. Nachtrag zum Schluss: Die «Kotztüte» war nicht von Nöten.

Empfehlenswerte Hörproben: ««God Eater», «Eradication Manifest», «Hate The Progress»

Tracklist Curimus – «Garden Of Eden»

  1. Eden Unveiled
  2. Ignite
  3. 72 (Feat. David Bower)
  4. God Eater
  5. Eradication Manifest
  6. Victims
  7. Catalyst
  8. Hate The Progress
  9. Eisegesis
  10. Absence

Line Up – Curimus

  • Marko Silvennoinen – Gesang
  • Juho Manninen – Bass
  • Jari Nieminen – Drums
  • Tommi Ahlroth – Gitarre

 

Video Curimus – God Eater 


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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20.04.2021