Nanga Parbat – Downfall And Torment (Cover Artwork)
Di, 23. März 2021

Nanga Parbat – Downfall And Torment

Melodic Death Metal, Progressive Death Metal, Symphonic Death Metal
01.04.2021
Nanga Parbat – Downfall And Torment (Cover Artwork)

Neue metallische Urgewalt aus «Bella Italia»

In der heutigen Albumkritik gehört die Aufmerksamkeit Nanga Parbat aus Italien. Die Gruppe ist nach einem über 8’000 Meter hohen Berg im Himalaya-Gebirge benannt. Zweifelsohne ein episches Kaliber! In ähnlicher Manier wird auch das Debüteisen der Musiker beschrieben. «Downfall And Torment» soll den Zuhörer auf eine emotionsgeladene Reise mitnehmen und dabei diverse Aspekte beleuchten.

Als nennenswerte Verstärkung hat man sich Fachkräfte aus dem Orchester-Sektor mit ins Boot geholt. Die Platte soll am 23. März 2021 über Sliptrick Records auf die Massen losgelassen werden. Ich bin definitiv äusserst gespannt. Seid ihr bereit? Also, Gurt festschnallen, eintauchen und geniessen!

Das Album – «Downfall And Torment»

Zum Auftakt platzieren uns die Künstler am Rand eines endlosen Wasserfalls («The Edge Of An Endless Waterfall»). Das nicht ganz anderthalb Minuten dauernde Intro kommt friedlich ums Eck, gewährt der Instrumentalabteilung eine erste Aufwärmphase und schürt die Spannung auf das bevorstehende Klangabenteuer. Dieses beginnt beim darauffolgenden «Through A Lake Of Damnation» wild und furios. Harte Riffs und aggressive Growls übernehmen primär das Kommando. Als Kontrast wird gelegentlich eine Ladung Klargesang eingestreut, was sowieso meistens ausgezeichnet funktioniert. Anhänger von progressiven Elementen kommen ebenfalls vollends auf ihre Kosten. Der Chor am Ende ist dann schlichtweg die Kirsche auf der Torte.

«Blood, Death And Silence» weist eine klassische Köderwirkung aus. Wer sich dort einmal festgebissen hat, kommt so schnell nicht mehr davon los. Erneut brillieren die unterschiedlichen Gesangsstile. Das Tempo bleibt mehrheitlich hoch. Auf YouTube wurde der Song mit einem frostigen Clip bedacht. Ein gefallener Engel haucht – durchbohrt von eisigen Stacheln und gefangen in einer finsteren Höhle des tödlichen Berges – seine finalen Lebenszüge aus. Die Vertonung dieses tragischen Schicksals ist den Protagonisten wahrlich hervorragend gelungen. Wer sich nach kurzweiliger Unterhaltung sehnt, sollte übrigens lieber die Finger von dieser Scheibe lassen. Die darauf vorhandenen Kompositionen knacken nämlich oftmals locker die 5-Minuten-Marke. Das gilt auch für «Tidal Blight», welches mit orientalischen Melodien punkten kann. Es ist beeindruckend, wie die Italiener die Genres Progressive und Death Metal in gekonnter Manier zusammenführen. Grosses Kino! Über mangelnde Nackenfitness darf sich hier niemand beschweren.

Nun folgt die Begegnung mit einem Dämon («Demon In The Snow»). Die chorischen Passagen sorgen umgehend für tonnenweise Hühnerhaut. Mit Epik zu geizen kommt für den Fünfer offenbar keinesfalls in Frage. Frontmann Andrea Pedruzzi brüllt sich abermals mit vollem Elan die Seele aus dem Leib. Der Orchester-Einsatz und die von Klassik durchtränkten Riffs im letzten Drittel sind als weitere Höhepunkte einzustufen. Das balladenhafte «Obscure Rains» bringt zu Beginn ein bisschen Ruhe ins Geschehen. Die Tempoverschärfung lässt jedoch nicht sonderlich lange auf sich warten. Ein Sonderlob für die Klampfen-Abteilung rund um Flavio Cicconi und Edoardo Sterpetti liegt freilich drin.

«Curse Of The Thaw» ist ein zusätzlicher Hinweis auf die primäre Lyric-Präferenz der Italos. Sie widmen sich bevorzugt den Naturgewalten und der Tiersymbolik, welche am Ende des Tages den Willen von Mutter Erde repräsentieren sollen. Des Weiteren möchten sie den Konflikt zwischen dem Mensch und seiner Umgebung darstellen. Das einlullende Stück lässt einen jedenfalls problemlos darüber sinnieren. Ein paar gelegentliche Headbanger-Aktionen dürfen dazu selbstverständlich auf gar keinen Fall fehlen. Zur Kategorie «riesige Brocken» gehört eindeutig der Titel-Track: «Downfall And Torment». Ein über 12 Minuten langes, abwechslungsreiches, spannendes Epos, welches an William Shakespeares populäre Tragödie «Macbeth» angelehnt ist. Die hemmungslose Gier kriegt dabei ordentlich ihr Fett weg! Eine atemberaubende Hymne, die unter anderem stilistische Parallelen zu Paradise Lost aufweist. Chapeau! Ein Hochgenuss der ersten Güteklasse. Die letzten Augenblicke des Albums gehören schliesslich den nordischen Winden («Breath Of The Northern Winds»). Ein gefühlvolles Gitarren-Outro, mit welchem sich der Kreis dieser akustischen Reise schliesst. Höre ich da etwa eine dezente «Star Wars»-Melodie heraus?

Das Fanzit Nanga Parbat – Downfall And Torment

Der Debütstreich von Nanga Parbat lässt definitiv aufhorchen. «Downfall And Torment» ist eine bockstarke Platte, die todesmetallische, symphonische und progressive Klangwelten geschickt miteinander verknüpft und dadurch meisterhaftes Liedgut hervorbringt. Bei genügend Aufmerksamkeit und dem passenden Ambiente erfährt man das ideale Hörvergnügen. Sympathisanten von Bands wie Persefone oder Wilderun können hier ohne grossartige Bedenken zugreifen. Fleshgod Apocalypse haben glasklar ernstzunehmende Konkurrenz aus dem eigenen Land erhalten.

Empfehlenswerte Hörproben: «Blood, Death And Silence», «Demon In The Snow», «Downfall And Torment»

Tracklist Nanga Parbat – «Downfall And Torment»

  1. The Edge Of An Endless Waterfall
  2. Through A Lake Of Damnation
  3. Blood, Death And Silence
  4. Tidal Blight
  5. Demon In The Snow
  6. Obscure Rains
  7. Curse Of The Thaw
  8. Downfall And Torment
  9. Breath Of The Northern Winds

Line Up – Nanga Parbat

  • Andrea Pedruzzi – Klargesang & Growls
  • Flavio Cicconi – Gitarre (elektrisch & akustisch)
  • Edoardo Sterpetti – Gitarre (elektrisch) & Orchestrierung
  • Enrico Sandri – Bass
  • Giulio Galati – Drums

Gast-Akteure auf «Downfall And Torment»

  • Davide Straccione – Gesang
  • Edoardo Taddei – Gitarre (elektrisch)
  • Vittoria Nagni – Geige
  • Fabiana Testa – Gitarre (akustisch)
  • Francesco Ferrini – Orchester-Produktion
  • Martin Vincent – Erzähler

Video Nanga Parbat – Blood, Death And Silence


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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01.04.2021