Havamal – The Shadow Chapter (Cover Artwork)
Fr, 21. Mai 2021

Havamal – The Shadow Chapter

Black Metal, Melodic Death Metal, Power Metal, Viking Metal
19.05.2021
Havamal – The Shadow Chapter (Cover Artwork)

Entdeckt die Mythen des Nordens

Wer eine gewisse Faszination für die nordische Mythologie verspürt, dürfte beim Durchsichten der Tracklist dieses Albums freilich hellhörig werden. Der Fenriswolf, die Weltenschlange oder die Schicksalsfäden spinnenden Nornir – all diese Akteure und Themen werden offenbar auf «The Shadow Chapter» – dem zweiten Werk der aus Schweden stammenden Kapelle Havamal – besungen.

Musikalisch durchstreifen die Nordmänner hauptsächlich die Gebiete des Melodic Death Metal. Jedoch sind sie sich keinesfalls zu schade, diesen ebenfalls mit Elementen aus den Sektoren Viking, Power, Black und Death Metal zusätzlich anzureichern. Das klingt wahrlich episch und vielversprechend. Die Platte selbst soll am 21. Mai 2021 über das Label Art Gates Records erscheinen. Euer werter Metalinsider Dutti darf allerdings schon jetzt erste Höranalysen vornehmen. Bitte einfach weiterlesen.

Das Album – «The Shadow Chapter»

Zuerst einmal folgt logischerweise das grosse Erwachen. Bei «The North Awakens» werden die Zuhörer prächtig auf die bevorstehenden Schlachten und Abenteuer eingestimmt. Das klingt phasenweise verdächtig nach einem Blockbuster-Soundtrack. Meine innere Flamme lodert jedenfalls in voller Pracht. Es möge beginnen! Und das tut es sogleich, denn plötzlich stehen wir einer monströsen Bestie gegenüber, die uns hasserfüllt anknurrt. Gemeint ist Lokis widerliche Brut mit dem Namen Fenris. Weil die Götter den Wolf nach Asgard brachten, holten sie sich sozusagen den eigenen Untergang vor die Haustüre. Insbesondere der Allvater Odin würde dies später bitter bereuen. So, ehe ich wieder einmal ungebremst ins Erzählen irgendwelcher Geschichten abdrifte, müssen selbstverständlich auch ein paar Worte über das Stück «Fenris» verloren werden. Während der Einstieg noch stark an Sabaton erinnert (und wenn ich so etwas sage, ist das gefälligst als Kompliment zu verstehen – Grüsse an alle Hater!), bewegt sich das Ganze anschliessend eher auf den Pfaden von Ensiferum oder Wintersun. Vielschichtig, packend, rasant und wuchtig – so mögen wir das! Zudem sind Chor-Einsätze sowieso nur äusserst selten verkehrt.

Die Begegnungen mit furchteinflössenden Ungeheuern finden keinen Abbruch. Nun ist der Drache Nidhöggr («Nidhoggr») an der Reihe, der an einer Wurzel des Weltenbaums nagt. Hier wird erneut deutlich, welch hervorragendes Gespür die fünf Musiker besitzen. Diese Melodien lassen einen gleichermassen staunen und jubeln. Auffällig sind glasklar die Keyboard-Passagen und die fulminanten Soli der Saitenhexer. Nach Aufenthalten auf dem Land folgt als Nächstes ein Abstecher ins kühle Nass. Dort in den Tiefe lauert ein Geschöpf, welches mit seinen kräftigen Tentakeln tonnenweise Schiffe ins Verderben stürzen kann. Erzittert vor dem «Kraken»! Soundtechnische Vergleiche mit Brymir aus Finnland sind definitiv nicht von der Hand zu weisen. Havamal scheinen sich sowieso sehr von ihren Nachbaren inspiriert lassen zu haben.

«Empire Of The Ashen Sun» glänzt durch orientalische Elemente, chorische Parts und ansteckende Schlachtrufe. Eine willkommene und geschickt platzierte Abwechslung. Fronter Björn Larsson bleibt weiterhin seinen Growls treu. Allenfalls würden gerade bei diesem Song ein paar klar gesungene Strophen der ganzen Angelegenheit nochmals einen zusätzlichen Reiz verschaffen. Dann könnte man nämlich effektiv von Parallelen zu Epica sprechen. Aber auch so ist die Nummer durchaus als geglückt einzustufen. Im Anschluss ist das Schicksal am Zug. Und dieses wird bekanntermassen durch die Nornir bestimmt. Daran gibt’s nix zu rütteln. Eines ist sicher: Bei «Nornir’s Call» werden etliche Mähnen mit vollem Elan herumgewirbelt werden. Das geht ab! Lediglich im Mittelteil wird den wackeren Recken eine kurze Verschnaufpause gewährt.

Loki und die Riesin Angrboda haben zusammen nicht nur eine abscheuliche Kreatur gezeugt. Ein weiterer Spross dieser unheiligen Vereinigung ist die Midgardschlange – die ewige Erzfeindin des Donnergottes Thor. Wenn der einmal nicht zur Stelle sein sollte, übernimmt übrigens gerne auch Johan Hegg von Amon Amarth dessen Part und zieht dem Monstrum mit Mjölnir ordentlich eins über den Schädel. Mit «Jormungandr» preisen die Künstler das imposante Erscheinungsbild der Schlange und kommen jedoch ebenfalls auf die mit ihr verknüpften Kämpfe und Konflikte zu sprechen. Danach finden wir uns in der Unterwelt wieder. Jep, um «Helheim» kommt man in der nordischen Mythologie eigentlich nie herum. Die dortige Herrscherin «Hel» ist – wie könnte es inzwischen auch anders sein? – ein Nachkömmling des listigen Loki. Die musikalische Inszenierung des Totenreichs fiel wohl noch nie so episch aus. Fraglos gelungen! Das Album endet schliesslich mit «The Curse Of Grendel» und berichtet über das Menschen verschlingende Scheusal, welches vom heldenhaften Wikingerkrieger Beowulf niedergerungen wurde. Ein überzeugender Abschluss einer beeindruckenden Scheibe!

Das Fanzit Havamal – The Shadow Chapter

Alter Schwede! Havamal sollte man wahrlich auf dem Schirm haben. Mit diesem Flair für durch Epik getränkte Melodien wird das Quintett zweifelsohne noch eine längere Zeit für viel Furore sorgen! «The Shadow Chapter» ist zwar nicht als Revolution des Melodic Death-Sektors zu verstehen, aber die astreine Qualität dieser Hymnen beschert Freunden von Ensiferum und Co. trotzdem jede Menge Hörvergnügen. Des Weiteren wird einem der eine oder andere Aspekt zur nordischen Mythologie gelehrt. So macht das Lernen meines Erachtens unglaublich viel Spass!

Empfehlenswerte Hörproben: Fenris, Nornir’s Call, Hel, The Curse Of Grendel

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Tracklist Havamal – «The Shadow Chapter»

  1. The North Awakens
  2. Fenris
  3. Nidhoggr
  4. Kraken
  5. Empire Of The Ashen Sun
  6. Nornir’s Call
  7. Jormungandr
  8. Hel
  9. The Curse Of Grendel

Line Up – Havamal

  • Björn Larsson – Gesang
  • Sandra Wallo – Bass (bzw. inzwischen neu: Tino «Saurus» Vesanen)
  • Andreas Herlogsson – Drums
  • Lennie Spetze – Gitarre und Keyboard
  • Kjell Gilliusson – Gitarre

Video Havamal – Hel


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8.5/10



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19.05.2021