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Supreme Unbeing – Enduring Physicality (Cover Artwork)
Do, 5. Mai 2022

Supreme Unbeing – Enduring Physicality

Melodic Power Metal
30.04.2022
Supreme Unbeing – Enduring Physicality (Cover Artwork)

Dunke Propheten

Am 5. Mai veröffentlicht das schwedische Prophetenkollektiv Supreme Unbeing ihr neues Machwerk “Enduring Physicalitiy”. Zeit also, sich genauer mit der Band und ihrer Musik auseinanderzusetzen.

Alles in einem

Ich mag Gesamtpakete. Bands, bei denen Musik, Auftreten und die Geschichte dahinter zusammenpassen, die als fiktive Charaktere auftreten, die das klassische Konzert mit Theater in Verbindung bringen. Das alles bietet Supreme Unbeing. Die “dunklen Propheten”, wie sich die Band augenzwinkernd selbst betitelt, zeigen sich in Ritterrüstung (Leadsänger Zac Red) und Mönch-Kluft (die Propheten und Musiker: D. Vine, Unknown und Al Mytee) und warnen in ihren Liedern vom Bösen in dir (“Hide The Beast”) oder von der, in den Menschen schlummernden, Dunkelheit (“The Darkness”). Untermalt werden die Texte durch eingängige, saubere Riffs.

Die Erzählweise

Sobald eine Band eine Geschichte verkörpert, entsteht schnell der Verdacht, dass sich ein weiteres Plagiat von Gwar, Lordi oder Ghost präsentiert. Zu omnipräsent und bekannt sind diese Gruppen. Dem ist aber nicht so. Das Konzept rund um die Propheten in ihren Kostümen ist sicherlich nicht neu und noch-nie-dagewesen, rundet aber die Texte und Stimmungen der Songs passend ab. Das ergibt so wieder Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert.

Dieses Auftreten birgt natürlich die Gefahr, nicht ernst genommen zu werden. Kostüme können schnell als “Klamauk” empfunden werden. Zumindest oberflächlich schafft Supreme Unbeing sich hier Respekt, in dem sie dieses theatralische Auftreten thematisch nicht in die Texte einfliessen lässt. Doch: ein bisschen genauer hingehört erkennt man dann doch wieder, die Propheten und Prophezeiung sind nicht mehr allzu weit von Predigen entfernt.

In “The Devil Smiles” wird von Verlockungen, für die wir unsere Moral über Bord werfen, uns mit dem Bösen einlassen (personifiziert als “der Teufel”) und als Konsequenz ewige Qualen in Kauf nehmen, gewarnt. “Hide The Beast” entlarvt jeden von uns selbst als Teufel; zumindest soll dieser in uns allen seinen Platz haben und teils können wir ihn nicht verbergen. Liedtitel wie “Savoir” könnten gar zu der Annahme führen, hier handle es sich um eine geistliche Band. Tatsächlich erzählt genannter Song eher vom Gegenteil: Davon nicht blind Lösungsbringern nachzulaufen. “If you’re looking for a savoir – keep in mind the size of danger – will you learn to trust a stranger?” heisst es so. Ein Paradox zu einer Band, die auf ihrer Homepage schreibt: “Etwas Licht in das Dunkel unserer Existenz bringen zu wollen”? In keiner Weise! Blind sollen wir niemandem trauen. Auch nicht den Propheten von Supreme Unbeing. Ihre Songs sind vielleicht anprangernd, geben aber keineswegs einen moralischen Kompass vor.

Denk nach!

Die Tracks auf “Enduring Physicality” verlangen vom Hörer nicht nur volle Aufmerksamkeit; auch will die Band uns zum selbstständigen, kritischen Denken anregen. Dies gelingt ihr äusserst gut, sofern sich der Hörer darauf einlässt. Ein “Fingerzeigen” bleibt aus. Man soll selbst interpretieren, wer zum Beispiel die uns beeinflussenden Mächte in “Face Of Evil” sind.

Ist es die Wirtschaft? Die Gesellschaft? Die Politik?

Auf der Suche nach Antworten auf solche Fragen, die beim Hören des Albums immer wieder auftauchen, schrieb ich zu jedem Track eine Interpretation. Diese wollte ich hier wiedergeben, merke nun aber, dass dies nicht im Sinne der Songs wäre.

Schliesslich soll niemand sich Fremdleiten und beeinflussen lassen.

Nicht ganz so überraschende Instrumentalisierung

Das Instrumental kommt makellos daher. Atmosphärisch, mit sinnvollem Einsatz von Keyboards, ohne die tragenden Gitarren zu verdrängen oder Platz für Instrumentalsolos zu nehmen. Generell ist auch die Musik ganz im Stil der Band: düster und doch melodiös. Teilweise wie in “I Prevail” hymnisch, mit Ohrwurmcharakter. Genre spezifisch lässt sich Supreme Unbeing am ehesten als Melodic Power Metal bezeichnen. Leider überzeugt “Enduring Physicality” musikalisch nicht ganz so wie textlich. Das ist weniger überraschend, mit weniger neuen Ideen, der Gesang ist standardmässig aber nicht herausragend, die Stimme an sich nicht sonderlich speziell. Supreme Unbeing können als pessimistische Philosophen verstanden werden, deren Musik als Klangteppich zur Unterstreichung ihrer Nachricht dient.

Das Fanzit Supreme Unbeing – Enduring Physicality

Als ich mich das erste Mal durch das Album hörte, war dies eher eine nebensächliche Tätigkeit. Daher empfand ich Gehörtes als durchaus Empfehlenswert, aber auch als etwas was schnell in Vergessenheit gerät. Nichts, was ich in ähnlicher Art noch nie gehört hätte. Einen nachhaltigeren Eindruck hinterliess “Enduring Physicality” als ich es mir noch ein paarmal aufmerksamer anhörte.

Besonders die Texte sprechen mich an. Hier geht es mal um andere Themen und besonders die Erzählweise unterscheidet sich stark von “üblichen” Metal-Songs. Das Album kann als Unterstützung und Inspiration zur Findung neuer Gedanken und Weltansichten, vielleicht sogar zum Philosophieren dienen; für Headbangeinlagen ist es eher zu soft und melodiös. Es fehlen dafür relevante, rhythmisch geprägte Einlagen.


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 7/10



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30.04.2022