Exodus - Dynamo Zürich 2022 (Plakat)
Mi, 20. Juli 2022

Exodus, Heathen

Dynamo (Zürich, CH)
09.08.2022
Exodus - Dynamo Zürich 2022 (Plakat)

Der Sauna-Exodus

Vor etwas mehr als einem Monat gastierten Flotsam And Jetsam im Zürcher Dynamo. Am Mittwoch schaute mit der Truppe Exodus ein weiteres «Ami-Thrash-Powerhouse» in der Limmatstadt vorbei und sorgte für einen schweisstreibenden Abend. Der Fokus lag aber nicht ausschliesslich auf der neusten Scheibe «Persona Non Grata», denn die Setliste enthielt ebenfalls diverse, Moshpit auslösende Klassiker.

Mangels metallischer Open Air-Alternativen in unserem Land (gerade im Juli ist diesbezüglich in der Schweiz kaum etwas los) muss das Bay Area-Dreschflegel-Doppelpack Exodus und Heathen mit einer tendenziell stickigen Club-Atmosphäre vorliebnehmen. Echte Profis lassen sich von so etwas allerdings nicht schockieren, sondern ziehen ihr Ding souverän durch. Aufgrund dessen sehe ich den bevorstehenden Darbietungen gelassen entgegen. Ich freue mich auf die kommende Thrash-Ladung, das eine oder andere Kaltgetränk und natürlich meine kultigen, chaotischen «Konzert-Buddies» (nein, damit sind jetzt nicht die Jungs von BBR gemeint *zwinker*).

Was macht der Publikumsandrang? Bei der Flotsam And Jetsam-Show (siehe Review) war dieser ja ungelogen ziemlich mau… Heute sieht’s definitiv besser aus. Steve «Zetro» Souza und seine Mitstreiter sind in Sachen Popularität eben schon nochmals ein anderes Kaliber. Diese Besucherdichte dürfte auch die Veranstalterin Good News Productions AG zufriedenstellen. Während draussen Regen und Gewitter toben, warten wir im Saal des Jugendkulturhauses ungeduldig auf peitschenden Trommelwirbel und heulende Gitarren.

Heathen

Der Support-Act ist ebenfalls ein altgedientes Schlachtross und – abgesehen von einer Auszeit zwischen 1993 und 2001 – seit Ewigkeiten in der Szene unterwegs. Trotzdem haben sich unsere Wege bisher noch nie gekreuzt. Ich bin jedenfalls gespannt auf Heathen!

Huch! «Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)» als Intro ist eine gleicherweisen irritierende, wie belustigende Angelegenheit. Wollen uns die Herren mit dieser ABBA-Ablenkung auf vielleicht eine falsche Fährte führen? Fronter David R. White verteilt zu den schwedischen Pop-Klängen tiefenentspannt Setlisten auf der Bühne. Ohne Spickzettel können er und seine Kollegen den Gig offenbar nicht bestreiten.

Mit «Dying Season» folgt dann aber ein erster Kracher. Fertig ABBA. Nun wird «gechnüttlet». Und wie! Da scheppert’s ordentlich im Gebälk. Munterer Auftakt des Fünfers aus dem «sunshine state» Kalifornien. Schiessbuden-Maestro Jim DeMaria kriegt das Schmunzeln kaum mehr aus dem Gesicht. Derweil beweist David, dass auch ein Heavy Metal-Stimmorgan gut zu «thrashigen» Klangwelten passen kann. Er turnt zudem fleissig auf der Spielewiese herum und ist nicht zu bremsen.

Im Verlauf des Auftritts kann sogar ein kleiner Circle Pit in der Raummitte bestaunt werden. Die Zuhörerschaft zeigt wahrlich keine Scheu vor Schweissperlen. Nach mitreissenden 40 Minuten erklingt schliesslich die Foreigner-Schnulze «I Want To Know What Love Is» aus den Boxen. Damit schliesst sich der Kreis. Meine Geldbörse drängt auf einen Abstecher zur Merchandise-Ecke. Da möchte wohl wieder einmal jemand ein bisschen abspecken.

Exodus

Der Headliner greift um 21.10 Uhr ins Geschehen ein und strebt ab der ersten Zeigerumdrehung eine dominante Performance an, welche am Ende keine Fragen offenlassen soll. Seit über vier Dekaden treiben die «Frisco-Metaller» nun schon ihr Unwesen auf dieser Erde. Der neuste Streich hört auf den Namen «Persona Non Grata» und ist – erwartungsgemäss – mit ein paar Nummern im heutigen Set vertreten. Rostspuren sucht man bei diesen Akteuren vergebens. Das frisch geschriebene Material kommt bei den anwesenden Mähnenschüttlern hervorragend an. Eine detaillierte Analyse zur «unerwünschten Person» könnt ihr übrigens im Artikel von Metalinside-Kollege Jürgen Fieschi nachlesen.

Zweifelsohne sind alle Bandmitglieder glücklich, wieder auf der Bühne stehen zu können. Nichtsdestotrotz stechen Axtmann Gary Holt und sein schelmisches Grinsen für mich besonders hervor. Da scheint jemand mit seiner «Post-Slayer»-Ära äusserst gut klarzukommen. Ausserdem entfaltet der dauerhafte Alkoholverzicht offensichtlich seine positive Wirkung. Gary wirkt gestärkt und rundum zufrieden. Die ihm angebotenen Hopfentee-Becher seitens der Fans lehnt er höflich ab. Der Gitarrist steckt seine Energie lieber in fetzige Soli.

Ohne ältere Hits kommen Exodus selbstverständlich nicht durch den Abend. Da gibt’s einfach zu viele Nackenbrecher, welche sie ihren Thrash-Jüngern keinesfalls vorenthalten können. Ein gutes Beispiel in diesem Zusammenhang wäre sicherlich «Blacklist». Den höre ich in letzte Zeit sowieso fleissig rauf und runter. Später sorgen unter anderem «Bonded By Blood» und «The Toxic Waltz» für weiteres Moshpit-Gemetzel. Bei sämtlichen Stücken zeigt Zetros Stimme null Anzeichen von Schwäche.

Der zweite Klampfer Lee Altus glänzt übrigens wegen irgendwelcher familiären Sorgen durch Abwesenheit. Hoffentlich ist es nichts Ernstes. Sein Ersatzmann ist der sonst in den Reihen von The Black Dahlia Murder agierende Brandon Ellis. Coole Chance für den Jüngling, dass er mit diesen legendären Veteranen gemeinsam auf der Bühne stehen darf. Und garantiert ebenfalls eine willkommene Ablenkung, denn seine Band macht aufgrund des Todesfalls ihres Sängers Trevor Strnad Mitte Mai dieses Jahres verständlicherweise eine verdammt schwere Phase durch…

Doch mit solch negativem Gedankengut möchte ich meinen Artikel wirklich nicht beenden. Deshalb streuen wir an dieser Stelle eine witzige Erinnerung von Exodus-Drummer Tom Hunting ein. Er liebe es, endlich wieder in Zürich zu sein. Vor einigen Jahren sei er hier einmal auf einer schneebedeckten Parkbank eingepennt. Bleibt zu hoffen, dass Tom heute Abend den Weg ins Hotelzimmer oder in die Schlafkoje des Nightliners findet.

Das Fanzit – Exodus, Heathen

Juhu! Wir zählen zu den Überlebenden der ersten, helvetischen «Thrash-Sauna» im Nackenmuskeln-Wellnesscenter Dynamo. Sowohl Heathen als auch Exodus sorgten für knackige Massagen. Das schreit förmlich nach einer baldigen Wiederholung!

Setliste – Heathen

  1. Intro – The Blight
  2. Dying Season
  3. Arrows Of Agony
  4. Goblin’s Blade
  5. Sun in My Hand
  6. Empire Of The Blind
  7. Hypnotized

Setliste – Exodus

  1. The Beatings Will Continue (Until Morale Improves)
  2. A Lesson in Violence
  3. Blood In, Blood Out
  4. The Years Of Death And Dying
  5. Clickbait
  6. And Then There Were None
  7. Deathamphetamine
  8. Blacklist
  9. Only Death Decides
  10. Prescribing Horror
  11. Bonded By Blood
  12. The Toxic Waltz
  13. Strike Of The Beast
  14. Beating Around The Bush (AC/DC-Cover)*

*Zugabe


Wie fandet ihr das Konzert?

09.08.2022
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