Metalinside.ch - Iron Maiden - Hallenstadion 2023 - Foto pam
Mo, 19. Juni 2023

Iron Maiden, The Raven Age

Hallenstadion (Zürich, CH)
/ / 19.10.2023

The Future Past Tour

Nachdem Iron Maiden bereits vor rund einem Jahr im Hallenstadion ein episches Konzert ablieferte, durfte man im Vorfeld gespannt sein, wie die aktuelle Tour beim Publikum ankommt. Wer sich im Vorgang zum Konzert genauer mit der Tour beschäftigte, wusste dass die Fokussierung auf zwei Alben gesetzt wurde, nämlich auf die aktuelle bzw. letzte Veröffentlichung „Senjutsu“ sowie das sechste Studio-Album der Band, das legendäre „Somewhere In Time“.

In dieser Review beleuchte ich das Konzert aus zwei verschiedenen Perspektiven: Zum einen aus der Perspektive des Iron-Maiden Fans, welcher sich mit der Band und den Touren auseinandersetzt und sich im Vorfeld Infos beschafft, was wohl Inhalt der Gigs sein könnte, zum anderen aus der Perspektive des Iron Maiden Konzertgängers, welcher die Band zwar ebenfalls gut kennt, jedoch nicht jeden Song auf seinem Schirm hat, welcher die Band in ihrer Geschichte komponiert und veröffentlicht hat. Also den Greatest-Hits Fan, der die Überknaller der Band-Geschichte erwartet. Diese Sichtweisen ergeben sich auch durch die Ansichten, welche ich nach dem Konzert mitverfolgen durfte. Das wichtigste vorab: Ich glaube jede Sichtweise hat ihre Berechtigung und das eigene Empfinden ist natürlich immer sehr unterschiedlich.

The Raven Age

Es ist nicht verwunderlich, dass als Vorband wieder mal The Raven Age mitfahren. Niemand geringerer als der Sohn von Steve Harris ist bei ihnen an der Gitarre. Natürlich cool, wenn ich als Sohn von meinem Vater die Chance bekomme meine Band so vielen Menschen auf der ganzen Welt zu präsentieren. Auf gewissen Konzerten ist jedoch auch die Band Lord of the Lost mit von der Partie.

Bereits auf früheren Touren konnte The Raven Age als Vorband für Maiden auftrumpfen und sich doch bereits einen Namen erarbeiten im Metal-Umfeld. Sie waren jedoch auch schon mit anderen Grössen wie Anthrax, Tremonti oder Killswitch Engage unterwegs und durften die letzten Jahre auch bereits auf grösseren Festivals wie z.B. dem Hellfest oder auf dem Graspop Metal Meeting spielen.

Die Band macht auf mich am heutigen Abend einen sehr positiven Eindruck. Die Jungs strotzen vor Spielfreude und mobilisieren die Zuschauer bereits sehr früh. Die Mischung der Genres, welche The Raven Age abdecken (Alternative, Groove, mit leichtem Einschlag in den Metalcore) ist zum Einheizen am heutigen Abend die richtige Mischung. Das Publikum ist fokussiert dabei und applaudiert nach jedem Song umfassend und liebevoll. Das hat sicher auch mit dem Sänger Matt James zu tun, welcher sehr sympathisch Ansagen parat hat und einen herzlichen und dankbaren Eindruck macht. Der Sänger ist seit 2017 bei der Band dabei und hat aus meiner Sicht ein spannendes Stimmspektrum sowie eine sehr gefühlsvolle Seite, welche den Songs und der Musik sichtlich gut tut. Routiniert spielt sich The Raven Age durch ihr Set und der Auftritt wirkt kurzweilig und kompakt.

Iron Maiden

Perspektive 1: Der ultimative Maiden-Fan

Aus Sicht des ultimativen Maiden-Fans hat die heutige Show (ein weiteres Mal) einen epischen Charakter. Da der Fokus auf zwei Alben liegt, bekommt der tiefgründig interessierte Fan einige Schmankerl serviert, welche wie Honig durch den Kopf, Kehle, Hals und in die Magengrube gehen.“ Alexander The Great“ zum Beispiel, ein Epos an Musik. Oder auch die Auswahl an Songs vom aktuellen Album der Kult-Band.

Zudem stellt der belesene Fan fest, dass zwar wiederum einige Details und Pyros sowie Gadgets in die Show eingebracht werden, aber vielleicht weniger als auch schon. Was im Umkehrschluss wiederum heisst, dass der Fokus noch klarer auf der Musik liegt. Der Zahn der Zeit nagt auch an den Herren auf der Bühne und trotzdem zeigen sie sich auch heute wieder von ihrer besten Seite. Musikalisch immer noch auf einem absolut professionellen Level, spielt die Band routiniert, zielgerichtet und fokussiert.

Ein weiterer Abend, welcher in jedem Gedächtnis abgespeichert werden wird. Immer wieder in der Hoffnung, dass es hoffentlich wieder ein Zusammentreffen zwischen Bands und Fans gibt. Immer wieder mit dem Gedanken, es war hoffentlich nicht die letzte Show, die letzte Tour.

Maiden forever.

Perspektive 2: Der Gelegenheits-Maiden-Hörer

Aus dieser Sichtweise fällt mir auf, dass doch einige Songs, welche in einer normalen Setliste doch beinhaltet sein sollten, heute nicht gespielt werden. So zum Beispiel „Two Minutes to Midnight“ oder auch weitere „Fäger“, welche auch Besucher kennen, welche sich nicht alltäglich mit der Band befassen.

Zudem fällt mir auf, dass im Vergleich zu vergangenen Touren einiges weniger an Interaktivität stattfindet. Na ja, die Backdrops mal ausgeschlossen. Fast zu jedem dritten Song wird hinter der Band dasselbe gewechselt.

Ich erlebe heute Songs, bei welchen ich den Text nicht so gut kenne, da sie bis jetzt auf den vielen Touren der Band noch nicht so oft gespielt wurden. Die Auswahl der Songs kann ich zwar nachvollziehen aber hätte mir doch ein wenig mehr „Mainstream“ gewünscht, dass ich so richtig abfeiern kann. „Fear Of The Dark“ kann ich natürlich auswendig. „Can I Play with Madness“ ebenso. Viele der Songs geben mir aber vielleicht nicht so einen Kick wie sonst.

Das Fanzit – Iron Maiden

Der Schreiberling dieses Artikels ordnet sich selbstverliebt, wie er ist der Perspektive 1 zu und ist somit vollends bedient am heutigen Abend. Er kann aber auch nachvollziehen, dass die andere Perspektive absolut Platz hat und berechtigt ist. Trotzdem: Iron Maiden zeigen mit dieser Tour wieder mal, dass sie nicht nur Mainstream sind, sondern viele der Songs, welche in der bisherigen Band-Zeit veröffentlicht wurden, es wert sind auch Live gespielt zu werden. Dies obwohl sie vielleicht zu lang, zu progressiv oder zu wenig bekannt sind. Ist doch schön, wenn diskutiert werden kann und es verschiedene Sichtweisen gibt, so wird’s nicht langweilig. Ein Gesamturteil gibt’s in diesem Fall einfach schon mal, wenn man die ganze Karriere von Maiden anschaut: Immer noch da, immer noch produktiv, immer noch auf hohem Niveau, so oder so Kult. Auf die eine oder andere Weise…Horns up!

Kaufi: Domi hat freundlich gefragt, ob ich als Maiden-Jünger der (fast) ersten Stunde (immerhin seit 1982…) noch ein paar Kommentare geben möchte. Aber ja doch, noch so gerne! Mein Fanzit ist dann auch sehr einfach: Dies dürfte ohne Wenn und Aber das beste Konzert des Jahres 2023 gewesen sein! Eigentlich NOCH besser als die Show vor einem Jahr – man mag es kaum glauben. Die Setliste: Ein absoluter Traum! Dass ich nach all den Jahren endlich auch „Stranger In A Strange Land“, einer meiner alltime Faves der Briten, live erleben darf – damit habe ich fast nicht mehr gerechnet. Dann auch „Alexander The Great“. Der pure Wahnsinn! Dazu von „Senjutsu“ die Übernummer „Hell On Earth“ – Fanherz, was willst du mehr? Wie wär’s denn zum Beispiel mit „The Prisoner“? Dutti und die anderen umstehenden Kollegen können nun von Eskalation sprechen. Es ist einfach nur geil!

Und im Gegensatz zu Domi habe ich ehrlich gesagt nicht allzu viel Verständnis für die „Cüpli-Fraktion“ resp. Perspektive zwei. Es war klar, wo der Fokus bei Maiden auf dieser Tour lag. Und ich finde es schlicht grossartig, dass sie Songs wie „Run To The Hills“ , „Aces High“ und „The Number Of The Beast“ aus dem Programm werfen dafür. Von mir aus hätte man auch „Fear Of The Dark“ (obwohl live natürlich immer fantastisch) oder  „The Trooper“ ebenfalls killen können. Alternativen gäbe es genug – von „Killers“ über „Afraid To Shoot Strangers“ und „Dance Of Death“ bis hin zu „If Eternity Should Fail“… „Two Minutes To Midnight“ haben sie übrigens letztes Jahr schon nicht gespielt, Domi. 😉 In Zeiten, in der man alle Informationen in Sekundenschnelle auf dem Handy hat, verstehe ich diese Kritik zu keiner Sekunde.

Trotz der von Domi erwähnten reduzierten Bühnenshow (deutlich weniger Feuer und weitere Gimmicks als letztes Jahr) zeigen Iron Maiden einmal mehr, dass sie schlicht und einfach nach wie vor die beste Band der Welt sind. Nuff said. UP THE IRONS!

Setliste Iron Maiden

  1. Caught Somewhere In Time
  2. Stranger In A Strange Land
  3. The Writing On The Wall
  4. Days Of Future Past
  5. The Time Machine
  6. The Prisoner
  7. Death Of The Celts
  8. Can I Play With Madness
  9. Heaven Can Wait
  10. Alexander The Great
  11. Fear Of The Dark
  12. Iron Maiden
  13. Hell On Earth*
  14. The Trooper*
  15. Wasted Years*

*Zugaben

Fotos Iron Maiden – Hallenstadion 2023 (pam)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ / 19.10.2023
Weitere Beiträge von

Iron Maiden, The Raven Age