Metalinside.ch - Death Angel - KIFF Aarau 2023 - Foto Kaufi
Do, 2. November 2023

Death Angel, Sacred Reich, Angelus Apatrida

KiFF (Aarau, CH)
/ 16.11.2023

Thrash Metal-Masterclass!

Death Angel, Sacred Reich und Angelus Apatrida – dieses Dreiergespann brachte am Donnerstag die Wände der ehemaligen Aarauer Futterfabrik KIFF zum Zittern! Veranstalter Metalmayhem und sämtliche Protagonisten haben uns einen perfekten Abend beschert. Gründe für Meckereien suchte man da vergebens.

KIFF-Doppelpack! Heute steht Thrash Metal auf dem Speiseplan und morgen wird dann primär melodiöses Todesblei serviert. Für die Unterhaltung an diesem Donnerstag zeichnen sich Death Angel, Sacred Reich und Angelus Apatrida verantwortlich. Dieses Aufeinandertreffen verspricht knallharte Angriffe auf unsere Nackenmuskeln. Das lässt sich sogar der sonst nicht sonderlich häufig im «Dreschflegel-Sektor» anzutreffende Kollege Kaufi keinesfalls entgehen. Mit Knipsapparat bewaffnet wird er versuchen, ein paar ansehnliche Impressionen für unseren Bericht einzufangen. Alles andere als eine leichte Aufgabe, denn in dieser Location existiert bekanntermassen kein Fotograben! Ich drücke meinem Mitstreiter jedenfalls die Daumen und genehmige mir im Rahmen meiner persönlichen Gig-Vorbereitung einen feinen Gerstensaft.

Angelus Apatrida

Frontmann Guillermo Izquierdo ist fleissig unterwegs. Eben war er noch als Verkäufer in der Merch-Ecke anzutreffen (meine Sammlung ist jetzt übrigens um ein weiteres, schönes Schweissbändchen reicher) und nun sorgt er – gemeinsam mit seinen drei Kumpels – wirbelnd auf der Bühne für Furore. Getragen von giftigen Riffs zocken sich die heissblütigen Spanier unfassbar wirkungsvoll durch ihr Set und holen dadurch das Maximum aus den ihnen zur Verfügung stehenden 40 Minuten heraus. Melden die «Ibero-Thrasher» hier etwa gerade Headliner-Ambitionen an? Es erweckt beinahe den Anschein. Die Stimmung bei den Fans ist erfreulicherweise schon früh hervorragend. Du hast als Band freilich gewonnen, wenn dir der gesamte Saal synchron entgegennickt.

Seit knapp zwei Wochen haben Angelus Apatrida eine neue Scheibe am Start. Von diesem Ding, welches auf den klingenden Namen «Aftermath» hört, werden uns die Stücke «Snob» und «Cold» vorgestellt. Speziell die zweitgenannte Nummer zieht mich mit ihrem Mix aus Abriss und Power-Ballade umgehend in ihren Bann. Hammermässig! Aufgrund dieser überragenden Performance der Spanier dürfte es für die nach ihnen aufspielenden Genre-Urgesteine wahrlich kein Spaziergang werden. Sie müssen liefern! Inzwischen ist Guillermo notabene wieder pflichtbewusst retour zu seinen Merchandise-Artikeln geflitzt. Die restlos begeisterten Besucher wollen zweifelsohne Moneten ausgeben.

Death Angel

Der heute Nachmittag im «Fratzenbuch» veröffentlichte Spielplan hat zugegebenermassen für leichte Verwirrung am «Whatsapp-Stammtisch» gesorgt. Wie? Death Angel steigen bereits als zweite Truppe in den Sattel? Auf dem Flyer werden sie doch eindeutig als Headliner dieser «Night Of The Living Thrash»-Tour ausgewiesen? Egal, legen wir diese Diskussionen besser ad acta. Fakt ist, dass sowohl die «Bay Area»-Todesengel als auch Sacred Reich exakt dieselbe Spielzeit von 75 Minuten erhalten werden. Stört mich jetzt nicht sonderlich. Wenn die Unterhaltung passt, gibt’s keinen Grund für Beschwerdebriefe.

So, und wie gehen Mark Osegueda und Co. mit der mitreissenden Vorlage von Angelus Apatrida um? Offensichtlich unbeeindruckt. In routinierter Manier markieren sie mit «Evil Priest» gleich einmal ihr Revier. Anzeichen von Blösse sucht man bei diesen Herrschaften vergeblich. Die beiden Saitenhexer Rob Cavestany und Ted Aguilar präsentieren sich in bestechender Form. Donnerwetter! Da versteht respektive beherrscht jemand sein Handwerk in Perfektion. «Felle-Prügler» Will Carroll ist ebenfalls im «Bestien-Modus» unterwegs. Derweil bringt Basser Damien Sisson als strahlender Prinz Charming die «Lebens-Pumpen» der anwesenden Mädels zum Schmelzen.

Im Verlaufe des Programms richtet Mark einige wunderbare Ansprachen an uns. Er sei dankbar, dass wir die Szene auch nach 40 Jahren noch lebendig halten und das Ganze nicht bloss als simplen «Modetrend» betrachten würden (habt ihr das gehört, geschätzte Kritiker, Zweifler und Nörgler?!). Danach leitet er mit einem gellenden Schrei schnörkellos den nächsten Song ein. Nun können zudem eskalierende Mosh-Aktivitäten innerhalb der Publikumsreihen beobachtet werden. Ich habe immer Angst, dass dabei irgendwann mal eine Person durch den Holzboden bricht (aber hey, das ist doch die ideale Überleitung zur momentan laufenden KIFF-Crowdfunding-Kampagne). Die Lokalität soll nämlich komplett neu gebaut und mit diversen, zeitgemessen Verbesserungen ausgestattet werden. Das sollte dann auch die Gefahr von eventuell durchbrechenden Böden mindern).

Mit dem destruktiven Doppler «The Ultra-Violence / Thrown to the Wolves» setzen Death Angel ein finales Ausrufzeichen hinter ihre astreine Show (bei der sie ständig von einer lupenreinen Soundqualität profitieren konnten. Fettes Lob in Richtung Tontechnik!). Einzig die auf den Lautsprechern platzierten Dinosaurier-Figuren und ein Teddybär geben mir Rätsel auf. Keine Ahnung, ob das für die Musiker irgendwelche Glücksbringer oder Erinnerungen an die daheimgebliebenen Kids sind. Das bedarf bei Gelegenheit Nachforschungen von unseren «Metalinside-Spürnasen».

Sacred Reich

Verbleit noch eine letzte Equipe: Sacred Reich! Allerdings bin ich ein wenig besorgt um die Herren aus Phoenix, Arizona. Schliesslich sind sie in der Regel nicht ganz so aggressiv und rasant wie ihre «Bay Area»-Kumpanen unterwegs. Als Hoffnungsschimmer ist jedoch der positive Eindruck zu werten, den sie bei mir während ihrer letztjährigen Darbietung im Z7 hinterlassen haben (mehr dazu unter diesem Link).

Jep, das Quartett besticht wahrlich mit seinem komplett eigenen Charme. Massgeblich verantwortlich dafür ist Fronter Phil Rind. Mit gewohnt friedlichen, väterlich wirkenden Ansagen erzeugt er sofort eine tiefenentspannte Atmosphäre. Diesen dauergrinsenden, absolut liebenswürdigen Knuddelbär möchte man bevorzugt gleich einpacken und mit in die heimischen vier Wände schleppen. Aber nix da, ehrenwerte Freunde! Wir brauchen den guten Phil auf der Bühne. Das ist sowieso sein bevorzugter Lebensraum. Und aufgepasst, lasst euch nicht von der sanften Art des Mikrofonhüters täuschen, denn die Musik, die er und seine Gefährten raushauen, steckt definitiv voller Thrash! Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass erneut vereinzelte Moshpit-Stürme losbrechen.

Heute geht mir Axtmann Wiley Arnett nicht aus dem Kopf. An wen erinnert mich sein Antlitz bloss? Ah, da ist die ersehnte Erleuchtung! Jetzt weiss ich also endlich, was «Dr. House» seit dem Aus seiner Fernsehserie so treibt. Im Ernst – Wiley weist durchaus Ähnlichkeiten zu Hugh Laurie (oder zumindest einer langhaarigen Version des Schauspielers) auf.

In Sachen Liedgut werden fast alle Alben aus der Sacred Reich-Diskographie berücksichtigt. Hinzu gesellt sich ein Cover der legendären Black Sabbath-Hymne «War Pigs» als «Fremdkörper-Song». Phil meistert das anspruchsvolle Stück ausgezeichnet (begleitet von der lautstark johlenden Zuhörerschar). Ich bin nicht sicher, ob beispielsweise Mark Osegueda dies gesanglich ebenfalls so überzeugend auf die Reihe gekriegt hätte. Für das Show-Finale geht es standesgemäss mit dem Surfbrett unter dem Arm nach Nicaragua. Ein Abschluss nach Mass. Ist sonst noch jemand rundum zufrieden?

Das Fanzit – Sacred Reich, Death Angel, Angelus Apatrida

Ein toller, unterhaltsamer Konzertabend im KIFF mit sauberer Soundqualität und herausragenden Kapellen. Das war eine waschechte Lehrstunde in Sachen Thrash Metal. Das Publikum zeigte sich auch in bester Verfassung und trug somit viel zur ausgelassenen Stimmung bei. Merci an Organisator Metalmayhem für das Aufgleisen dieses – aus meiner Sicht – perfekten Events!

Setliste – Angelus Apatrida

  1. Bleed The Crown
  2. Snob
  3. Indoctrinate
  4. Cold
  5. Give ‚Em War
  6. Sharpen The Guillotine
  7. You Are Next

Setliste – Death Angel

  1. Evil Priest
  2. Voracious Souls
  3. Seemingly Endless Time
  4. Buried Alive
  5. 3rd Floor
  6. I Came For Blood
  7. Disturbing The Peace
  8. The Dream Calls For Blood
  9. The Moth
  10. Humanicide
  11. Relentless Revolution
  12. Truce
  13. The Ultra-Violence / Thrown To The Wolves

Setliste – Sacred Reich

  1. Divide & Conquer
  2. Love…Hate
  3. One Nation
  4. Ignorance
  5. Manifest Reality
  6. Free
  7. Salvation
  8. Who’s to Blame
  9. Independent
  10. The American Way
  11. Death Squad
  12. War Pigs (Black Sabbath-Cover)
  13. Surf Nicaragua

Fotos Sacred Reich, Death Angel, Angelus Apatrida (Kaufi)


Wie fandet ihr das Konzert?

/ 16.11.2023
Weitere Beiträge von

Angelus Apatrida, Death Angel, Sacred Reich