Metalinside.ch - Masters of Rock Vizovice 2023 - Tag 2 - Foto Kaufi
Do–So, 13.–16. Juli 2023

Masters of Rock 2023 – Amon Amarth, Europe, Within Temptation, Kreator u.v.m.

Areál likérky R. Jelínek (Vizovice, CZ)
/ 07.01.2024

Die Balingen-Alternative

pam: Das Masters of Rock in Vicovice in Tschechien stand sowohl bei Kaufi als auch bei mir schon länger auf der Bucket-List. Jahr für Jahr trumpft das mittelgrosse Metalfest in Tschechien mit tollen Line-ups, welche fast alle Genres des Metals abdecken und auch ganz grosse Namen beinhalten, gross auf. So nichts wie hin und los.

Interludium – oder es fährt kein Zug nach nirgendwo

pam: OK, das mit dem “Los” gestaltet sich dann etwas schwieriger als gedacht. Da nimmt man extra einen Vollblutbähnler mit und lässt den die ganze Reise organisieren … Nun, der Reihe nach. Das Festival ist nicht weit von Wien. So drängt sich doch ein Rock n’ Roll-Train im Sinne eines Nachtzugs förmlich auf. Gemütlich ein paar Bierchen trinken, metalmässigen Sound und irgendwann sich über Schotter und Schwellen in den Schlaf wiegen lassen.

Jung wie wir sind, glühen wir natürlich noch etwas vor und treffen uns am Mittwochabend, 15. Juli 2023 ein paar Stunden vor Abfahrt  in der Brasserie des Hauptbahnhofs Zürich. Da gibt es eine grosse Auswahl an nationalen Bieren, von denen wir uns – bekanntlich einer von uns beiden mit weniger gutem Geschmack, was Bier betrifft … – das eine oder andere gönnen. (Anm. Kaufi: Also SO schlecht ist dein Geschmack jetzt auch nicht, da musst du dich nicht kleiner machen als nötig…). Wir wissen alle, von wem wir reden. Und ich red von mir nicht oft in der dritten Person.

So eine Stunde vor Abfahrt meint dann Kaufi, er schaue mal, von welchem Gleis unser Nachtzug fährt. Nun, als wäre das eine Stunde vorher relevant … sag ich noch. Und da der Schock: Der Zug fällt aus! Unwetter im Vorarlberg. Doof bis dööfer.

Was jetzt? Wir müssen ja irgendwie bis morgen Nachmittag in Zlin, Tschechien sein, um in unserem Hotel einzuchecken und anschliessend mit Zug nach Vizovice, damit wir wie geplant Battle Beast als erste Band auf unserer Liste nicht verpassen.

Alternative Züge? Es gäbe ein paar witzige Vorschläge wie über Mannheim (!) und alles Mögliche mit zig mal umsteigen. Und mit der Deutschen Bahn wird es wohl dann mit den Verbindungen eh nicht klappen. Wie sieht es aus mit Flügen am nächsten Tag? Nicht gut, auf Swiss war kurz noch was für Prag verfügbar, aber sobald man buchen will, ist da nix mehr. Auch nicht mit Wien oder gar Budapest … alle Optionen sind negativ. Aber wie ihr uns kennt, bleiben wir dabei natürlich superrelaxed. Also zumindest einer 😉. Aber ja, gurkt mich schon auch ein bisschen an, dass es mit dem Nachtzug nicht klappt. Hab mich eigentlich darauf gefreut. (Anm. Kaufi: Relaxed ist in der Tat nur einer. ICH bin es nicht… meine Nerven liegen das erste Mal komplett blank…).

Interessanterweise kann ich dann jedoch doch noch einen Flug von Swiss nach Prag ab Donnerstagmorgen um 7.15 Uhr buchen. Doch nicht über Swiss.com, sondern über ebookers. Warum auch immer. Gebucht. Das wäre mal erledigt. Inzwischen ist es jedoch nach 22 Uhr und somit auch mein letzter Zug nach Hause weg. Nun, durchmachen, Flughafen nächtigen oder … das Gästebett-Angebot von Kaufi annehmen. Der wohnt nicht weit vom Flughafen. Also gerne lieber Kaufi, dann gibt es doch noch ein paar wenige Stunden Schlaf, bevor es dann halt einen Tag später per Flieger nach Tschechien geht bzw. fliegt.

Angekommen – und der Wetterschmöcker

pam: Ok, wir kürzen jetzt ein bisschen die Reise ab. Soll ja nicht ein Reisebericht sein. Auch wenn es noch ein paar weitere lustige Vorfälle zu erzählen gäbe. Oder was meinst du Kaufi?

Gut, ich glaub er wil grad nicht viel sagen, weil er wohl etwas stinkig ist. Also nicht wortwörtlich. Denn so weit sind wir über Prag in Zlin ja eigentlich trotz kleiner Odyssee angekommen. Da dann die alles entscheidende Frage: Nehmen wir ein Taxi oder laufen wir die rund 20 Minuten zum Hotel hoch oben im Wald der Industriestadt? Wir laufen mal los.

So nach 5 Minuten laufen wir bei den ersten Taxis vorbei. Ich frag den Kaufi: „Taxi oder laufen?“. Er behauptet im Nachhinein, also später als jetzt gerade, er hätte das nicht richtig verstanden. Denn seine Antwort ist: „Laufen.“ Mit zackigem Schritt. Dass er dabei die rund 5 Taxis übersehen konnte, ist ein anderes Thema. Er fragt mich noch – weil ich Wetterschmöcker (siehe Greenfield Bericht 2023 Fanzit zum Tag 2) aus dem Wetterschmöcker-Kanton Schwyz – ob es zu regnen anfange. Was ich so halblaut verneine, also ich muss mich zuerst an die lokalen Gerüche und Ameisenbeine gewöhnen, um das Wetter zu schmecken. Das geht nicht einfach so. Nun, wir laufen also ein paar Meter weiter und es schüttet aus Kübeln auf die Silberlocken von unserem Kaufi. Uiuiui, jetzt versteht er keinen Spass mehr.

Also, geht es zurück zum Taxistand und kaum sind wir 5 Minuten später beim Hotel – mitten im Wald, wie es unter Buchen steht (oder wie geht der Spruch? 😉) – hat es natürlich aufgehört zu regnen. Langsam fängt sich unser Kaufi wieder, denn es zeichnet sich schon ab, dass er seine geliebte Noora nicht verpassen wird. Gut, es fährt nochmals kein Zug. Soviel zum Thema Taktfahrplan. Und das findet er natürlich dann wieder nicht so gut, dass ausgerechnet jetzt grad kein Zug fährt. Aber bekanntlich fahren auch Autos – und Taxis gehören ja zu dieser Gattung. Alles halb so wild. Wir schaffen das, Kaufi.

Kaufi: Als alter Hase im öV-Reisen haben mich die letzten Stunden echt Nerven gekostet und mir noch mehr graue Haare, als ich sonst schon habe, beschert. Dass wir im Zug ab Prag wohl 1. Klasse Tickets haben – aber alle vorhandenen Plätze längstens reserviert sind (22 Plätze – in einem EUROCITY…), sagt uns die Dame am Schalter natürlich nicht. Also kuschlig enge Plätze an der Bar und sich zwischendurch vom Service-Mensch anfräsen lassen, dass man gefälligst zu konsumieren hat. Machen wir ja auch… Und warum später dann alle 30 Minuten Züge von Zlìn nach Vizovice zum Festival fahren – aber gegen Abend dann plötzlich 75 Minuten nichts mehr – das versteht ein Schweizer Eisenbahner einfach nicht. Aber ja, mit Taxi schaffen wir es zu Noora und Battle Beast. Für Northtale, eigentlich meine erste geplante Band, ist es eh zu spät…

Tag 1 – Masters of Rock, Donnerstag, 13. Juli 2023

Das Gelände – Schnapsbrennerei …

pam: Da sind wir jetzt also, nach Jahren endlich da. Also so lange dauerte die Anfahrt schon nicht, aber bezogen auf, weil es seit Jahren immer wieder ein Thema war. Das Masters of Rock gibt es schliesslich schon seit fast 20 Jahren und es soll zum Standard werden, dass mehr oder weniger jede Band, die die nächsten Tage auftritt, sagen wird, wie oft sie schon hier gespielt hätten. Die Bands scheinen das Festival wirklich zu mögen.

Rein vom Gelände her, ähnlich wie das ehemalige Bang Your Head in Balingen, gibt es sicher schöner gelegene Open-Airs wie z.B. das Greenfield oder Rock The Lakes in der Schweiz, aber irgendwie fasziniert es hier doch. Es ist nicht 1% Hellfest, was Kulisse und alles Mögliche betrifft, aber es hat einen gewissen Industrie Chic, was ja gut zu Metal passt. Wobei, es wird hier normalerweise nicht Stahl geschmiedet, sondern Schnaps gebrannt. Wir befinden uns auf dem Gelände der Destillerie R. Jelínek. Die Schnapshäuschen auf dem ganzen Gelände stehen da also nicht nur so per Zufall und bringen den einen oder anderen Metalhead schon früh am Tage zum Wanken.

Bei der Abendkasse bzw. beim Akkreditierung-Häuschen sind Couverts auf unsere Namen hinterlegt. Nebst dem Pressebändeli und dem Fotopass – denn ich gerne Kaufi überlasse – ist ein herzliches Willkommensschreiben drin. Das ist doch schon mal ein sehr schöner Empfang und es klappt ja alles wie am Schnürchen, mein lieber Kaufi. (Anm. Kaufi: In der Tat, das ist wirklich cool!).

Es gibt einige Essensstände und wie man es im Osten kennt, mit viel deftigem Fleisch. Als Vegetarier oder gar Veganer wird’s eng bzw. der Hosenbund eher lugg (weit). Ich probier trotzdem mal einer dieser (vegetarischen) Langos, man soll ja auch was „Lokales“ probieren. Das ist so ein frittierter Teigfladen – mit scheinbar Wurzeln aus Ungarn (danke Wikipedia … ich dachte vom Namen her zuerst an Griechenland). Da wird dann gleich mal deftig Knoblauch drauf geschmiert und nach meiner Wahl Sauerrahm und Reibkäse. Ui, den Knoblauchgeschmack hab ich am nächsten Tag noch im Mund. Ich sag jetzt mal für die nächsten Tage keinen Regen voraus (und sollte recht behalten, mal abgesehen von menschengemachten Schauern … dazu später mehr), denn aktuell schmecke ich eh nur … Knoblauch.

Es gibt eine grosse Hauptbühne – die Ronnie James Dio Stage, davor ein grosser Betonplatz mit ein paar wenigen grossen Bäumen auf der rechten Seite. Auch dazu später mehr. Irgendwo versteckt auf dem Fabrikareal steht noch eine kleinere Bühne und da spielen, soweit ich das verstanden habe, nur tschechische Bands. Zumindest war das bei meinen zwei kurzen Besuchen dort so. Auch dazu später mehr. Man will ja, dass ihr bis zum Ende lest. Macht es euch schon mal gemütlich, es könnte länger werden …

Wir suchen mal nach dem Pressezentrum. Nach ein paar Mal im Kreis rumlaufen, haben wir dann gemerkt, dass wir zum Festival den hinteren Eingang genommen hatten bzw. es gibt zwei Eingänge, die jeweils am Ende des Geländes sind. Wir waren eben am anderen.

Dymytry – Predatoren aus Tschechien

pam: Während wir uns das so auf dem Gelände vertun, spielen die Lokalmatadoren Dymytry aus Tschechien. Wir oder wohl eher ich, weil der Modern Metal natürlich nichts für unsere Diva Kaufi ist, nehmen sie aus einem Auge und mit einem Ohr wahr. Man hört und sieht deren Erfahrung von über 2’000 gespielten Konzerten. Die meisten davon jedoch in Tschechien. Mit einem englischsprachigen Album am Start ist man jetzt dabei, den Rest der Welt zu erobern. U.a. im nächsten Jahr auch bei uns in der Schweiz am Rock The Lakes.

Die  fünf Jungs tragen Masken mit so Zöttel dran – wirkt ein bisschen wie der Predator aus dem gleichnamigen Film. Das Ganze wäre wirklich spannend gewesen, aber sie haben leider einen Ticken zu früh für uns angefangen. Mehr dann gerne am Rock The Lakes.

Foto Dymytry (Kaufi)

Zum Bier

Und natürlich genehmigen Kaufi und ich mal das erste Bier. – also eigentlich haben wir das schon vor einer Stunde gemacht. Das war nach dem Bändeli abholen der zweite Akt. Das lokale Bier ist nicht ganz überraschend sehr günstig, etwas mehr als CHF 2 für 5dl in einem Mehrweg-Becher mit Depot. Und auch nicht ganz überraschend, fein. Und jetzt Greenfield OK zuhören: In einem mit Festival-Sujets bedruckten Becher und der hat sogar einen Henkel dran. Die beste Erfindung nach Bier. Weil so kann man sich den Becher easy an den Gürtel, Hostentasche, Ausschnitt, Hintenschnitt oder wo auch immer hängen. Das ist grad sehr praktisch für mich als Schreiber, wenn man sich Notizen machen möchte. Und endlich können auch Biertrinker an Konzerten mitklatschen. Das ist wohl der Grund, warum hier so viele aktiv mitmachen. Mann und Frau haben einfach zwei Hände frei. Das ist wirklich sehr, sehr cool gelöst.

So, jetzt aber zum ersten richtigen Konzertbericht – inklusive Fotos und Herzli in den Augen von Kaufi.

Battle Beast – zu grün ist auch zu bunt

pam: Hey Noora, was ist denn ich dich gefahren bzw. in was wurdest du denn gesteckt? Ich fand ja deinen Style inklusive den Hörnern immer sehr cool. Aber jetzt sind es doch ein bisschen gar viel Glitzer-Disco-Farben. Ihr macht ja schon was Richtung Disco-Metal, aber das find ich persönlich jetzt ein bisschen too much. Aber wie ich den Kaufi kenne, gefällt ihm das wahrscheinlich. Ihre Musikerkollegen sind übrigens alle brav in schwarz gekleidet. (Anm. Kaufi: Höhöhö, Du kennst mich…)

Dafür ist bei Noora wie gewohnt der Gesang top. Ich würde zwar meinen, sie hätte ihr Aerobic-Programm auf der Bühne auch schon mal aktiver gestaltet, aber hey, in erster Linie muss es sich ja einfach mal gut anhören bei der Bonnie Tyler des Metals.

Etwas irritiert sind unsere tschechischen Metalheads – und davon hat es auch naturgemäss einige an einem Metalfestival in Tschechien – als dann Bassist Eero Sipilä sich Solo an einem tschechischen Song bemüht. Den entweder keiner kennt oder auf Nachfrage, der Text völlig falsch sei oder falsch ausgesprochen. Wie auch immer, was wir jetzt schon feststellen, es ist nicht ganz einfach mit den Leuten hier zu kommunizieren, denn entweder sind sie zu betrunken oder sie sprechen kein Englisch. Oder wenn sie betrunken sind, dann denken sie, sie sprechen Englisch. Ich mein das jetzt gar nicht despektierlich, denn wir fühlen uns superwohl da als Gäste. Doch zurück zu Battle Beast und mehr dazu später.

Auf die Frage, ob auch ein paar Wikinger anwesend seien und auf das darauf folgende «Bastards Sons Of Odin»  gibt es definitiv keine fragenden Gesichtsausdrücke mehr. Der Platz vor der Bühne ist gut gefühlt und so auch die Stimmung.

Der Sound ist top, der Auftritt routiniert, jedoch auch keine grossen Überraschungsmomente. Ich würde sagen ein guter Einstieg für uns in unsere Masters of Rock Premiere. Oder was meinst du Kaufi? Du darfst auch einfach Abnicken … aber wirst du wohl bei deiner Noora nicht, so wie ich dich kenne und deinem Leuchten in deinen Augen.

Ich verabschiede mich hiermit aber schon mal mit dem Top Gun Theme-Song, mit dem sich auch Battle Beast davonmachen. 

Kaufi: Allzu viel muss ich nicht mehr ergänzen. Battle Beast liefern einen Auftakt nach Mass für uns. 70 Minuten Power Metal mit manchmal bizzli Disco-Einschüben (“King For A Day”…), die einfach Spass machen! Neben dem bereits erwähnten “Bastard Son Of Odin” überzeugen vor allem “Familiar Hell” und der fantastische Abschluss “Beyond The Burning Skies”. Da freut man sich schon jetzt auf die Rückkehr der Finnen in die Schweiz…

Fotos Battle Beast (Kaufi)

Lunatic Gods  – Be local act local

pam: Während Kaufi wohl grad seinen Curry-Streak startet, schau ich mal bei der Nebenbühne vorbei. Wenn ich das Konzept richtig verstanden habe, dann spielen hier wie schon erwähnt vor allem lokale bzw. tschechische Bands. Was ich jetzt  grad höre und erlebe, ist sehr spannend. Sänger irgendein Gerard Depardieu im Stile von Mikael Stanne (Dark Tranquillity) und Kobi (Orphaned Land).

Soundmässig ist das – angereichert mit Bongos und Geige sowie einigem ab Band – ein ziemlicher Stilmix mit krass schnellen Soli. Durchaus interessant, wenn auch das eine oder andere Mal etwas viel Mix. Das Ganze ist wohl am ehesten als atmosphärischer Black Metal zusammengefasst. Ich geh mal davon aus, dass die auch in einer lokalen Sprache singen bzw. growlen. Nun, selbst wenn ich tschechisch verstehen würde, so würde ich das bei diesem – für mich doch etwas zu harschen – Growls nicht raushören. Die clean gesungenen Passagen gefallen mir jedoch sehr gut.

So, jetzt könnte man auch mal was Futtern. Alle laufen da so mit einem komischen Teigfladen mit unterschiedlichem Zeugs drauf rum. Sieht etwas aus wie diese Mönche mit dem kahl geschorenen Hinterkopf. Also los, so genehmige ich mir auch so ein «Langos». Das ist effektiv ein frittierter Teig mit Ursprung aus Ungarn, welcher dann mit deftig viel Knoblauch beschmiert wird – den sollte ich noch am nächsten Tag im Gaumen haben – und mit eben wahlweiser Ergänzung. Ich entscheide mich für Sour Cream und Käse. So eine Art Flammkuchen. So denk ich mir beim Bestellen. Schmecken tut es ganz OK, aber ich denk, ihr könnt euch vorstellen, dass das auch ziemlich deftig ist.

Hm, jetzt hab ich ein déjà-vu oder ein Gnusch mit der Zeit. Hatte ich denn nicht vorher gegessen oder vorher einfach zu früh erwähnt? Nun, tschuldigung, dass ihr jetzt diese Essengeschichte grad zwei Mal fast identisch erlebt. Aber ist ein Festival nicht oft auch ein „Täglich-Grüsst-das Murmeltier-Moment“?

So mal genug zum Futter – oder hast du Kaufi noch eine Ergänzung? Bist du schon bei Curry-Runde zwei?

Kaufi: Nöö, noch nicht. Aber ja – Curry! Fein! Ich hab auf der Fressmeile einen Inder gefunden, der äusserst feine Wraps macht. Mit Poulet. Und… scharfem Curry! Genau meins, und schon habe ich meinen Stamm-Inder gefunden. Ich muss die nächsten Tage auch nix mehr sagen, der weiss schon was ich will, wenn ich da aufmarschiere… (pam: Was redest du von Tagen … stündlich marschierst du dort auf … Kaufi: Also SO ein Vielfrass bin ich dann doch nicht…! :-p).

Sonata Arctica – Back to the Roots (?)

pam: So würde ich es mir doch sehnlichst wünschen – mit dem “Zurück zu den Wurzeln”. Man kennt es aus früheren Reviews von mir. Ich war eigentlich immer ein grosser Fan der Finnen, die damals die grossen Stratovarius beerben sollten. Das haben sie eigentlich teilweise auch gemacht. Guter Power Metal im Stile der bekannten Landsmänner. Sonata Arctica wurde schnell zu einer eigenen Institution, doch irgendwann hat man den Pfad der Powermetal-Tugend verlassen. Tiefpunkt war für mich der Auftritt am Bang Your Head 2015, wo sie mit einer Nicht-Endend-Wollenden-Balladesken-Melancholie-Nummer ins Set starteten. Ab und zu ein bisschen Melancholie, wie sie nur aus dunklen finnischen Winternächten oder gar Tagen entstehen können, ist ja gut und schön. Aber bitte nicht nur. Und nicht grad zu Beginn.

Nun, meins ist es leider nicht mehr und so ging ich Tony Kakko und seinen Mit-Musikern lange aus dem Weg. Selbst auf der 70’000 Tons of Metal hab ich sie, wenn dann nur am Rande mitgekriegt. Am Masters of Rock mit nur einer Bühne (OK, wir haben noch die Nebenbühne) ist das etwas schwieriger und so steh ich von Anfang an meinen Mann und gebe den Finnen eine neue Chance. OK, das war jetzt etwas geschummmelt. Ich bin ja noch bei Lunatic Gods und am Langos essen. So verpasse ich doch die ersten 20 Minuten. Beziehungsweise Kaufi hab ich was verpasst?

Kaufi: Nicht viel, ehrlich gesagt. Ich bin da schon auch bei dir, nach Album Nummer 4, „Reckoning Night”, ist die Band für mich recht uninteressant geworden. Und heute sind auch die ersten vier Songs neueren Datums und mehrheitlich einfach lahm und langweilig. Ich hab mir mehr erhofft. Erst bei “Broken” und dann bei “Black Sheep” hellt sich meine Stimmung etwas auf…

pam: Genau, bei diesem «Black Sheep» kommt doch schon etwas Schwung in die Bude. DAS will ich doch hören und sehen. Doch schon beim nächsten Song setzt sich Tony Kakko wieder auf die Monitore und schon fährt wieder in die 30er Zone mit „Replica“, welches sich immerhin noch tempomässig steigert. (Amn. Kaufi: Wobei DAS wirklich ein grossartiger Song ist!) Und hey, «8th Commandment» … geht doch, das ist astreiner Powermetal. Ich werde jedoch nur kurz euphorisch, man schaltet beim nächsten Song bereits wieder ein paar Gänge runter.

Was auch auffällt: Man hat nicht das Gefühl eine Band zu erleben. Es ist Sänger Tony Kakko mit ein paar Mit-Musikern irgendwo im dunklen Hintergrund der Bühne.

Mit Runterschalten kann man aber auch wieder beschleunigen und das tun sie mit „The Cage“ sowie „Don’t Say A Word“ und liefern wiederum starken Powermetal ab. Nun auch als Band, die jetzt mehr gemeinsam agiert und abgeht. Ui, liebe Finnen von Sonata Arctica, macht doch wieder mal eine lupenreine Powermetal-Tour. Das wäre schlichtweg der Hammer. Ihr könntet es ja.

Der emotionale Moment folgt dann mit der Aufforderung, Tickets, Merch und Bier weiterhin zu kaufen – „to keep live music alive“. Auch für unsere Kinder und Grosskinder. Dem leisten wir doch alle fleissig folge. Also, das bezieht sich jetzt nicht auf Kinder und Grosskinder (machen), aber all das Zeugs zu kaufen.

Bei Bier soll es gemäss Band nicht bleiben und so fragt Kakko «Is there something you need?». Aber klar doch, der Rausschmeisser seit eh und je: „Vodka“. Der hat mich nie wirklich so aus den Socken gehauen. Bringt doch bitte endlich wieder – den für mich besten Sonata-Song – „Victoria’s Secret“. Warum sie den doch eher selten live spielen, ist eines der grossen Rätsel aus Finlandia. (Anm. Kaufi: Oder “The End Of This Chapter”. Das elend in die Länge gezogene “Vodka” braucht es definitiv nicht, solche Dinge können sie Truppen wie Korpiklaani oder Alestorm überlassen …).

Sie verlassen die Bühne mit für mich zwiespältigen Eindruck. Es war jedoch definitiv besser als die letzten bald 20 Jahre und ein Schritt in die richtige Richtung ins gelobte Land des finnischen Power Metals.

Doch jetzt freu ich mich wie Eiszapfen bei -20° in Lappland auf mighty Kreator. Was vom Besten, was Live-Musik und auch aus Konserve zu bieten hat. Keine Widerrede Herr Kaufi Kaufmann. (Kaufi: Ich bin nur Fotograf, ich sag nix…)

Setliste – Sonata Arctica

  1. Paid in Full
  2. Closer to an Animal
  3. I Have a Right
  4. X Marks the Spot
  5. Broken
  6. Black Sheep
  7. Replica
  8. 8th Commandment
  9. Last Drop Falls
  10. FullMoon
  11. The Cage
  12. Don’t Say a Word
  13. Vodka

Fotos – Sonata Arctica

Kreator  – Hate über Tschechien

pam: Mit dem Titelsong des sackstarken letzten Outputs der Thrasher – „Hate Über Alles“ – wird grad mal markiert, wer den Schnaps zum Brennen bringt (OK, eigentlich geht’s umgekehrt, aber easy) und das Festival sprengt. Keine zwei Songs später verlangt Mille bereits eine Wall of Death: „I want turn this place into a massakkkkkkkäääärrr“. Giftig und anstachelnd, wie es nur der Legende aus dem Ruhrpott gegeben ist. „Enemy of God“ … sackstark, weniger cool find ich einmal mehr die Fötzelikanone, die bei Kreator seit Jahren zum Einsatz kommt. Grad an Open-Airs würd ich das mehr als „Enemy of the Environment“ bezeichnen.

Würdiger ist jedoch der gewaltige Circle Pit und die damit einhergehende beste Stimmung des Tages. Nicht nur sah man den ganzen Tag am meisten Kreator-Shirts, es ist schlichtweg überragend, was wir hier sehen und hören und eines Headliners absolut würdig. Man sieht auch zum ersten Mal Crowdsurfer. Kaum geschrieben, ruft Mille zu „Old School Crowdsurfing“ auf. Uiuiui, der Thrasher in mir ist eine reine Hüpfburg.

„We are Kreaattooooooor. And you are the hordes of chaos“. Eieiei, jetzt gibt’s definitiv kein Halten mehr. Dieser Song war damals meine Einstiegsdroge zu Kreator und seit diesem Album liefern sie einfach nur noch allerbeste Ware wie für mich keine andere (Thrash-)Metalband in den letzten 20 Jahren.

Aber es lohnt sich auch in die älteren Sachen einzutauchen. “Do you want some old school? 1989. „Extreme Aggressions“”. Was ist das für ein geiler Groove, zweistimmige Soli und weitere Granaten alter Schule wie „Flag Of Hate“, „Pleasure To Kill“ … Und so endet praktisch wie der Start dieser Bombenhagel auf die Minute. Keine Frage, da ist viel Routine dabei. Doch es wird jedes Mal geliefert und ich wiederhole mich: Niemand reicht Kreator momentan live und aus dem Studio das Wasser im Thrash-Metal. DAS ist eine eigene Liga, wo andere grosse Bands aus den 80ern nur noch wegen ihrem Renommee aus vergangenen Tagen mitspielen. Kreator spielt jedoch in dieser Liga, weil sie es noch heute können und würden jederzeit wieder aufsteigen.

Ich glaub, das ist ein guter Moment, den Tag mit einem Bierchen abzuschliessen und die Heimfahrt anzutreten. Das mit dem Zug zurück nach Zlin funktioniert jedoch nicht wirklich so wie gedacht. Aber es hat genügend Taxis. Apropos genügend, wo ist eigentlich mein Lieblingskaufi? Hat dich Kreator weggeblasen?

Kaufi: Ah, Zug fährt eh keiner mehr heute. Dieses Fiasko ist dann erst am Freitag… Ich hab meine Arbeit getan, hab Kreator fotografiert und bin dann mal weg. Auf dem Weg zu den Taxis hat es noch genügend Festzelte, wo Musik läuft, da muss ich mir das auf der Bühne nicht antun…

Setliste – Kreator

  1. Hate Über Alles
  2. People of the Lie
  3. Enemy of God
  4. Betrayer
  5. Phobia
  6. Satan Is Real
  7. Hordes of Chaos
  8. Hail to the Hordes
  9. 666 – World Divided
  10. Phantom Antichrist
  11. Strongest of the Strong
  12. Extreme Aggressions
  13. Terrible Certainty
  14. Violent Revolution
  15. Flag of Hate
  16. Pleasure to Kill

Fotos Kreator (Kaufi)

Das Fanzit – Tag 1 – Masters of Rock 2023

pam: Kreator über alles. Wie erwartet haben die deutschen Thrash-Titanen ihren Headliner-Status mit einem gewohnt sehr starken Abriss bestätigt. Die anderen Bands, die ich gesehen habe, haben geliefert, aber auch nicht überrascht und fallen da gegenüber Kreator schon stark ab.

Morgen wird’s deftig mit dem für mich stärksten Line-up des Festivals. Somit freuen wir uns auf den Freitag.

Kaufi: Zugegeben – mit Kreator stand schlussendlich wohl die richtige Band auf dem Top Spot des Billings. Aber Battle Beast sind halt schon verdammt cool… Nach der chaotischen Anreise jedenfalls ein insgesamt versöhnlicher Abschluss und ein schöner Auftakt in das Festival. Auch wenn ich schon den Druck vom Chef spüre, dass ich am nächsten Tag fototechnisch nicht versagen darf…

Tag 2 – Masters of Rock, Freitag, 14. Juli 2023

pam: Wir oder zumindest ich geh den Tag gemütlich an. Kaufi läuft schon mal von unserem Hotel runter zum Bahnhof los. Da ich bekanntlich nicht gerne auf Züge warte, zögere den rund 15 minütigen dahin noch etwas raus. Der Kaufi darf da gerne noch etwas Züge und so fötelen. Der Bahnhof und auch die Züge haben aber schon was. Halt so richtiger Ostblock-Charme. Der Zug kommt dann auch und so geht es mit diesem Retro-Dieselmonster – unserem Metal-Train – wieder Richtung Festival.

Ich check mal Wetter – 27° C (drum aktuell mit weissem Soul Fly-Shirt) – und Running Order für heute. Hola die Tschechenfee, das wird ein deftiger Metalmarathon. Mit der prallen Sonne wird das wohl unsere Energiereserven ganz schön anzapfen. Also, nichts wie los!

Fotos Bahnhof Zlin – Masters of Rock – Tag 2 (Kaufi)

Brothers of Metal – Wikinger oder Höhlenmenschen

pam: Ja, was stellen die Brüder und die eine Schwester eigentlich dar? Die viele nackte Haut wird nur an den neuralgischen Stellen mit Fellen bedeckt; und beim MC und Sänger Mats Nilsson noch mit einem Wampenhalter ergänzt. Also so ganz authentisch ist die Bekleidung wohl für keine Epoche oder Volk. Aber das ist ja auch egal. Metal erlaubt ja viel und vor allem, wenn er melodiös und bombastisch wie bei den Schweden von Brothers of Metal daherkommt.

Unser guter Luke würde jetzt wohl wieder den WWF auf den Plan rufen, wegen der aussterbenden Spezies von Keyboardern. Auch bei den Brothers of Metal kommt das Zeugs alles ab Band. Dafür haben sie drei Gitarristen und drei Sänger. Die scheinen sich nach wie vor wie die Hasen zu paaren und zu vermehren. Ob es bei diesem Genre wirklich drei Gitarristen braucht, lass ich jetzt mal so stehen, aber definitiv bringen die drei Stimmen was. Davon kann ich nicht genug kriegen – vor allem das Mädel Ylva Eriksson hat eine Hammerstimme, der man gerne lauscht.

Besser kann man kaum in ein Festival starten. Das passt so ganz gut – ausser vielleicht mit Punkrock à la Greenfield. Die Menge ist auch sehr aktiv, wenn doch nur der Wind wieder drehen würde. Weil jetzt heizt der Asphalt von unten so richtig schön und der Schweiss fliesst fast so schnell wie das Bier.

Und was macht mein lieber Kollege, der Kaufi? Natürlich wieder mal Rätsel hinterlassen, weil der läuft bei dieser Party und Sound à la Bloodbound und All For Metal wieder mal davon. Was da jetzt wieder nicht passt? Wir werden es wohl nie ganz erfahren aus dem Mysterium des Kaufiversum. Also von allen «Warkings»-Konsorten find ich Brothers of Metal live definitiv am besten.

Die Stimmung ist wirklich top, man tanzt und hüpft und trinkt und singt. Sowohl auf als auch vor der Bühne. Das Ganze wir perfekt abgeschlossen mit dem sackstarken Ohrenwurm «Defenders of Valhalla» und dem entsprechenden Refrain «Champions, Defenders of Valhall, with glory we ride, Together, side by side, we strike down on evil with all our might, Guardians of light, With hammers of justice we will win the fight, Brothers and sisters unite, We will rise».

Geht’s noch besser? Stimmungsmässig? Mal schauen, als nächstes stehen die Deutschen von Lord Of The Lost am Start.

Kaufi: Ja, die Brothers Of Metal passen eigentlich völlig in mein Beuteschema. Aber irgendwie packt mich das einfach nicht richtig. Ich kann nicht sagen, woran das liegt – ist einfach so. Da gibt es in meinen Ohren einfach einige stärkere Bands. Und wenn Du das schon sagst: All For Metal…!

Fotos Brothers of Metal (Kaufi)

Lord of the Lost – Kaufi lost

pam: Na klar ist der bei Lord of the Lost weg. Wahrscheinlich beim Curry. Für mich passt das eigentlich ganz gut, ausser beim Klargesang ist es ein bisschen viel Geschrei. Definitiv ein sehr starker Kontrast zu den Brothers of Metal zuvor. Eigentlich würde der Gothic-Sound besser am späteren Abend zusammen mit Crematory passen. Dafür Bloodbound jetzt/früher, die am Samstag den Rausschmeisser machen. Das wäre wohl auch im Sinne von Kaufi, damit er dann nicht bis am Schluss auf die Schweden warten muss …

Und es gibt heute einen Versuch, die Keyboarder wieder zu paaren. Doch irgendwie lief das was schief. Da ist eine Gitarre mit einem Mini-Keyboard integriert. Uiuiui, wenn das jetzt unser Szenepolizist Kaufi sehen würde …  (Anm. Kaufi: Hää? Ich? Szenepolizist? Seit wann?).

Abgesehen von diesem optischen Aussetzer liefern die Eurovision Song Contest Teilnehmer ganz gut ab und sie holen damit wirklich jeden auf dem Platz ab – ausser der eine, der sich verdrückt hat … Die Stimmung ist gar noch besser als bei Brothers of Metal. Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Die Deutschen kommen aber auch sehr nahbar und sympathisch rüber. Sie rufen u.a. auch für einen Single-Circle-Pit auf. Also jeder soll sich um seine eigene Achse drehen.

Das war stark. Gerne wieder. Kaufi, wo du?

Kaufi: Ääähm – ich hab einen Auftrag, Bilder zu liefern! Also bin ich sicher mal drei Songs vorne an der Bühne. Fotografieren kann man ja auch, wenn einem die Mucke nicht gefällt… Der Auftrag ist aufgeführt (inkl. Tschechische Sisters of the Lost in der ersten Reihe  – pam: Ui, ja das Mädel an der Dauerfront), und ich bin weg. Nein, dieser Sound ist nix für mich. Und die komische Gitarre hab ich zum Glück wohl verpasst…

Fotos Lord of the Lost (Kaufi)

The Night Flight Orchestra – zu wenig Turbulenzen

pam: Zwei Bands sind für mich durch, beide haben geliefert und die Stimmung war trotz Hitze grossartig. Ob da die Schweden mit ihrem Nachtflug mithalten können? Gleich vorweg, der Flug ist zu ruhig, um die Massen zu bewegen. Ich mag diesen Classic Rock und der ganze optische Auftritt dieses Nebenprojekts von Musikern wie Sänger Björn Strid (Soilwork) oder Bassist Sharlee D’Angelo (Arch Enemy). Man könnte jetzt also von einer Supergroup sprechen. Ich bin da mit dieser Bezeichnung jedoch etwas vorsichtig. Oft spricht man ja in den PR-Texten bereits von einer Supergroup, wenn die Mitglieder noch in anderen Bands spielen. Das erfüllt mich dieses Prädikat oft nicht. Beim The Night Flight Orchestra ist das aber auch nicht wirklich relevant, weil die Musik ja eh total anders ist, als die Hauptbands der Mitglieder. Somit stellt sich hier die Frage gar nicht wirklich.

Am Sweden Rock vor einigen Jahren  hatte ich sie zum ersten Mal live erlebt und da war der Wow-Effekt schon noch grösser. Jetzt wird es schnell etwas langweilig und es ist der Moment, wo nicht nur ich mal einen Schattenplatz aufsuche. Was trinken und was futtern. Dementsprechend hat es jetzt bedeutend weniger Leute vor der Bühne als bei den beiden anderen Bands zuvor, die den Platz schon gut gefüllt hatten. Mal schauen, ob da eine walisischen Bastarden-Familie dagegenhalten kann …

Fotos The Night Flight Orchestra (Kaufi)

Phil Campbell And The Bastard Sons – Endlich!

pam: Finally, kreuzen sich unsere Wege. Also eigentlich musste ich Phil und seinen Buben schon fast ausweichen. Denn er macht, was er zuvor als Gitarrist bei und mit Motörhead gemacht hat: Überall und immer live auftreten. Gibt es eigentlich ein Festival, wo sie noch nicht waren? Gefühlt auf jedem Line-up und doch hab ich es aus unerklärlichen Gründen nicht geschafft, die einzige wirkliche Nachfolge-Band von Motörhead live zu erleben. Schade ist Mikkey nicht mehr dabei bzw. macht jetzt auf Scorpions (das tut immer noch weh …), aber das wäre wohl zu viel des Guten bzw. Motörhead gewesen. Lasst die Legende ruhen.

Aber wenn man Söhne hat, die mit Rock n’ Roll im Blut aufgewachsen sind, hat man ja auch Alternativen. Man nehme noch einen Sänger, der ebenso dreckig genug ist, aber nicht versucht, einen auf Lemmy zu machen. Sowohl stimmlich als auch optisch nicht. Wir sehen hier also keine Tribute-Band, sondern eine starke Band, die Motörhead-Songs spielt. Und das fast ausschliesslich. Zumindest heute. (Anm. Kaufi: Warum “fast”? Das waren doch NUR Motörhead Songs? pam: Siehe Setlist – es gab zumindest eine Ausnahme …aber immer noch was von Lemmy).

Und so spielt man sich durch Klassiker und auch weniger Bekanntes kaugummikätschend, wie es der Papa seit Jahrzehnt vormacht bzw. „kätscht“ – wie übrigens auch seine Klone am Bass, zweiter Gitarre und an den Drums. Und es brätscht dabei auch schön. Hatte ich zu Beginn noch etwas gemischte Gefühle, ob Phil das überhaupt darf, das Erbe verwerten. Das war wohl auch ein bisschen der Grund, warum sich unsere Pfade heute zum ersten Mal gekreuzt haben. Zum Glück ist es jetzt jedoch endlich soweit!

Denn ich finds wirklich sehr geil. Es ist eine starke Band, die wie gesagt – bis auf Phil, aber er ist einfach Phil – nicht auf Motörhead macht. Der Sänger läuft rum mit seinem Retro-Mikrofon, nichts mit Kopf nach hinten und Halszäpfli dehnen wie beim Original, der Bassist Tyla Campbell hüpft. Und spielt auch keinen Rickenbacker. So passt das schon. Und als dann Phil in die Runde fragt, ob es heute auch ein paar The Ramones-Fans im Publikum habe, wissen wir was geschlagen hat. Oder in den Worten von ihm: «This is a song about them. It’s a jazz version. 1, 2, 3 …» und ab geht die Rohrpost. Natürlich nix da mit Jazz, sondern Motörheadlike wie in The Ramones geschrieben und gespielt hätten.

Irgendwann hab ich wohl etwas verpasst oder ist das ein Running Gag auf Tour? Neo-Sänger Joel Peters fordert uns auf, Tyla ein Fuck You mit gestrecktem Mittelfinger entgegenzuschleudern. Das wird auf der Bühne mit dem geforderten Mittelfinger so richtig zelebriert. Sogar der Papa macht mit … Der Gute Tyla tut da einem grad ein bisschen leid … dafür darf er dann das wohl bekannteste Bass-Intro/-Riff des Metals spielen: „Ace of Spades“ (wie ich bei den folgenden Auftritten von Phil und seinen Bastarden feststelle, gehört das also zum Standard-Ritual vor “Ace of Spades”. Doch warum dem so ist, wissen wohl nur die Bastarde selbst).

Nebst Motörhead gibt es auch ein Hawkwind-Cover mit dem starken „Silver Machine“. (Anm. Kaufi: Ah…) Was noch auffällt, dass der Bastard Todd Campbell an der Gitarre auch solieren darf – selbst bei Motörhead-Songs. Sohn und Papa teilen sich den Lead schön auf.

„I’m fucking Phil Campbell. Thanks for coming.“ und mit diesen wenigen Worten von Phil selbst beenden Phil And His Bastards Sons ihr Set.

So oder so, das war ein sehr starker, erfrischender Auftritt. Gerne bald wieder Mal (das nächste Mal soll es schliesslich auf der Sabaton Cruise irgendwo in der Ostsee sein … wie mir der pam aus der Zukunft verrät).

Kaufi: Wahrscheinlich setze ich gerade Weihnachts-, Geburtstags- und sonstige Geschenke aufs Spiel. Aber ich sage es nicht zum ersten Mal: Ich war und bin einfach nicht der grösste Motörhead Fan. Auch wenn ich massenhaft Respekt vor Lemmy und seinem Schaffen habe – ist halt auch nicht so mein Sound. Im Gegensatz zu pam hab ich aber Phil Campbell und seine Jungs schon in der Schweiz (am Riverside Festival) gesehen. Und wenn man auf Motörhead steht, dann ist das wohl schon sehr cool, was man hier geboten bekommt. Und schlussendlich gibt es ja auch einige wenige Tracks, die selbst ich geil finde – “Killed By Death” feiere auch ich ab! 

Fotos Phil Campbell And The Bastard Sons (Kaufi)

Feuerschwanz – Kaufi’s emotionaler Moment auf Ansage

pam: Jetzt ist es definitiv ganz voll auf dem grossen Betonplatz vor der Bühne. Es wird fleissig mit Feuerwehrschläuchen für künstlichen Regen gesorgt, um die Meute abzukühlen. Doch gegen das, was auf der Bühne schon den ganzen Tag abgeht, kommen die braven Feuerwehrmänner schliesslich nicht an. Es könnte 20° kühler sein und dennoch müsste man kühlen. Bisher haben alle Bands ganz stark geliefert, mit einer kleineren Verschnaufpause beim The Night Flight Orchestra.

Schnell geht es bei Feuerschwanz los mit “Memento Mori” bis zu dem gemeinsamen Zwergengehüpfe zu „Kampfzwerg“. „If you don’t have a beard, it’s scheissegal.“ Schon erstaunlich, wie gut die Deutschen mit deutschen Texten hier ankommen. Aber das hatten wir ja schon ähnlich Anfang Jahr auf der 70’000 Tons of Metal erlebt. Stimmung machen können sie. Und für einen Augenschmaus und zusätzliche Stimmung sorgen seit eh und je die beiden Miezen links und rechts der Bühne. Cheerleader im Metal sind ja sonst eher verpönt, bei Feuerschwanz gehört das seit Jahren zum erfolgreichen Konzept.

Durch die geschlossenen Reihen und die hervorragende Stimmung sind auch die ersten Crowdsurfer auszumachen. Und was immer noch positiv auffällt, wie wenig Smartphones in die Luft gestreckt werden. Das soll doch lobend zugunsten des wohl doch grossmehrheitlich tschechischen Publikums erwähnt werden. Doch wer denkt, Kaufi und ich seien die Exoten, der sieht sich enttäuscht. Nebst einer optisch präsenten Schweizer Truppe, die schon seit Jahren am Masters of Rock sein soll, ist auch der Australier Dallas Handcock, denn man – und insbesondere Kaufi – von der 70’000 Tons of Metal kennt, hier. Der kam mit seiner Familie mehr oder weniger extra nach Europa für dieses Festival. Und da tun Kaufi und ich (also schon mehr er als ich), wegen einer etwas komplizierten Anfahrt rumjammern. (Anm Kaufi: Pah! Lange Anfahrt oder komplizierte Anfahrt sind zwei Paar Stiefel! :-)).

Zurück zu den Feuerschwänzen (yep, auch die Miezen tragen (hinten) Schwänze … ok, war jetzt etwas billig). Nicht ganz überraschend geht die Menge bei „Dragostea Din Tei“ noch steiler ab als sonst schon, als es kurze Zeit später beim „Das elfte Gebot“ bei Kaufi wiederum emotional wird. Was auch mich dann wegen ihm jedes Mal sehr berührt.

Als erste Band des Tages macht Feuerschwanz auf Zugaben. Und da ist eine, die jetzt definitiv auch bei mir brutalst Hühnerhaut erspriessen lässt: „Warriors Of The World United“. Das Manowar-Cover ist und bleibt sehr stark in der Version der Deutschen – auch ohne Winkler kommen von den bandeigenen Sängern die adam’schen Screams ganz deftig hoch und ausgedehnt. Bekanntlich fand ich das Original von diesem Stampfer aller Stampfer immer eher langweilig, doch Feuerschwanz peppt den ganz schön auf. So dass hier wirklich jeder auch schön mitsingt. Da überleg ich mir sogar für kurze Zeit, doch noch nächste Woche ans Riverside zu gehen, wo die selbsternannten und nicht mehr ganz so Kings of Metal spielen werden.

Zum Abschluss „let’s get naked“, soll jede(r) sein/ihr Tishi ausziehen und in Fan-Manier in der Luft schwingen. Davon machen vor allem die Jungs ausgiebig gebrauch. Ist ja nach wie vor sehr warm. Und ihr könnt euch nicht vorstellen, wie genial das Geschwinge wirkt. Es fühlt sich an, als hätte jemand grad 1’000 Ventilatoren auf dem Platz angemacht. Welch angenehmer Effekt – denn es ist auch um 20 Uhr noch ziemlich warm. Das hätte man am Nachmittag machen sollen. Bitte liebe Nachmittagbands, die bei grosser Hitze spielen, merkt euch das. Damit gewinnt ihr locker viel Sympathie in der kochenden Masse.

Unabhängig von den Ventilatoren war das ein ebenfalls sackstarker Auftritt von Feuerschwanz. Jede Band legt noch einen Schippen drauf. Der Super-Donnerstag (Anm. Kaufi – es ist Freitag…? pam: Ach, immer diese Haarspalterei) hat seine hohen Erwartungen bei mir bisher absolut erfüllt. Und DAS absolute pam’sche Highlight steht ja noch unmittelbar davor …

Kaufi: Ich habe Feuerschwanz dieses Jahr das erste Mal auf der 70’000 Tons of Metal Cruise gesehen und gehört. Damals nach dem Motto “Mal reinhören schadet nicht” – Dutti sagt dem wohl “Horizonterweiterung”. Ich könnte jetzt auf Anhieb keine Band nennen, die dermassen schwarz / weiss ist für mich. Da gibt es unsägliches Zeugs wie “Schubsetanz” oder das absolut grauenvolle Cover “Draogostea Din Tei” (pam, sag Du nochmal was wegen Scooter und so…) – und dann sind da Songs und Lyrics bei „Memento Mori” und vor allem “Das elfte Gebot”, die mir dermassen unter die Haut fahren und Emotionen wecken… Das ist heute nicht anders. Und weil ich mich in der Zeit vertan habe, verpasse ich den Opener prompt sogar zur Hälfte…

So, und jetzt bin auch ich gespannt auf mein erstes Treffen mit pam’s Göttin: Tarja…

Setliste – Feuerschwanz

  1. Memento Mori
  2. Untot im Drachenboot
  3. Metfest
  4. Bastard von Asgard
  5. Ultima Nocte
  6. Schubsetanz
  7. Kampfzwerg
  8. Berzerkermode
  9. Knochenkarussell
  10. Dragostea Din Tei (Cover)
  11. Das Elfte Gebot
  12. Warriors of the World United (Cover)*
  13. Rohirrim*
  14. Die Hörner hoch*

*Zugabe

Fotos Feuerschwanz (Kaufi)

Tarja – Göttinnendämmerung

pam: Ui, ich bin nervös wie schon lange nicht mehr vor einem Konzert. OK, bei Tarja bin ich es auch nach dem wohl bald 20sten Aufeinandertreffen immer noch. Das letzte war ja im Frühling in der KUFA in Lyss. Ob ich es bereuen werden, dass ich Kaufi beim Fotopass den Vortritt liess? Wir werden sehen. Ich hoffe, er ist sich seiner grossen Verantwortung bewusst …(Anm. Kaufi: Danke schön, dass Du den Druck noch weiter erhöhst…!)

Nebelschwaden ziehen über die Bühne. Begleitet von Pianoklängen ab Band. Aus der Menge ertönen erste Begeisterungsgeräusche in Form von Klatschen, Schreien, Kreischen, Pfeifen, Sirenengeschrei … Als schliesslich die Band erscheint, wird es im Gleichschritt noch lauter bis zum Höhepunkt als die Göttin des Metals – Tarja Turunen (dieser Einschub ist eigentlich völlig unnötig, aber nicht das da jemand zweifelt) – auf die Bühne zu schweben scheint. Es gibt Königinnen in verschiedenen Genres des Metals, aber es gibt nur eine Göttin, die über allen steht. Ihr wisst jetzt alle, von wem ich schreibe. (Anm. Kaufi: Noora? Charlotte? Ok ok…. Ich bin ja ruhig…).

Was jedoch grad ins Auge sticht, wo ist der Cellist und Ex-Apocalypticaner Max Lilja? Seit ihrem Solodebüt 2006 habe ich Tarja noch nie ohne ihn erlebt. Dafür ist ein zweiter Gitarrist dabei. Ebenfalls ein Novum. Der sorgt für zusätzlichen Druck an den Gitarren und ist definitiv ein Plus. Und kompensiert das Cello ab Band mindestens teilweise.

Und was macht der Kaufi? Ich seh den Silberlockenkopf im Fotograben hin und her pilgern. Ich bin im klassischen Metal-Dilemma. Will ich, dass ihn Tarja ebenso wie mich begeistern wird und auch wirklich tolle Fotos von meiner Tarja macht? Dass er ihr verfällt? … Als er drei Songs später mit einem riesigen Smile aus dem Graben läuft, befürchte ich das Schlimmste. Er strahlt wie ein Maienkäfer 1986 in Tschernobyl. (Anm. Kaufi: Echt? Da freue ich mich wohl vor allem für Dich… ;-)).

Tarja sieht top aus und ist in bestechender Form. Schlanker als auch schon in den letzten Jahren und kickt mit dem einen Bein so hoch wie noch nie. Und wie man sie kennt, ist sie auch heute der Sonnenschein in der Dämmerung. Oh mann, wie ich den Kaufi beneide. (Anm. Kaufi: Danke… Aber Du weisst schon, dass die Dame verdammt schwer zu fotografieren ist? pam: Ja, die bewegt sich halt auch ein bisschen, nicht wie die gute Floor-Standing-Jansen. Kaufi: Pah! Wie war das auf der 70k nochmals??).

Was heute auch auffällt, es kommt verhältnismässig wenig von den Vocals und Chören ab Band. So viel Tarja hab ich seit Jahren nie mehr gehört. Das ist Tarja pur heute. Und das begeistert nicht nur mich. Kein Halten gibt es schliesslich beim obligaten Nightwish-Cover im Set. Und heute ist es … „Nemo“. Es riesiger Aufschrei ertönt beim markanten Keyboard-Intro. Auch nach 18 Jahren ist nicht vergessen, wie genial die Symbiose zwischen Tarja und Nightwish damals war. Come on Tuomas, schliesslich haben es auch Axl und Slash geschafft. Und man stelle sich eine Nightwish United Tour à la Helloween vor, wo die Floor und Tarja die Songs jeweils aus ihrer Ära singen – von mir aus darf auch die Anette mitmachen. Und dann noch gemeinsame Auftritte. Das wäre das Highlight des Jahrtausends. Wohl nicht nur für mich. (Anm. Kaufi: Dutti…??) (Anm. Dutti: Danach könnte ich fraglos entspannt und friedlich abtreten 😛 )

Emotional wird es für Tarja seit ihrer ersten Solotournee jedoch vor allem bei „I Walk Alone“. Ihrem Winterstorm, der vor 18 Jahren (sic!) startete. Da ist Nightwish ja eigentlich lange, lange her. Doch Tarja, du weisst, dass du nie alleine gewalked bist. Ich – und wohl noch ein paar andere … – bin den Weg seit dem unrühmlichen Rausschmiss gemeinsam mit dir gegangen und werde es auch weiter tun. Nicht nur, aber vor allem auch, wenn du es uns mit einer so genialen Performance wie heute zurückgibst.

Sehr stark heute kommt „Victim Of Ritual“ rüber. Nicht nur wegen dem rollenden Ricola-R, sondern vor allem wegen der zweiten Gitarre. Zweistimmig wird der Song richtig aufgemotzt. Gerne auch in Zukunft den zweiten Gitarristen, der heute gemäss Standard-Gitarrero Alex Schopp seinen zweiten Auftritt mit der Band hat und auf den Namen Markus hört.

Das traditionelle gemeinsame Bandsolo, welches Tarja jeweils eine Verschnaufpause gibt, fällt heute sehr kurz aus, was für die Topform von Tarja spricht. Ich dreh am Rad bei Klassikern wie „Die Alive“, „Until My Last Breath“ oder dem für mich stärksten “Nightwish Cover-Cover”: „Over The Hills And Far Away“ von Gary Moore im Original als Rausschmeisser. Warum der jetzt dem Kaufi wieder nicht gefällt, wissen wohl nicht einmal die Götter. Da müsste ich mal Tarja fragen.

DAS war jetzt ein sackstarker Auftritt. Selbst für Tarja-Verhältnisse überirdisch und wird sich auf jeden Fall in meinen Top 5-Bestenliste des Jahres 2023 wiederfinden.

Das war der Sommerstorm. Kann man das heute noch toppen? Eine kleine Enttäuschung soll es heute doch noch geben…

Kaufi, du spielst mit dem Feuer, wenn du hier was falsches anmerkst…

Kaufi: Da ich alle Geschenke vorhin schon aufs Spiel gesetzt habe… Also: Für mich ist dies die erste Begegnung mit Tarja. Ich hab sie mit Nightwish nie erlebt und musikalisch finde ich ihre Solo-Sachen zu klassisch, zu wenig Metal, zu ruhig. Logisch, dass dann natürlich “Nemo” DAS Highlight ist bei diesem Auftritt. Und als grosser Gary Moore Fan (also bevor der nur noch den Blues hatte), hat mich das Nightwish Cover von “Over The Hills” noch gar nie begeistern können. Da wäre mir sowas wie “Wishmaster” deutlich lieber gewesen…

Was man aber ohne Wenn und Aber sagen kann: Tarja sprüht vor Spielfreude, die Dame hüpft, läuft, rennt herum und liefert eine saustarke Performance ab. Da sie allerdings lichtmässig mehrheitlich in dunklem Blau gelassen wird, wird das Fotografieren sehr schwierig. Ich bin gespannt, ob ich wenigstens in diesem Punkt etwas Gutmachung betreiben kann…

Setliste – Tarja

  1. Eye of the Storm
  2. Demons in You
  3. Tears in Rain
  4. Diva
  5. Love to Hate
  6. Enough
  7. I Feel Immortal
  8. Nemo (Cover Nightwish)
  9. I Walk Alone
  10. Victim of Ritual
  11. Innocence*
  12. Die Alive*
  13. Dead Promises*
  14. Until My Last Breath*
  15. Over the Hills and Far Away (Cover Gary Moore)*

*Zugabe

Fotos Tarja (Kaufi)

Within Temptation – What about the Goddess?

pam: Wow, was wird denn da auf die Bühne gekarrt? Drei Ufos? Auf jeden Fall ein starkes Bühnenbild. Damit gewinnt die Designerin Sharon den Adel schon mal den Preis für das – genau – stärkste Bühnenbild vom Master of Rock 2023.

Früh schon als vierter Song kommt „Paradise (What About Us?)“. Macht auch Sinn, so kann Tarja noch mittun. Denkt wohl wie ich jeder Zweite hier. Doch bevor’s losgeht, killt Frontfrau Sharon unsere Erwartungen: „She’s already in bed (?). I have to do this alone.“ Da scheint auch Sharon etwas enttäuscht zu sein, dass das heute nicht klappte mit dem gemeinsamen Live-Auftritt ihres sackstarken Duetts ab Konserve. Heute wäre es ja perfekt gewesen. Gleiche Bühne und gleich hintereinander. Das ist jetzt schon ein kleiner Dämpfer des ansonsten doch perfekten Tages. Doch Sharon macht mit einer wie gewohnt starken Performance diesen bald wieder wett.

Ich mag Sharons Stimme sehr. Wie Tarja ist sie auch mit einer seltenen Kombi einer schönen Sprech- als auch Singstimme gesegnet. Einzig die Höhen mag ich bei Tarja um Welten besser. Doch tendenziell wird’s bei Sharon eher brachialer mit den neuen Songs, die sie heute präsentiert: „This is a new song and not released yet. So take your cameras away. I see you [mit einem Lächeln auf jemanden zeigend]“ – es handelt sich um „Bleed Out“ vom neuen gleichnamigen Album.

Im Gegensatz zu Tarja, die jeweils ganz locker die höchsten Töne rausbringt, wirkt es bei Sharon optisch immer etwas angestrengt. Sie hält sich dabei mit einer Hand auch oft den Bauch. Sie ist grundsätzlich sehr aktiv und läuft von einem Ufo, die als Kanzeln dienen, zum anderen. Doch in der Stimme hört man diese Anstrengung nicht an.

Auch anders als bei Tarja, die vor allem den Winterstorm jeweils betont, sind die Ansagen von Sharon ausgeprägter und erklären den einen oder anderen Song. Dies scheint ihr wichtig zu sein, dass man auch den Hintergrund von diesen versteht oder sind gar politisch wie „Freedom for Ukraine. Sometimes we need to be political“. Bei diesem Thema geb ich ihr ausnahmsweise recht, was politische Statements im Metal betrifft. Emotional zeigt sie sich auch bei „Supernova“: „My dad passed away. So I am looking up to the stars for him (my supernova).“ Wir erfahren auch, wie schon bei Kreator, dass sie schon zum fünften Mal am Masters of Rock auftreten. Stark auch die Aussage, vor „Don’t Pray For Me“, dass jeder an das glauben soll, was er/sie will und man dies gegenseitig auch zulassen soll.

Mit „Stand My Ground“ spielen sie auch meine Einstiegsdroge zu Within Temptation vor vielen, vielen Jahren, als sie 2005 Support bei Iron Maiden waren. Das mach ich heute auch … ich steht jetzt schon über zehn Stunden vor der Bühne und es ist noch nicht vorbei, wie auch Sharon allen – vor allem hoffentlich auch dem Kaufi – klar macht: “There is another band after us. Soulfly. You must see them. They are amazing. I love them”. Doch das hört Kaufi wohl schon nicht mehr, denn der ist schon auf dem Weg zum Zug zurück nach Zlin. Oder doch nicht?

Auf jeden Fall haben zwei der stärksten, ausdrucksstärksten Frontfrauen des Metals nacheinander sehr stark geliefert. Das war ein Fest für die Ohren und Augen. Jetzt gibt es etwas weniger für die Augen, dafür umso mehr Power vom Groovemaster himself – Max Cavalera. Heute mit dem Mantel des Soulfly.

Kaufi: DIE Überraschung / Neuentdeckung für mich: Within Temptation. Klar, der Name ist mir schon lange ein Begriff, aber musikalisch ist das komplettes Neuland. Und schon der  Opener “See Who I Am” liefert die Art von Symphonic Metal, die ich wirklich mag. Und Fronterin Sharon präsentiert sich mit sehr stacheliger Krone auf ihren schwarzen Haaren – sieht schon speziell aus. Aber das ist ja eh das ganze Bühnenbild, wie pam schon erwähnt hat…

“Paradise (What About Us)” höre ich logischerweise auch zum ersten Mal – und der Track haut mich wirklich komplett weg! Etwas vom ersten nach meiner Rückkehr: Die Version mit dem Duett mit Tarja anhören. Hier bin ich allerdings froh, dass die ex-Nightwish Fronterin NICHT auf die Bühne kommt. Nicht wegen dem Duett an sich – denn das wäre fraglos grandios gewesen. Aber pam hat Top-Bilder gewünscht, falls es dazu kommt – und die hätte ich unter den gegebenen Umständen nie liefern können …

Da ich heute etwas früher Feierabend machen will (man ist nicht mehr 20i), verpasse ich das Ende (vor allem “Mother Earth” tut mir im Nachhinein schon weh) und gwaggle mal zum Bahnhof. Da soll ein Zug fahren um halb eins. So steht’s im Festival Guide. Und das sehen sicher drei Dutzend andere Metalheads genauso. Zug steht da, dunkel. Und um zwanzig vor Eins kommt irgendwelches Bahnpersonal und sagt, dass der erst um Halb Drei fährt. Danke für nix, liebe České dráhy! Dann geh ich halt zurück aufs Festival und fotografiere noch pams nächste Faves…

Setliste – Within Temptation

  1. See Who I Am
  2. The Reckoning
  3. Faster
  4. Paradise (What About Us?)
  5. Wireless
  6. Entertain You
  7. Raise Your Banner
  8. In the Middle of the Night
  9. Bleed Out (Neuer – bisher noch nicht veröffentlichter Song)
  10. Stand My Ground
  11. Supernova
  12. Stairway to the Skies
  13. Our Solemn Hour*
  14. Don’t Pray for Me*
  15. Never-Ending Story*
  16. Mother Earth*

*Zugabe

Fotos Within Temptation (Kaufi)

Soulfly – Max is back on track!

pam: Ich könnte ja bei jedem zweiten Satz

inzwischen „bekanntlich“ schreiben. Zumindest für diejenigen, die das eine oder andere Review von mir schon gelesen haben. Dass ich aus Sek-Zeiten ein grosser Fan von Sepultura und all ihren Nebenflüssen wie Soulfly oder Cavalera (Conspiracy) bin, wäre so ein Satz.

Der Groove, den kaum einer so hinkriegt wie Max in seinen Songs und Auftritten, hat mich ganz früh gekidnappt und seit inzwischen über 30 Jahren in Gefangenschaft. Doch das Stockholm-Syndrom liess nicht lange auf sich warten und so sympathisiere ich mit meinen vermeintlichen Peinigern seit dem ersten Tag.

Was für ein Kontrast zu den beiden Damen vorher. Doch auch ein etwas unförmiger Max hat nach wie vor ein Charisma, dem man sich nicht entziehen kann. Selbst der Kaufi nicht … der ganz ungeplant im Fotograben bei Soulfly steht. Auch wenn es ihm dabei natürlich alle Zehennägel auf einmal lüpft, so muss er doch zugeben, dass es schon eine reife Leistung ist, was die Jungs hier grad abliefern. Nach viel Gehüpfe sowie Mitgejohle-Musik während dem ganzen, heissen Tag – und schliesslich zwei Symphonic Metal-Acts zuvor, die Masse bei Laune zu halten bzw. die überhaupt auf dem immer noch sehr gut gefüllten Platz zu halten, muss man sowohl der Band aber auch dem Publikum Respekt zollen.

Max ist, entgegen dem er sich über mehrere Jahre trotz immer noch respektablem Output etwas gehen liess, in Topform. Er springt schon fast wie ein junges Reh oder ein junger Scott Ian zu seinen besten Zeiten im Kreis und bangt, so dass auch der letzte Floh die Flucht ergreift. Und das gilt für alle Kopfbewohner auf dem Gelände, denn wer jetzt grad nicht wild am bangen ist, hat entweder auf einen nicht fahrenden Zug gesetzt oder ist schlicht und einfach zu ergriffen, was hier grad abgeht auf dem ganzen Platz. Natürlich ruft auch Max nach dem grössten Circle Pit des Festivals. Das dürfte ihm bei «Refuse/Resist» gelungen sein. Und wieder öfters als auch schon zeigt sich ein fettes Lachen vom Brasilianer.

Doch auch seine Mitmusiker – brutaler Finger-Bassist (Mike Leon) mit Highspeed-Slapping – und einmal mehr sein eigner Sohn Zyon, und somit der Neffe von Igor Cavalera, an den Drums mit irrwitzigen Bewegungen, gehen ganz schön ab. Auch Max ist von der Energie und Durchhaltewillen des Publikums begeistert: „It’s 1.38 am … I love the Czeck Republic!“

Das war der Abriss des Tages und zusammen mit Kreator des Festivals.

Un, dos, tres: Ole, OleOleOle, Ole, Soulfly, Soulfly.

Fotos Soulfly (Kaufi)

Das Fanzit Tag 2 – Masters of Rock 2023

pam: Die Gewinnerin der Herzen ist definitiv Tarja, die Gewinner der grössten Party sind Feuerschwanz und den grössten Abriss lieferten wie soeben erwähnt Soulfly – und trotz allem gab es mit Within Temptation von Show und Bühnenbild her den klaren Headliner. Doch heute haben alle überzeugt, die ich bei rund 12 Stunden am Stück gesehen habe an diesem Super-Freitag (passt das jetzt Kaufi ?!?). Einziger leichter Hänger – halt auch Genre bedingt – waren The Night Flight Orchestra.

Kaufi: Keine absolute “Must See” Band am heutigen Tag, aber trotzdem gibt es einiges an coolen Momenten. Beste Gruppe aus meiner Sicht sind klar Within Temptation, die völlig zurecht den Headliner Slot besetzen. Da freue ich mich jetzt schon auf den Dezember 2024, wenn sie nach Zürich kommen – da wird dann wohl eine grössere Metalinside-Delegation ihre Aufwartung machen…

Tag 3 – Masters of Rock, Samstag, 15. Juli 2023

pam: Das Ziel für den Start in den Tag für mich und schliesslich auch Kaufi, weil wir dann im gleichen Zug landen, ist Arion. Diese sind ab 15 Uhr am Start. Also nach dem intensiven gestrigen Tag ein etwas gemütlicher Beginn. Bei der Anfahrt des Dieselmonsters erzählt mir unser Zugchef Kaufi was von vibrierenden Nüssen. (Kaufi: Was mache ich?? pam: Hast du gesagt, ich bin jetzt noch geschockt … und lach mich grad beim x-ten Mal lesen krumm)). Also es geht um seine. Na ja, dem einen die Diesellok, dem anderen die Harley.

Heute ist es nochmals etwas heisser als gestern und wir werden auch schon von der Feuerwehr empfangen, die wiederum für künstlichen Regen und somit Abkühlung sorgt.

Kaufi: Heute ist MEIN Tag! Kaufi’s Super Saturday! Das wird heftig, richtig heftig…

Fotos Masters of Rock – Tag 3 (Kaufi)

Arion – Adonis-Metal

pam: Ich kannte Arion bisher nicht wirklich. Die Finnen haben mit Lassi Vääränen jedoch einen wahrhaftigen Adonis an der Mikro-Front. Der präsentiert den perfekten Body und liefert was für die anwesenden Damen. Was andere auf ihr Cover malen, packen Arion live auf die Bühne. Zu allem hat er auch noch ein tolle Stimme. Im Sinne von einen Daniel Gildenlöw genau das Beuteschema unserer Mit-Metalinsiderin Liane.

Doch warum mein lieber Kaufi daran mehr oder weniger uninteressiert vorbeiläuft, trotz aller kauf’schen Zutaten, ist wieder mal eines der unerklärlichen Rätsel dieses Universums. Ich find’s ganz OK, was uns da geboten wird. Auch wenn die markanten Chöre etwas gar viel vom Band kommen. Die lieben Bandkollegen könnten zumindest so tun, als ob sie auch mitsingen.

Gegenüber gestern um die gleiche Zeit, sind es heute doch einige weniger Leute vor der Bühne. Unter anderem stehen die weiter hinten und auf der einen Seite, bei den wenigen schattenspendenden Bäumen. Denn es ist heute noch heisser als gestern.

Kaufi: Ich hab Arion schon im Z7 gesehen, ein oder zwei Mal. Das hat mich damals nicht wirklich umgehauen. Heute jedoch laufe ich alles andere als uninteressiert vorbei, denn heute gefällt mir das überraschend gut. Jedenfalls deutlich besser, als bei den Hallenkonzerten. Aber jetzt mal zur Feuerwehr und die Kappe bewässern lassen – läck, es wird heiss heute… 

Fotos Arion (Kaufi)

Xandria – Wiedergeburt mit mehr Routine

pam: Xandria waren eine der ersten Symphonic-Metalbands, die ich zwei, drei Jahre nach Therion und Nightwish Anfang der 00er Jahre zusammen mit Bands wie After Forever und Epica entdeckte. Die Deutschen lieferten ein paar starke Alben, lösten sich jedoch 2017 auf, um sich dann mit einer kompletten Neubesetzung um das letzte verbliebene Gründungsmitglied Marco Heubaum sich ab 2022 wieder auf den Bühnen dieser Welt und neuem Album zu präsentieren.

Mit Ambre Vourvahis hatte Marco einen absoluten Glücksgriff für den Posten am Gesang getätigt. Mit viel Charme und einer gesegneten Stimme und tollem Aussehen, hatte uns die je hälftige Griechin und Französin schon im Frühling mit Delain im Komplex 457 überzeugt.

Der Platz vor der Bühne ist inzwischen schon wieder gut gefüllt, während die Sonne wiederum hitzig auf den Platz und auch auf die Bühne runter brennt. Dabei tun einem die Musiker schon etwas leid, insbesondere Ambre die mit einem schwarzen Spitzenmantel umhüllt ist und Gitarrist Robert Klawonn gar mit einem richtig dicken Mantel. Das soll später noch jemand toppen … Doch wer da keinen roten Kopf kriegt, trägt entweder Daylong 50 oder ist Südländerin.

Ambre erzählt uns mit einer charmanten Schüchternheit, dass sie vor 10 Jahren auch am Masters of Rock war, die Hitze erlebte und die Kälte in den Nächten. Immer wieder schön, dass wir doch alle irgendwie Fans sind und ein paar davon dann plötzlich auf der Bühne performen.

Den letzten Song kündigt sie mit einem „Holly Molly, it’s hot“ an (jetzt wären die Tishi-Propeller wie bei Feuerschwanz top) und dass sie normalerweise „not happy“ sei, diesen anzukünden … „but this time …“. Verständlich, Xandria war während desganzen Auftritts komplett der Sonne ausgesetzt. Da gönnen wir ihnen, dass sie sich nach getaner Arbeit – mit Bravour – in den Schatten begeben können. Doch das Publikum und somit auch wir, harren der ganzen Sache aus … weil jetzt kommt ja das Highlight von meinem lieben Kaufi … und für mich der Tiefpunkt, doch der Reihe nach.

Fotos Xandria (Kaufi)

Angus McSix – die Verarsche der Verarsche

pam: Ich steh da mit gemischten Gefühlen. Ich bin ja Weissgott kein Kind von Traurigkeit und ein bisschen weniger Ernst schadet dem Metal definitiv nicht. Doch in den letzten Jahren ging es oft nur noch drum, wer ist noch dööfer. Gut, solange der Sound stimmt, kann mir das ja egal sein. Aber tut es das noch bei Angus McSix? Die Verarsche der Verarsche (Gloryhammer)?

Miteidgenosse Thomas Winkler ist zwar nicht mit einem metalischen Aussehen, dafür für mit einer umso begnadeteren Powermetal-Stimme ausgerüstet. Doch für meinen Geschmack, übertreibt er es mit dem Screams in Höhen, wo die Luft für mich einfach zu dünn ist. Und live eben das Dauerrumgeblödle – u.a. was mit natürlich intergalaktischen Fliegenklatschen oder was auch immer das war. Tut mir leid, wirklich nicht meins.

Dass ein Ausserwählter auf einem Gummiboot crowdsurfen darf, ist ja nichts Neues. Beim «Seemann» der Apolkalyptischen Reiter wird das ja schon seit vielen Jahren einer Fänin der ersten Reihe angeboten. Aber klar, dass man das hier nur mit einem „Plastic Pegasus of Steel“ toppen kann. Der Auserwählte erhält zu „Eternal Warrior“ den Auftrag ein Bier für die Amazone an der Gitarre – Thalia Bellazecca – im Pegasus crowdsurfend von der Bar abzholen und zurück zur Bühne zu bringen, damit die ihre Power auffüllen kann. Rund 5 Meter vor dem Ziel fällt ihm das Bier doch tatsächlich noch runter … die Strecke von wohl gut 40 – 50 Metern war ja auch nicht ganz ohne.

Aber der Amazone hätte ich auch ein Bier gebracht – definitiv ein Aktivposten der musikalisch sehr stark besetzten Band. Im Gegensatz zu ihrem Gitarrenkollegen Sebastian Levermann (auch in den Diensten bei Orden Ogan), der sich mit fetten Mantel, Kapuze und Vollmaske der sengenden Sonne aussetzt, ist sie entsprechend auch leichtbekleidet. Ich glaub nach dem Konzert, hat sich Sebastian Gedanken zu seiner Rolle gemacht …

Hier noch die Info an Mit-Metalinsider Luke: Es fehlt nicht nur das Keyboard, sondern einmal mehr auch Bass auf der Bühne bzw. jemand, der diese Instrumente bespielt. Ihr kennt das inzwischen mit der aussterbenden Rasse. Dafür haben sie wie bei Gloryhammer einen Goblin auf der Bühne, dem schliesslich bei der schreienden Masse der Kopf explodiert. Luke, die Goblins kannst auch grad auf die gefährdeten Arten aufnehmen. (Anm. Kaufi: Goblins braucht es nicht! Gut, dass es Prinzen gibt, die dieser Spezies den Krieg erklärt haben!)

Hey nei, hör ich jetzt echt «Tötötötötöt» … ich kann das in schriftlicher Form gar nicht wiedergeben (aber wie mir Google verrät, ist das von Scooter – nein, Kaufi, ich wusste vorher auch nicht, von wem das Original ist, will ich auch nicht wissen). Der Ballermann-Hit schlechthin wird hier angestimmt … bis mir Kaufi erklärt, das gehört zu diesem Song.

DAS IST JETZT DEFINITIV ZU VIEL DES GUTEN. ICH BIN RAUS! Sorry, da werden die letzten und fettesten roten Linien überschritten. Wo ist die Szenenpolizei, wenn ich die mal braucht? Das ist Scooter oder Stubete Gang in goldener Rüstung. Das muss ich mir definitiv nie mehr geben. Kaufi, versuch zu retten, was für mich unrettbar ist. Ich verziehe mich so weit, bis ich den Scheiss nicht mehr höre. Ich kann auch stinkig.

Kaufi: Mein Super Saturday beginnt, und schon darf ich mal alles wieder in die richtigen Relationen setzen… Die Geschichte hinter Angus McSix dürfte zur Genüge bekannt sein, da gibt es auf unserer Page ja einige Beiträge, News und Interviews. Und auch musikalisch ist klar, was einen erwartet. Dass dies alles nicht allzu ernst genommen werden sollte, ist ebenso klar.

Und was Thomas Winkler, Seeb Levermann, Thalia Bellazecca und das Tier an den Drums, Manu Lotter, hier zeigen, ist… genau das, was man erwarten darf! “Masters Of The Universe”, “Sixcalibur”, “Amazones Of Caledonia” – Powermetal in der Art, wie ihn die ach-so-trven Fans verachten. Der aber schlussendlich einfach Spass macht…

Zugegeben – und das hab ich auch in meiner Album-Review geschrieben: “Laser-Shooting Dinosaur” und “Ride To Hell” gehen schon an die Grenze in Sachen Disco-Metal. Und dass das Intro von letzterem Song von Scooter sein soll – nix weiss. Ich kenne keine Ballermann-Hits… Und ich wäre auch nie auf die Idee gekommen, irgend sowas zu guugeln! Und wo ist überhaupt dieser Stubete Gang? Wohin kommt man, wenn man da durchläuft?

Einige der Showelemente und Ansagen kennt man ansonsten natürlich von Gloryhammer her. Heute muss halt nicht mehr der Hootsman mit Bier beliefert werden, sondern die Amazone. Und dass Prince Angus Goblins per Lärm zum Explodieren bringen kann, ist auch nicht neu. Aber dieses Pack ist auch selber schuld – wer das Schwert “Sixcalibur” klauen will, wird halt bestraft! Neu ist dafür der Dinosaurier, aber den bräuchte es in der Tat nicht unbedingt. Diese komischen Ganzkörperverkleidungen finde ich nicht erst seit der 70’000 Tons daneben – das ist dann auch mir ZU viel Fasnacht. Aber das ist schlussendlich der einzige Makel. 

Alles in allem ist es jedoch ein äusserst gelungener Auftritt von Angus McSix. Das sehe übrigens nicht nur ich so, sondern auch zig Tausend Fans auf dem äusserst gut gefüllten Platz vor der Bühne. Und mein Super-Saturday ist nun so richtig lanciert! 

Fotos Angus McSix (Kaufi)

Freedom Call – wo sind die Growls?

Kaufi: An meinem Super Saturday braucht es keine Growls… 😉

pam: Ich mag ja Powermetal und grundsätzlich auch den Happy Metal von Freedom Call. Aber nach zwei Mal Eunuchengesang, sehnt man sich schon nach einem fetten Growl. Bezeichnenderweise lieferte diesen heute bisher nur Ambre von Xandria. Während die Männer allesamt ihre Eier mit Klämmerli abklemmen.

Ich hab mir noch vermerkt, wie der zurückgekehrte Drummer – den Kaufi sicher gleich benamst – peinlich berührt ist, als er entsprechend angekündigt wird.

So, irgendwie packt mich das ganze nach Angus McSix nicht wirklich. Ich überlass das Feld unserem Eunuchenexperten Kaufi.

Kaufi: “Eunuchenexperte”? Nääh, nicht wirklich. Dafür freue ich mich, dass ich Freedom Call wieder sehe – die zweite Begegnung in diesem Jahr. Und ja: Am Schlagzeug ist ein alt bekanntes Gesicht zu sehen. Ramy Ali, ein absolutes Biest hinter den Kesseln, ist zurück! In gewohnter Manier gibt der Kerl von Sekunde eins an Vollgas. Das bei immer noch sehr hohen Temperaturen. Ins Fitness Center muss Ramy heute also nicht mehr gehen…

Freedom Call liefern ansonsten eine gute Stunde feinste Unterhaltung. Happy Metal in Perfektion. Sehr früh im Programm und immer wieder ein Highlight ist beispielsweise “Tears Of Babylon”. Aber Hüpfen? Bei diesen Temperaturen? Das überlasse ich dann doch anderen Fans… Da ist mir auch pams Aussage “Wer hüpft ist grösser” egal.

Es ist ein schöner Mix zwischen älteren und neueren Songs, den uns Chris Bay und seine Jungs hier präsentieren. Kitschig oder nicht: “M.E.T.A.L.” macht einfach Laune. Genauso wie “Power & Glory” der diesmal allerdings ohne ausuferndes Finish gespielt wird.

Eigentlich gibt es nicht viel mehr zu sagen. Ausser dass hier gerade eine fette Happy Metal Party abgeht – so, wie es halt (fast) nur Freedom Call können! Da braucht es wirklich keine Growls…

Fotos Freedom Call (Kaufi)

Airbourne – Fliegeralarm

pam: 100% gepackt hatten mich Airbourne bisher nie. Irgendwann nach ein paar Songs ist mir der Gesang, das Gekreische etwas zu eintönig. Aber hey, wie die Jungs und insbesondere die Leadfigur Joel O’Keeffe jedes Mal abgehen, ist schon fast auf Angus Niveau. Die Show mit den fetten Scheinwerfer-Boxen auf der Bühne ist absolut top.

Cooler Moment auch mit dem Lemmy Tribute. Eine rollende Bar wird auf die Bühne gekarrt, bei der dann Joel Lemmies mixt (Jacky Cola) und diese gut gefüllt seinen Bandkumpels verteilt. Ex und runter damit. Wie gewohnt kommt bei Airbourne auch das Publikum nicht zu kurz. Joel hat ja den inoffiziellen Weltrekord im gefüllten Bierbecher-Weitwurf. Ich bin schon fasziniert, wie er das hinkriegt, dass die immer schön im hohen Bogen, aber ohne zu kippen, durch die Luft fliegen. Nur der eine oder andere Empfänger hat Mühe den Becher auch so zu fangen, dass noch etwas Bier drin bleibt – bzw. jetzt eben auch noch Jacky Cola.

Andere schaffen es ja kaum, ein Pleki über den Graben zu werfen, doch Joel schafft da locker die 40 Meter Grenze. Wären Pleki- oder Bierweitwurf eine olympische Disziplin, Australien hätte den absoluten Favoriten in seiner Delegation.

Und er schafft ja nicht nur die Weite, sondern auch zielsicher. Da soll z.B. die eine Dame auf den Schultern ihres Buddies in den Genuss eines Bieres kommen. Kein Problem für Joel. Er peilt die über 30, 40 Meter zielgenau an. Und der Buddy kriegt die eine oder andere Bierdusche, weil das mit dem Fangen bei der Dame noch nicht so funktioniert.

Fliegeralarm! Es wird eifrig an der mechanischen Sirene gekurbelt und dazu ertönt ein Riff, dass schwer an „For Those About To Rock (We Salut You)“ erinnert. Kaufi neben mir gerät in Ekstase. Ich darf seine Kamera halten und werde zum Assistenten degradiert. So viel zum Chef und Boss und so.

Kurz, eine sackstarke Show, extrem viel Energie, die da freigesetzt wird. Beim Gesang wünschte ich mir etwas mehr Abwechslung. Aber für einen Open-Air-Auftritt grundsätzlich alles perfekt und wunderbar.

Kaufi, darf ich dir deine Kamera wieder übergeben?

Kaufi: Danke fürs Halten! Ich hatte schon die Befürchtung, dass da “aus Versehen” Bilder von Angus McSix gelöscht wurden… 😉 

Der bereits erwähnte Kollege Dallas aus Australien erzählt mir, dass Airbourne im Heimatland kaum bekannt sind und da in kleinen Clubs spielen. Für mich absolut unbegreiflich. Denn was Joel O’Keeffe und seine Mannen hier vom Stapel lassen, ist eine Show, die es schlussendlich in meine Top 5 des Jahres schafft. 

Sicher, einige Elemente kennt man als alter Fanboy. Die hellen Scheinwerfer erfreuen die Fotografen – endlich mal kein dunkles Blau oder Rot. Joel’s Ausflug auf den Schultern eines Roadies ins Publikum fehlt genauso wenig, wie das Zerdeppern von Bierdosen am Kopf. Der Kerl muss einen Schädel aus Stahl haben…

Dass pam die Lemmy-Einlage gefällt, ist irgendwie logisch. Heute ist es eine relativ kurze Geschichte, in Zürich auf ihrer Tour haben sie das fast bis zum Exzess getrieben. Es ist aber wirklich erstaunlich, wie zielsicher der Fronter bei seinen Würfen ist. Die Fänger im Publikum sind da dann eher nicht in seiner Liga…

An der Setlist gibt es auch kaum was zu rütteln. Da ist eigentlich alles dabei, was man hören will. Vom Opener “Ready To Rock” bis zur zweiten Zugabe “Runnin’ Wild” bleiben keine Wünsche offen. Und beim besten Song von Airbourne ever, ist bei mir nun wirklich totale Eskalation angesagt. Die Fliegersirene läutet “Live It Up” ein und da bin ich grad froh, hab ich neben mir einen Kamerahalter gefunden…

Der Tagessieg ist eigentlich jetzt vergeben – oder doch nicht? Mein Super Saturday hat noch zwei Pfeile im Köcher…

Fotos Airbourne (Kaufi)

Europe – diese 4 Songs

pam: Europe! Endlich! Die Schweden waren ja im Prinzip meine Einstiegsdroge in die Welt der verzerrten Gitarren. Mein Lieblingsmädel in der Primar fand die auch top – bis dann New Kids On The Block kamen und alles kaputt machten. Bei mir haben dann AC/DC bald Europe abgelöst. Ja, ich hab nur DAS eine Album von Europe. Und ja, ich kenn alles was nachher kam wie der Rest der Welt auch nicht. Ausser natürlich ein paar Mohikaner wie Kaufi.

Als ich jedoch die letzten Jahre die überschwänglichen Reviews von Kaufi & Co. zu den Europe-Konzerten las, dachte ich mir schon, eigentlich müsste ich die schon auch mal live erleben. Und so bin ich ganz happy, erleb ich jetzt den finalen Countdown zu meiner Live-Premiere (tschuldigung, der musste jetzt einfach sein).

Wow, was hat denn bitteschön Herr Tempest für einen Jungbrunnen? Der sieht nicht nur jung und knackig aus, der bewegt sich auch noch fleissig als wäre er 20, 30 Jahre jünger. Auch seine markante Stimme ist noch absolut top und grad bei den vier Klassikern (den Rest kenn ich ja nicht) hört sich das an, wie damals ab CD. Da frag ich mich schon, warum andere wie Axl oder Bon Jovi plötzlich die Töne nicht mehr treffen. (Anm. Kaufi: Da kannsch Mister Coverdale auch auf diese Liste nehmen…)

Als mit „Rock The Night“ einer dieser vier Songs schon an zweiter Stelle kommt, fühl ich mich auch grad 35 Jahre jünger … (shit). Viele tolle Erinnerungen kommen auf – z.B. als wir in der 4. Klasse den Dorfplan zeichneten und meine damalige (frühentwickelte) Flamme noch keinen BH trug … Hey, das waren die 80er. Da war in den Ausschnitt starren noch erlaubt und «me too» hatte bei meinem Klassengspändli eine andere Bedeutung. Die Lehrerin hat es ja auch provoziert. OK, anderes Thema 😉.

Diese vier Klassiker werden geschickt über das ganze Set verteilt. So dass man die Mehrheit, die eigentlich wie ich nur auf diese wartet, schön bei Laune hält. Den Rest find ich ganz OK, aber ist halt nichts anderes als gut gemachter Hardrock. Haut mich jedenfalls nicht aus den Socken. Ich hab jetzt Europe live erlebt – inklusive dem finalen Countdown ganz am Ende – und das ist einmal gut so. Ich weiss, Kollege Kaufi sieht das ein ganz klein wenig anders ..

Kaufi: Oh ja! Europe sollte, nein: man DARF sie nicht auf ihr ‘86er Werk reduzieren! Sie haben da viel zu viel gutes Material, sowohl vor 1986 wie auch danach und in den 2000ern. “Walk The Earth” zum Beispiel, auch wenn das nicht gerade der perfekte Opener ist. “War Of Kings”, “Stormwind”, “Scream Of Anger” – bestes Material aus allen Schaffensphasen werden heute geboten. Ok, fast allen… Denn das beste Album, “Prisoners In Paradise” wird einmal mehr komplett vernachlässigt. Auch wenn das irgendwie zu erwarten war.

Im Vorfeld hiess es etwas von “Jubiläumshow vom Debüt-Album”. Hach ja – “Seven Doors Hotel” oder “In The Future To Come” mal im Live Gewand zu hören? Das hat was! Doch als die letzten Töne von “The Final Countdown” verklungen sind, ist es gewiss – kein einziger Ton vom Erstling! Und das ist schlussendlich für mich die grösste Enttäuschung des gesamten Festivals.

Nicht falsch verstehen: Europe liefern ein saustarkes Konzert ab! Aber es ist halt von der Songauswahl her “nur” eine ganz gewöhnliche Show ohne jegliche Überraschungen. Da wurde nicht das geliefert, was versprochen war. Dass es auch anders gehen kann, durfte Kollege Sandro im Herbst dann feststellen…

Setliste – Europe

  1. Walk the Earth
  2. Rock the Night
  3. Scream of Anger
  4. Last Look at Eden
  5. Sign of the Times
  6. Firebox
  7. Carrie
  8. Love Is Not the Enemy
  9. Heart of Stone
  10. War of Kings
  11. Stormwind
  12. Open Your Heart
  13. Let the Good Times Rock
  14. Ready or Not
  15. Superstitious
  16. Cherokee*
  17. The Final Countdown*

*Zugabe

Fotos Europe (Kaufi)

Bloodbound – zu spät

pam: Ich hatte es am zweiten Tag erwähnt. Bloodbound hätten in der Running Order besser in den Nachmittag gepasst. Jetzt ist es nach 1 Uhr irgendwie zu spät für fröhlichen Powermetal. Die Regenbogen-Drachen sind alle schon am Schlafen und da gibt es nichts mehr zu töten.

Sänger Patrik J. Selleby kündigt gleich von Beginn an, dass er krank sei… und plappert das halbe Set wirres Zeug wie «You had a bad day?». Ähm nein. Aber wenn ich schon angeschlagen bin, würde ich meine Stimme für das Singen schonen und weniger rumquatschen…

Viel blieb mir nicht hängen. Ich weiss offen gesagt nicht mal mehr, ob wir das ganze Set angeschaut haben. Kaufi, hast du noch was? Wo sind wir? Was machen wir?

Kaufi: Also ICH bin bis zum allerletzten Ton auf dem mehr als gut gefüllten Platz! Nach all den Jahren bin ich mittlerweile auch hier zum eingefleischten Fanboy mutiert.Das liegt unter anderem auch daran, dass mit Patrik J. Selleby ein Sänger da ist, der mir deutlich besser gefällt als seine Vorgänger. Wenn ich da an die Originalversion von “Book Of The Dead” denke und wieviel geiler die Neuaufnahme mit Patrik ist…

Aber ich schweife ab. Bereits am Nachmittag gab es (tschechische) Durchsagen, dass irgendwas mit Bloodbound sei. Irgendwie bekommt man dann per Nachfragen bei den Einheimischen mit, dass der Sänger offenbar krank sei. Und ja, als die Band um 1 Uhr die Bühne betritt, ist ihm das auch anzusehen!

Dafür, dass er stimmlich nicht so auf der Höhe ist (das Publikum hilft ihm an vielen Stellen aus!), redet er ansonsten erstaunlich viel. Und die gute Laune lässt er sich auch nicht nehmen! Bloodbound und das Masters of Rock – das ist eine spezielle Beziehung! Hier haben die Schweden zum Beispiel mal ihre “One Night Of Blood” DVD aufgenommen. Von daher ist der Slot – Samstag, NACH dem Headliner – mehr als erstaunlich. Und auch die Musiker sind darüber irritiert, wie sie mir am Nachmittag erzählten.

Aber egal – die Fans sind in enormer Anzahl auf dem Platz! Sicher, das heisse Wetter hat manch einen spätestens nach Europe ins Zelt, Wohnmobil oder sonstwohin getrieben. Doch die, die bleiben, erleben trotz unglücklicher Umstände eine richtig geile Power Metal Abreibung verpasst!

Die leider verhältnismässig kurze Spielzeit nutzt das Sextett dafür bestens aus. Zwar sind gerade mal zwei Tracks des neuen Silberlings “Tales From The North” im Programm. Dies wird jedoch gefüllt mit Gassenhauern der Marke “Slayer Of Kings”, “Rise Of The Dragon Empire” oder „The Warlock’s Trail”. Absolute Highlights sind jedoch die Hymne “In The Name Of Metal” sowie das schlicht unwiderstehliche “Moria”. Den obligaten Abschluss bildet wie immer “Nosferatu”, inklusive Besuch des Zweihörnigen. 

Weil es sich irgendwie bewährt hat, machen wir uns nach dem Ende auf den Weg zum Bahnhof, wo die Taxis im 2-Minuten Takt ankommen. Die werden irgendwie gefüllt mit Leuten, welche die gleiche Destination haben. Dass man Kosten teilen kann / soll / darf / muss, scheinen unsere Mitfahrer heute irgendwie nicht zu kapieren, Und ein Fussmarsch durch den Wald hoch zum Hotel ist der schöne Bonus. Womit die Fragen von pam auch beantwortet wären…

Fotos Bloodbound (Kaufi)

Das Fanzit – Tag 3 – Masters of Rock 2023

pam: Wie erwartet hatte ich gestern meinen Super-Freitag. Heute wars für mich bandmässig eher gemütlich, wenn auch nicht weniger hitzig. Aber hey, lieber so als Kälte und Schlamm. Highlight waren definitiv Airbourne und die klaren Tagesgewinner, während Europe mit ihren 4 Songs der logische Headliner waren. Xandria sind die Gewinner der Herzen, vor allem Ambre, die sich mit dem Publikum als Fan solidarisierte. Absoluter Tiefpunkt an einem Festival waren für mich Angus McSix – das soll schliesslich von Saltatio Mortis in Wacken noch getoppt werden (Techno zum Abschluss !!!); wer hätte das gedacht.

Kaufi: Der Super Saturday hat gehalten, was er versprochen hat. Airbourne als absolutes Highlight, die Power Metal Fraktion mit Angus McSix, Freedom Call und Bloodbound überzeugte ebenso. Egal, was der Boss da sagt… Und auch der Headliner lieferte – obwohl ich da andere Erwartungen hatte.

Tag 4 – Masters of Rock, Sonntag, 16. Juli 2023

pam: Heute steht schon der letzte Tag an. Zugegeben, ich bin nicht so ein Freund von Festivals, die den Sonntag inkludieren. Sonntag ist mein favorisierter Heimreise-Tag. Aber logisch, dass wir jetzt natürlich noch nicht nach Hause fahren, sondern den letzten Tag mit viel Elan und allem drum und dran angehen.

Solidarisch wie ich mit meinem Lieblingskaufi bin, trotteln wir heute zusammen los … und bleiben prompt beim Merch-Stand hängen. Wow, was für geile Shirts haben den Amon Amarth mitgebracht. Das eine genialer als das andere. Was macht man da? Man kauft einfach alle drei. So verpassen wir jedoch den Auftritt von Melissa Bonny mit ihrer Band Ad Infinitum.

Auf dem Papier müsste das genau mein Ding sein. Symphonic Metal mit der genialen Stimme von Melissa. Doch fragt mich nicht warum, aber die Songs packen mich überhaupt nicht und diese werden den Möglichkeiten von Melissa überhaupt nicht gerecht. Ich hab sie schon ein, zwei Mal live gesehen, aber ich finds leider langweilig. Bei all ihrer früheren Bands und Gastauftritten haut Melissa mich mit ihren fetten Growls weg, aber hier ist es austauschbar. Tut mir leid, Melissa. Da zieht bei Kaufi und mir auch der Schweiz Bonus nicht.

Und ja, es ist auch heute heiss und es wird noch mehr Wasser gespritzt als die Tage zuvor. Der Betonboden führt immer noch zu einer Unter- und Oberhitze Atmosphäre. Das Bier schmeckt auch noch und Kaufi auch das Curry. Also alles wie gewohnt wunderbar.

Es stehen ja für mich auch noch ein paar GANZ grosse Highlights an… doch zuerst zum Vorprogramm.

Dragony – Amazone gegen Eunuchen

pam: Ich hab mit Dragony meine Live-Premiere. Tolle Riffs, tolle Chöre – Mitmusiker die nicht Mitsingen… und keinen Bassisten und keinen Keyboarder. Luke, bitte auf die Liste aufnehmen.

Der Platz vor der Bühne fängt langsam Feuer – also sinnbildlich für die Leute, die langsam eintrudeln. Es ist ja schon der vierte (Sonn-)Tag. Da schwinden langsam die Kräfte.

Ein Grund, warum die Leute der Band mehr Aufmerksamkeit schenken und Kaufi sich seine Kamera schnappt: Es kommt eine Sängerin Namens Maria Nesh dazu. Die ist in einer oder gar zwei Zweitband(s) vom Gitarristen Mat Plekhanov (gemäss Metal Archives Distress Resilience und Red Eye Temple – Notiz: Auschecken). Mit ihren roten Alibi-Strapsen und einer starken Stimme zieht sie die volle Aufmerksamkeit auf sich. Und immerhin hat sie sich mit ihrem reduzierten Textilanteil bei der Kleiderwahl am besten dem Wetter angepasst. Ich lob mir grad die Sonne – da weiss man als Löwe einmal mehr, warum diese unser „Planet“ ist.

Anyway, es geht ja um mehr und das Mehr bietet Maria auch. Wow, die Dame ist wirklich mit einer Hammer, variablen Stimme gesegnet. Ähnlich einer Melissa Bonny von Clean bis zu den fettesten Growls, jedoch noch eine Spur dreckiger. Also mit einer guten Prise Noora. Der Hühnerhautmoment folgt, als sie die Live-Premiere von der neuen Single “The Dead Queen’s Race” spielen, bei der Maria auch auf der offiziellen Single dabei ist. Sie übernimmt da einmal mehr die fetten Growls. Schon bezeichnend, dass die Amazonen im Powermetal oft den «männlichen» Part von den Eunuchen übernehmen.

So oder so, ein starker Auftritt und eine tolle (Live-)Neuentdeckung und insbesondere für Maria Nesh sollte man Augen und Ohren offen halten. Dragony tut gut daran, sie in weiteren Songs einzubinden. Das passt in Kombi mit Hauptsänger Siegried Samer ganz gut. Und ja, etwas weniger ab Band wäre auch noch wünschenswert.

Kaufi: Dragony ist eine dieser Bands, die ich in der Karibik kennengelernt habe. Müsste etwa 2019 gewesen sein…? CD Käufe und weitere Live Begegnungen folgten. Hier ist eine Band, die aber so richtig in mein Beuteschema passt…

Auch unser Buddy aus Australien ist noch auf dem Platz, zusammen mit ihm feiere ich die österreichische Truppe so richtig ab. Schon der Opener “Gods Of War” macht mächtig Laune (ok, da ist noch wenig mit feiern, zuerst die Fotos…), aber vor allem dann bei “A.E.I.O.U.” und “Made Of Metal” geht die Post so richtig ab.

Und dann kommt die von pam schon erwähnte Dame Maria Nesh auf die Bühne, sowohl optisch wie auch akustisch zweifellos ein Upgrade. Sie bleibt dann auch bis zum Schluss und ist eine prima Ergänzug zu Fronter Siegfried. Da Dragony zu Beginn noch mit einigen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, wird ein Song noch von der Setliste gestrichen. Sehr schade – dennoch wird die Band von den bereits zahlreich anwesenden Fans gefeiert.

Setliste – Dragony

  1. Gods of War
  2. Lords of the Hunt
  3. Golden Dawn
  4. A.E.I.O.U.
  5. Made of Metal (Cyberpunk Joseph)
  6. The Dead Queen’s Race (Live Debut)]
  7. If It Bleeds, We Can Kill It
  8. Legends Never Die

Fotos Dragony (Kaufi)

Warkings – Völkerverständigung

pam: Warkings hab ich die letzten Jahre immer wieder mal an Festivals und Vorbands erlebt. Die machen das ganz gut, wenn ich jetzt auch nicht der grosse Fan geworden bin. Und heute widme ich mich ganz dem Konzept der Band der verschiedenen Kulturen bzw. Völkerverständigung und unterhalte mich mit einigen Metalheads aus Tschechien, so dass ich den Auftritt von Warkings mehr oder weniger verpasse und nur als Hintergrundberieselung wahrnehme. Kaufi, wo steckst du eigentlich? Bei deinem Lieblingsinder oder hast du was zu den Kriegsfürsten zu sagen?

Kaufi: Wie immer stecke ich (zumindest zu Beginn) im Fotograben. Auch bei den Warkings – und später sogar bei der Legion der Verdammten… Ja, diese Warkings. Wieder eine dieser Bands – mein Sound, müsste man meinen. Und wieder eine dieser Bands – mit der ich irgendwie nicht warm werde. Auch ich hab sie schon mehrmals live erlebt…

Doch ich muss jetzt zugeben: Heute gefällt mir das erstaunlich gut. Sicherlich der beste Auftritt, den ich bislang gesehen habe. Die Band ist hochmotiviert, trotz der fast brutalen Hitze. Und der Oberkönig resp. Tribun (gewisse Ähnlichkeiten zum Sänger von Serenity sind nicht zu leugnen) führt absolut souverän durch das Programm. Wer weiss, vielleicht wird das doch irgendwann mal noch was…? Nächste Chance: 70’000 Tons of Metal 2024. 

Fotos Warkings (Kaufi)

Legion Of The Damned – Kontrastprogramm

pam: Was für ein Kontrast. Von der 30er Zone direkt auf die Autobahn. Tempo und Technik ist Trumpf bei der niederländischen Death-/Thrash-Kapelle. Gitarrist Twan van Geel hat seine Lederjacke montiert. Wohl direkt aus dem klimatisierten Nightliner auf die Bühne … doch er zieht es bis zum Ende des Sets durch. Tapfer, der Klampfer.

Legion Of The Damned ist auch eine dieser Bands, die mir auf dem Papier gefallen könnten und ich schon länger mal live erleben wollte, es jedoch nie schaffte. Dafür sind ja Festivals perfekt. Technisch, instrumental – vor allem die galoppierenden Riffs mit immer wieder gutem Groove – gefällt mir das sehr gut, was wir auf die Lauscher kriegen. Nur gesanglich ist es nicht 100% meins.

Stark jedoch, wie sie das Publikum zum Abgehen animieren. Schöner Circle Pit – bei dieser Hitze im Kreis rennen – Chapeau pour les Tchèques. Und so 5 Meter vor der Bühne wird die eine oder der andere hochgehoben, um die zwei Meter bis zum Fotograben crowd zu surfen. Die rennen dann gleich wieder zurück, um dann wieder 5 Sekunden zu surfen … so eine Art Perpetuum mobile des Crowdsurfens. Witzig anzusehen, aber wohl auch etwas mühsam für die Security im Graben, die alle paar Sekunden immer wieder die gleichen Personen abnehmen müssen. Wobei die das mit stoischer Ruhe machen. Ich würde den Crowdsurfen jedoch sagen, startet doch von weiter hinten, dann habt ihr mehr davon und wir ab und zu eine kurze Verschnaufpause. Aber hey, anderes Land, andere Sitten.

Kaufi: Uffa. Legion Of The Damned holen sich zwar den Preis für das mit Abstand grösste Backdrop, (Live-)Gitarrist Fabian Verweij denjenigen für die geilste Klampfe – das war es dann schon. Überhaupt nicht meins, da muss ich wohl rasch beim Inder vorbei und dann ins Pressezentrum verduften …

Fotos Legion Of The Damned (Kaufi)

Orden Ogan – Kaufis Revier

pam: Eine Kaufi-Band. Warum auch immer. Nun, ich hab die schon ein paar Mal live erlebt – u.a. auf der 70’000 Tons of Metal. Aber mich packt das einfach nicht so. Drum schön, wenn der Kaufi sich hier austoben kann.

Einzig was schon fast masochistische Züge trägt … der Seeb steht, nachdem er gestern bei Angus McSix schon einen fetten Mantel inklusive Kapuze und geschlossener Maske getragen hat, auch heute wieder mit einem fetten Mantel auf der Bühne. Nun, Style ist oft mit Leiden verbunden, aber ich glaub heute hätte jeder verstanden, wenn er seinen Mantel abgelegt hätte.

Kaufi: Was “warum auch immer”? Das ist absolut geile Mucke, was die Herren aus dem Sauerland da spielen. Stilistisch genau meins – kein Wunder, feiere ich die ab wir nur was!  

Seeb Levermann ist hier nun der Fronter, nicht nur der böse Seebulon als Gegenpart von Angus McSix und Gitarrenheld. Bei Orden Ogan konzentriert sich Seeb nun komplett auf den Gesang, die Gitarrenarbeit wurde vor nicht allzu langer Zeit an das Gespann Niels Löffler und Patrick Sperling übergeben. 

Und so steht er im gleichen Mantel wie am Vortag auf der Bühne, dies bei der unglaublichen Hitze. Wirklich krass! Allerdings besorgt er sich immer wieder auch mal etwas Abkühlung, sein T-Shirt ist definitiv nicht nur vom Schweiss klatschnass…

Die Deutschen lassen sich hier nicht lumpen und zocken ein fantastisches Konzert. Der Opener “F.E.V.E.R.” sorgt namensgerecht für erhöhte Temperatur, “Let The Fire Rain” oder “Inferno” passen ebenfalls zum Wetter… Manch einer wünscht sich heute wohl ein Pirat zu sein – “We Are Pirates” hat da den Weg zurück auf die Bühne geschafft. Gehört allerdings nicht zu meinen Favoriten…

Da holt mich “Sorrow Is Your Tale” deutlich mehr ab, und “Gunman” ist sowieso immer der Burner. Neben dem Fakt, dass die Band musikalisch überzeugt, trumpft Seeb auch immer wieder als cooler Fronter mit coolen Sprüchen auf. Vor “Inferno” versucht er dem Publikum beizubringen, in welchem Moment “BURN!” geschrien werden soll. Bei einem Testlauf wird er nach der Meinung gefragt – da haut er einen Gruss an Prince Angus McSix raus: “I think they can do ONE BETTER!”. Herrlichst!

Wie bei vielen anderen Bands ist das Finish respektive der letzte Song irgendwie immer gleich. Das ist auch bei Orden Ogan nicht anders, so bildet auch in Tschechien “The Things We Believe In” den Auftritt, begleitet von “Cold Dead And Gone”-Gesängen der Fans. Und damit wäre mein Must-See-Programm an diesem Masters Of Rock erledigt. Was jetzt noch kommt, sind mehr oder weniger sehenswerte Zugaben….

Fotos Orden Ogan (Kaufi)

Forrest Jump – wieder mal bei der Local-Stage

pam: Nun, ich schau wieder mal bei der kleineren Bühne vorbei. Hm, irgendwie hab ich das Gefühl, es ist der gleiche Sänger wie bei meinem Ausflug hierhin am ersten Tag. Aber dieses Mal hat er eine junge Band um sich geschart und mit weniger Leuten und Instrumenten mehr Platz auf der Bühne. Ist glaub wieder auf Tschechisch das Ganze … bei den fetten Growls nicht so einfach herauszufinden. Gut, hätte da auch bei Clean-Gesang meine Mühe … So oder so, sehr cool, was ich grad seh und an einem Mix zwischen Hardcore und Crossover höre.

Schade, ich hätte öfters bei der kleineren Bühne vorbeischauen sollen. Doch die Hauptbühne lieferte einfach zu vieles nach meinem Geschmack. Das nächste Mal müssen wir den Dutti auf die Packliste setzen (Anm. Dutti: Keine Ahnung, ob ihr mich so leicht durch den Zoll schmuggeln könnt 😛 ).

So es geht langsam aber sicher über zum grossen Schlussbouquet. Übrigens, Kaufi, weisst du wie man sieht, dass es der letzte Festivaltag ist? Nein? Nun, indem die Schlangen vor den Bancomaten immer länger werden. (Anm. Kaufi: Danke, das war mir neu!)

What’s up next?

The HU – sogar der Kaufi bleibt

pam: The HU haben mich am Greenfield Festival 2023 komplett weghauen. Ich hätte nie gedacht, dass mich die Mongolen mit ihrem Bilderbuch-Folk-Metal an einem Festival so abholen. Definitiv eines meiner Highlights im 2023, welches eigentlich in meiner Jahreshitliste hätte enthalten sein müssen. Konzertmässig war 2023 jedoch ein sehr starker Jahrgang (im Gegensatz zu den Alben – zumindest für meinen Geschmack).

Aber zurück zum Masters of Rock. Ich geniess den Auftritt von etwas weiter hinten – und zu meiner Überraschung gesellt sich der Kaufi dazu und bleibt auch bis zum Schluss. Gut, wenn ich mich richtig erinnere, hatte er dazwischen mal ein Curry abgeholt. Aber ja, man hört das eine oder andere “Wow” von seinem Lippen und er bangt sogar dazu. Insbesondere das Metallica-Cover “Through The Never” kommt wieder ganz geil.

Der Auftritt von The HU ist allgemein erneut sehr stark, fesselt mich aber nicht mehr ganz so wie beim ersten Mal. Das bleibt halt doch immer speziell und in Erinnerung. Ich bin jedoch immer noch fasziniert, wie harmonisch sie die exotischen Instrumente und den Kehlkopfgesang mit dem stampfenden Metalbeat und -Riffs zusammenbringen. Ja, Kaufi, so geht stampfen. Die kommen dabei nämlich auch vorwärts.

Kaufi: Ausser dem Namen und der Herkunft waren mir The HU komplett unbekannt. Eigentlich waren sie mal als Support von Sabaton auf deren leider verschobenen  Europa Tour vorgesehen – und nach diesem Auftritt muss ich sagen: Diese Asiaten wären eine um Welten bessere Wahl gewesen als die hüpfenden Weiblein aus Japan…

Ich bin eigentlich immer recht skeptisch, wenn da komplett fremde Einflüsse im Metal auftauchen. So treibt mich beispielsweise orientalisch angehauchtes Zeugs schnell mal in die Flucht. The HU bringen nun ja auch Instrumente mit, die man ausserhalb der Mongolei kaum kennen dürfte. Aber irgendwie ist das eine Symbiose, die passt.. 

Es ist zwar überhaupt nicht so, dass ich mich jetzt mit CDs eindecken müsste. Aber live macht das schon recht Spass. Das betrifft bei weitem nicht nur das Metallica Cover. Da gibt es schon einige Tracks, die richtig stark sind. Also wenn The HU irgendwo auf einem Festival wieder auf dem Billing stehen: Ich schau’s mir gerne wieder an. 

pam: Sodeli, wenn wir von Folk Metal sprechen, dann darf die Speerspitze des Folk Death Metals aus heimischen Gefilden ja nicht fehlen …

Der Platz ist voll. Das hat unter anderem auch damit zu tun, dass es jetzt um 20 Uhr nicht mehr ganz so heiss ist.

Fotos The HU (Kaufi)

Eluveitie – die Abräumer

pam: Schon unglaublich, wo unsere Helvetier überall unterwegs sind. Ich hab die jetzt dann bald auf der halben Welt gesehen. Und so soll es auch heute in Tschechien sein.

Mit viel Feuer starten Eluveitie in ihr Set, jedoch noch nicht mit dem perfekten Mix. Wie so oft bei Elu, braucht es dazu ein, zwei Songs, bis sich alles einpendelt – bei neun Musikern auf der Bühne und noch mehr Instrumenten ja kein leichtes Unterfangen. Doch die Lernkurve beim Mixer ist sehr steil und so geht auch das Publikum ab.

Die Mädels in der Band sind seit eh und je Aktivposten bei Elu. Sie strahlen um die Wette und lassen das eine oder andere Herz höher schlagen. Es ist ein sehr starker Auftritt und sie stellen heute grad alles in den Schatten. Schade, haben sie nicht am Nachmittag gespielt … (yep, ist natürlich nur auf das Schattenspenden bezogen).

Doch auch Chrigel strahlt und wirkt richtig verjüngt und fit. Er hat krass abgenommen (über die Tourmanagerin (?) Tamara Schön bestätigt er mir später, dass es 25kg (!) waren, die purzelten). Sicher nicht nur wegen Fitnesstrainings. Er hatte die letzten Monate privat nicht die einfachste Zeit und musste im Frühling sogar seine Teilnahme an der US-Tour absagen … Das scheint grad alles vergessen zu sein.

Und dann ist da unser “Goldschatz” Fabienne. Sie wirkte ja bei ihrem Einstieg bei Elu etwas zerbrechlich, aber eigentlich hat sie vom ersten Tag an immer Top-Auftritte hingelegt. Über die letzten Jahre ist da einiges an Routine dazugekommen. Ich staune auch immer wieder, wie souverän sie auch Acapella ganz auf der Bühne Songs wie “Artio” zum Besten gibt und auch die grösste Open-Air Bühne ausfüllt. Das sind dann die Hühnerhautmomente. Das Hammerkleid, in dem sie steckt, verstärkt den Effekt noch.

Doch spätestens beim Gehüpfe vom “Ambiramos” wird es hier dann wohl zu heiss und das Kleid oder eher Mantel darf weg. Darf Frau, wenn sie so einen durchtrainierten, perfekten Body wie Fabi hat. Davon kann auch der Elu-Hoffotograf Manu Schütz nicht genug kriegen. Doch heute übertreibt er es ein bisschen. Wenn er sogar mit dem Handy auf der Bühne Fotos schiesst und dabei schon fast als 10. Bandmitglied wirkt, find ich das offen gesagt etwas störend. Irgendwann deckt auch Fabienne mit ihrer Hand die Linse ab. Hey, dafür erfreut uns Manu aber auch immer mit Hammerbilder. Wenn ich Kritik anbringen darf, dann gerne einfach etwas diskreter diese schiessen.

Chrigel: “We played some slower songs. Are you ready for some serious metal? OK, let’s see my friends!”. Und dann rumpelt es gewaltig. Grad zum richtigen Zeitpunkt, denn so schön die Songs sind, die Stimme von Fabi ist, so will man halt doch mehrheitlich die Death-Metal-Riffs und auch fetten Growls von Chrigel hören. Am Ende des Tages macht es aber auch immer die Mischung aus und so darf schon bald wieder Fabi das Zepter übernehmen: “This song is about our homeland. About the mountains, the Alps …” Uiuiui, ich bin grad eine Pouletburg. Hat da soeben Heidi gesprochen? Wow, Fabi verzaubert jetzt definitiv auch mich und grad mit einem Song, den ich immer etwas grenzwertig fand. Aber dass sie den jetzt hier in Tschechien auf Schweizerdeutsch bringen, find ich sehr geil. Folk Metal ist ja eigentlich per Definition oft in der lokalen Sprache der Band gesungen.

Ich dreh gad emotionale Räder. Kreator waren absolut top, Soulfly brachial, aber keine dieser Top-Bands und -Auftritte brachte mich so zu bangen wie Eluveitie. Eigentlich wäre das auch ein verdienter Top 5-Platz bei meiner Jahresliste gewesen … Definitiv einer der stärksten Auftritte der Helvetier seit Jahren.

Am Ende – im wörtlichen und übertragenen Sinne – ist es dann jedoch wie gewohnt “Inis Mona”, bei dem dann nur noch Räder im Publikum zu sehen sind. Wir drehen alle am Rad (damit diese Metapher auch ein bisschen verstanden wird ;-)).

Ein sehr starkes Set, welches für mich absolute Favoriten wie “Rebirth” oder “Helvetios” ausschloss, aber trotz allem auch nicht fehlten.

DAS WAR SACKSTARK! Ich bin gespannt, wie Amon Amarth auf diese Vorgabe reagieren. Können sie noch eine Schippe drauflegen oder schlagen wir die Schweden endlich auch mal im Finale? (Anm. Kaufi: Nein.)

Fotos Eluveitie (Kaufi)

Amon Amarth – der Kaufi schmollt

pam: “Guardians of Aasgard”! Ja, geiler kann man kaum ein Konzert von Amon Amarth beginnen. Da haben sie also schon sehr stark auf den helvetischen Söldner reagiert. Und Obercharmeur Johan Hegg begrüsst danach das Publikum auf Tschechisch. Das kann er halt einfach.

Doch noch schlimmer als bei Elu braucht es ein paar Songs, bis der Mix stimmt. Anfangs hört sich das Schlagzeug zu fest getriggert an und zum ersten Mal überschlägt sich auch der Bass am Masters of Rock. Bisher hatten wir ja wirklich über alle Bands und Tage absoluten Top-Sound.

Wie gewohnt die letzten Jahre geizt Amon Amorth auch nicht mit Feuer. Wenn dann Johan einen Song wie “Death In Fire” ankündigt, dann schiessen die Flammen entsprechend aus allen Rohren. Im Set hat es jedoch ein, zwei Stampfer zu viel für meinen Geschmack. Da sind sie in etwa gleich auf mit den Balladen und Akustik-Songs bei Elu.

Die Songs werden immer wieder mit zusätzlichen Protagonisten – OK, Wikingern – auf der Bühne spielerisch untermalt. Ich glaub, ich erleb grad den besten Schau-Schwert-Kampf ever. Das sind nicht einfach ein paar Roadies, die sich auf der Bühne die Köpfe einschlagen dürfen. Ganz grosses Kino, was wir da von den Schweden gezeigt erhalten. Und im Gegensatz zum Greenfield, sind auch die Screens in den Augenöffnungen des riesigen Wikinger-Helms – der ja seit ein paar Jahren auch als Drumriser genutzt wird – wieder mit Feuer, Wasser ? aktiv. Das wirkt halt einfach alles.

“You know in your life you have these moments … first kiss, first beer and that magical moment of your first …kill!” Nun, was Mille jeweils superaggressiv rauskrächzt, bringt Johan schon fast poetisch rüber. Inhaltlich bleibt es wohl beim gleichen und man sollte das nicht wirklich hinterfragen und es als das annehmen, was es ist: Spielerei.

Realer sind dann die Horns, die wir in die Luft strecken sollen. Wer kein (Trink-)Horn hat, der nutzt den Zeige- und kleinen Finger. Auf der Bühne werden den Musikern Trinkhörner überreicht. Gründungsmitglied und Gitarrist Olavi Mikkonen greift nach dem Grössten … aber das ist wie immer für den Ober-Wikinger Johan reserviert. Na ja, man kann es ja ab und zu mal probieren ;-).

Bei diesem Song – danke für das Noch-ein-Bier Kaufi – wippt sogar bei ihm neben mir der Fuss. Auch wenn er noch etwas stinkig ist, dass er ausgerechnet und als einzige Band vom ganzen Festival, nicht bei den Wikingern in den Graben zum Fotografieren durfte. Was in der Tat wirklich sehr komisch ist, weil Amon Amarth diesbezüglich bisher nie irgendwelche Allüren zeigten. Es kann noch so viel Feuer gespuckt werden, die Fotografen werden bei ihnen sonst immer zugelassen. Uns ist unbekannt, wer hier eine Triage machte. Aber als Masters of Rock-Neulinge mussten wir leider mit anderen über die Klinge springen.

Mit “Raise Your Horns” scheint er sich mit der Situation versöhnt zu haben und der immergleiche Rausschmeisser und Übersong “Twilight Of The Thunder God” ist der perfekte Abschluss. Irgendwie wäre es aber cool, wenn sie mal mit dem ins Set starten … wenn der Sound von Anfang an stimmt.

Ja, das wars dann mit dem Masters of Rock 2023. Amon Amarth war die letzte Band der diesjährigen Ausgabe.

Kaufi: Zwei Bands zum Abschluss, mit denen ich eigentlich rein gar nichts anfangen kann. Während ich bei Elu allerdings wortwörtlich die Flucht ergreife (da bluten mir einfach die Ohren), vermag der Headliner wenigstens showmässig zu überzeugen. Wenn da nur der “Gesang” anders wäre…

Dass hier nur zehn Fotografen (verständlicherweise sind es dann Kollegen, die halt schon jahrelang vom Masters berichten) zugelassen sind – diese Triage dürfte vom Festival selber kommen. Schade, denn Amon Amarth gehören zweifellos zu den fotografenfreundlichen Bands. Licht, Show, Auftreten der Musiker – da passt schon sehr vieles. Nun gut, ein paar wenige Shots hats dann aus dem Publikumsbereich noch gegeben. 

Abgesehen davon hat pam mehr Freude an der Darbietung als ich. Ich warte nur auf die erste Zugabe – und wünsche mir einmal mehr, dass irgendeine Power Metal Band, den mal mit Clean Gesang covert. “Raise Your Horns” würde in Dauerrotation laufen… Als Gesamtpaket liefern die Schweden allerdings vollends ab und zeigen sich als absolut würdiger Headliner!

Setliste – Amon Amarth

  1. Guardians of Asgaard
  2. Raven’s Flight
  3. The Great Heathen Army
  4. Heidrun
  5. Death in Fire
  6. The Pursuit of Vikings
  7. Deceiver of the Gods
  8. Find a Way or Make One
  9. Put Your Back Into the Oar
  10. Destroyer of the Universe
  11. The Way of Vikings
  12. The Berserker at Stamford Bridge
  13. First Kill
  14. Shield Wall
  15. Raise Your Horns*
  16. Twilight of the Thunder God*

*Zugabe

Fotos Amon Amarth (Kaufi)

Das Fanzit – Tag 4 – Masters of Rock 2023

pam: Dragony haben mich positiv überrascht; vor allem Maria Nesh. The HU haben wie erwartet geliefert, aber Eluveitie und Amon Amarth waren heute in einer eigenen Liga. Mit dem Bühnenbild, Stage-Acting (der kämpfenden Wikinger) und der Wucht haben die Schweden mit einem knappen – wieder Mal – Sieg im Penaltyschiessen den Tagessieg errungen. Ob es zum Festival-Sieg reicht? Ich denke, Kaufi sieht das natürlich wieder komplett anders … wobei er ja doch Amon Amarth einen gewissen Respekt zollt.

Kaufi: Naja, “Komplett anders” ist vielleicht übertrieben. Aber klar: Meine unumstrittene Nummer 1 des Tages nennt sich Orden Ogan! Und Dragony… The HU sind eine (positive) Überraschung und Amon Amarth der unbestrittene Headliner. Nur bei Elu werden wir uns in diesem Leben wohl nicht mehr einig… 😉

Das Fanzit – Masters of Rock 2023

pam: Wir kamen über Umwege mit viel Geduld, sahen und wurden überzeugt. Das Masters of Rock stand lange auf meiner Liste und es hat sich definitiv gelohnt. Das Line-up über alle Genres des Metals war sehr stark, praktisch alle Bands, die ich gesehen habe, lieferten starke Auftritte und trotzten zusammen mit dem Publikum und der lokalen Feuerwehr der Hitze. Nicht ganz so nah, aber sicher ein guter Ersatz fürs Bang Your Head, welches eine ähnliche Location, Grösse und Auswahl von Bands präsentierte. Die Organisation, Bier, Food, Sound und vor allem die besten Biermehrwegbecher ever – weil mit Henkel – waren top. Einzig beim Zugshuttle nach Zlin hat es noch etwas Potenzial. Je nach Line-up bin ich sicher wieder mal dabei.

Doch fürs Nächste Jahr hat sich ein Festival Namens Rockstad Extreme Fest in Transylvanien aufgedrungen. Deren Line-up ist zwar nicht ganz so breit wie am Masters of Rock 2023, aber schon verdammt geil … und du Kaufi? Ich glaub für dich ist das Masters of Rock 2024 gesetzt, oder? Nix mit Dracula?

Aber bevor du antwortest: Lass dich drücken. Sehr, sehr cool warst du dabei. Immer lustig, immer köstlich und meistens unkompliziert ;-). Schön warst du dabei und ich freu mich jetzt schon auf unsere nächste gemeinsame Festivalreise. Und noch viele, viele über die nächsten Jahre und Jahrzehnte werden folgen.

Kaufi: Was kann ich da noch ergänzen? Eigentlich ist alles gesagt… Sicher, es gäbe noch kleinere Kritikpunkte, aber hey – das Festival ist insgesamt wirklich top! Das Line Up 2024 bietet mir auch schon wieder über ein Dutzend “Must See” Bands, alleine die Headliner (u.a. Avantasia und Judas Priest!) schreien schon nach einem weiteren Trip. Da ist nix mit Dracula… 😉

Danke pam fürs Mitkommen (pam: Du bist doch mit mir mitgekommen ?!?;-))! Abgesehen davon, dass ich Deine “Letzte-Sekunde-Mentalität” nie nachvollziehen kann (Merke: Des Bähnlers Pünktlichkeit ist 5 Minuten vor der Zeit!), war es mir eine Freude, mit dir unterwegs zu sein! Ich hab dir verdammt viel zu verdanken – sei dies bei Metalinside oder privat. Und ich würd’s cool finden, wenn du Dracula Dracula sein lässt und einen kürzeren Trip machst… 😉 So oder so: Die Vorfreude auf viele weitere gemeinsame Konzertbesuche ist da!

Danke an dieser Stelle auch ans Masters of Rock, dass wir da Gäste sein durften! C ya in July 2024…


Wie fandet ihr das Festival?

/ 07.01.2024
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