Ektomorf-Musigburg-Aarburg-2024
Sa, 16. März 2024

Ektomorf, Tag My Heart, Serpents, TerraDown

Musigburg (Aarburg, CH)
09.04.2024
Ektomorf-Musigburg-Aarburg-2024

Top-Unterhaltung in der Musigburg

Am 16. März führte die «Vivid Black over Europe»-Tour die Ungaren Ektomorf nach Aarburg. Der Abend in der Musigburg lohnte sich nicht nur ihretwegen, sondern auch wegen dem starken Vorprogramm.

TerraDown, Serpents, Tag My Heart. Nein, ich kannte keine der drei Bands, die Ektomorf auf dem Teil der Tour dabeihatten, die in die Schweiz führte. Auch Arany Máté Zenekar, Inmate und The Broken Horizon, die für andere Tourabschnitte gebucht waren, sagten mir gar nichts. Doch das muss nicht schlecht sein! Zumal Ektomorf schon vor eineinhalb Jahren – damals ebenfalls in der Musigburg – bei der Wahl von Support Acts ein goldenes Händchen bewiesen. Damals waren es In Dying Lights, Nox Sinister und SystemHouse33, die zusammen mit dem Headliner für einen bockstarken Abend voller Staunen, Moshen und Headbangen sorgten.

Doch wollen wir nicht allzu sehr in Erinnerungen schwelgen. Jetzt geht es um das heutige Konzert! Mit etwas staubedingter Verzögerung kommen wir in Aarburg an und schon der praktisch leere Parkplatz auf dem Firmengelände von Franke lässt Ungutes vermuten. Nun gut, bis zur Türöffnung verbleibt ja ein wenig Zeit – mögen noch viele Besucher kommen – und so gönnen wir uns einen Snack aus dem gleich bei der Location gelegenen Convenience Shop mit vier Buchstaben.

Ungefähr um 19 Uhr beobachten wir von der anderen Strassenseite, wie die paar Besucher, die bereits geduldig warten, eingelassen werden. Eine Viertelstunde nach Türöffnung betreten auch wir die Musigburg und hören aus dem Inneren des Saals sogleich die ersten Riffs. Ui, das war knapp. Angesichts dieses frühen Starts wäre es wünschenswert, dass die genauen Doors- und Startzeiten jeweils einige Tage vorher bekanntgegeben würden – und dann bitte aber auch einhalten, nicht so wie damals bei Crypta und Evil Invaders. Zum Glück bleibt dieser Umstand jedoch das Einzige, was man bemängeln könnte. Und nach fast genau einem Monat sind glücklicherweise auch keine Geruchsspuren von den unappetitlichen Geschehnissen an der Noche Oscura mehr festzustellen.

TerraDown

So, jetzt aber wirklich zum Thema! TerraDown hatten mich beim vorgängigen Reinhören am meisten überzeugt und weisen mit acht Jahren auch die längste Bandgeschichte auf. So erstaunt es mich ein wenig, dass die fünf Herren aus dem niederländischen Breda als Erstes zum Tanz bitten. Allzu lange kann ich mir dazu jedoch keine Gedanken machen, viel zu früh schon beginnt mein Kopf wie wild zu kreisen. Der Melodeath, den TerraDown mitgebracht haben, lädt schon von Beginn weg zum Mitfiebern ein. Er bietet rhythmisch immer wieder interessante Stellen und kombiniert böse Growls mit melodiösen Auswüchsen – genau so, wie man sich Melodeath eben erwünscht.

Sänger Nick Brouwer, der mit einer eleganten (schwarze Handschuhe, zaghafter Griff um Mikrofon) und doch brutalen (vor allem auf die Stimme bezogen) Art auffällt, versucht mehrfach, das Publikum aus der Reserve zu locken. Daran scheitert er jedoch kläglich. Nur sehr wenige Individuen, einschliesslich unserer drei Personen starken Truppe und einem weiteren Niederländer, der die Band schon kannte, gehen weiter als gelegentliches Klatschen zwischen den Songs. Metalinsiderin Larry («someone who deserves it») wird für ihr Abgehen sogar noch während des Gigs mit einem Bandshirt belohnt.

An der Mucke oder dem Auftreten der Band kann die geradezu störende Passivität jedoch nicht liegen! Zu meiner grossen Freude erfüllt sogar die Abmischung von Anfang an meine Erwartungen an guten Sound. So wollen wir die Inaktivität mangels Alternativen mal damit erklären, dass TerraDown halt trotz allem die erste Band sind (wobei spätestens seit All To Get Her am Greenfield Band Contest klar ist, dass mit dem richtigen Willen beim Publikum Eskalation ab dem ersten Ton möglich ist) und vielleicht auch ein bisschen damit, dass die Musigburg heute halt nicht wirklich gut besucht ist. Dies wiederum lässt sich möglicherweise durch die vielen Konkurrenzveranstaltungen begründen – unter anderem kann man heute dem Energie-Package Amaranthe / Dragonforce / Infected Rain im Komplex 457 beiwohnen, oder der Releaseshow von Messiah (mit Poltergeist und Comaniac) im Dynamo, oder dem Doppel Ignition / Endoras in der Metbar, oder, oder, oder…

Wie auch immer! TerraDown beenden ihr sieben Songs starkes Set genauso souverän, wie sie es begonnen haben. Da muss ein kurzer Abstecher zum Merchstand einfach sein, wo wir dann nicht nur Käufe tätigen, sondern auch ein kurzes Schwätzchen mit der Band drinliegt.

Setlist – TerraDown

  1. Revive The War
  2. Memories
  3. From The Skies
  4. Future Of Fears
  5. Fly Free
  6. Checkmate
  7. The Last Decree

Serpents

Vom Merch geht es weiter zur Bar, zum Klo und zurück in den Saal. In kaum einer Location ist dies mit noch weniger Schritten möglich, und so sind wir auch sehr bald zurück bei der Bühne, wo ein grandioser Stilbruch auf uns wartet. Serpents, eine vier Mann starke Truppe aus Polen, liefern elektronisch geprägten Nu Metal. Beim Reinhören war ich erst noch ein bisschen enttäuscht, dass es sich nicht um die gleichnamige US-Band handelt, die ihrerseits Blackened Deathcore im Programm gehabt hätte. Aber sämtliche ‘Enttäuschung’ ist blitzschnell weggeblasen. Viel zu viel Energie bringt nach dem niederländischen auch der polnische Act auf die Bühne der Musigburg!

Ja, da steckt auf jeden Fall viel Hiphop und Elektronik in den unterlegten Samples und das muss nicht jeder mögen, aber: Serpents sind trotzdem eine Metalband durch und durch. Die kraftvollen Riffs, gepaart mit optimal passendem Drumming und dem wilden Auftreten des Fronters Łukasz Kozakiewicz, der zum Zmorge wohl ein ganzes Paket Batterien verschlungen hat, reissen uns richtig mit. Mit ‘uns’ meine ich dabei jedoch wieder nur ein paar Individuen, während ein Grossteil des Publikums auch jetzt passiv irgendwo rumsteht und teilweise gar gelangweilt wirkt. Dabei ist der Serpents-Sound ja geradezu so geschrieben, dass er zu leidenschaftlichen Abrissen verleiten sollte. Ich erlebe im Nu Metal der Marke Serpents auf jeden Fall einen sehr spannenden Mix und auch hier kann man der Band keineswegs vorwerfen, einen schwachen Auftritt abzuliefern.

Als der Gig zu Ende ist, gleich vor dem für viele Bands obligaten Foto, kommentiert auch Sänger Łukasz das bisherige Geschehen mit angebrachtem Biss: ‘Are you afraid someone’s gonna take your seat?’ Dass das Foto im Gegensatz zu jenen von anderen Stopps auf der Tour dann nicht einmal gepostet wird und stattdessen eine Videoaufnahme nur von der Bühne (!) hinhalten muss, spricht Bände.

Setlist – Serpents

  1. A Step Too Far
  2. Hourglass
  3. The Signal
  4. Vultures
  5. Walking Disaster
  6. Self-Made Suffering
  7. Tangled

Tag My Heart

Mit dem dritten Act zeigt der Abend langsam in Richtung Headliner. Tag My Heart aus Deutschland liefern erneut eine Interpretation von Metal, die mit jeder Menge ‘genre-fremden’ Einflüssen gespickt ist. Beim Reinhören hatte ich leichte Zweifel daran, ob mir der Alternative Metal gefallen würde, doch wie immer versuchte ich, mit neutralem Blick an den Gig heranzugehen.

Diese Offenheit hat sich gelohnt: Immerhin liefert Drummer Chris ein von A bis Z sehr ansprechendes Schlagzeugspiel. Auch die Gitarrenarbeit von Neno (der bis 2021 bei Erdling war) finde ich mehr als spannend, vor allem, weil er auch Teile des zweiten Gitarristen Peter zu spielen scheint. Ansonsten kommen Teile der Gitarren und auch die Bassspuren heute leider vom Band. Ebenfalls erstaunlich ist die intensive Interaktionsarbeit, die Sängerin Isabel neben ihrem Hauptjob am Mikro betreibt.

Zugegeben, auch mich packt die Musik beim jetzigen Act nicht hundertprozentig, und verglichen mit den anderen beiden Auftritten ist das Publikum jetzt fast noch inaktiver (wobei sich dieses bisher eh kaum als Gradmesser geeignet hat). Und trotzdem heizt Isabel das Publikum unermüdlich an, macht Abstecher auf die nach oben führende Treppe sowie runter ins Publikum und zeigt sich trotz ausbleibender Reaktion unbeirrt. Dieser Kontrast zwischen nimmermüder Sängerin und teilnahmslosen Besuchern ist fast schon beklemmend, und zum Glück ist das Spektakel dann irgendwann vorbei.

Setlist – Tag My Heart

  1. Fighter
  2. Break-Free
  3. Cold Dark World
  4. Deadline
  5. Shutdown
  6. Opium
  7. What Goes Around
  8. Enemy
  9. This Is Me Now

Ektomorf

Sämtliche Befürchtungen, der auffallend schläfrige Zustand der Musigburg würden sich auch in den Headliner-Slot hineinziehen, verflüchtigen sich zum Glück noch bevor dieser die Bühne betritt. Schon gegen Ende Pause versammelt sich eine grössere Gruppe Metalheads in der vorderen Mitte. Plötzlich wirkt diese gar nicht mehr so leer, wohl auch dank einer starken Verschiebung von den Stehtischen nach vorne.

Als Ektomorf mit «I’m Your Last Hope», dem ersten von vielen neuen Tracks, beginnen, ist schnell klar: Dieser Auftritt wird – gerade im Vergleich zu den drei vorangehenden – richtig heissblütig! Das Publikum taut blitzartig auf und relativ bald bildet sich ein wilder Pit, in den es mich immer wieder hineinzieht. Vom einen ins andere Extrem also.

Derweil drehen Ektomorf auf der Bühne mächtig auf. Die Ungaren legen einen starken Fokus auf das im Dezember erschienene Album «Vivid Black». Mit ganzen neun Songs stellt es die Hälfte der Setlist. Dabei gliedern sich die Tracks dieses Silberlings nahtlos in die bestehenden Hymnen wie «You Can’t Control Me» und «Gypsy» ein. Mit ihrer rohen, gar rauen Spielart heizt der Headliner die Stimmung in der vorderen Saalhälfte problemlos auf. Der Groove Metal, der stark auf Thrash basiert, bei dem aber auch leichte Hardcore-Einflüsse zu finden sind und mit dem Ektomorf vor allem immer wieder an Sepultura erinnern, haut einfach rein! Gerade bei Songs wie «Show Your Fist» oder dem finalen «Outcast» ist die Wut von Fronter Zoltán Farkas über die von ihm erfahrene Diskriminierung richtig spürbar. Das Musizieren bei Ektomorf scheint bei ihm ein wichtiges Druckventil zu sein, und das Resultat ist mehr als überzeugend.

Nach ein bisschen mehr als einer Stunde ist der Auftritt viel zu schnell vorbei. Angefühlt hat sich die Geschichte um einiges kürzer. Was wohl auch daran liegt, dass Ektomorf auf grosse Plapperpausen verzichteten und dafür einfach Banger um Banger raushauten…

Setlist – Ektomorf

  1. I’m Your Last Hope (The Rope Around Your Neck)
  2. Die
  3. Never Be The Same Again
  4. I Don’t Belong To You
  5. You Can’t Control Me
  6. I Know Them
  7. Gypsy
  8. Show Your Fist
  9. Fade Away
  10. You And Me
  11. You Leech
  12. Fire
  13. Vivid Black
  14. The Best Of Me
  15. I Choke
  16. Black Flag
  17. You Belong There
  18. Outcast

Gemütliche Meet & Greet-Runde

Im Anschluss an die vier Konzerte verbleiben wir noch ein ganzes Weilchen im Foyer der Musigburg. Nicht weil wir ein M&G-Package gebucht hätten oder so, sondern schlicht, weil die Bands Freude am Kontakt mit den Besuchern haben. Mit Mitgliedern von TerraDown und Serpents führen wir längere Gespräche zu Privat- und Tourleben, sie erzählen von Erlebnissen auf der Tour mit Ektomorf, vom Zusammenleben im gemeinsamen Nightliner, und wir bekommen einen Einblick in Songwriting-Prozesse und Arbeitstitel à la «Bucket of Ice Cream». Allzu viel will ich an dieser Stelle jedoch nicht ausplaudern.

Das Fanzit – Ektomorf, Tag My Heart, Serpents, TerraDown

Dieser Event in der Musigburg war ein solider Konzertabend mit zwei Top-Neuentdeckungen (TerraDown und Serpents) und einem erneut äusserst beeindruckenden Auftritt von Headliner Ektomorf. Einzig Tag My Heart holten mich bis zum Schluss nicht richtig ab.

Zu bemängeln habe ich nur zwei Dinge: den schwachen Publikumsaufmarsch, der sich bis zu einem gewissen Grad mit konkurrierenden Events begründen lässt, und die Inaktivität der anwesenden Besucher während 3 von 4 (!) Bands. Nach dem heutigen Samstagabend verstehe ich, wie es Silas bei Saint Agnes ergangen sein muss. Mit dem Unterschied, dass das Publikum beim heutigen Headliner doch noch aufdrehte.


Wie fandet ihr das Konzert?

09.04.2024
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