Beyond Extinction – Interview mit Jude Bennet
Death Metal, Deathcore, Metalcore
Beyond Extinction: Zukunft oder Untergang?
Die britische Deathcore-Band Beyond Extinction hat ihr Debütalbum „Where They Gather“ veröffentlicht. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Musik ist ziemlich heftig und der Inhalt schwer zu verdauen.
Dieses Konzeptalbum beinhaltet eine dystopische Vision der letzten Tage der Menschheit in verfallenden, lebenausgesaugten Städten – und erzählt gleichzeitig von der schwierigen Entstehung des Albums, die von Jahren voller Mühen und Rückschläge beeinflusst war. Nach drei Jahren, geprägt von Nihilismus und Kampf, wurde das Album am 26. September 2025 veröffentlicht. Lasst uns mal tiefer graben.
Beyond Extinction feiern ihr Debüt nun mit einem besonderen Event in London: Zunächst mit einer intimen Pre-Party bei Raven Records, gefolgt von einer vollständigen Album-Performance im The Black Heart. Natürlich wird Metalinside vor Ort sein und darüber berichten.
Vorab spricht jedoch Jude Bennet (Gitarre) über die akribischen Vorbereitungen, ihren ungewöhnlichen Ansatz, neue Songs bereits vor Veröffentlichung live zu spielen, und über das kreative Hin und Her, welches ihre Musik prägt. Er reflektiert über Line-up-Wechsel, die Zusammenarbeit mit Produzent Andy Mallaby (Osiah) und die wachsende Bedeutung ihrer Fan-Community. Er ist sich sicher: Dieses Debüt Album ist erst der Anfang.
Metalinside.ch (Liane): 7. März 2026 / London. Dies ist ein grosser Meilenstein für euch. Euer Debütalbum „Where They Gather“ wird gebührend gefeiert: mit einer Release-Show im legendären Club The Black Heart in London und einer Pre-Party bei Raven Records. Wie laufen die Vorbereitungen?
Jude Bennet: Genau wie beim Album haben wir eine enorme Menge an Arbeit, Gedanken und Liebe in diese Show und das Meet-and-Greet gesteckt. Bei Raven Records geben wir unseren Fans einen exklusiven Einblick in die Entstehung des Albums, die künstlerische Ausrichtung und was es für uns bedeutet. Ausserdem beantworten wir live Fragen. Danach im Black Heart bieten wir unseren Fans die grossartige Erfahrung, Tribe of Ghosts und Mastiff zu erleben, bevor wir selbst auf die Bühne gehen, um das Album von vorne bis hinten zu spielen – zum ersten und einzigen Mal.
MI: Ihr seid einen eher ungewöhnlichen Weg gegangen. Ihr habt einige der Songs bereits live gespielt, bevor sie offiziell veröffentlicht wurden – und in dieser Zeit die Leute gebeten, die Musik nicht zu teilen. Stimmt das? Wie kam es zu dieser Idee und warum habt ihr das Album nicht früher veröffentlicht?
Jude Bennet: Seit den frühesten Tagen unserer Band haben wir unveröffentlichtes Material live gespielt. Ursprünglich lag das daran, dass wir es uns nicht leisten konnten, die Musik tatsächlich aufzunehmen. Doch bei unserem neuen Material haben wir bewusst entschieden, es live zu spielen, um zu testen, wie das Publikum darauf reagiert. Wir verbringen so viel Zeit mit dem Prozess, ein Album zu machen, dass es einfach zu verlockend ist, die Songs vorher zu spielen! Wir würden unseren Fans niemals sagen, sie sollen keine Videos teilen, aber es ist schön, wenn das Publikum denkt, dass es als erstes einen kommenden Song hört.
MI: Hattet ihr schon einmal eine kreative Meinungsverschiedenheit, die letztlich einen Song oder den Prozess grundlegend verändert hat? Was hat sich verändert und warum hat es funktioniert?
Jude Bennet: Ein Grund, warum wir so lange brauchen, um Musik zu veröffentlichen, ist, dass wir alle Perfektionisten sind! Während des kreativen Prozesses haben wir ständig kleinere Meinungsverschiedenheiten darüber, wie unsere Musik klingen soll und welches Gefühl sie transportieren soll. Am Ende machen wir alle Kompromisse – und das führt zu etwas, das wirklich eine gemeinsame Arbeit ist und perfekt klingt. Beim Song „Traitors To The Ropes“ zum Beispiel konnten wir einfach nicht herausfinden, warum er nicht funktionierte. Also trat ich zurück, und Jasper und Niall übernahmen und änderten verschiedene Teile – und plötzlich machte alles Sinn. Verschiedene Perspektiven zu haben und seinen Bandkollegen zu vertrauen, dass sie dieselbe Vision teilen, führt zum besten Endprodukt.
MI: Kannst du uns mehr über euren generellen Songwriting-Prozess erzählen? Wie habt ihr euren neuen Gitarristen Danny Russel integriert? Und zudem musstet ihr eine schwierige Situation rund um Zach Scott bewältigen. Er ist leider sehr jung verstorben.
Jude Bennet: Unser Songwriting ist ein langer, zermürbender Prozess, der manchmal ziemlich frustrierend sein kann. Aber ein fertiger Song oder ein komplettes Album macht alles wieder wett. Normalerweise beginnen wir mit einem Riff von mir oder Jasper hat eine Idee für die gesamte Struktur und ich fülle die Lücken oder wir arbeiten gemeinsam daran und ich steige später wieder ein. Die Integration von Danny war sehr einfach, denn er brachte grossartige Ideen mit. „Winter Sun“ stammt komplett von ihm und passte perfekt ins Album. Darüber waren wir sehr glücklich. Was Zachs Verlust betrifft: Das war ein Moment, der die Band hätte zerstören können. Es hat uns geprägt und unseren Blick auf das Leben verändert. Diese Zeit gemeinsam durchzustehen, hat uns näher zusammengebracht. Danny war dann der fehlende Teil, der uns wieder vollständig gemacht hat. Schön ist auch, dass Zachs Riffs auf dem Album prominent vertreten sind. So lebt er in gewisser Weise weiter.
MI: Ich habe gelesen, dass jedes Bandmitglied unterschiedliche musikalische Einflüsse hat – darunter Depeche Mode, Faith No More und Northlane. Inwiefern wirkt sich das auf eure Kreativität aus?
Jude Bennet: Wir kommen alle aus verschiedenen musikalischen Hintergründen, und jeder hat ein anderes bevorzugtes Metal-Subgenre. Dadurch versuchen wir nicht, dieselbe Musik zu schreiben. Es gibt immer irgendeine kreative Idee, die anders ist als der Rest. Dadurch bleiben wir experimentierfreudig. Wir wollen jetzt nicht plötzlich einen Depeche-Mode-Song schreiben, aber elektronische Musik und andere Genres beeinflussen definitiv unsere experimentelle Seite.
MI: Es freut mich zu hören, dass Andy Mallaby von Osiah mit euch gearbeitet hat. Wie lief der Aufnahmeprozess und wie war die Zusammenarbeit?
Jude Bennet: Wir waren sehr glücklich, mit Andy zu arbeiten. Wir sind seit Jahren befreundet und lieben seine Mixes für Osiah und andere Bands. Wir haben Drums und Vocals in den Rogue Recording Studios in London aufgenommen, Gitarren, Bass und andere Elemente dann gemeinsam zwischen Danny und mir. Anschliessend gingen die Tracks zu Andy, der seine Magie walten liess. Er verstand sofort, welche Stimmung und welchen Klang wir anstrebten. Er war unglaublich geduldig mit all unseren Feedback-Punkten und Änderungswünschen. Man merkte, dass er selbst das bestmögliche Ergebnis wollte. Das hat einen großen Unterschied gemacht.
MI: Heutzutage ist es schwierig, Menschen für neue Musik und aufstrebende Bands zu begeistern. Discord und Social Media werden immer wichtiger. Lenkt das nicht vom Wesentlichen ab – Musik zu machen?
Jude Bennet: Ganz im Gegenteil. Eine Community aufzubauen und mit den Fans in Kontakt zu bleiben ist essenziell für eine moderne Band. Die menschliche Verbindung ist der Grund, warum wir das alles machen. Die positiven Reaktionen, das gemeinsame Erleben. Wir lieben unsere Discord-Community und heissen jeden willkommen, der dazu kommen möchte.
MI: Ihr steht noch am Anfang eurer Karriere, wenn ich das so sagen darf. Was sind eure Pläne nach dem Release eures Debütalbums?
Jude Bennet: Dieser Zug hat keine Bremsen und wir fangen gerade erst an. Bleibt dran!
Video Beyond Extinction – Winter Sun

