Meh Suff! Metal Festival 2019 (Flyer)
Fr–Sa, 6.–7. September 2019

Meh Suff! Metal-Festival 2019 – Amorphis, Hypocrisy, Finntroll, Watain, Lotrify u.a.

Hüttikerberg (Hüttikon, CH)
06.11.2019
Meh Suff! Metal Festival 2019 (Flyer)

Ausverkauftes Meh Suff! 

Richtig gelesen – das erste Mal in seiner Karriere konnte das metallische Festival auf dem Hüttikerberg – beziehungsweise die Organisatoren – den «Sold Out»-Status vermelden. Während zweier Tage sorgte ein abwechslungsreiches Programm für jede Menge herumfliegende Haare. Abermals war es ein Zusammenkommen der gesamten helvetischen Metal-Familie. Details zum Meh Suff! Metal-Festival 2019 werden in den nachfolgenden Zeilen erläutert. 

Freitag, 6. September 2019

2016 konnte das Meh Suff! Metal-Festival sein 10-jähriges Bestehen zelebrieren – zweifelsohne ein Meilenstein für die Schweizer Krach- und Lärm-Garantie schlechthin. Aufhören ist für die Verantwortlichen kein Thema. Dafür wird der Event in unserer lokalen Szene einfach zur sehr geschätzt. Diese steigende Popularität müsste sich doch irgendwann auszahlen, oder? Absolut richtig, in diesem Jahr ist es schliesslich soweit – das erste Mal in seiner Karriere dürfen die Festivalveranstalter den «Sold Out»-Status vermelden. Nix da mit Abendkasse. Ich gönne dies der Crew, die sich immer wieder intensiv den Allerwertesten aufreisst, zu einhundert Prozent.

Im Gegensatz zu vergangenen Ausgaben kommt das Line-Up dieses Mal auffällig abwechslungsreich daher. Das freut natürlich die mit einem vielseitigen Geschmack ausgestatteten Metallschädel, lässt jedoch gleichzeitig die sturen Exemplare der Death und Black Metal-Anhänger skeptisch reagieren. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass sämtliche Truppen mitreissende Shows abliefern werden. Highlights dürften sicherlich Finntroll, Watain, Amorphis, Aborted, Satyricon und Hypocrisy sein. Aber aufgepasst, Akteure wie Carnation können einem ebenfalls problemlos zeigen, wo der Hammer hängt. Ausserdem gibt’s ein paar Kapellen, mit denen ich bisher noch gar nie das Vergnügen hatte. Die fünfeinhalb helvetischen Vertreter, die es 2019 ins Billing geschafft haben, werden selbstverständlich auch besonders im Fokus stehen.

Meine bessere Hälfte und ich nehmen den Freitag beim Wort und lassen die Arbeit heute beiseite (was selbstverständlich mit unseren jeweiligen Vorgesetzten brav abgesprochen ist). Kurz nach der Mittagstunde treffen wir in Hüttikon ein. Der fahrbare Untersatz wird vorbildlich auf dem dafür vorgesehenen Parkplatz abgestellt und anschliessend folgt ein gemütlicher Spaziergang durch den Wald hinauf zum Festivalgelände. Dieses wurde offenbar ein bisschen umgestellt: Das Camping-Areal befindet sich etwas weiter hinten und auch in der Hauptzone scheint’s kleinere Umstellungen gegeben zu haben (der asiatische Verpflegungsstand fehlt!). Da wir – aufgrund einer relativ kurzen Heimreise – für einmal aufs Zelten verzichten, kann ich euch über diesen Aspekt leider nichts berichten. Neben dem Haupteingang fällt der Blick dann schliesslich auf ein interessantes Plakat. Die ersten Namen für das Meh Suff! Winter-Festival, welches Mitte Januar des kommenden Jahres stattfinden wird, sind bekannt: Dismember und Moonsorrow übernehmen den Freitag, während sich Paradise Lost und Enthroned um den Samstag kümmern werden. Aber das ist alles Zukunftsmusik. Bleiben wir doch lieber ein bisschen in der Gegenwart.

Slamentation

Den ultimativen Wachrüttler gibt’s direkt zum Auftakt: Slamentation! Das deutsch-schweizerische Trio hat sich – der Bandname lässt es bereits erahnen – dem Slam verschrieben. Angereichert wird das Ganze mit einem Hauch Brutal Death Metal. Hui, das «brätscht» ordentlich! Zwei Zuschauer beginnen in zeitlupenartigen Bewegungen auf dem mit Stroh bedecktem Boden herumzustampfen. Der überschaubare Rest bleibt hingegen passiv. Der «Gatling»-Rhythmus wird mit fuchtelnden Händen nachgeahmt. Die Position hinter der Schiessbude ist jedoch leer. Bei Live-Shows dieser Truppe kommt das Getrommle jeweils vom Laptop. Rene grunzt und brüllt wie ein Monstrum aus einem dämonischen Höllenschlund. Irgendwelche Lyrics herauszuhören ist da beinahe ein Ding der Unmöglichkeit.

Ein etwas dichteres Treiben vor der Bühne hätte ich Slamentation, die sich trotz der aggressiven Mucke äusserst sympathisch geben, durchaus gegönnt. Leider haben Opener an Festivals oftmals einen schweren Stand. Es wäre wünschenswert, wenn nach dem Gig ein paar Nasen den Weg an den Merch-Stand der Gruppe finden würden.

Setliste – Slamentation

  1. Hilltop Funeral
  2. Disembowelment Of The Deceased
  3. Necrotic Visions
  4. Crawling Throught The Morgue
  5. Meatcleaver Dismemberment
  6. 10’000 Victims
  7. I Need More Dead Bodies
  8. Passionated Necropsy
  9. Epoch Of Extraterrestrial Domination
  10. It Came From Above
  11. Slithered Through The Autopsy Room

Frostmoon Eclipse

In Sachen Spielzeit stehen übrigens jedem Akteur mindestens 45 Minuten zur Verfügung – eine lobenswerte Sache. Mal schauen, was die Herren von Frostmoon Eclipse damit anfangen werden. Bei dieser Kapelle handelt es sich um eines der ältesten Schlachtschiffe der italienischen Black Metal-Szene. Das Quartett aus dem Norden des Stiefellandes ist seit 25 Jahren aktiv. Sie locken zwar etwas mehr Publikum an, aber bei mir persönlich will der letzte Funke irgendwie nicht herüberspringen. Immerhin entpuppt sich das Black Sabbath-Cover als gelungener Schlusspunkt.

Setliste – Frostmoon Eclipse

  1. Of A Dead Universe
  2. I See The Void
  3. Where No Light Burns
  4. Song To Darkness
  5. The Greatest Loss
  6. Shores Of Silence
  7. Black Sabbath (Black Sabbath-Cover)

Voice Of Ruin

Von «bella Italia» aus geht’s hinüber in die Westschweiz. Dort sind Voice Of Ruin (nicht zu verwechseln mit den US-amerikanischen Voices Of Ruin) zu Hause. Die Jungs aus Nyon schreiten äussert motiviert zur Tat. Das ist nicht weiter verwunderlich, denn mit «Acheron» werden sie gegen Ende dieses Monats ihr drittes Studioalbum veröffentlichen. Da darf man selbstverständlich schon einmal fleissig die Werbetrommel rühren. «Holy Venom», «Mass Grave», «Rotting Crows» und «Thanatophobia» figurieren dabei als erste Hörproben. Oha lätz, da dürfen wir uns wohl definitiv auf ein cooles Scheibchen freuen.

Die Romands agieren äusserst souverän und reissen die ständig wachsende, schwarzgekleidete Menschentraube vor der Bühne regelrecht mit. Starke Sache! Ihr Gemisch aus Groove und Thrash Metal kommt ausgezeichnet an. Das ist bisher ganz klar die beste Performance des heutigen Tages. Vielleicht werden nun ein paar Leute mehr am 27. September (oder anders gesagt in genau drei Wochen) an die «Acheron-Release-Party» in Yverdon-les-Bains pilgern – wer weiss?

Setliste – Voice Of Ruin

  1. Snakes In My Head
  2. Time For Revenge
  3. Holy Venom
  4. I Confess
  5. Mass Grave
  6. Horns
  7. Rotting Crows
  8. Thanatophobia
  9. Disgust

IXXI

Bei der Aussprache des nächsten Bandnamens schneiden sich die Geister. Auch im Verlaufe der überzeugenden Performance poppt keine schlaue Lösung auf. IXXI sind die römischen Ziffern für «9/11» – also belassen wir es doch auch dabei. Die einzelnen Mitglieder setzen auf verschmierte Gesichter – Tendenz: Kunstblut. Das musikalische Schaffen des Fünfers aus Stockholm lässt sich am ehesten den Stilrichtungen Black und Death Metal zuordnen. Aus den Boxen dröhnt jedenfalls ein «tighter» Sound, der schnörkellos die Nackenmuskeln angreift. Die Setliste stellt einen netten Querschnitt durch die aus vier Alben bestehende Diskographie der Schweden dar.

Einer der Aktivposten der Truppe ist sicherlich Gitarrist Commander (jep, die Herrschaften verstecken ihre wahren Identitäten allesamt hinter Pseudonymen). Beim Verspeisen von Fruchtzwergen war er in seiner Kindheit zwar offensichtlich nicht ganz so fleissig wie seine Kumpels, aber ein Energiebündel ist er trotzdem allemal. Sein nackter, mit massenhaft Tinte übersäter Oberkörper scheint bei einigen Mädels in den Publikumsreihen ziemlich gut anzukommen.

Setliste – IXXI

  1. Skulls N Dust
  2. Rewards Of Ignorant Wrath
  3. Enthusiam
  4. Bounded By Blood
  5. Ancient Spirits Are
  6. Assorted Armament
  7. That We May Kill The Mocking World
  8. Sinrush
  9. The End Of Degenerations

Burning Witches

In den kommenden 50 Minuten haben nun eher die männlichen Besucher etwas fürs Auge. Bei den meisten Damen lässt sich dagegen häufig Neid und Eifersucht beobachten, was mich immer leicht zum Schmunzeln bringt. Grund dafür ist der schwermetallische Hexenzirkel aus Brugg. Okay, ganz rein helvetisch ist die ganze Angelegenheit inzwischen nicht mehr. Zwei Fünftel der Ladies-Kapelle – sprich Sängerin Laura und Klampferin Sonia – stammen bekanntermassen aus Holland.

Die Burning Witches sind in diesem Jahr äusserst fleissig an Festivals unterwegs – und so ist es auch kaum verwunderlich, dass sie ebenfalls am Meh Suff! vorbeischauen. Aufgrund des abwechslungsreichen Billings, welches die Crew 2019 aus dem Hut gezaubert hat, fallen die Mädels gar nicht einmal sonderlich gross als Exoten auf. Das wäre bei vergangenen Ausgaben sicherlich extremer gewesen. Nichtsdestotrotz sind auch während des Gigs einige der Meinung, dass die Witches auf dem Hüttikerberg nix verloren haben. Die Ironie an der ganzen Sache? Vor der Bühne ist es rappelvoll. Irgendwo wollen dann eben jeweils dann auch die grössten Kritiker das Heavy-Quintetts bestaunen.

Meine diesjährige Hexen-Bilanz ist leider nicht sonderlich rosig… Der Gig am Baden In Blut war ein Desaster (obwohl das effektiv ausschliesslich an den technischen Störungen lag) und auch in Wacken konnte man mich nicht wirklich vom Hocker reissen. Und heute? Besser – viel besser! «We Eat Your Children» klingt beispielsweise bärenstark. Ich hab’s ja schon immer gesagt: Sobald sich Laura komplett in das bestehende Gefüge eingegliedert hat, kann die Geschichte wieder ganz gross werden. Die heutige Darbietung macht zudem Vorfreude auf die restlichen Events des Jahres. Man kann sich die Burning Witches unter anderem noch in Amriswil, Brugg und an der Swiss Metal Attack im Z7 zu Gemüte führen.

Finntroll

Nach den Hexen kommen die Trolle! Und die haben aber einmal so richtig Lust auf Party. Locker und rasch verwandeln die schwedisch grunzenden Finnen das Gelände in ein T(r)ollhaus. Angeschwärzter Folk Metal – der neuste, nicht verschreibungspflichtige Stimmungsmacher. Überragend, was Finntroll hier abliefern. Damit stellen sie alle vorangegangenen Bands in den Schatten.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Plötzlich ist das Tageslicht dem Nachthimmel gewichen. Ober-Troll Vreth – inzwischen auch schon seit über 10 Jahren Bestandteil dieses Haufens – verspürt allerdings überhaupt keine Kälte. Unbeeindruckt und ohne Shirt spielt er sich durch das Set. Dieses hat übrigens einige Schmankerl zu bieten. Dazu zählt sicherlich «Jaktens Tid» vom gleichnamigen Debütsilberling. Aber auch «neuere» Stücke wie «Blodsvept» tragen zu weiteren Publikumseskalationen bei. Nach sechs Jahren wäre es jedoch schon an der Zeit, die Gehörgänge der Fans mit frischem Stoff zu versorgen. Mal schauen, ob die Trolle demnächst in ihre Höhle verschwinden und etwas bösartiges zusammenköcheln.

Watain

Zum Glück ist es inzwischen schön Dunkel, denn sonst könnte die nun folgende Zeremonie ihre Wirkung überhaupt nicht entfalten. Scheinwerfer bräuchte es eigentlich ebenfalls keine, denn im Verlaufe der nächsten Stunde wird viel (und ich meine VIEL!) Feuer für Orgasmen bei den Pyromanen im Publikum sorgen. Verantwortlich dafür sind die Black Metaller Watain aus Schweden. Wer schon einmal Gelegenheit hatte einer Show dieser Teufelskerle beizuwohnen, weiss, wovon ich spreche. Fronter «E» schleudert gleich mal zu Beginn eine Fackel von der Bühne, die aufgrund der unvorbereiteten Zuhörerschaft prompt auf dem Boden landet. Da aber rasch reagiert wird, gerät das Stroh nicht in Flammen. Tja, wer bei Watain in der ersten Reihe steht, muss wirklich auf alles gefasst sein.

Leider schleichen sich immer wieder Soundprobleme ein, was den Show-Genuss erheblich schmälert. Ausserdem habe ich das ganze «Gezeusle» in letzter Zeit wohl zu häufig gesehen, denn dieses Mal wirkt die Performance eher durchschnittlich. Vor einem Jahr auf dem unheiligen Acker in Wacken hatte mein Kiefer noch durchgehend Bodenkontakt. Allerdings hatten die Nordmänner damals auch eine deutlich grössere Bühne für ihre Höllenfeuer-Spiele zur Verfügung.

Setliste – Watain

  1. Legions Of The Black Light
  2. Nuclear Alchemy
  3. The Child Must Die
  4. Total Funeral
  5. I Am The Earth
  6. Furor Diabolicus
  7. Sacred Damnation
  8. Malfeitor
  9. Towards The Sanctuary
  10. Casus Luciferi

Amorphis

Wir bleiben gleich im skandinavischen Raum und begeben uns abermals ins Land der tausend Seen. Mit Amorphis übernimmt jetzt eine meiner favorisierten Gruppen das Kommando. Nach wie vor zehren die Herrschaften viel Kraft und Energie aus dem aktuellsten Scheibchen «Queen Of Time». «The Bee» oder «The Golden Elk» sind aber auch schlichtweg überragende Hymnen.

Bei «Wrong Direction» reisst’s mich dann definitiv vollends mit. Voller Inbrunst wird der Refrain mitgegrölt. Hoffentlich kommen dabei in meiner näheren Umgebung keine Gehörgänge zu Schaden. Die Mehrheit der Gesangsarbeit überlasse ich aber selbstverständlich gerne dem Profi – sprich Tomi Joutsen. Abermals kann ich nur meinen imaginären Hut vor diesem Mann ziehen. Locker flockig wechselt er zwischen Growls und klarem Gesang hin und her – das ist bockstark! Komplimente gehen ebenfalls in Richtung Tontechniker. Der Sound ist – im Gegensatz zum Watain-Gig – einfach bombastisch. Gemeinsam mit Finntroll mausern sich Amorphis zum Highlight des heutigen Festivaltages. Ich gehe nicht davon aus, dass die zwei übrigen Akteure die Suomi-Fraktion noch vom Thron stossen können – aber ich lasse mich natürlich gerne Lügen strafen.

At The Gates

Das finnisch-schwedische Ping-Pong Spiel geht weiter. Mit At The Gates greift ein echtes Aushängeschild der Göteborger Schule des Melodic Death Metal ins Geschehen ein. Angeführt werden die Pioniere von Fronter Tomas Lindberg, der wie gewohnt nicht ohne sein Trucker-Cap auskommt. Live bekunde ich ehrlich gesagt leider je länger je mehr Mühe mit seiner Stimme. Im Vergleich zu den Alben, bei denen man ja im Studio jeweils nachbessern kann, klingt das Ganze bei Auftritten ziemlich gewöhnungsbedürftig. Tomas’ Stimmbänder scheinen effektiv den alten Glanz verloren zu haben. Abgesehen von dieser Tatsache sind die Veteranen allerdings souverän unterwegs. Klassiker der Marke «Slaughter Of The Soul» oder «Blinded By Fear» lassen die Massen jubeln.

Setliste – At The Gates

  1. Der Widerstand (ab Band)
  2. To Drink From The Night Itself
  3. Slaughter Of The Soul
  4. At War With Reality
  5. A Stare Bound In Stone
  6. Cold
  7. El Altar Del Dios Desconocido (ab Band)
  8. Death And The Labyrinth
  9. Daggers Of Black Haze
  10. Under A Serpent Sun
  11. The Colours Of The Beast
  12. Suicide Nation
  13. The Book Of Sand
  14. Blinded By Fear
  15. The Night Eternal

Carnation

Der Zeitplan hat sich mittlerweile ein bisschen verschoben. Die 1 Uhr-Grenze ist längstens geknackt. Nichtsdestotrotz habe ich mir fest vorgenommen, auf die Zähne zu beissen und bis zum bitteren Ende durchzuhalten. Ein Abrissbirne steht nämlich noch aus: Carnation aus Belgien. Und das Warten hat sich wirklich gelohnt, denn der Fünfer zeigt einen Dampfwalzen-Abriss der ersten Güteklasse. Growler Simon Duson hat sein Antlitz komplett mit roter Farbe zugekleistert und sich auch heute wieder mit Ketten umwickelt. Aufgrund dessen nenne ich ihn liebevoll den «roten Hulk».

Die Jungs verlangen dem Publikum, dass trotz später Stunde zahlenmässig immer noch äusserst gut vertreten ist, nochmals alles ab. Speziell die Oldschool-Todesmetaller dürften an diesen groben Klängen ihre wahre Freude haben. Nicht umsonst werden Carnation gerne mit den legendären Bolt Thrower in einem Satz genannt. Unverdient ist dies keinesfalls. Sollte die 2013 ins Leben gerufene Truppe ihrem Pfad treu bleiben, liegt eine steile Karriere durchaus im Bereich des Möglichen. Altgediente Schlachtschiffe wie Cannibal Corpse oder Obituary werden gezwungenermassen eines Tages in den Ruhestand gehen (auch wenn wir uns das momentan verständlicherweise nur ungerne ausmalen). Doch dank Bands wie Carnation muss man sich bezüglich der Nachfolgeregelung keine Sorgen machen. Ah, nach dem Gig muss ich dann unbedingt ein Versäumnis nachholen – ein T-Shirt der flämischen Metaller muss unbedingt her!

Setliste – Carnation

  1. The Whisperer
  2. Hellfire
  3. Plaguebreeder
  4. Hatred Unleashed
  5. Sermon Of The Dead
  6. Necromancer
  7. Disciples Of Bloodlust
  8. Chapel Of Abhorrence
  9. Supposed To Rot
  10. Fathomless Depths

Das Fanzit Freitag – Meh Suff! Metal-Festival 2019

Oh ja, das war ein rundum gelungener Auftakt in die Zusammenkunft der Schweizer Metal-Familie. Leichte Herbstallüren konnten beim Wetter zwar festgestellt werden, aber das war nicht weiter schlimm. Den Tagessieg sicherten sich aus meiner Sicht Finntroll und Amorphis, die beide überragende Darbietungen abgeliefert haben. Vielleicht lag’s am «Sold Out»-Status, aber nach meinem Empfinden hat man an den Fress- und Getränkeständen länger als auch schon auf seine Sachen gewartet. Das muss ich morgen unbedingt nochmals beobachten.

Samstag, 7. September 2019

Auf geht’s in die zweite Runde. Wenn man in einem warmen Bett gepennt hat, kann man diese voller Energie und bestens gelaunt in Angriff nehmen. Allerdings haben die Leute auf dem Campingplatz sicherlich ebenfalls eine erträgliche (und allenfalls süffige) Nacht gehabt. Gemäss den meteorologischen Prognosen werden erst für den morgigen Vormittag Regenschauer erwartet. Das könnte dann allenfalls beim Zeltabbau unschön werden. Hoffen wir auf einen gnädigen Thor. Aktuell dürfen wir uns zumindest an Sonnenschein erfreuen. Der erste Hopfentee findet den Weg die Kehle hinunter. Fein! Musikalisch wird’s dann kurz nach 13 Uhr wieder zur Sache gehen. 

Blow Job

Der Samstag wird von der Kapelle mit dem schlüpfrigsten Namen des diesjährigen Billings eröffnet: Blow Job. Unglücklicherweise verspüre ich beim Dargebotenen weder in den Gehörgängen noch in der Hose irgendwelche Glücksgefühle. Death und Thrash Metal sind für gewöhnlich eine bombensichere Mischung, aber bei den fünf Jungs aus Uri wirkt das Ganze einfach nicht berauschend. Die Sprüche von Sänger Roman «Römu» Emmenegger kommen ebenfalls ziemlich flach daher. Mein Bierbecher scheint zur selben Erkenntnis gekommen zu sein, denn plötzliche entdecke ich auf ihm folgenden Satz: «Besser wird’s nüme». Immerhin dürfen wir uns an strahlendem Sonnenschein erfreuen (um doch noch einen positiven Aspekt zu erwähnen).

Setliste – Blow Job

  1. Blood Source
  2. Crystal Meth
  3. Core Empire
  4. Under Control
  5. Panic Room
  6. Trail Of Blood
  7. Under Your Skin
  8. Dreamcatcher
  9. King Death
  10. Mouth Of Heaven

Lotrify

Der nächste Schweizer Akteur folgt sogleich. Von Baden zum Hüttikerberg braucht man mit dem fahrbaren Untersatz eine gute Viertelstunde – somit können Lotrify eigentlich beinahe von einem Heimspiel sprechen. Engagiert und motiviert gehen die Melodic Metaller, die übrigens auch schon seit über zehn Jahren aktiv sind, ans Werk.

Den Namen der vorrangehenden Truppe machen sie sich frech zunutze. Es sei geil, nach einem Blow Job spielen zu dürfen. Im Gegensatz zu den Urnern scheinen Lotrify die Publikumsreihen allerdings deutlich besser zu «befriedigen». Es sind nämlich etliche Mähnenschwinger auszumachen. In Sachen Circle Pits ist ebenfalls einiges los. Selbstverständlich liegt dann auch noch eine Wand des Todes drin. Frontmann Sacha Wacker hat die Massen bestens im Griff. In der zweiten Hälfte der Show wird ihm seine eigene Energie jedoch leider zum Verhängnis. Bei irgendeiner Aktion verknackst er sich unglücklich den Fuss… Autsch! Trotzdem beisst er auf die Zähne und zieht die Sache bis zum Ende durch – das nenn’ ich Einsatz! Bleibt zu hoffen, dass sich der Frontmann keine ernsthafte und langwierige Verletzung zugezogen hat. Wir wünschen jedenfalls gute und rasche Genesung.

Setliste – Lotrify

  1. Resurrection
  2. Floating Fall
  3. Ill-Minded
  4. Prophecy
  5. The Fence
  6. Split The Pit
  7. Something To Nothing
  8. Xenophobic

Bodyfarm

Schonzeit für die Nackenmuckis? Nö, nö, nicht am Meh Suff! Bodyfarm aus den Niederlanden leiten kurz nach halb vier die nächste Knüppel-Orgie ein. Wer auf Jungle Rot, Asphyx oder Deserted Fear abfährt, dürfte auch an dieser Gruppe viel Freude haben. Ende dieses Monats soll das vierte Studioalbum erscheinen. Dieses hört auf den Namen «Dreadlord». Mit «Manhunt» und «Angelreaper» haben uns die Herren heute bereits zwei Hörproben davon mitgebracht. Das könnte wirklich ein vielversprechender Silberling werden.

Ihre Performance widmen die Holländer vollends ihrem kürzlich verstorbenen Fronter Thomas Wouters. Er verliess die Band im März und erlag dann im August einem Krebsleiden – bitter…  Immerhin fand eine der letzten Shows mit ihm auf der legendären «70’000 Tons Of Metal»-Kreuzfahrt statt. Sein Posten wurde für Live-Performances temporär mit David R. Kreft besetzt. Mal schauen, wie es für die Band in Sachen Mikrofon-Personal künftig weitergehen wird. Ans Aufhören scheinen sie jedenfalls nicht zu denken.

Setliste – Bodyfarm

  1. The Dark Age
  2. Vortex Of Terror
  3. The Well Of Decay
  4. Storming Revolution
  5. Manhunt
  6. The Last Crusade
  7. The Coming Scourge
  8. Angelreaper
  9. Unbroken
  10. Slaves Of War

Aborted

Wie der aufmerksame Leser sicherlich festgestellt hat, fehlt mein Senf zu Dornenreich aus Österreich. Dazu kann ich leider nix verzapfen, da wir deren Show ausgelassen haben. Bei Aborted herrscht aber natürlich wieder absolute Präsenzpflicht. In einem anderen Bericht habe ich erwähnt, dass die Belgier für mich zu den grossen Gewinnern dieses Festivalsommers gehören. Unsere Wege haben sich bereits am Baden in Blut und am Summer Breeze Open Air gekreuzt. Jedes Mal war der Ablauf derselbe: Die Todesmetaller betreten die Bühne, hämmern alles und jeden kurz und klein und lassen am Ende ein total zerstörtes Publikum zurück. An dieser Masche ändern sie auch beim heutigen Auftritt nichts.

Fronter Sven De Caluwe tigert unermüdlich auf der Bühne hin und her und brüllt was das Zeug hält. Ebenso beeindruckend ist die Leistung von Trommler Ken Bedene. Der betreibt ein regelrecht brutales Arm- und Fuss-Training hinter seiner Schiessbude. Ich hätte am nächsten Tag definitiv Muskelkater… Eigentlich bewegt sich das musikalische Schaffen der Truppe beinahe schon auf Brutal Death-Niveau. In den Publikumsreihen herrscht ebenfalls massenhaft Action. Bei diesem knackigen Gehämmere bleibet einem allerdings auch kaum eine andere Wahl.

Setliste – Aborted

  1. Intro – Cymatic
  2. Terrorvision
  3. Deep Red
  4. Necrotic Manifesto
  5. Hecatomb
  6. Termination Redux
  7. Cadaverous Banquet
  8. Enumeration Of Cadavers
  9. Holocaust Incarnate
  10. Coffin Upon Coffin
  11. Origin Of Disesase
  12. Exquisite Covenous Drama
  13. Whore D’Oeuvre Macabre
  14. Sanguine Verses
  15. Threading/Saw

Zeal & Ardor

Stilbruch – und was für einer. Auf Aborted folgen nach einer halbstündigen Umbauphase Zeal & Ardor. Endlich reicht’s bei mir auch einmal zu einer Show des spannenden Projekts des Baslers Manuel Gagneux. Dass der Vermischung von Stilrichtungen in unserer Szene eigentlich keine Grenzen mehr gesetzt sind, wird einem bei dieser Performance abermals bewusst. Gospel und Soul treffen auf Black Metal – kann das gut gehen? Himmel, Arsch und Zwirn! Ja und nochmals ja. Das Sextett bläst einmal gepflegt alles weg. Ich bin trotzdem überrascht, wie gut diese ungewöhnliche Melodien-Fusion bei der Zuhörerschaft ankommt. So extrem engstirnig scheinen wir Metalheads dann doch nicht zu sein.

Zeal & Ardor ist für die Zukunft zweifelsohne noch einiges zuzutrauen. Ich denke nicht, dass Manu und seine Mitstreiter auf dem Status der «Eintagesfliege» sitzen werden. Dafür sind ihre kreativen Ergüsse einfach zu gut. Von den Backgroundsängern muss insbesondere Mark Obrist hervorgehoben werden. Meine Fresse, dieser Kerl verfügt über ein bärenstarkes Stimmorgan! Nach der Show werde ich mich aber so was von mit Merchandise eindecken – darauf könnt ihr einen lassen. Personen mit vielseitigem Geschmack würde ich unbedingt ans Herz legen, einmal einem solchen Aufeinanderprallen der skandinavischen und US-amerikanischen Musikwelten beizuwohnen.

Satyricon

Schwarzmetall ist dann auch bei der nächsten Kapelle das grosse Thema. Gospel-Elemente wird man hier allerdings keine vorfinden, denn Satyricon gehören eher zur Kategorie der Unterstützer von brennenden Gotteshäusern und Satan-Huldigungen. Allerdings bewegen sich die heutigen Stücke der Herrschaften aus Oslo im Vergleich zu den Anfängen vermehrt im Black ‘N’ Roll-Sektor. Fronter Satyr, der gemeinsam mit Drummer Frost den Kern der Band bildet, strahlt eine Aura aus, von der man sich kaum entziehen kann. Starke Bühnenpräsenz! Nichtsdestotrotz dürfte sein Gesang gerne etwas lauter sein.

Die Norweger agieren mit einer äussert abwechslungsreichen Setliste. Neben den Klassikern «Fuel For Hatred» oder «K.I.N.G.» gefällt mir dieses Mal «Mother North» mit seinen Chor-Passagen besonders gut. Dabei erhält die Truppe durchaus brauche Unterstützung von Seiten des Publikums. Von den äusseren Bedingungen her dürften sich die Nordmänner ebenfalls wohlfühlen. Rabenschwarzer Nachthimmel und kühle Temperaturen – das mag der Black Metaller.

Setliste – Satyricon

  1. Black Crow On A Tombstone
  2. Nocturnal Flare
  3. Now, Diabolical
  4. Deep Calleth Upon Deep
  5. Intermezzo 1
  6. To Your Brethren In The Dark
  7. Filthgrinder
  8. Mother North
  9. The Pentagram Burns
  10. Fuel For Hatred
  11. K.I.N.G.

Hypocrisy

Tausendsassa Peter Tägtgren erfreut sich vielerorts an einer extremen Popularität – so auch auf helvetischem Grund. Wenn der Schwede nicht gerade in seinem Abyss Studio als Produzent tätig ist, tour er abwechslungsweise mit Pain oder Hypocrisy durch die Welt. Vielleicht folgt bald auch schon eine gemeinsame Rundreise mit Rammstein-Sänger Till Lindemann – aber das ist wieder eine andere Geschichte.

In Hüttikon geht «Peti» – wie er des Öfteren liebevoll genannt wird – mit seinem «Hypochriesi» an den Start. Unterstützt wird er dabei von Klampfer Tomas Elofsson, Basser Mikael Hedlund und Taktgeber Horgh. Wie zuvor bei Satyricon zeigen uns auch Hypocrisy einen netten Querschnitt durch ihre Diskographie. «Fractured Millennium», «End Of Disclosure», «Eraser», «Fire In The Sky», «Roswell 47» – also ich bin bereits mit diesen fünf Tracks bestens bedient. Lob verdient sich übrigens auch der Tontechniker, denn in der Regel klingen Mister Tägtgrens Gruppen live sonst leider häufig ziemlich schrottig. Zum Glück ist dem heute nicht so. Mal schauen, ob sie dann Mitte November als Support-Act von Amon Amarth und Arch Enemy (siehe Preview) in der Samsung Hall einen ähnlich überzeugenden Auftritt aufs Parkett legen können.

Setliste – Hypocrisy

  1. Fractured Millennium
  2. Valley Of The Damned
  3. End Of Disclosure
  4. Adjusting the Sun
  5. Eraser
  6. Pleasure Of Molestation / Osculum Obscenum / Penetralia
  7. Fire In The Sky
  8. Carved Up
  9. War-Path
  10. The Final Chapter
  11. The Gathering (ab Band)
  12. Roswell 47

Sodom

Das diesjährige Meh Suff! Metal-Festival neigt sich so langsam seinem Ende entgegen. Zwei Truppen sind allerdings noch ausstehend. Zuerst gibt sich ein Aushängeschild der deutschen Thrash Metal-Szene die Ehre: Sodom. Ähnlich wie bei ihren Kollegen von Destruction scheint auch ihnen die neue Besetzung – sprich, mit einem Mann mehr – zu neuer Stärke zu verhelfen. Seit dieser personellen Änderung muss man das Quartett aus dem Ruhrpott nämlich definitiv wieder auf dem Schirm haben.

Ohne grossartiges Vorgeplänkel legen die Herrschaften direkt mit «Silence Is Consent» los. Oldschool scheint definitiv Trumpf zu sein. Lediglich vier Nummern stammen aus den Jahren 2007 beziehungsweise 2018. Alles andere ist älter – bedeutend älter. Eingerostet sind Tom Angelripper und seine Kumpels aber keinesfalls. Die dreschen so gnadenlos darauf los, dass sich morgen wohl so mancher Besucher nach einer Massage sehnen wird. Wenn ich mir das Ganze so anhöre, muss ich zugeben, dass Sodom zurecht als Deutschlands Antwort auf Slayer eingestuft werden. Mit einem donnernden «Bombenhagel» entlassen uns die Thrasher in die Nacht. Manch einer hätte wohl zusätzlich gerne noch «Ausgebombt» gehört, aber Sodom belassen es heute bei einem Bombenangriff.

Setliste – Sodom

  1. Silence Is Consent
  2. The Crippler
  3. The Saw Is The Law
  4. Outbreak Of Evil
  5. Conflagration
  6. Agent Orange
  7. Suicidal Justice
  8. Blasphemer
  9. One Step Over The Line
  10. Partisan
  11. Tired And Red
  12. Remember The Fallen
  13. Bombenhagel

Thanatos

Von jetzt an gilt das Motto: «Last man (oder woman) standing». Die Menschentraube vor der Bühne ist in der Tat ziemlich überschaubar geworden. Leider können wir dem Schlussakt der Niederländer Thanatos nicht sonderlich viel abgewinnen. Ich schiebe dies aber auch phasenweise auf unsere aufgebrauchten Energiereserven. Zwei Tage Meh Suff! gehen eben definitiv nicht spurlos an einem vorbei. Ein paar Tracks nehmen wir zwar noch mit, aber dann drehen wir der ganzen Geschichte langsam den Rücken und machen uns auf den Heimweg. So überzeugend wirkt das Thrash-Death-Gemisch wirklich nicht.

Setliste – Thanatos

  1. Dawn Of The Dead
  2. Outward Of The Inward
  3. Global Purification
  4. Feeding The War Machine
  5. Angelic Encounters
  6. The Silent War
  7. And Jesus Wept
  8. War

Das Fanzit Samstag – Meh Suff! Metal-Festival 2019

Auch der zweite Festivaltag war alles andere als zu verachten. Heute vermochten insbesondere Zeal & Ardor und Hypocrisy zu überzeugen. Wie versprochen habe ich auch nochmals die Situation an den Fress- und Getränkeständen überprüft. Die Situation hat sich nicht geändert. Auch am Samstag musste man sich mit langen Warteschlangen herumschlagen und im Falle des Essens kamen die Portionen teilweise ziemlich mickrig daher. Hier herrscht für 2020 ganz klar Verbesserungsbedarf.

Oh, wenn wir schon beim Zukunftsausblick sind: Das Meh Suff! Metal-Festival 2020 wird am 4. und 5. September stattfinden. Ich bin gespannt, ob die Veranstalter das diesjährige Line-Up überhaupt nochmals toppen können. Nichtsdestotrotz wird die traditionelle Festivalabschlussfeier mit der Schweizer Mähnenschüttler-Familie für mich eindeutig wieder ein Thema sein. Wer die Wartezeit überbrücken möchte kann dies übrigens mit anderen Events der Organisatoren tun. Da wären beispielsweise das Meh Suff! Winter-Festival und die beiden Neuheiten Züri Gmätzlets Vol. I oder EROS AT ARMS I. Berichte unsererseits wird es dazu sicherlich geben.


Wie fandet ihr das Festival?

06.11.2019
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