Hellfest Open-Air 2018 - Foto Matthias Knuser
Fr–So, 22.–24. Juni 2018

Hellfest 2018 – Judas Priest, Nightwish, Therion, Children of Bodom u.v.m.

Champ Louet (Clisson, FR)
13.08.2018
Hellfest Open-Air 2018 - Foto Matthias Knuser

Metal en masse, Moules und Monsterkulisse

Das Hellfest im Westen von Frankreich gehört mit rund 60’000 Besuchern pro Tag mittlerweile zu den grössten Metalfestivals der Welt.

Der Anlass zeichnet sich insbesondere durch seine wunderschön gestaltet Kulisse aus. So ist beinahe die ganze Infrastruktur liebevoll designt, mit viel Metall verkleidet, mit Stacheln und Ketten geschmückt und äusserst stimmungsvoll inszeniert. In der Nacht sind überall Flammenwerfer aktiv und tauchen die Szenerie in feuriges Licht. Der perfekte Ort also, um sich drei Tage lang ein Metalkonzert nach dem anderen zu gönnen.

Das Hellfest verfügt über sechs Bühnen. Auf der Mainstage 1 wird neben den bekannten Bands den klassischeren Tönen des Heavy Metal und Thrash Metal gehuldigt. Die Mainstage 2 beherbergt ebenfalls bekannte Bands, bietet aber ansonsten auch dem Modern Metal und Alternative Metal im wahrsten Sinne des Wortes eine Bühne. Der Altar und der Temple liegen direkt nebeneinander, wobei ersterer den Death Metal Bands eine Heimat bietet, während letzterer die Black Metal Gruppen und die Folk Metaller aufnimmt. Das Valley ist die Anlaufstelle für alle Liebhaber von Doom Metal und Stoner Rock und für alle punkigen Anliegen bis in den Bereich des Hardcore wurde die Warzone eingerichtet. Jeweils drei Bühnen werden parallel bespielt. Das hat zwar Überschneidungen zur Folge, aber bei rund 160 Bands kann sich sicher jeder ein tolles Programm zusammenstellen. So ging es im Vorfeld auch mir und nun ist der Moment gekommen, während drei Tagen mein personalisierter Running Order in die Tat umzusetzen.

Freitag, 22. Juni 2018 – Tag 1

Darkenhöld

Mit Darkenhöld beginnen für mich die drei Tage in der Hölle und ich bin gespannt, ob die Truppe aus dem sonnigen Nizza kurz nach dem Mittag im Temple überzeugen kann. Ihr melodisch gehaltener Black Metal beschäftigt sich thematisch mit Burgen und dem Mittelalter, was auch auf der Bühne in der Kleidung inklusive wehender Umhänge aufgegriffen wird. Die dargebotene Musik vermag zwar nicht zu hundert Prozent überzeugen, beinhaltet aber einige schöne Passagen. Bemerkenswert sind vor allem die Soli respektive Melodieteile von Gitarrist Aldébaran, die er absolut sauber und mit sehr viel Gefühl spielt. Ansonsten bleibt der Auftritt zurückhaltend.

Es ist der Band anzumerken, dass sie sich eine solch grosse Bühne nicht gewöhnt ist, wobei hier sicherlich auch eine gute Portion Nervosität im Spiel ist. So ist dann auch das Publikum mehrheitlich ruhig, spendet aber wohlwollenden Applaus. Die Qualität des Klangmix schwankt etwas, ist bisweilen ganz in Ordnung, dann aber doch wieder etwas zu basslastig. Unter dem Strich ein ansprechender Erstkontakt und ein solider Auftakt für die nächsten drei Tage, auch wenn durchaus noch Luft nach oben war.

Hard-Ons

Den Auftritt der australischen Punkband Hard On schauen wir uns von etwas weiter hinten an. Die Band scheint Spass zu haben und Sänger Peter Black ist ständig in Bewegung. Seinen Bewegungen nach zu urteilen hat er kürzlich einen Tanzkurs mit lateinamerikanischem Einschlag besucht. Wir lassen es hingegen ruhig angehen, halten die Beine lieber still im Schneidersitz und geniessen den französischen Klassiker Moules et Frittes bei herrlichem Sonnenschein in der Warzone. Nachdem Mahl und Konzert zu einem würdigen Abschluss gekommen sind, heisst das Ziel Mainstage 1.

Rose Tattoo

Auf der Mainstage 1 spielen nämlich Rose Tattoo. Scheinbar herrscht auf unserem personalisierten Running Order eine Art Down Under Time. Musikalisch sind das dann aber doch zwei verschiedene Welten. Der Hard Rock der rosigen Tätowierungen ist um einiges gemütlicher als das, was wir vorher in der Warzone serviert bekommen haben (und damit sind nicht die Muscheln gemeint). Die ganze Band macht von Beginn weg einen entspannten Eindruck, wobei Gary Anderson am Mikrofon manchmal etwas verwirrt erscheint.

Da es sich um mein erstes Rose Tattoo-Konzert handelt, kann ich hier keinen Vergleich anstellen. Die gemütliche Stimmung überträgt sich auch auf den Zuschauerbereich, wo sich eine sehr relaxte Stimmung breit macht. Das gut abgemischte Konzert ist schlussendlich zwar solide, reisst mich allerdings nicht total vom Hocker, wobei ich auch zugeben muss, nicht unbedingt der Hard Rock-Typ zu sein. „Rock ’n‘ Roll Outlaw“ bleibt mir jedoch durchaus gut in Erinnerung, ebenso „One of the Boys“.

Joan Jett and the Blackhearts

Mitreissender wird es nach einer kurzen Verschnaufspause mit Joan Jett und den Blackhearts. Auch das ist für mich eine Live-Premiere, wobei mir die bekannten Hits der Amerikaner durchaus bekannt sind. „Cherry Bomb“ wird überraschenderweise gleich im Anschluss an das eröffnende „Victim of Circumstances“ gespielt. Danach folgen mit „Do You Wanna Touch Me“ und „Bad Reputation“ zwei weitere Hits, was sich merklich auf die Stimmung überträgt.

War das Publikum zu Beginn noch etwas zurückhaltend abwartend, nimmt es jetzt zunehmend Fahrt auf, singt die bekannten Lieder laut mit und hat Freude am Dargebotenen. In Kombination mit dem hervorragenden Sound bietet das schliesslich die Grundlage für einen guten und sympathischen Auftritt, der natürlich nochmals mit einigen Hits aufzuwarten weiss und schlussendlich eine saubere Best of-Show bietet. „I love Rock ’n‘ Roll“ darf hierbei natürlich ebenso wenig fehlen wie „Crimson & Clover“ und das abschliessende „I hate myself for loving you“.

 Meshuggah

Direkt im Anschluss gibt es einen kompletten Tapetenwechsel. Meshuggah aus Schweden werden erwartet und wir scheinen nicht die einzigen zu sein, die den Auftritt der Technical Metaller erleben möchten. Bis die Band auf die Bühne kommt, haben wir genügend Zeit das fantastische Backdrop zu bestaunen. Es braucht einen Moment der Betrachtung, um zu erkennen, dass es sich dabei tatsächlich ausschliesslich um bedruckten Stoff und keinerlei plastische Elemente handelt, solch eine gewaltiger 3D-Effekt wohnt dem ganzen inne.

Schliesslich ist es aber soweit und die Schweden entern die Mainstage 2 mit „Born in Dissonance“, womit wir uns der Musik widmen können. Die technischen Fähigkeiten der Musiker sind wirklich beeindruckend und die ganze Show ist musikalisch auf sehr hohem Niveau. Untermauert wird dies vom sauberen Mix, der die verschiedenen Instrumente gut hörbar macht. Auftrittstechnisch herrscht allerdings aus meiner Sicht noch viel Luft nach oben. Jens Kidman wendet sich nach rund 25 Minuten erstmals (und auch letztmals) an das Publikum. Bei einem fünfzigminütigen Auftritt ist das schon sehr spät. Auch sonst agieren sowohl der Fronter als auch die restlichen Bandmitglieder sehr statisch. Vermutlich brauchen solch komplexe Rhythmen viel Konzentration, aber als Zuhörer finde ich es schon ein wenig schade, dass nicht wenigstens die Stücke angesagt werden. So wirkt das ganze eher introvertiert und packt mich ehrlich gesagt nicht richtig.

Europe

So ziemlich das Gegenteil davon erwartet uns gleich darauf auf der Schwesterbühne nebenan. Über Europe habe ich bereits einige Male gelesen, dass sie live eine tolle Show bieten. Und mit „Walk the Earth“ legen die Schweden top motiviert los. Joey Tempest fegt über die Bühne und steht kaum eine Sekunde still. Der Song zündet aber irgendwie nicht so richtig und das Publikum nickt zwar etwas mit, kommt ansonsten aber noch nicht viel mehr aus sich heraus.

Das ändert sich ein wenig bei „The Siege“, das den Anschluss bildet und als danach „Rock the Night“ angestimmt wird, ist die Stimmung da, wo sie sein sollte. Ab dann folgt eine mitreissende Show, die das Level beispielsweise bei „War of Kings“ oder „Superstitious“ nicht immer ganz halten kann. Mein persönliches Highlight ist ganz klar „Scream of Anger“, das richtig abgeht. Zwischendurch macht Joey auch mal einen Ausflug in den Bühnengraben oder wirft sich in Pose für die anwesenden Filmkameras. „Cherokee“ wird bereits von vielen der Anwesenden mitgesungen, aber als „The Final Countdown“ angekündigt wird, geht ein kollektiver Schrei durch die Menge. Anscheinend haben alle auf diesen Song gewartet (was ehrlich gesagt nicht gänzlich verwundert) und so klettert das Stimmungsbarometer zum Schluss nochmals in die Höhe als sämtliche Zuschauer den bekannten Hit lautstark mitsingen und abfeiern. Alles in allem ein gelungener Auftritt.

Sólstafir

Langsam wird es Abend und wir schlüpfen nochmals ins Zelt des Temple, um Sólstafir anzuhören. Der letztjährige Auftritt an den Metaldays war ein absolutes Highlight, ich hoffe deshalb auf eine Wiederholung. Der Einstieg in das einstündigen Konzert bildet „Silfur-Refur“ vom aktuellen Album. Verträumt, eindringlich, intensiv, die Isländer spielen vom ersten Ton an genauso auf, wie ich es mir gewünscht habe.

Nahtlos anschliessend folgt „Ótta“ und das Abendlicht harmoniert perfekt mit der getragenen, ruhigen Stimmung des Lieds. Mit „Köld“ wird es eine Spur heftiger und auch hier spielt die Sonne mit, beginnt doch langsam deren Untergang und veredelt das Stück mit Strahlen goldenen Lichts, welche die warme Beleuchtung der Bühne perfekt ergänzen. Es scheint, als lässt sich das Publikum davon anstecken.

Beim nächsten Stück, dem grossen Hit „Fjara“, sind immer mehr Stimmen zu vernehmen, welche die Melodie mitsingen. Mehr und mehr sind zu hören, bis die ganze Menge ein einziger Chor bildet. Sänger Aðalbjörn Tryggvason wirkt ziemlich überrascht, bringt aber gegen Ende hin doch noch ein „Sing!“ hervor, was die Zuschauer noch mehr anspornt. Die Gesänge nehmen kein bisschen ab, als das Lied zu Ende geht und werden lautstark weiter intoniert. Die Band scheint sehr erfreut, dabei aber etwas ratlos zu sein, was sie jetzt tun soll. Nach einigem Zögern beginnen sie schliesslich einfach mit „Bláfjall“, dessen Eingängigkeit in dieser guten Stimmung hervorragend ankommt. Zum Abschluss servieren uns Sólstafir kurz nach Sonnenuntergang „Goddess of the Ages“ bei dem Aðalbjörn wie immer mit Hilfe der Fans auf dem Absperrgitter entlang läuft. Mein Fazit lautet kurz und knapp: Ein ganz starker Auftritt mit sofortiger Nominierung zum Highlight des Tages.

Stone Sour

Als nächstes stehen Stone Sour auf dem Programm. Für mich handelt es sich um den musikalischen Erstkontakt mit den Amerikanern. Die Musik trifft meinen Geschmack eher weniger, aber ansonsten macht die Band rund um Frontmann Corey Taylor alles richtig, um einen guten Auftritt zu liefern. Corey selber sucht immer wieder den Kontakt zum Publikum und punktet mit seinem sympathischen und sehr entspannten Auftreten. Allgemein wirkt die Band sehr relaxed, dabei allerdings auch sehr freudig und engagiert.

So bin ich zwar nicht völlig hin und weg, aber fühle mich doch eine Stunde lang gut unterhalten. Da wir uns in Hinblick auf den anschliessenden Auftritt von Judas Priest bereits vor der Mainstage 1 platziert haben, Stone Sour jedoch auf der Mainstage 2 spielen, habe ich zwar guten Blick auf die Bühne, kann aber keine Aussage machen, wie die Fans im Zuschauerbereich davor die Musik aufnehmen. Gemessen an den (Re-)Aktionen der Band scheint ihr Auftritt durchaus auf Zuspruch zu treffen. So verabschieden sich die fünf Herren rundum zufrieden nach sechzig gelungenen Minuten, die durchaus eine gewisse Headlinertauglichkeit aufgezeigt haben.

Judas Priest

Jetzt heisst es: Köpfe drehen und die guten Plätze geniessen, die wir uns in der letzten Stunde im wahrsten Sinne des Wortes erstanden haben. Judas Priest kennt jeder, jetzt will ich wissen, wie sich die Legenden live bewähren. Los geht es mit dem Titeltrack der aktuellen Scheibe, „Firepower“. Ein solider Auftakt und sogleich legen die fünf nach mit „Grinder“. Danach geht es weit in die Vergangenheit zurück mit „Sinner“ und „The Ripper“. Alle Stücke werden auf der Videowand von passenden Einspielungen begleitet und mit einer tollen Lichtshow untermalt.

Je länger das Konzert dauert, desto mehr macht sich allerdings eine gewisse Ernüchterung breit. Der Auftritt wirkt sehr kraftlos, von richtig mitreissend ganz zu schweigen. Gitarrist Richie Faulkner scheint als einziger voller Tatendrang zu sein, aber alleine schafft er es einfach nicht, das Ruder herumzureissen. Rob Halford bringt es zwar fertig, stimmlich einigermassen zu überzeugen, aber er macht einen müden und abgekämpften Eindruck. Von Charisma oder Energie ist nichts zu spüren, das habe ich mir definitiv anders vorgestellt.

Bei „Turbo Lover“ hilft dann das Publikum tatkräftig mit, ansonsten sind die Reaktionen auf das Dargebotene eher verhalten. Ich scheine nicht der einzige zu sein, der nicht überzeugt ist. So fliesst der Auftritt ziemlich zäh dahin, bis mit „Painkiller“ das reguläre Set abgeschlossen wird. Nachdem „Metal Gods“ den Zugabenblock eröffnet hat, bleiben noch die beiden unvermeidlichen Rausschmeisser „Breaking the Law“ und „Living after Midnight“. Beide werden von den Zuschauern inbrünstig mitgesungen, was das Konzertende ein wenig versöhnlicher gestaltet. Nichtsdestotrotz: ihrem Headlinerstatus gerecht geworden, sind Judas Priest heute ganz und gar nicht.

Therion

Dann schauen wir doch zum Abschluss noch bei Therion auf der Temple Stage vorbei. Die schwedischen Symphonic Metaller konnten mich in der Vergangenheit immer begeistern. Und so soll es auch heute sein. Leider ist der Mix sehr mies. Alles ist unter dem Bass respektive der Bassdrum begraben, sogar die Gitarre ist kaum zu hören. Mit einem Wechsel der Ohrenstöpsel kann ich diesen Missstand teilweise ausbügeln. Der Sound ist immer noch nicht das Gelbe vom Ei aber immerhin einigermassen hörbar.

In den Reihen der Zuschauer hat es schon viele Lücken, vermutlich aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit. So geniesse ich den Auftritt mit viel Bewegungsfreiheit in vollen Zügen, derweil die Band topmotiviert auf der Bühne steht. Vor allem Gitarrist und Bandleader Christofer Johnsson scheint sich sichtlich wohl zu fühlen und nach den gesundheitlichen Problemen vom letzten Jahr wieder gut genesen zu sein. Besonders eindrücklich sind heute Abend „Lemuria“ und „Son of the Staves of Time“. Aber auch der Rest des Sets bildet einen gelungenen Teil dieses Konzerts. Als schlussendlich als Schlusspunkt des heutigen Abends „To Mega Therion“ ausklingt, machen wir uns zufrieden auf in Richtung Bett, um für die kommenden zwei Tage wieder zu Kräften zu kommen.

Samstag, 23. Juni 2018 – Tag 2

Hantaoma

Nach einer erfolgreichen Ruhephase und einem stärkenden Frühstück begeben wir uns zum zweiten Mal auf das Festivalgelände. Die mir abgesehen vom Prelistening unbekannten Hantaoma sollen diesen Tag mit ihrem halbstündigen Auftritt für uns eröffnen. Nach einem kurzen Intro legen die französischen Folk Metaller aus der Region Okzitanien auf der Temple Stage los.

Nicht erwartet hätte ich, dass gar keine volkstümlichen Instrumente eingesetzt werden, sind diese doch auf den im Vorfeld gehörten Aufnahmen ein tragender Faktor der Musik. Unter diesen Voraussetzungen bleibt der Auftritt etwas farblos. In der Mitte des Konzerts kommt aber doch noch für ein längeres Stück eine Schlüsselfidel zum Einsatz, was sofort eine grosse Aufwertung der Musik mit sich bringt. Auch das Publikum spricht auf diesen Song am besten an. Danach ist aber bereits wieder Schluss damit und die Show geht fidellos weiter. Somit wirkt das Konzert von Hantaoma in seiner Gesamtheit eher blass und die Band agiert zu wenig charismatisch und energievoll, um das Ruder so richtig herum zu reissen. Dennoch ein Auftakt, der ganz in Ordnung ist. Als der Auftritt zu Ende ist, begeben wir uns zu den Mainstages.

Eskimo Callboy

Auf der Nummer zwei ebenjener beginnen nämlich soeben Eskimo Callboy mit ihrem Trancecore die Zuschauer in Bewegung zu versetzen. Wir verfolgen das Treiben mit ein wenig Abstand bei gutem Blick auf Band und Bühnenvorplatz. Musikalisch ist das definitiv nicht meine Welt, aber dennoch kann ich sagen, dass die Band einen sehr energiegeladenen Auftritt hinlegt.

Das ganze Publikum bis weit nach hinten feiert, als ob es kein Morgen gäbe. Alles hüpft und tanzt und immer wieder bilden sich Moshpits. Für eine Band, die kurz nach dem Mittag um 13 Uhr aufspielt, ist das totales Spitzenniveau. Auf der Bühne wird ebenfalls hin- und hergerannt, gehüpft und sich in Pose geworfen, scheinbar haben alle Beteiligten mächtig Spass. Einziges Manko ist, dass die Ansagen und Einlagen etwas einstudiert daherkommen. Da der Auftritt aber Schlag auf Schlag durchgezogen wird, fallt das nicht ganz so stark ins Gewicht. Eskimo Callboy bieten somit für ihre Fans viel Spass und eine Stimmung vor der Bühne, die um diese Uhrzeit definitiv ihresgleichen sucht.

Arkona

Nach einer längeren Pause, die wir damit verbracht haben, die Monsterkulisse des Festivals mit all ihren liebevoll gestalteten Bauten und Dekorationen so richtig zu geniessen sowie eine Fahrt auf dem festivaleigenen Riesenrad zu absolvieren, stehen wir nun im Temple vor der Bühne und warten auf Arkona. Nach dem eher durchwachsenen Auftritt im Z7 vor einigen Monaten, mit einem nicht so starken ersten dafür prima zweiten Teil, gehe ich relativ erwartungslos an die Sache.

Die Folk Metaller aus Russland beginnen nach dem Intro „Mantra“ wiederum mit „Shtorm“ und bereits in der Hälfte dieses Songs wird klar, dass die heutige Show eine bessere Bewertung meinerseits bekommen wird. Sängerin Masha Scream hat eine grosse Präsenz, Gitarrist Sergey Lazar und Flötist Vladimir Wolf sind mit viel Elan am Werk, kurz eine eingespielte Band. „Tseluya zhizn'“ und „V pogonye za beloy tenyu“ schlagen in dieselbe düstere Kerbe wie der erste Song, bevor mit dem Outro „Mantra“ der Übergang zu den älteren Stücken eingeleitet wird. Begonnen wird dieser Block mit dem mitreissenden „Goi, Rode, Goi!“ bevor „Zakliatie“ uns richtig zum Headbangen bringt und das alles bei einer guten Abmischung wohlgemerkt. Bei „Skvoz‘ Tuman Vekov“ kommt das bisher etwas ruhigere Publikum langsam in Tanzlaune und es bildet sich ein erster Circlepit. Dass dieser nicht aufhört, sich zu drehen, dafür sorgt „Stenka na Stenku“, das vor guter Laune nur so strotzt.

Arkona lassen nichts anbrennen und servieren uns zum Finale „Yarilo“, das von allen Anwesenden fleissig mitgeklatscht wird. So sind alle inklusive der Musiker durchgeschwitzt als das Konzert fertig ist und die Band wird mit viel Applaus verabschiedet. In dieser Form sehe ich mir Arkona gerne wieder an.

Body Count (zweite Hälfte)

Ohne Pause begeben wir uns zur Anhöhe vor den Mainstages, damit wir uns die zweite Hälfte des Konzerts von Body Count anschauen können. Genau wie Eskimo Callboy zuvor liegen Ice-T und seine Crossovertruppe ausserhalb meines musikalischen Interessenbereichs. Aber auch diese Band bietet eine solide Show, die einen Slot auf der Mainstage 2 rechtfertigt. Der ganze Auftritt wirkt einen Tick zu einstudiert, aber man merkt den Bandmitgliedern schon an, dass sie ihn geniessen. Die Zuschauer sind weniger aktiv als am Mittag und die Reaktionen auf Ice-Ts Ansagen ziemlich zurückhaltend. Vielleicht liegt es an der Wärme, vielleicht an der Sprachbarriere, wer weiss. Viel mehr kann ich denn auch nicht berichten zu Body Count.

Children of Bodom

Jetzt aber nichts wie los zum Altar, damit wir Children of Bodom nicht verpassen. Schauen wir mal, was die live so auf dem Kasten haben. Der Einstiegssong passt perfekt zum mittleren Festivaltag: „Are you dead yet?“ Natürlich nicht, das Publikum ist bereit loszulegen. Kaum erklingt das erste Riff, wird gemosht und herumgesprungen was das Zeug hält. Die Crowdsurfer lassen ebenfalls nicht lange auf sich warten, schon ab dem zweiten Lied sind wir fleissig dabei, Leute nach vorne zu transportieren.

Die Band ist richtig guter Laune und tritt als Einheit aus einem Guss auf. Obwohl der Auftritt nicht perfekt ist, der ein oder andere rhythmische Holperer auftritt, zwischendurch immer wieder ein Monitor gerichtet werden muss, ist die Stimmung vor und auch auf der Bühne grandios. Der Sound hat schon noch etwas Luft nach oben, ist aber im grossen und ganzen sehr erträglich. Alexi Laiho spricht zwischen den Songs mehrmals seinen Dank für das zahlreiche Erscheinen der Zuschauer sowie deren unermüdlichen Einsatz aus (häufig in Verbindung mit dem Wort „fucking“, das er besonders zu mögen scheint). Diese danken es wiederum ihm und seinen Mitstreitern mit einer kaum zu überbietenden Energie und Wellen von Crowdsurfern, die durch ein Meer von wild hüpfenden Menschen nach vorne gelangen.

Analog zu den Metaldays letztes Jahr gilt auch hier: nach 20 getragenen Crowdsurfern hat man einmal selber tragen lassen zugute. Am Hellfest sind es aber eher 40, bis man tatsächlich mal eine kleine Pause hat. Keyboarder Janne Warman scheint besonders viel Freude an der Stimmung zu haben, er kriegt jedenfalls das Grinsen kaum mehr aus dem Gesicht. So vergeht diese Stunde wie im Flug und welcher Song könnte zum Schluss besser passen als „Towards Dead End“? Geschafft verlassen Children of Bodom und das Publikum den Altar, um sich eine mehr als verdiente Verschnaufpause zu gönnen. Mit diesem Tageshighlight beschliessen wir den Samstag und hauen uns aufs Ohr, denn morgen steht ein strenger Tag an.

Sonntag, 24. Juni 2018 – Tag 3

Orden Ogan

Der Sonntag wird eingeläutet mit einer Halbstunde Power Metal. Bis jetzt waren sämtliche Auftritte von Orden Ogan, die ich miterlebte, in Konzerthallen. Die Deko im Western-Fort-Stil haben sie dementsprechend auch von ihrer letzten Tour mitgebracht. Mal schauen, wie sich die Band auf so einer grossen Bühne wie der Mainstage 1 behaupten kann. Mit „F.E.V.E.R.“ geht es los und die anwesenden Fans singen bereits mit. Das ändert sich auch nicht bei „Gunman“, wobei hier noch nicht alle Zuschauer ganz so textsicher sind, wie bei den älteren Stücken.

Frontmann Seeb Levermann führt mit seinen bereits bekannten Sprüchen durch die Show. So ganz ausfüllen können die Deutschen die Bühne aber nicht, Orden Ogan scheinen sich im kleineren Rahmen wohler zu fühlen. „Sorrow is your tale“ zieht natürlich laute ooohooohooo-Chöre nach sich, dafür lässt sich das Publikum von „We are Pirates“ weniger mitreissen als erwartet. Am Mix kann es nicht liegen, der ist nämlich über alle Zweifel erhaben. Nach „The Things we believe in“ ist der Auftritt auch schon wieder vorbei. Die Band sieht zufrieden aus, wirkt dabei erleichtert, dass alles geklappt hat und wirft sich nochmals in Pose für ein Foto. Eine gute Ausgangslage für diesen dritten Konzerttag.

Primal Fear

Auch die nächste Band auf meinem persönlichen Running Order kommt aus Deutschland. Die Rede ist von Primal Fear, die mit ihrem Heavy Metal musikalisch ebenfalls melodiös und kraftvoll unterwegs sind. Ich habe mich bis anhin nicht wirklich mit der Truppe beschäftigt und bin deshalb offen für alles, was da kommen mag. Das Quintett legt mit viel Spielfreude los und Energie los. Die Saitenfraktion weiss sehr zu überzeugen, ebenso der gut abgemischte Sound.

Frontmann Ralf Scheepers (oder ist es doch Renato Tosio?) haut seine Screams raus, als ob es das leichteste der Welt wäre und kriegt das Grinsen dabei kaum aus dem Gesicht. Solch eine Performance hätte ich mir bei Judas Priest gewünscht. „Angel in Black“ und „Angels of Mercy“ stechen für mich dabei am meisten heraus. Aber auch „The End is near“ sowie „Chainbreaker“ wissen zu überzeugen. Zwischen den Songs gibt es dann irgendwann eines der allseits bekannten Mitsingspielchen, bei dem das Publikum sich tatsächlich überdurchschnittlich gut schlägt. Das ganze wird aber nicht überstrapaziert und fügt sich deshalb gut in den Ablauf der Show ein. So geht schlussendlich mit „Metal is Forever“ ein unterhaltsamer und gut dargebotener Auftritt zu Ende. Primal Fear haben alles richtig gemacht.

Asking Alexandria

Nun ist es an der Zeit für eine Horizonterweiterung. Mit Asking Alexandria hatte ich in der Vergangenheit, abgesehen vom einen oder anderen gelesenen Review keine Berührungspunkte. Nach einigen Songs bestätigt sich dann auch meine Vermutung, weshalb das so ist. Mit dem dargebotenen Metalcore kann ich persönlich nämlich nur bedingt etwas anfangen. Aber in der Nachmittagshitze unter strahlendem Sonnenschein verbreiten die Briten viel gute Stimmung im Publikum, das fleissig hüpft und im Kreis rennt.

Etwas überrascht bin ich ob der relativ lichten Reihen. Es ist während des ganzen Konzerts genügend Platz vorhanden, damit wir nicht dicht gedrängt vor der Bühne stehen müssen. Die Band macht dabei ihre Sache auf der Bühne ganz gut, ist aktiv und sucht immer wieder den Kontakt zu den Fans. Objektiv der einzige Kritikpunkt ist die nach zwei Dritteln des Sets platzierte Ballade „Someone, Somewhere“, die leider eher emotionslos wirkt und den Fluss des Auftritts sehr stark unterbricht. Als Folge davon sind die Zuschauer bei den letzten drei Songs um einiges ruhiger und gemütlicher unterwegs. Zusammengefasst kein schlechter Auftritt, abgesehen von der erwähnten Ballade.

Månegarm

Gleich im Anschluss an den Auftritt von Asking Alexandria heisst es: gute Plätze suchen für Månegarm im Temple. Erfreulicherweise sind sogar noch welche in der ersten Reihe am Gitter vorhanden. Damit hätte ich jetzt trotz unseres frühen Erscheinens nicht gerechnet. Aber es hat sich gelohnt, denn als das Konzert beginnt, ist der Zuschauerbereich bis weit über das Zelt hinaus dicht gefüllt.

Als das Intro von „Blodörn“ ertönt, marschieren neben dem eigentlichen Bandtrio zusätzlich Tobias Rydsheim und Martin Björklund an der Gitarre respektive Violine auf die Bühne. Dass sich Martin perfekt in die Band einfügt, hat sich an vergangenen Konzerten ja bereits gezeigt. Umso gespannter bin ich darauf, wie Tobias mit dem Rest Truppe harmonieren wird. Mit dem ersten Track wärmen die Schweden das Publikum perfekt auf, um es danach mit „Tagen av daga“ tanzen zu lassen. Bassist und Sänger Erik Grawsiö schafft es mal wieder nicht, sich das Schmunzeln ganz zu verkneifen. Allerdings bringt er es heute fast den vollständigen Auftritt hindurch fertig, sein böses Gesicht aufzubehalten. So auch beim folgenden „Hordes of Hel“.

Der Sound ist von Beginn weg ganz in Ordnung und bleibt dies auch beinahe bis zum Ende. Die Zuschauer sind genauso wie die Band topmotiviert und mit viel Energie bei der Sache. Spätestens ab „Nattsjäl, drömsjäl“ gibt es bei jedem Lied ein Circle Pit und zwischendurch rudert das Zelt, was das Zeug hält. Die Staubentwicklung ist mittlerweile unglaublich und führt zu tränenden Augen allerseits (Erik: „I’m not crying, it’s just dust, you know.“). Die dritte Reihe hat derweil einen Wall gebildet und beschert uns so ein stossfreies Konzerterlebnis. Herzlichen Dank dafür. Mit „Fimbultrollet“ und „I evig tid“ kommen auch zwei ältere Songs zum Zuge bevor die aktuelle Hymne „Odin Owns Ye All“ vorgetragen und von vielen Fans mitgesungen wird. Das Solo spielt überraschenderweise nicht Markus Andé sondern Tobias, der topmotiviert auf der Bühne steht und damit perfekt zur Band passt.

Somit neigt sich das Konzert bereits dem Ende zu aber ein spezieller Song darf nicht fehlen. Die Rede ist von „Hemfärd“, an das wie immer in seiner Live-Version der Schluss von „Vinternattskväde“ angehängt wird. Zum Schluss wird klar: bei diesem Konzert hat alles gestimmt. Månegarm sind auf der Bühne einfach eine Macht und haben einmal mehr einen fantastischen Auftritt hingelegt. Das Publikum scheint mit mir einig zu sein und verabschiedet die Band unter grossem Applaus. Mein persönliches Festivalhighlight steht somit bereits fest.

Zeal & Ardor

Direkt nach Ende des Konzerts von Månegarm begeben wir uns zum Valley-Zelt, um dem Auftritt von Zeal & Ardor beizuwohnen. Mein vorgängiges Prelistening hat dem Gospel-Black Metal-Projekt um den Basler Manuel Gagneux das Prädikat „interessant“ eingebracht, jetzt will ich mich davon überzeugen, wie das ganze live wirkt. Wir treffen ein, als die Band soeben das Intro hinter sich lässt und mit „In Ashes“ loslegt. Nach dem folgenden „Servants“ ist mir bereits klar, dass das Prädikat „interessant“ live durch „überzeugend“ ersetzt werden kann, ein Eindruck, der sich mit „Row Row“ nur noch verstärkt.

Die ganze Band spielt sehr engagiert, dabei sticht der eindringliche Gesang besonders heraus. Denis Wagner und Marc Obrist erzeugen in ihren Chorpassagen – besonders in „Come on Down“ und „Gravedigger’s Chant“ – eine packende Stimmung, während Manuel die Screams in „Blood in the River“ und mehr als alles andere in „Don’t you dare“ mit riesiger Inbrunst singt. Das geht so richtig unter die Haut.

Kombiniert mit den repetitiven gospelartigen Passagen resultiert daraus eine fesselnde und sehr atmosphärische Darbietung. Ohne grosses Drumherum schafft es die Band, das Publikum alleine durch die Musik richtig in ihren Bann zu ziehen. Unterstützt wird der Auftritt von einem glasklaren Sound, aus dem sämtliche Instrumente und Stimmen gut heraushörbar sind. Die Stimmung im Publikum ist passend zum beschwörenden Charakter der Lieder grösstenteils aufmerksam ruhig. In den vorderen Reihen gibt es allerdings durchaus eine stattliche Anzahl Fans, welche die einzelnen Songs textsicher mitsingen. Zeal & Ardor sind definitiv meine Festivalentdeckung und auf der Bühne eine ganze Liga besser als ab Konserve.

Arch Enemy

Für eine Pause ist keine Zeit, den Schlag auf Schlag geht es weiter mit Arch Enemy. Die Melodic Death Metal-Band spielt auf der Mainstage 2 und kaum sind die ersten Töne von „The World is yours“ angespielt, startet auch schon der Moshpit. Interessanter Funfact am Rande: zu neun der zehn gespielten Stücken gibt es einen offiziellen Videoclip. Nur „First Day in Hell“ fällt hier aus dem Rahmen. Die Setlist konzentriert sich vor allem auf die beiden Alben Will to Power und War Eternal. Die Stimmung unter den Zuschauern ist ausgelassen und während der Moshpit beständig in Bewegung ist, tragen wir Crowdsurfer um Crowdsurfer nach vorne.

Auf der Bühne ist die Stimmung ebenfalls gut und Sängerin Alissa White-Gluz kickt, kauert und headbangt sich durch die Songs, dass sie den Fans in Punkto Energie in nichts nachsteht. Vom einheimischen Publikum besonders goutiert werden die französischen Teile ihrer Ansagen, die dank ihrer Montrealer Herkunft mehr als nur Bonjour und Merci beinhalten. Leider ist die Sängerin im Mix zu leise und geht so in der Gesamtheit eher unter. Die Zuhörer kümmert das jedoch nicht und die Action vor der Bühne lässt nicht nach, bis das Konzert nach „Nemesis“ zu Ende geht. Für mich geht es nun zur Krankenstation, da ich mich gleich zu Beginn des Auftritts leicht verletzt habe.

Amorphis

Da das Sanitätszelt direkt an den Altar angrenzt, muss ich jedoch nicht auf den Beginn von Amorphis verzichten. Die finnische Combo legt los mit „The Bee“ vom dieses Jahr erschienenen Album Queen of Time. Der Song ist packend gespielt und wirkt doch ein Stück härter als auf der Aufnahme. Auch das folgende „The Golden Elk“ muss ich noch durch die Zeltwand hören, aber dann ist der Finger verarztet und ich kann mich zu meinen Freunden vor die Bühne begeben.

Die zahlreich erschienen Besucher beklatschen die Stücke frenetisch und da und dort sehe ich headbangende Zuschauer – ein Anblick, der hier am Hellfest eher Seltenheit geniesst (dafür haben die Franzosen sonst ganz viel Freude an Circle Pits). Der Band ist die Freude über so viel Zuspruch anzusehen und Sänger Tomi Joutsen bedankt sich immer wieder bei allen Anwesenden für ihr Erscheinen und ihre Unterstützung. Der Sound ist ebenfalls gut, was man bei einer Positionierung direkt vor dem Mischpult natürlich erwarten darf. Eine Show von Amorphis zu besuchen, wurde mir bereits mehrere Male empfohlen und nach dem Auftritt kann ich diese Empfehlung guten Gewissens weitergeben.

Ensiferum

Mit Ensiferum bleiben wir in Finnland, wechseln dafür aber vom Altar zum Temple. Die Folk Metaller werden mit viel Jubel empfangen und die Zeiger stehen auf gute Laune. Mit „For those about to fight for Metal“ geht es los und der Track entpuppt sich als hervorragender Opener für ein Konzert, bei dem die Ooooohoooohooo-Chöre schön zum Mitsingen einladen. Das folgende „Two Paths“ schafft es nicht ganz, dieses Momentum mitzunehmen. Da wäre ein anderer Song vielleicht die bessere Wahl gewesen. „Heathen Horde“ bringt das Set danach wieder zurück auf Kurs, bevor „From Afar“ und anschliessend „Way of the Warrior“ punkten können. Die Zuschauer sind voll bei der Sache und so wird auch zu „Twilight Tavern“ bei gutem Sound gefeiert und getanzt. Hier hebt sich die Stimmung nochmals ein Stück und man merkt, dass dieser Song sehr beliebt ist bei den Fans

Auch das folgende „Token of Time“ vom Debutalbum der Band wird mit offenen Armen empfangen. Sänger Petri Lindroos hält seine Ansagen zwischen den Stücken eher kurz, stachelt die Menge aber immer wieder an, während die Band spielt. Interessanterweise wird „LAI LAI HEI“ im Anschluss nicht ganz so abgefeiert, wie zu erwarten war, obwohl die Leistung auf der Bühne in keiner Weise zu wünschen übrig lässt. Kurz vor Schluss folgt eine kurze Zäsur durch „Two of Spades“ mit seinem Disco-Mittelteil. Der unterbricht den Konzertfluss leider doch etwas, dauert aber zum Glück nicht allzu lange. Als unvermeidlicher Abschluss kriegen wir natürlich „Iron“ zu hören und die Stimmung ist per sofort wieder auf dem Höhepunkt. So geht ein richtig tolles Konzert zu Ende und Ensiferum können nebenbei in Anspruch nehmen, das grösste Ruderfeld verursacht zu haben: bis zum Mischpult sassen die Zuhörer am Boden und haben gerudert, was das Zeug hält.

Nightwish

Bamm – und schon steht das letzte Konzert des Hellfest 2018 an. Drei Tage sind wie im Flug vergangen, drei Tage voller musikalischer Abwechslung, drei Tage angefüllt mit schönen Momenten. Doch bevor das alles zu Ende ist und diese wundersame Welt wieder verschwindet, werden uns Nightwish hoffentlich würdig zu verabschieden wissen. Die Symphonic Metal Gruppe steigt ein mit „End of all Hope“ und eine gut gelaunte Floor Jansen übernimmt ab ihrem Erscheinen auf der Bühne die Führung des Songs.

Die Tontechniker sind anscheinend auch bereits etwas müde vom Festival und arbeiten noch auf einen besseren Sound hin. Die Band spielt sich in der Zwischenzeit durch sämtliche Alben der letzten zwanzig Jahre. Dabei schafft sie es aber nicht so richtig, mich zu überzeugen. Irgendwie habe ich mir einen Liveauftritt der Finnen eindrücklicher vorgestellt. Die Kompositionen klingen sehr dünn und nur mässig bombastisch. Auch die Band selbst wirkt weniger wie eine eingeschworene Einheit, sondern eher wie Musiker, welche anlässlich eines Projekts gemeinsam einen Auftritt absolvieren. Bei „I want my Tears back“ schafft es Floor mit Freude und einer kleinen Stepptanzeinlage davon abzulenken, aber trotzdem wirkt Troy Donockley mehr wie ein Gastmusiker als ein festes Bandmitglied. Erst beim letzten Stück – „Ghost Love Score“ – blühen Nightwish so richtig auf und beenden ihren Auftritt und damit das Hellfest in passender Art und Weise.

Das Fanzit

Mit einem glücklichen Grinsen auf dem Gesicht verlassen wir das Gelände ein letztes Mal. Noch einmal geniessen wir das Feuer, das überall in den Himmel schiesst, drehen eine Runde über den Hellcity Square mit all seinen toll gestalteten Häusern, recken die Fäuste in die Luft für ein Foto vor einem der überall verteilten Kunstwerke und sind bei alldem doch bereits etwas wehmütig, dass wir nun diese wunderbare Welt verlassen müssen. Es waren drei unvergessliche Tage, die wir hier am Hellfest erleben durften.

Danke für das höllische Abenteuer!

PS: Die Toiletten waren top 😉

After-Trailer – Hellfest 2018


Wie fandet ihr das Festival?

13.08.2018
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