Ragnarök Spektakel - Amphitheater Hüntwangen 2018
Fr–So, 24.–26. August 2018

RAGNARÖK SPEKTAKEL 2018 – ELUVEITIE, HEIDEVOLK U.M.

Amphitheater HW (Hüntwangen, CH)
/ 07.09.2018
Ragnarök Spektakel - Amphitheater Hüntwangen 2018

Der letzte Weltuntergang

Domi the Stick: Das 10-jährige Jubiläum des Ragnarök Festivals 2018 in Hüntwangen ist gleichzeitig auch die allerletzte Ausgabe ebendessen. Umso mehr ist ein weiteres Mal Feiern angesagt. Dies tun wir mit verschiedenen Bands aus dem Folk- und Metalbereich, viel Met und einem grossen Wikinger-Markt. Raphi und ich waren für euch vor Ort; unsere Erfahrungen könnt ihr dem Bericht entnehmen.

Freitag, 24. August 2018

Raphi: Am Freitag stehen die Konzerte im Vordergrund, der Wikinger-Markt ist nur teilweise geöffnet. So begeben wir uns auch gleich vor die Bühne. Das Wetter ist trocken (und wird es im weiteren Verlauf auch bleiben), der Magen gut gefüllt mit Flammkuchen und Plätze mit guter Sicht gibt es auch noch zuhauf. Die Voraussetzungen stimmen also für einen gelungen Konzertabend, der von Solas Dorcha eröffnet wird.

Solas Dorcha

Das Akustikprojekt der Caladmor-Mitglieder interpretiert Folk Songs von nah und fern, wie sie selber schreiben. Die Band lässt öfters einen modernen Touch in ihre Arrangements einfliessen und scheut anscheinend auch vor elektronischen Klängen nicht zurück. Einige der Songs werden aber ganz gewohnt folkig aufgeführt. Publikum ist eigentlich noch keines anwesend, nur vereinzelt stehen einige Interessierte herum und hören zu. Trotzdem wirkt die Band nicht enttäuscht, sondern spielt entspannt ihr Set. Die moderne Schlagseite kommt dabei weniger zwingend rüber als der klassisch folkig gehaltene Anteil des Auftritts. Hervorzuheben sind vor allem die Gesangsleistungen. Die Stimme von Sängerin Babs passt wunderbar zu den Folksongs. Fast noch mehr trifft dies auf Drummer Maedes Stimme zu, weshalb vor allem die Duette sehr zu gefallen wissen. Der zweistimmige Gesang dürfte durchaus noch mehr eingesetzt werden von der Band. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt.

Cruachan

Die unmittelbare Zukunft jedenfalls bringt uns eine Pionierband des Folk Metal. Die Iren von Cruachan haben seit 15 Jahren nicht mehr in der Schweiz gespielt, es wurde also mehr als höchste Zeit, hier wieder einmal ein Konzert zu geben. Dieser Meinung sind heute aber leider nicht viel mehr als 30 bis 40 Fans, so dass Cruachan wie Solas Dorcha zuvor praktisch vor einem leeren Zuschauerbereich spielen. Dass dieser mit den ganzen Markt- und Verpflegungsständen grosszügig angelegt ist, unterstreicht die niedrige Anzahl Zuhörer nur noch mehr. Die Band wirkt dementsprechend auch enttäuscht, kann die Tatsachen aber trotzdem mit Humor betrachten. Sänger Keith Fay fragt denn auch zu Beginn nach, ob wir auf die anderen warten oder ob die Band schon mal beginnen soll. Dies tut sie auch gleich mit «The Sea Queen of Connaught».

Leider ist die Abmischung eine wahre Katastrophe. Sowohl die Geige als auch der Gesang sind nur ansatzweise zu erahnen. Auch das folgende «Born for War (The Rise of Brian Boru)» leidet noch stark unter dem fürchterlichen Sound, bevor dann bei «To Invoke the Horned God» die Ohren endlich erlöst werden. Auch der Rest des Publikums reagiert spürbar auf die Verbesserung des Sounds und es wird je länger je mehr getanzt und den Kopf geschüttelt. Die Band freut sich offensichtlich über den Zuspruch und so steht der restliche Auftritt unter einem guten Stern. Die bekannten Hits «I am Warrior» sowie das tänzerische «The Marching Song of Fiach Mac Hugh» werden natürlich am meisten abgefeiert, aber auch die beiden neuen Stücken «The Harp, the Lion, the Dragon and the Sword» und «Queen of War» fügen sich nahtlos in die Setlist ein und überzeugen auf Anhieb. Besonders ersteres ist perfekt geeignet, um live gespielt zu werden. Gegen Schluss des tollen Auftritts wird als letztes Stück «Blood for the Blood God» angesagt. Die Fans wollen aber noch mehr hören und vor allem wollen sie «Ride On» hören, das einfach immer einen perfekten Abschluss für jede Show der Iren bildet. Die Band lässt sich nicht zweimal bitten und so geht mit der Zugabe ein weiterer starker Auftritt von Cruachan zu Ende.

Heidevolk

Nach einer halbstündigen Umbaupause stürmt der heutige Headliner auf die Bühne. Vor der Bühne sind einige Nasen mehr auszumachen, aber der Publikumsandrang bewegt sich in einem sehr ähnlichen Rahmen wie zuvor bei Cruachan. Heidevolk lassen sich aber nichts anmerken. Topmotiviert legt die Band los mit «Ontwaakt» und die bereits aufgewärmten Fans machen kräftig mit. Die Band spielt eine ähnliche Setlist, wie sie im Frühling im Z7 vorgetragen hat natürlich aufgrund der ausgedehnten Spielzeit erweitert um einige Stücke. Unter freiem Himmel kommt die Musik noch besser zum Tragen als unter Dach. Eine Ausnahme bildet hier nur «Yngwaz‘ Zonen», das in einer Halle, wie sie das Z7 ist, seine choralartige Atmosphäre eindrucksvoller entfalten kann.

Dafür sitzt hier am Ragnarök über die Hälfte der Anwesenden vor der Bühnen auf den Boden und rudert das Schiff westwärts über raue See zu neuen Ufern. Die Stimmung ist ausgelassen und mit Krachern der Marke «Tiwaz» oder dem aktuellen Hit «A Wolf in my Heart» (heute auf Englisch gesungen mit dem letzten Refrain auf Niederländisch) liefern Heidevolk genau den richtigen Brennstoff für ein gutes Fest. Besonders toll ist heute «Britannia», dafür bricht bei «Saksenland», obwohl überzeugend gespielt und gesungen, keine ganz so grosse Party aus, wie ich erwartet hätte. Vielleicht liegt das aber auch einfach daran, dass sowieso bereits überall geheadbangt und mitgesungen wird. Die beiden Sänger Lars Nachtbraecker und Jacco de Wijs heizen die Stimmung immer wieder an sowohl zwischen als auch während den Songs. Auch Rowan Roodbaert wendet sich immer wieder an das Publikum, wobei er die „Rampensau-Qualitäten“ der anderen beiden aber leider etwas vermissen lässt. Da ihm seine Freude jedoch anzusehen ist, stört dies das Konzerterlebnis nicht wirklich. Gegen Ende hin gibt es dann einen kleinen Block mit Trinklieder wie «Drankgelag» bevor das Konzert schliesslich zum Abschluss kommt. Kaum ist das Wort „Zugabe“ ausgesprochen, ertönt aus dem Publikum bereits der Ruf nach dem mächtigsten und urtümlichsten aller Krieger. Die Band greift den Vorschlag umgehend auf und so beenden Heidevolk mit «Vulgaris Magistralis» schwungvoll ihr tolles Konzert.

Bis jetzt hat der Weltuntergang echt Spass gemacht, ruhen wir uns also etwas aus, um morgen wieder fit zu sein.

Samstag, 25. August 2018

Raphi: Nach einer erholsamen Nacht verbringen wir den Tag auf dem Wikinger-Markt und vertreiben uns die Zeit bis zum Konzertbeginn am Abend. Mittlerweile sollte auch der Rest des Metalinside-Teams unterwegs sein. Domi, was hast du zu berichten?

Domi the Stick: Das letzte Ragnarök ist mein allererstes, und leider bin ich selber nur heute anwesend. Ich reise also genug früh an und bin gespannt, was mich erwartet. Parkplatztechnisch läuft alles super, die Verkehrskadetten der Abteilung Zürich-Unterland weisen die ankommenden Fahrzeuge ein. Auch der Einlass funktioniert ohne Probleme, wenn die Helfenden auch ein wenig unorganisiert wirken.

Ich begebe mich zu den unzähligen Ständen, welche alles Mögliche aus alten und auch neuen Zeiten anbieten. Von Kleidungsstücken im alten Stil über Waffen und Artefakte zu verschiedenen Lebensmitteln wie Langosh, Fleischspiessen und Likören (Anm. Raphi: nicht zu vergessen, der hervorragende Flammkuchen) ist alles zu haben. Auch die heute Abend spielenden Musiker treiben sich auf dem Markt rum inklusive Eluveitie-Fronter Chrigel mit Familie. Es ist kalt – zumindest im Vergleich mit der Hitze der letzten paar Wochen – und zeitweise fallen auch kalte Regentropfen vom Himmel. Im grossen Zelt, in dem sich Bar und Merchstand sowie auch jede Menge Festbänke befinden, kann man sicher aber aufwärmen – wenn man denn einen Platz findet.

Um 18 Uhr, eine Stunde vor Konzertbeginn, wird der Bereich vor der Bühne noch einmal geräumt. Auch hier gibt es nämlich Stände, die man mit dem Markt-Ticket besuchen kann. Damit aber den Konzerten wirklich nur jene Leute beiwohnen, die auch ein Konzertticket besitzen, ist diese Massnahme nötig. Das Ganze ist bei den wenigen Besuchern gut machbar und führt zum angenehmen Nebeneffekt, dass man nicht schon Stunden vor der Bühne verharren muss, um einen guten Platz zu ergattern.

Caladmor

Domi the Stick: Um 19 Uhr ertönen dann, neben den drei Soundchecks vom Nachmittag, die ersten Klänge aus den Bühnenboxen. Sängerin Babs und die vier Jungs an den Instrumenten geben von Anfang an Vollgas – oder probieren dies zumindest. Man sieht: Die Band ist bemüht; sie wollen alles geben. Leider spielen aber nicht alle Faktoren so zusammen, wie sie sollten: Die hohe Bühne, das Wetter, die nicht allzu zahlreich versammelten Besucher vor der Bühne, der anfangs nicht gut abgemischte Sound… Ohne Zweifel hat die Band aber Potential, was man auch während der zweiten Hälfte des Konzerts merkt. Mein persönlicher Augenfang ist Drummer Maede, der neben dem reinen Rumtrommeln auch für die Growls und einen Teil des Klargesangs zuständig ist. Vor allem der Klargesang kommt aber nicht druckvoll genug rüber und ist, vor allem dann, wenn Babs auch singt, nur am Rande wahrnehmbar. (Anm. Raphi: Das Problem ist vor allem, dass Maede aufgrund seiner Pflichten als Schlagzeuger den Kopf nicht immer ganz zum Mikrofon drehen kann und so vermutlich nicht allzu viel Signal eingefangen werden kann. Vielleicht wäre ein Headset-Mikro eine Überlegung wert?)

À propos Babs: Gegen Schluss kippt auch sie mal den Schalter um und röhrt brutale Growls ins Mikro – und damit Maede wieder an die Wand. Alles in allem ein guter Auftritt, der als Opener auf diesem Festival eindeutig würdig ist.

Raphi: Da bin ich ganz deiner Meinung: Caladmor konnten nicht ihr ganzes Potential ausschöpfen, aber dennoch den Samstag Konzertmässig gut eröffnen.

Abinchova

Domi the Stick: In der Pause begebe ich mich auf Essensjagd. Die ersten beiden Stände sind leider praktisch ausverkauft, und beim Langosh-Stand, wo ich mich schlussendlich anstelle, muss man doch einen Moment warten, bis alle bedient sind (Anm. Raphi: Ich sag nur: Flammkuchen…). Dass dann Abinchova noch fünf Minuten früher als geplant beginnt, bewirkt, dass ich sowohl das Präludium des neuesten Albums sowie den ersten Track «Weltenwanderer» von weiter hinten reinziehen muss. Von Beginn an sind die Luzerner um einiges mächtiger unterwegs als ihre Opener: Arnaud brüllt sich die Lunge aus dem Leib; Mischa trommelt, als gäbe es kein Morgen; die ganze Band groovt richtig. So muss es sein!

Im Gegensatz zum Z7-Konzert im Juli, bei dem Abinchova Eluveitie aufgrund Chrigels Krankheit kurzfristig ersetzten, stehen heute auch einige ältere Songs auf der Setliste. Es sind dies «Vom Grünen Grund», «Handgeschrieben» sowie das typischerweise zum Schluss gespielte «Echo». Zwischen den Stücken gibt es immer wieder sympathische Kommentare von Frontmann Arnaud, wenn auch einige Sprüche (gezwungenermassen) recyclet werden.

Noch immer sind nicht extrem viele Leute anwesend, aber viel mehr werden wohl auch nicht mehr kommen. Man hat auch in den vorderen Reihen noch genügend Platz um sich herum, was wohl unter anderem an der hohen Bühne liegt, welche es unangenehm macht, allzu weit vorne zu stehen. Die Stimmung in der Menge ist super. Es wird geklatscht, mitgejohlt und geheadbangt. Spass ist bei allen vorhanden!

Raphi: Jawohl, Abinchova wissen hier und heute vollends zu überzeugen. Da stimmt einfach alles: der Sound, die Stimmung und mehr als alles andere die Energie auf der Bühne.

Eluveitie

Domi the Stick: Während Abinchova zu früh begann, betreten die Headliner leicht verspätet die Bühne. Ob es da vielleicht noch Probleme gab? Der erste Song ist «The Gaulish War», und auch wenn Chrigel eigentlich wieder gesund sein sollte, hört man ihn nicht (Anm. Raphi: und das obwohl Eluveitie den ganzen Nachmittag lang Soundcheck gemacht haben). Ich bin mir nicht sicher, ob er dies selber überhaupt bemerkt; er brüllt und schreit ins Mikrofon, als wäre nichts geschehen. Erst nach mehreren Minuten scheint dann der Tontechniker den richtigen Riegel gefunden zu haben und ab jetzt ist der Sound super abgemischt. Chrigel ist top fit unterwegs und markiert einmal mehr, wer hier das sagen (brüllen) hat.

Nach nur zwei weiteren Songs – «King» und «Nil» – fragt Chrigel die Menge, ob sie Lust auf eine Akustik-Session, also Songs des neuesten Werks «Evocation II – Pantheon», habe. Dumme Frage, der Jubel des Publikums lässt keine Zweifel im Raume stehen. Es folgen also vier solcher Songs, bevor die Winterthurer mit «Thousandfold» wieder so richtig auf den Putz hauen. Für mich ist der beste Teil der Setliste schon vorbei: die vier Evocation-Songs umrandet von zwei Everything Remains As It Never Was-Songs. Was will man mehr?

Es geht weiter mit Songs von verschiedenen Alben. «De Ruef Vo De Bärge» wird komplett in Schweizerdeutsch vorgetragen. Desweiteren gibt es ein erstklassiges Drumsolo von Mischa sowie ein Gesangssolo von Frontfrau Fabienne. À propos Fabienne, ich bleibe bei meiner Meinung: Auch wenn sie Anna bei vielen Songs nicht zu ersetzen vermag (da wird halt einfach zu fest verglichen), interpretiert sie ihre Stellen auf ihre eigene Weise. Bei den «eigenen» Songs, also denen vom Akustikalbum, brilliert sie dafür umso mehr.

Zum Abschluss zocken Chrigel und Co. «Alesia», den allerneusten Song «Rebirth» sowie das wie gewohnt als Abschluss dienende «Inis Mona». Dabei gehen sowohl die Musiker als auch das Publikum noch ein letztes Mal ab. Die Show scheint allen gefallen zu haben, was die Menge auch nach dem letzten Ton noch gebührend klar macht. Grandios!

Das Fanzit

Domi the Stick: Dass das Ragnarök Spektakel in Zukunft nicht mehr stattfinden wird, ist auf jeden Fall schade. Zum Abschied haben aber – trotz nicht allzu gutem Wetter – Veranstalter, Standbetreiber, Musiker und Besucher dazu beigetragen, dass man zusammen noch einmal eine gute Zeit verbringen kann. Caladmor hat nach einem etwas schwachen Start doch noch den Rank gefunden; Abinchova haben die Menge so richtig aufgeheizt; Eluveitie haben das Publikum zum Kochen gebracht. Was für ein Abend!

Raphi: Auch der Freitag war einem letzten Ragnarök absolut würdig. Heidevolk haben ihre Headlinerqualitäten gezeigt und Cruachan war endlich wieder einmal in der Schweiz zu sehen. Zusammen mit Solas Dorcha als Opener und dem Ambiente des Wikinger-Marktes ergab dies einen mehr als sehens- und hörenswerten Konzertabend. Schade, haben sich nicht mehr Zuschauer eingefunden, um die Konzerte mitzuerleben.

Setliste Abinchova

  1. Präludium
  2. Weltenwanderer
  3. Lichtfänger
  4. Vom Grünen Grund
  5. Liedermacher
  6. Gestaltenwandler
  7. Gewässerdieb
  8. Schatzhüter
  9. Handgeschrieben
  10. Sennenpuppe
  11. Echo

Setliste Eluveitie

  1. Your Gaulish War
  2. King
  3. Nil
  4. Lvgvs
  5. Catvrix
  6. Artio
  7. Epona
  8. Thousandfold
  9. Quoth The Raven
  10. De Ruef Vo De Bärge
  11. A Rose For Epona
  12. Drum Solo
  13. Havoc
  14. Tegernakô
  15. Alesia
  16. Rebirth
  17. Inis Mona

Wie fandet ihr das Festival?

/ 07.09.2018
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