Angelus Apatrida – Angelus Apatrida (CD Cover Artwork)
Fr, 5. Februar 2021

Angelus Apatrida – Angelus Apatrida

Thrash Metal
09.02.2021
Angelus Apatrida – Angelus Apatrida (CD Cover Artwork)

Die Thrash-Engel aus Albacete

Seit etwas mehr als zwei Dekaden wütet das spanische Dreschflegel-Quartett Angelus Apatrida durch die metallische Weltgeschichte. Dieser beachtenswerte Meilenstein sollte im vergangenen Jahr eigentlich würdevoll zelebriert werden. Die geplanten Feierlichkeiten fielen allerdings aufgrund der uns allen inzwischen mehr als nur aus dem Hals raushängenden Thematik ins Wasser. Spanien hatte darunter besonders heftig zu leiden…

Wie viele andere haben auch Guillermo Izquierdo, David G. Álvarez, José J. Izquierdo und Víctor Valera die «befohlene Gefangenschaft» dazu genutzt, um emsig an neuem Material zu feilen. Das frisch produzierte Liedgut feuert gepfefferte Salven gegen den Missbrauch der Menschenrechte ab. Da haben die Herrschaften in ihrem eigenen Land offenbar einige Missstände zu beklagen. Ein kritischer Blick in den Spiegel, während um einen herum das pure Chaos tobt. Zudem hat die Pandemie die ganzen Effekte intensiv verstärkt.

Studioalbum Nummer sieben hört – völlig simpel gehalten – auf den Namen «Angelus Apatrida» und wird am 05. Februar 2021 bei Century Media Records erscheinen. Hinter dem mit diversen «Eastereggs» gefüllten Artwork steckt Gyula Havancsák, der ebenfalls schon mit Grössen wie Annihilator, Stratovarius oder Grave Digger zusammengearbeitet hat.

Ob sich die «thrashigen» Engel mit ihrem neusten Werk wieder ein bisschen mehr ins Rampenlicht befördern können? Momentan stehen ihnen dort nämlich – zumindest gemessen an der Popularität – meist ihre Landsleute von Crisix vor der Sonne.

Das Album – «Angelus Apatrida»

Der Opener «Indoctrinate» gibt bereits schonungslos den Tarif durch. Wuchtiger, aggressiver und schneller Thrash Metal mit akuter Kieferbruch-Gefahr! Freilich im Sinne von Death Angel. Allerdings befinden wir uns nicht irgendwo in der legendären Bay Area, sondern auf der Iberischen Halbinsel. Knackende Nackenwirbel sind schliesslich keinesfalls an irgendwelche Regionen oder speziellen Zonen gebunden.

Der nächste Track bringt eine kräftige Dosis Groove ins Spiel. «Bleed The Crown» weist deshalb anfangs fraglos Parallelen zu Lamb Of God auf. Danach driftet man jedoch eher in die Gefilde von Testament ab. Damit gewinnen die Herren zwar keinen Preis in der Kategorie «Innovation», aber der Sound dürfte Genre-Liebhaber, die sowieso oftmals an altbewährten Rezepten festhalten, trotzdem locker vom Hocker reissen.

«The Age Of Disinformation» – an diesem Titel hätte die kürzlich aus dem Weissen Haus ausgezogene, selbstverliebte, cholerische, mit Grössenwahn-Komplex ausgestattete «Orangenfrucht in Menschengestalt» garantiert jede Menge Freude. Die Bezeichnung «fake news» hat dieses Wesen ja erwiesenermassen unter anderem in unzähligen «Zwitschernachrichten» salonfähig gemacht. Musikalisch ist das ein echter Wachrüttler! Fronter Guillermo und seine Kumpels heben den Mahnfinger. «Seid niemals zu leichtgläubig und naiv» – so könnte beispielsweise die versteckte Botschaft hinter diesen Zeilen lauten. Vor der packenden Saitenhexerei zieht der Hörer nur allzu gerne den Hut.

Während bis hierhin primär längere Kompositionen den Ton angegeben haben, folgen jetzt mit «Rise Or Fall» und «Childhood’s End» zwei Stücke, die um die dreieinhalb-Minuten-Marke herumtanzen. Messerscharf und temporeich – das wären definitiv optimale Charakterisierungen für dieses wilde Doppelpack. Die Verfolgung der flinken Finger mutiert beinahe zu einer Herkulesaufgabe. Mit solch einem rasanten Fahrstil würde der Vierer bei uns in der Schweiz garantiert mit jedem Blitzkasten liebäugeln.

Stehen auf der anderen Seite dafür Verschnaufpausen in Aussicht, wenn die Akteure vorrübergehend den Fuss vom Gaspedal nehmen? Weit gefehlt! Diese vermeintlich gemässigteren Augenblicke entpuppen sich wegen fiesen Rhythmen als giftige Nacken-Zerstörer. Obendrein sorgen die Tempowechsel für Abwechslung und Spannung. All das kann bei «Disposable Liberty» bestens beobachtet werden.

Oha, bereits die ersten Sequenzen von «We Stand Alone» schreien nach Eskalationen! Stürzt euch zu dieser Beschallung idealerweise mit einem lauten «Vamos!» in den Pit. Dort geht es dann schlichtweg um das nackte Überleben. Dieser Partykracher fördert wahrlich das Aufeinanderprallen von schweissgebadeten Körpern (allfällige Kopfkino-Interpretationen zu diesem Szenario seien ganz euch selbst überlassen. Ich übernehme hierfür null Verantwortung).

Beim darauffolgenden «Through The Glass» prallen die Welten von Testament und Destruction aufeinander. Ein Gemisch, welches exakt ins Schwarze trifft. Gnade ist für Angelus Apatrida offenbar ein Fremdwort. Die Jungs ziehen ihr Ding unbeeindruckt durch. Das gilt ebenfalls für den Song «Empire Of Shame». Anwärter für den Titel «Imperium der Schande» gäbe es wahrscheinlich ausreichend. Die letzten Wochen und Monate haben uns schliesslich deutlich vor Augen geführt, dass auf diesem Planeten und in unserer Gesellschaft traurigerweise einiges im Argen liegt.

Ehe der Vorhang fällt, ballern uns die heissblütigen Prügelknaben zum Abschluss «Into The Well» um die Ohrmuscheln. Wie bei inzwischen zahlreichen Alben aus dem metallischen Sektor üblich, spart man sich die längste Hymne stets fürs Finale auf. Das Teil reiht sich nahtlos in die restliche Lärm-Abteilung der Scheibe ein.

Das Fanzit Angelus Apatrida – Angelus Apatrida

Aus ihren Inspirationsquellen machen Angelus Apatrida ehrlich gesagt keinen Hehl. Sie versuchen klar, die Bay Area auch in Europa zu etablieren. Das gibt jetzt nicht unbedingt Bonuspunkte für Innovative Kunst, aber am Ende des Tages liefern die Spanier trotzdem lupenreinen Thrash Metal ab, der die Herzen ihrer Kutten tragenden Anhängerschaft direkt höherschlagen lässt. Da wird eh nie ein Hahn nach einer «Genre-Revolution» krähen. Das ultraschnelle, angriffslustige, kompromisslose Liedgut erfüllt genau seinen Zweck. Das will ein «Dresch-Jünger» nun einmal hören. Hinzu kommt eine blitzsaubere Produktion. Damit kann das Quartett sein 20-jähriges Bestehen zurecht zelebrieren (das sei nämlich die Kernaufgabe des Silberlings). Und vor den etwas jüngeren Crisix müssen sie sich keinesfalls verstecken!

Empfehlenswerte Hörproben: «Indoctrinate», «Childhood’s End», «We Stand Alone»

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Tracklist Angelus Apatrida – «Angelus Apatrida»

  1. Indoctrinate
  2. Bleed The Crown
  3. The Age Of Disinformation
  4. Rise Or Fall
  5. Childhood’s End
  6. Disposable Liberty
  7. We Stand Alone
  8. Through The Glass
  9. Empire Of Shame
  10. Into The Well

Line Up – Angelus Apatrida

  • José J. Izquierdo – Bass
  • Víctor Valera – Drums
  • Guillermo Izquierdo –Gesang/Lead- und Rhythmusgitarre
  • David G. Álvarez – Lead- und Rhythmusgitarre

Video Angelus Apatrida – Indoctrinate

 


Album Review Bewertung

Autor Bewertung: 8/10



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09.02.2021
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